Geſchichte der Kunſt
des Alterthums.


Zweyter Theil.
[Abbildung]
Mit Koͤnigl. Pohlniſch- und Churfuͤrſtl. Saͤchſ. allergnaͤdigſten Privilegio.


Dresden, 1764.
Jn der Waltheriſchen Hof-Buchhandlung.


[Abbildung]
Geſchichte der Kunſt des Alterthums.
Zweyter Theil.


Nach den aͤußeren Umſtaͤnden der Zeit unter
den Griechen betrachtet.

Der zweyte Theil dieſer Geſchichte iſt, was wir im engeren Verſtan-Vorbericht
des zweyten
Theils.

de Geſchichte nennen, und zwar der Schickſale der Kunſt unter
den Griechen, in Abſicht der aͤußeren Umſtaͤnde von Griechen-
land betrachtet, welche den groͤßten Einfluß in die Kunſt haben. Denn die
Wiſſenſchaften, ja die Weisheit ſelbſt, haͤngen von der Zeit und ihren Ver-
aͤnderungen ab, noch mehr aber die Kunſt, welche durch den Ueberfluß,
und vielmals durch die Eitelkeit, genaͤhret und unterhalten wird. Es war

alſo
R r 2

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
alſo noͤthig, die Umſtaͤnde anzuzeigen, in welchen ſich die Griechen von Zeit
zu Zeit befunden haben, welches kuͤrzlich, und bloß in Abſicht auf unſer
Vorhaben geſchehen wird; und aus dieſer ganzen Geſchichte erhellet, daß es
die Freyheit geweſen, durch welche die Kunſt empor gebracht wurde. Da ich
nun eine Geſchichte der Kunſt, und nicht der Kuͤnſtler, geben wollen, ſo ha-
ben die Leben von dieſen, welche von vielen andern beſchrieben ſind, hier
keinen Platz; aber ihre vornehmſten Werke ſind angegeben, und einige ſind
nach der Kunſt betrachtet. Aus angezeigtem Grunde habe ich auch nicht
alle Kuͤnſtler, deren Plinius und andere Scribenten gedenken, namhaft
gemacht, zumal wenn die bloße Anzeige ihrer Namen und Werke, ohne
andere Nachrichten, nichts lehren konnte. Von den aͤlteſten Griechiſchen
Kuͤnſtlern aber iſt ein genaues Verzeichniß, nach der Folge der Zeit, bey-
gebracht; theils weil dieſe von den Neueren bloß hiſtoriſchen Scribenten
der alten Kuͤnſtler, mehrentheils uͤbergangen ſind, theils weil ſich in der
Anzeige ihrer Werke einigermaßen der Wachsthum der aͤlteſten Kunſt of-
fenbaret. Mit dieſem Verzeichniſſe, als mit den aͤlteſten Nachrichten,
fange ich dieſe Geſchichte an.

I.
Von der Kunſt
der aͤlteſten
Zeiten bis auf
den Phidias.

Die Kunſt wurde von dem Daͤdalus an ſchon in den aͤlteſten Zeiten
geuͤbet, und von dieſes beruͤhmten Kuͤnſtlers Hand waren noch zu des
Pauſanias Zeiten Bildniſſe in Holz geſchnitzet uͤbrig, und er ſaget, daß
A.
Verzeichniß
der beruͤhmte-
ſten Kuͤnſtler
dieſer Zeit.
ihr Anblick bey aller ihrer Unfoͤrmlichkeit etwas Goͤttliches gehabt habe 1).
Zu gleicher Zeit lebete Smilis 2), des Eucles Sohn, aus der Jnſel Ae-
gina, welcher eine Juno zu Argos, und eine andere zu Samos machte;
und vermuthlich iſt Skelmis beym Callimachus 3) eben derſelbe. Denn
er war einer der aͤlteſten Kuͤnſtler, und dieſer Dichter redet von einer hoͤl-
zernen Statue der Juno von ſeiner Hand: man wird alſo anſtatt Skel-

mis
1) Pauſan. L. 2. p. 121. l. 6.
2) Id. L. 7. p. 531. l. 5.
3) Fragm. 105. p. 358.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
mis leſen muͤſſen Smilis *). Einer von den Schuͤlern des Daͤdalus
war Endoeus 1), welcher jenem nach Creta gefolget ſeyn ſoll. Nach
dieſer Fabelzeit iſt eine große Luͤcke in der Geſchichte der Kuͤnſtler, und bis
auf die achtzehnte Olympias findet ſich von keinem derſelben Nachricht.
Damals machte ſich der Maler Bularchus 2) beruͤhmt, unter deſſen Ge-
maͤlden eine Schlacht mit Golde aufgewogen wurde. Faſt um eben die
Zeit muß Ariſtocles von Cydonia, aus Creta, gelebet haben: denn man
ſetzet ihn, ehe die Stadt Meſſina in Sicilien ihren alten Namen Zancle
aͤnderte 3), welches vor der neun und zwanzigſten Olympias geſchah 4).
Von demſelben war zu Elis ein Hercules, welcher mit der Amazone An-
tiope, zu Pferde, um ihren Guͤrtel ſtritte. Nachher macheten ſich 5) Ma-
las,
aus der Jnſel Chio, deſſen Sohn Micciades, und Enkel Anther-
mus
beruͤhmt: die Soͤhne dieſes letztern waren Bupalus und Anther-
mus
in der ſechzigſten Olympias, welche Kuͤnſtler unter ihren Voreltern
bis zur erſten Olympias zaͤhleten. Damals bluͤheten auch Dipoenus und
Scyllis, welche Pauſanias 6) ſehr irrig fuͤr Schuͤler des Daͤdalus an-
giebt; es muͤßte denn derſelbe ein juͤngerer Daͤdalus ſeyn, ſo wie nach dem
Phidias, ein Bildhauer dieſes Namens aus Sicyon bekannt iſt. Jhre
Schuͤler waren 7) Learchus, von Rhegium in Großgriechenland, Dory-
clidas
und Dontas, beyde Lacedaͤmonier, und 8) Tectaͤus und Ange-
lio,
die einen Apollo zu Delos macheten, welches vielleicht derjenige iſt,
von welchem viele Stuͤcke nebſt der Baſe mit der beruͤhmten Jnſchrift, noch
zu Ende des vorigen Jahrhunderts, auf der Jnſel Delos waren. Jn eben

dieſe
*) Man ſieht in Bentleys Anmerkungen uͤber dieſen Ort, wie mancherley Muthmaßun-
gen von andern ſowohl, als von ihm, uͤber dieſen Namen gemachet ſind.
1) Pauſan. L. I. p. 62. l. 27.
2) Plin. L. 35. c. 34.
3) Pauſan. L. 5. p. 445.
4) Idem L. 4. p. 337. l. 18.
5) Plin. L. 36. c. 5.
6) Pauſan. L. 2. p. 143. ad fin. p. 165. ad fin.
7) Idem L. 2. p. 251. ad fin.
8) Idem L. 2. p. 187. l. 24.
R r 3

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
dieſe Zeit wird Ariſtodemon von Argos 1), Pythodorus von Theben 2),
nebſt dem Damophon von Meſſene 3), zu ſetzen ſeyn: dieſer machete
zu Aegium in Achaja 4) eine Juno Lucina von Holz mit den aͤußeren Thei-
len von Marmor. Von eben demſelben war auch 5) ein hoͤlzerner Mercu-
rius und Venus zu Megalopolis in Arcadien. Laphaes 6), deſſen Apollo
im alten Stile zu Aegira in Achaja war, muß ohngefaͤhr dieſer Zeit nahe
ſeyn. Bald nachher that ſich Demeas 7) hervor, von welchem eine Sta-
tue des Milo von Croton, zu Elis gearbeitet wurde; und dieſes muß nach
der ſechzigſten Olympias geſchehen ſeyn, wie man aus den Zeiten des
Pythagoras ſchließen kann 8), und ſonderlich, weil vor der ſechzigſten
Olympias, den Ringern, wie Milo war, zu Elis keine Statuen geſetzet
wurden 9). Auf ihn folgeten Stomius und Somis, welche vor der
Schlacht bey Marathon bluͤheten 10), und Callon 11), der Schuͤler des
Tectaͤus. Von dieſem waren fuͤnf und dreyßig Statuen junger Leute von
Erzt, zu Elis, als Bildniſſe von eben ſo viel jungen Meſſeniern aus Sici-
lien: die gelegentliche Begebenheit zu dieſen Statuen erzaͤhlet Pauſanias.
Zu gleicher Zeit mit dem Callon, lebeten Menaͤchmus und Soidas von
Naupaclus 12); dieſer machete eine Diana von Elfenbein und Golde, in
ihrem Tempel zu Patraͤ. Ferner bluͤheten Hegias und Ageladas 13), der
Meiſter des Polycletus, welcher unter andern den Cleoſthenes, der in
der ſechs und ſechzigſten Olympias den Sieg erhielt, auf einen Wagen zu
Elis vorſtellete. Einer von deſſen Schuͤlern, Aſcarus 14), machte einen
Jupiter zu Elis mit einem Kranze von Blumen. Jn dieſe Zeit waͤre

etwa
1) Pauſan. L. 10. p. 801. l. 11.
2) Id. L. 9. p. 778. l. 22.
3) Id. L. 7. p. 582. lin, ult.
4) Ibid.
5) Id. L. 8. p. 665. l. 15.
6) Id. L. 7. p. 592. l. 25.
7) Id. L. 6. p. 486. l. 1.
8) Bentley’s Difſ. upon de Ep. of Phalar. p. 72. ſq.
9) Pauſan. L. 6. p. 497. l. 8.
10) Ibid. p. 488. l. 20.
11) Id. L. 5. p. 443. l. 15.
12) Id. L. 7. p. 570. l. 1.
13) Id. L. 6. p. 476.
14) Id. L. 5. p. 439. l. 14.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
etwa Jphion von Aegina 1) zu ſetzen, welcher eine Statue der Angelio,
des Mercurii Tochter, gebildet hatte.

Vor dem Feldzuge des Xerxes wider die Griechen, waren folgende
Bildhauer beruͤhmt. Simon und 2) Anaxagoras, beyde von Aegina,
von deſſen Hand der Jupiter war, welchen die Griechen nach der Schlacht
bey Plateaͤa zu Elis ſetzeten. Onatas 3), ebenfalls von Aegina, welcher,
außer vielen andern Werken, diejenigen acht Helden, die ſich zum Looſe uͤber
den Kampf mit dem Hector angaben, zu Elis gearbeitet hatte. Dio-
nyſius von Rhegium
4), und Glaucus von Meſſene in Sicilien, wel-
che zur Zeit des Tyrannen zu Rhegium Anaxilas lebeten, das iſt, zwiſchen
der ein und ſiebenzigſten und ſechs und ſiebenzigſten Olympias 5): auf
einem Pferde des Dionyſius ſtand 6) auf deſſen Rippen die Jnſchrift.
Ariſtomedes und Socrates 7), deren Werk eine Cybele war, welche
Pindarus in ihrem Tempel zu Theben machen ließ. Mandaͤus 8), von
Paͤon, deſſen Victoria zu Elis war. Glaucias 9) von Aegina, welcher
den Koͤnig Hiero, auf einem Wagen ſtehend, zu Elis machete. End-
lich Eladas 10) von Argos, der Meiſter des Phidias.

Von dieſen Kuͤnſtlern wurden beſondere Schulen geſtiftet, und esB.
Der Schulen
der Kunſt.
a.
Zu Sicyon.

haben die beruͤhmteſten Schulen der Kunſt in Griechenland, zu Aegina,
Corinth, und zu Sicyon, dem Vaterlande der Werke der Kunſt 11), ein
großes Alterthum. Die letzte Schule iſt vielleicht von den beruͤhmten
Bildhauern Dipoenus und Scyllis, welche ſich in Sicyon niederließen,
geſtiftet, und ich habe kurz zuvor, einige von ihren Schuͤlern angegeben.
Ariſtocles 12), des Canachus Bruder, ein Bildhauer aus eben dieſer

Stadt,
1) Schol. Pind. Olymp. 8. v. 106.
2) Pauſan. L. 5. p. 437. l. 31.
3) Ibid. p. 445. l. 5.
4) Ibid. p. 446. 447.
5) Bentley l. c. p. 156.
6) Pauſan. L. 5. p. 448. l. 9.
7) Id. L. 9. p. 758. l. 18.
8) Id. L. 5. p. 446. l. 4.
9) Id. L. 6. p. 474. l. 2.
10) Schol. Ariſtoph. Ran. v. 504.
11) Plin. L. 35. c. 40. conf. L. 36. c. 4.
12) Pauſan. L. 6. p. 459. l. 6.

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
Stadt, wurde noch nach ſieben Menſchenaltern, als das Haupt einer Schu-
le angeſehen, welche in Sicyon eine lange Zeit gedauert hatte. Vom
Democritus 1), einem andern Bildhauer aus Sicyon, werden ſeine Mei-
ſter, bis auf den fuͤnften von ihm zuruͤck, namhaft gemachet. Polemon
ſchrieb eine Abhandlung 2) von den Gemaͤlden zu Sicyon, und von ei-
nem Porticus daſelbſt, wo viele Werke der Kunſt waren. Eupompus,
der Meiſter des Pamphilus, deſſen Schuͤler Apelles war, brachte es
durch ſein Anſehen dahin, daß ſich die ſeit einiger Zeit unter dem Namen
der helladiſchen vereinigte Schulen in Griechenland, von neuem 3) theile-
ten, alſo daß nebſt der Joniſchen Schule, unter den Aſiatiſchen Griechen,
der zu Athen und zu Sicyon, eine jede beſonders vor ſich beſtand. Pam-
philus
und Polycletus, Lyſippus und Apelles, welcher nach Sicyon
zu dem Pamphilus gieng, ſich in ſeiner Kunſt vollkommener zu machen, ga-
ben dieſer Schule ihren letzten Glanz, und zur Zeit Koͤnigs Ptolemaͤus
Philadelphus in Aegypten, ſcheint die beruͤhmteſte und beſte Schule der
Malerey in dieſer Stadt geweſen zu ſeyn. Denn es werden in dem praͤch-
tigen Aufzuge, welchen dieſer Koͤnig anſtellete, vornehmlich und allein 4)
Gemaͤlde der Kuͤnſtler von Sicyon namhaft gemachet.

b.
Zu Corinth.

Corinth war wegen der herrlichen Lage ſchon in den aͤlteſten Zeiten 5)
eine der maͤchtigſten Staͤdte in Griechenland, und dieſe Stadt wird daher
von den erſten Dichtern die Wohlhabende genennet. Cleanthes ſoll da-
ſelbſt der erſte geweſen ſeyn, welcher, außer dem bloßen Umriſſe einer Fi-
gur 6), einige Theile in derſelben andeutete. Strabo aber 7) redet ſchon
von Gemaͤlden des Cleanthes mit vielen Figuren, die noch zu ſeiner Zeit
uͤbrig waren. Cleophantus von Corinth kam mit dem Tarquinius

Priſcus,
1) Pauſan. L. 6. p. 457.
2) Athen. Deipn. L. 13.
3) Plin. L. 35. c. 36.
4) Athen. Deipn. L. 5. p. 196. F.
5) Thucyd. L. 1. p. 6. l. 1. ſeq.
6) Plin. L. 35. c. 5.
7) L. 8. p. 529. l. 17. ad. Almel.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
Priſcus vor der vierzigſten Olympias nach Jtalien, und zeigete den Roͤ-
mern zuerſt die Griechiſche Kunſt in Gemaͤlden, und es war von demſel-
ben noch zu Plinius Zeit 1) eine ſchoͤn gezeichnete Atalanta und Helena
zu Lanuvium.

Wenn man auf das Alter der Aeginetiſchen Schule von dem beruͤhm-e.
Jn der Jnſel
Aegina.

ten Smilis, aus dieſer Jnſel, ſchließen duͤrfte, ſo wuͤrde ſie ihre Stiftung
von den Zeiten des Daͤdalus herfuͤhren. Daß ſich aber ſchon in ganz al-
ten Zeiten eine Schule der Kunſt in dieſer Jnſel angefangen habe, bezeu-
gen die Nachrichten von ſo vielen alten Statuen in Griechenland, im Aegi-
netiſchen Stile gearbeitet. Ein gewiſſer Aeginetiſcher Bildhauer iſt nicht
dem Namen nach, ſondern durch die Benennung des Aeginetiſchen Bilders
bekannt 2). Die Einwohner dieſer Jnſel, welche Dorier waren, trieben
großen Handel und Schiffarth, wodurch ſich die Kuͤnſte daſelbſt empor
brachten 3): Pauſanias 4) redet von der Schiffarth derſelben ſchon in den
aͤlteſten Zeiten, und ſie waren den Athenienſern zur See uͤberlegen 5), wel-
che ſo, wie jene, vor dem Perſiſchen Kriege nur Schiffe von funfzig Ru-
dern und ohne Verdeck hatten 6). Die Eiferſucht zwiſchen ihnen brach
endlich in einen Krieg aus 7), welcher beygelegt war, da Xerxes nach
Griechenland kam. Aegina, welche viel Antheil an dem Siege des The-
miſtocles uͤber die Perſer hatte, zog viele Vortheile aus demſelben: denn
die reiche Perſiſche Beute wurde dahin gebracht und verkauft, wodurch
dieſe Jnſel, wie Herodotus meldet 8), zu großem Reichthume gelangete.
Jn dieſem Flore erhielt ſich dieſe Jnſel bis zur acht nnd achtzigſten Olym-
pias, da die Einwohner von den Athenienſern, weil es jene mit den Lace-
daͤmoniern gehalten, verjaget wurden. Die Athenienſer beſetzten dieſe

Jnſel
1) Plin. L. 35. c. 6.
2) Aeginetae fictoris. Plin. L. 36. c. 4. n. 10.
3) Pauſan. L. 10. p. 798. l. 7.
4) L. 8. p. 608. l. 31.
5) Idem L. a. p. 178. l. 24.
6) Thucyd. L. 1. p. 6. l. 18.
7) Pauſan. L. 1. p. 72. l. 24.
8) L. 9. c. 79.
Winckelm. Geſch. der Kunſt. S s

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
Jnſel mit ihren Colonien, und die Aegineter begaben ſich nach Thyraͤa in
der Argoliſchen Landſchaft 1). Sie kamen zwar von neuem zum Be-
ſitze ihres Vaterlandes, konnten aber nicht zur ehemaligen Macht wie-
der gelangen.

C.
Von den Um-
ſtaͤnden in
Griechenland
kurz vor dem
Phidias.

Nach der funfzigſten Olympias kam eine betruͤbte Zeit fuͤr Griechen-
land: es wurde von verſchiedenen Tyrannen uͤberwaͤltiget, und dieſe Zeit
dauerte an ſiebenzig Jahre. Polycrates machte ſich Herr von Samos, Pi-
ſiſtratus von Athen, Cypſelus brachte die Herrſchaft von Corinth auf ſei-
a.
Jn Abſicht der
Verfaſſung.
nen Sohn Periander, und hatte ſeine Macht durch Buͤndniſſe und Ver-
maͤhlungen mit andern Feinden der Freyheit ihres Vaterlandes zu Am-
bracia, Epidaurus und Lesbus befeſtiget. Melanchrus und Pittacus
waren Tyrannen zu Lesbus, und ganz Euboͤa war dem Timondas unter-
thaͤnig, und Lygdamis wurde durch des Piſiſtratus Beyſtand Herr von
Naxus. Die mehreſten aber von ihnen hatten nicht mit Gewalt oder ge-
waffneter Hand die Herrſchaft an ſich gebracht; ſondern ſie waren durch
Beredſamkeit zu ihrem Zwecke gelanget 2), und durch Herunterlaſſung ge-
gen das Volk hatten ſie ſich erhoben 3): ſie erkannten, wie Piſiſtratus 4),
die Geſetze ihrer Buͤrger auch uͤber ſich. Tyrann war auch ein Ehren-
wort 5). Ariſtodemus, der Tyrann von Megalopolis in Arcadien, erlan-
gete den Zunamen [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt] 6), eines rechtſchaffenen Mannes. Die Sta-
tuen der Sieger in den großen Spielen, mit welchen Elis auch ſchon vor
dem Flore der Kuͤnſte angefuͤllet war 7), ſtelleten ſo viel Vertheydiger der
Freyheit vor: die Tyrannen mußten dem Verdienſte das erkannte Recht
wiederfahren laſſen, und der Kuͤnſtler konnte zu allen Zeiten ſein Werk vor
den Augen des ganzen Volks aufſtellen.

Eine
1) Pauſan. L. 2. p. 178.
2) Ariſtot. Polit. L. 5. c. 10. p. 152. edit. Wechel.
3) Dionyſ. Halic. Ant. Rom. L. p. 372. l. 36.
4) Ariſtot. l. c. c. 12. p. 164.
5) conf. Barneſ. not. ad Hom. Hymn. in Mart. v. 5.
6) Pauſan. L. 8. p. 656. l. 29.
7) conf. Herodot. L. 6. p. 279. l. 15.
der Zeit unter den Griechen betrachtet.

Eine erhobene Arbeit von zwo Figuren, welche ſich in Engeland be-b.
Von den uͤbri-
gen aͤlteſten
Werken der
Kunſt aus die-
ſer Zeit.

findet 1), und einen jungen Sieger in den Spielen, mit Namen Mantho,
wie die Furchenweis gefuͤhrte Jnſchrift auf dieſem Stuͤcke anzeiget, und
einen ſitzenden Jupiter vorſtellet, muͤßte aus dieſer Zeit, aber vor der funf-
zigſten Olympias nicht gemacht ſeyn, weil man damals allererſt anfieng in
Marmor zu arbeiten, wie im erſten Theile gemeldet iſt. Es werden auch
damals wenig Marmorne Saͤulen in Griechenland geweſen ſeyn: die Saͤu-
len um einen Tempel der Diana auf dem Vorgebuͤrge Sunium waren zu
Themiſtocles Zeiten von einem weißen Steine 2). Aus einem Kupfer
aber kann man ſich nicht wagen, uͤber beſagte erhobene Arbeit zu urthei-
len. Ein vorgegebener Grabſtein des Spartaniſchen Dichters Alcman
aber 3), welcher in der dreyßigſten Olympias gebluͤhet, kann aus der
nicht verſtandenen und ſehr willkuͤhrlich erklaͤrten Ueberſchrift, bey wei-
ten nicht ſo alt ſeyn: dieſer Grabſtein befindet ſich in dem Hauſe Giuſti-
niani zu Venedig.

Die aͤlteſte uͤbrig gebliebene Muͤnze in Gold, wie man glaubt, von
Cyrene in Africa, wuͤrde nach der Auslegung derſelben ebenfalls aus die-
ſer Zeit ſeyn 4). Demonax von Mantinea, Regent von Cyrene 5) waͤh-
rend der Minderjaͤhrigkeit Battus IV. welcher mit dem Piſiſtratus zu glei-
cher Zeit lebete, ſoll dieſelbe haben praͤgen laſſen. Demonax iſt ſtehend
vorgeſtellet, mit einer Binde um den Kopf, aus welcher Strahlen her-
vorgehen, und ein Widderhorn uͤber das Ohr: in der rechten Hand
haͤlt er eine Victoria, und in der linken einen Zepter. Es iſt aber glaub-
licher, daß dieſe Muͤnze in ſpaͤterer Zeit zum Andenken des Demonax ge-
praͤget worden.

Nachdem
1) Bimard. Not. ad Marm. [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt].
2) Plutarch. in Themiſt. p. 210.
3) Aſtor. Comment. in Alcm. Monum.
4) Hardouin dans les Mem. de Trevoux, l’an 1727. p. 1444.
5) Herod. L. 4. c. 161. Excerpt. Diod. Sic. p. 233. l. 13.
S s 2
II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
D.
Vorbereitung
und Veranlaſ-
ſung zu dem
Flore der Kuͤn-
ſte und Wiſſen-
ſchaften durch
Athen.

Nachdem nun die Tyrannen in Griechenland bis auf diejenigen, wel-
che Sicyon guͤtig und nach ihren Geſetzen regiereten 1), vertilget, und die
Soͤhne des Piſiſtratus verjagt und ermordet waren, welches in der ſieben
und ſechzigſten Olympias, und alſo ohngefaͤhr um eben die Zeit geſchah,
da Brutus ſein Vaterland befreyete, erhoben die Griechen ihr Haupt mehr,
a.
Befreyung
der Athenien-
ſer von ihren
Tyrannen.
als jemals, und es kam ein neuer Geiſt in dieſe Nation. Die nachher ſo
beruͤhmten Republiken, waren bisher unbetraͤchtliche kleine Staaten gewe-
ſen, bis auf die Zeit, da die Perſer die Griechen in Jonien beunruhigten,
Miletus zerſtoͤreten, und die Einwohner wegfuͤhreten. Die Griechen, ſon-
derlich die Athenienſer, wurden hieruͤber auf das empfindlichſte geruͤhret;
ja noch einige Jahre nachher, da Phrynichus die Eroberung von Miletus
b.
Siege der
Athenienſer
uͤber die Per-
ſer.
in einem Trauerſpiele vorſtellete, zerfloß das ganze Volk in Thraͤnen. Die
Athenienſer ſammleten alle ihre Kraͤfte, und in Geſellſchaft der Eretrier
kamen ſie ihren Bruͤdern in dem Joniſchen Aſien zu Huͤlfe: ſie faſſeten ſo
gar den außerordentlichen Entſchluß, den Koͤnig in Perſien in ſeinen Staa-
ten ſelbſt anzugreifen. Sie drungen hinein bis nach Sardes, und erober-
ten und verbrannten dieſe Stadt, in welcher die Haͤuſer theils von Rohr
waren 2), oder doch Daͤcher von Rohr hatten, in der neun und ſechzigſten
Olympias, und erfochten in der zwey und ſiebenzigſten Olympias, das iſt,
zwanzig Jahre nachher, da Hipparchus, der Tyrann von Athen, ermor-
det, und ſein Bruder Hippias verjaget worden, den erſtaunenden Sieg
bey Marathon, welcher wunderbar in allen Geſchichten bleibet.

c.
Wachsthum
der Macht und
des Muths der
Athenienſer
und anderer
Griechen.

Die Athenienſer erhoben ſich durch dieſen Sieg uͤber alle andere Staͤd-
te, und ſo wie ſie unter den Griechen zuerſt geſitteter wurden 3), und die
Waffen ablegten, ohne welche in den aͤlteſten Zeiten kein Grieche auch im
Frieden oͤffentlich erſchien, ſo machte das Anſehen und die zunehmende

Macht
1) Ariſtot. Polit. L. 5. c. 12. p. 164. Strab. L. 8. p. 587. l. 15. ed. rec.
2) Herod. L. 5. p. 206. l. 16.
3) Thucyd. L. 1. p. 12. l. 38.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
Macht dieſe Stadt zu dem vornehmſten Sitze der Kuͤnſte und Wiſſenſchaften
in Griechenland. Daher ſagte jemand, daß die Griechen das mehreſte mit
einander gemein haͤtten, aber den Weg zur Unſterblichkeit wuͤßten nur
allein die Athenienſer 1). Zu Croton und zu Cyrene bluͤhete die Arzney-
wiſſenſchaft 2), und zu Argos die Muſic, aber in Athen waren alle Kuͤn-
ſte und Wiſſenſchaften vereiniget. Themiſtocles und Pauſanias demuͤthig-
ten zehen Jahre nachher bey Salamis und Plateaͤa die Perſer dergeſtalt,
daß ſie Schrecken und Verzweiflung bis in das Herz ihres Reichs verfolge-
te, und damit ſich die Griechen allezeit der Perſer erinnerten, blieben die
von dieſen verſtoͤrten Tempel, als Denkmale der Gefahr, worinnen ſich
ihre Freyheit befunden, ohne Ausbeſſerung in ihren Truͤmmern 3). Hier
fangen die merkwuͤrdigſten funfzig Jahre von Griechenland an 4).

Von dieſer Zeit an ſchienen alle Kraͤfte von Griechenland in Bewe-d.
Der hierdurch
veranlaſſete
Flor der Kuͤn-
ſte und Wiſ-
ſenſchaften.

gung zu kommen, und die großen Gaben dieſer Nation fiengen ſich an
mehr, als jemals, zu zeigen. Die außerordentlichen Menſchen und großen
Geiſter, welche ſich von Anfang der großen Bewegung in Griechenland
gebildet hatten, kamen itzo alle mit einmal hervor. Herodotus kam in der
ſieben und ſiebenzigſten Olympias aus Carien nach Elis, und las ſeine Ge-
ſchichte allen Griechen vor, welche daſelbſt verſammlet waren; nicht lange
vorher hatte Pherecydes zuerſt in Proſa geſchrieben 5). Aeſchylus trat mit
den erſten regelmaͤßigen Tragoͤdien im erhabenen Stile ans Licht, nachdem
dieſelben ſeit ihrer Erfindung von der ein und ſechzigſten Olympias an, nur
Taͤnze ſingender Perſonen geweſen waren, und erhielt zum erſtenmale den
Preis in der drey und ſiebenzigſten Olympias. Auch um dieſe Zeit fieng
man an, die Gedichte des Homerus abzuſingen, und Cynaͤthus war zu

Syracus
1) Athen. Deipn. L. 6. p. 250. F.
2) Herodot. L. 3. p. 133. l. 11.
3) Pauſan. L. 1. p. 5. l. 8. L. 10. p. 887. ad fin. pag.
4) Didor. Sic. cirea init. L. 12.
5) Dodwel. App. ad Thucyd. p. 4. ed. Duckeri.
S s 3

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
Syracus der erſte Rhapſodiſte, in der neun und ſechzigſten Olympias 1).
Die erſten Comoͤdien wurden ebenfalls itzo durch den Epicharmus aufge-
fuͤhret, und Simonides, der erſte Dichter in Elegien, gehoͤret unter die
Erfinder dieſer großen Zeit. Die Redekunſt wurde damals allererſt eine
Wiſſenſchaft, und Gorgias von Leontium aus Sicilien gab ihr dieſe Ge-
ſtalt; auch in Athen wurden zur Zeit des Socrates die erſten gerichtlichen
Reden ſchriftlich vom Antiphon aufgeſetzet 2). Ja die Weisheit ſelbſt wur-
de itzo zuerſt oͤffentlich zu Athen durch den Athenagoras gelehret, welcher
ſeine Schule in der fuͤnf und ſiebenzigſten Olympias eroͤffnete 3). Das
Griechiſche Alphabet war auch wenige Jahre vorher durch den Simonides
und Epicharmus vollſtaͤndig geworden, und die von ihnen erfundenen
Buchſtaben wurden zu Athen in oͤffentlichen Sachen zuerſt in der vier und
neunzigſten Olympias, nach geendigtem Regimente der dreyßig Tyrannen,
gebraucht 4). Dieſes waren gleichſam die großen Vorbereitungen zur
Vollkommenheit der Kunſt, zu welcher ſie nunmehro mit maͤchtigen
Schritten gieng.

e.
Aufnehmen
der Baukunſt
und der Bild-
hauerey durch
Wiederauf-
bauung der
verſtoͤrten
Stadt Athen.

Das Ungluͤck ſelbſt, welches Griechenland betroffen hatte, mußte zur
Befoͤrderung derſelben dienen: denn die Verheerung, welche die Perſer
anrichteten, und die Zerſtoͤrung der Stadt Athen, war nach dem Siege
des Themiſtocles Urſache zu Wiederaufbauung der Tempel und oͤffentlichen
Gebaͤude. Die Griechen fiengen an mit vermehrter Liebe gegen ihr Vater-
land, welches ſo viel tapfern Maͤnnern Leib und Leben gekoſtet hatte, und
nunmehro gegen alle Menſchliche Macht geſichert ſcheinen konnte, eine jede
Stadt auf Auszierung derſelben, und auf praͤchtigere Gebaͤude und Tem-
pel zu denken. Dieſe großen Anſtalten machten die Kuͤnſtler nothwendig,
und gaben ihnen Gelegenheit, ſich gleich andern großern Maͤnnern zu zei-

gen.
1) Schol. Pind. Nem. 2. v. 1.
2) Plutarch. Vit. Antiph. p. 1530. l. 14.
3) Meurſ. Lect. Att. L. 3. c. 27.
4) Corſini Faſt. Att. Ol. 94. p. 276. ſeq.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
gen. Unter ſo vielen Statuen der Goͤtter, wurden auch die verdienten
Maͤnner, die fuͤr ihr Vaterland bis in den Tod gefochten, nicht vergeſſen;
ſo gar diejenigen Weiber, die aus Athen mit ihren Kindern nach Troͤzene
gefluͤchtet waren, hatten an dieſer Unſterblichkeit Theil: denn ihre Statuen
ſtanden in einer Halle in beſagter Stadt 1).

Die beruͤhmteſten Bildhauer dieſer Zeit waren Ageladas, von Ar-f.
Kuͤnſtler aus
dieſer Zeit.

gos, der Meiſter des Polycletus; Onatas, aus Regina, welcher die
Statue Koͤnigs Gelo von Syracus, auf einen Wagen mit Pferden vom
Calamis gearbeitet, machte; und Agenor iſt unſterblich geworden durch
die Statuen ewiger Freunde und Befreyer ihres Vaterlandes, des Har-
modius und Ariſtogiton, die in dem erſten Jahre der ſieben und ſiebenzig-
ſten Olympias geſetzet wurden, nachdem ihre Statuen von Erzt, die man
ihnen vier Jahre nach Ermordung des Tyrannen aufrichtete, von den Per-
ſern war weggefuͤhret worden 2). Glaucias, von Aegina, machte die
Statue des beruͤhmten Theagenes von Thaſus, welcher tauſend und drey-
hundert Kraͤnze uͤber eben ſo viel Siege in den Spielen in Griechenland er-
langet hatte 3). Von der Kunſt aus dieſer Zeit zeugen die Muͤnzen Koͤ-
nigs Gelo zu Syracus, und eine in Golde, iſt eine der aͤlteſten gegenwaͤr-
tigen Muͤnzen in dieſem Metalle 4). Das Alter der aͤlteſten Athenienſi-
ſchen Muͤnzen iſt nicht zu beſtimmen, aber der Stil der Arbeit kann den
P. Harduin widerlegen, welcher vorgiebt, daß keine von denſelben vor
dem Koͤnige Philippus in Macedonien gepraͤget worden: denn es finden
ſich Muͤnzen von einem ſehr unfoͤrmlichen Gepraͤge. Die ſchoͤnſte Muͤnze
von Athen, welche ich geſehen, iſt ein ſogenannter Quinarius in Gold,
in dem Koͤnigl. Farneſiſchen Muſeo des Koͤnigs von Sicilien. Boze

giebt
1) Pauſan. L. 2. p. 185. l. 13.
2) Lydiat. ad Marm. Arund. p. 275. Prideaux ad id. Marm. p. 437. ed. Mait.
3) Pauſan. L. 6. p. 478. l. 19.
4) Hardouin dans les Mem. de Trev. l’an. 1727. p. 1449.

I Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
giebt vor 1), daß ſich gar keine Athenienſiſche Muͤnze in Gold findet, wel-
ches durch die angefuͤhrte Muͤnze widerleget wird. Der Name [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]
auf der Bruſt eines Kopf im Campidoglio, welcher daher fuͤr das Bildniß
des Hiero von Syracus ausgegeben wird, iſt ungezweifelt neu.

II.
Von der Kunſt
von den Zeiten
des Phidias
an bis auf Ale-
xander den
Großen.

Damals war ein Grund zur Groͤße von Griechenland geleget, auf
welchem ein dauerhaftes und praͤchtiges Gebaͤude konnte aufgefuͤhret wer-
den: die Weiſen und Dichter legten die erſte Hand an daſſelbe, die Kuͤnſt-
ler endigten es, und die Geſchichte fuͤhret uns durch ein praͤchtiges Portal
zu demſelben. Es muß die Griechen dieſer Zeit nicht weniger, als einige
wenige, die noch ihre Dichter kennen, in Erſtaunen geſetzet haben, nach
einem vermuthlich vollkommenen Trauerſpiele des Aeſchylus, wenig Jahre
hernach einen Sophocles auftreten zu ſehen, welcher nicht ſtuffenweis, ſon-
dern durch einen unbegreiflichen Flug, das hoͤchſte Ziel Menſchlicher Kraͤf-
te erreichet hat. Er fuͤhrete die Antigone, ſein erſtes Trauerſpiel, im
dritten Jahre der ſieben und ſiebenzigſten Olympias auf 2). Eben ſo einen
Sprung wird die Kunſt von dem Meiſter bis auf den Schuͤler, vom Age-
ladas bis auf den Polycletus, gemacht haben, und es iſt zu glauben, wenn
uns die Zeit uͤber beyder Werke zu urtheilen nicht beraubet haͤtte, daß der
Unterſchied von dem Hercules des Eladas, auf den Jupiter des Phidias,
und von dem Jupiter des Ageladas, auf die Juno des Polycletus, wie
von dem Prometheus des Aeſchylus, auf den Oedipus des Sophocles,
ſeyn wuͤrde. Jener iſt durch hohe Gedanken und durch einen praͤchtigen
Ausdruck mehr erſtaunlich, als ruͤhrend, und in dem Entwurfe ſeiner Fa-
bel, die mehr Wirkliches, als Moͤgliches, hat, weniger ein Dichter, als
ein Erzaͤhler: dieſer aber ruͤhret das Herz durch innere Empfindungen, die
nicht durch Worte, ſondern durch empfindliche Bilder bis zur Seele drin-
gen; und durch die hoͤchſte Moͤglichkeit, welche er geſuchet hat, durch die

wunder-
1) Mem. de l’Acad. des Inſer. T. I. p. 235.
2) Petit Miſcel. L. 3. c. 18. p. 173.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
wunderbare Einwickelung und Aufloͤſung ſeiner Fabel, erfuͤllet er uns mit
beſtaͤndiger Erwartung, und fuͤhret uns uͤber unſern Wunſch hinaus.

Die gluͤckſeligſten Zeiten fuͤr die Kunſt in Griechenland, und ſonder-A.
Vor dem Pe-
loponneſiſchen
Kriege.

lich in Athen, waren die vierzig Jahre, in welchen Pericles, ſo zu reden,
die Republik regierete, und waͤhrend den hartnaͤckigen Krieg, welcher vor
dem Peloponneſiſchen Kriege, der in der ſieben und achtzigſten Olympias
ſeinen Anfang nahm, vorher gieng. Dieſer Krieg iſt vielleicht der einzige,
der in der Welt gefuͤhret worden, in welchem die Kunſt, welche ſehr em-
pfindlich iſt, nicht allein nichts gelitten, ſondern ſich mehr, als jemals, her-
vor gethan hat. Jn demſelben haben ſich die Kraͤfte von Griechenland vol-
lends und gaͤnzlich ausgewickelt; und da Athen und Sparta alle erſinnli-
che Mittel ausforſcheten und ins Werk ſetzten, ein entſcheidendes Ueberge-
wicht auf eine oder die andere Seite zu lenken, ſo offenbarete ſich eines je-
den Talent, und aller Menſchen Sinne und Haͤnde waren beſchaͤftiget.
Die Kuͤnſtler hatten allezeit waͤhrend den Krieg den großen Tag vor ſich,
wo ihre Werke vor aller Griechen Augen aufgeſtellet wurden. Denn wenn
nach vier Jahren ſich die Zeit der Olympiſchen, und nach drey Jahren der
Jſthmiſchen Spiele naͤherte, ſo hoͤreten alle Feindſeligkeiten auf, und die
wider einander erbitterten Griechen kamen zur allgemeinen Freude zu Elis,
oder zu Corinth, zuſammen, und vergaßen uͤber dem Anblicke der Bluͤthe
der Nation, die ſich hervor zu thun ſuchte, auf einige Tage, was vorgegan-
gen war, und was geſchehen ſollte. Eben ſo findet ſich, daß die Lacedaͤ-
monier einen Stillſtand der Waffen von vierzig Tagen macheten, weil ein
Feſt einfiel, welches dem Hiacynthus zu Ehren gefeyert wurde 1). Die
Nemeaͤiſchen Spiele wurden in dem Kriege der Aetolier und der Achaͤer, in
welchen ſich die Roͤmer miſcheten, einige Zeit nicht gefeyert 2). Die Frey-
heit der Sitten in dieſen Spielen verhuͤllete keinen Theil des Koͤrpers an

den
1) Pauſan. L. 4. p. 326. l. 9.
2) Liv. L. 34. c. 41
Winckelm. Geſch. der Kunſt. T t

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
den Ringern, zum allgemeinen Unterrichte der Kuͤnſtler: denn der Schurz
um den Unterleib war ſchon lange vor dieſer Zeit abgeſchaffet, und Acan-
thus
hieß der erſte, welcher in der funfzehnten Olympias ohne Schurz zu
Elis lief 1); es hat alſo keinen Grund, wenn jemand behauptet, daß dieſe
gaͤnzliche Entbloͤßung in den Spielen zwiſchen der drey und ſiebenzigſten
und ſechs und ſiebenzigſten Olympias in Gebrauch gekommen ſey 2).

Sonderlich ſind acht Jahre in dieſem Kriege merkwuͤrdig, und es iſt
ein Periode, welcher fuͤr die Kunſt heilig gehalten werden kann: denn es
iſt glaublich, daß die Tempel, Gebaͤude, und Werke der Kunſt, mit welchen
Pericles ſein Vaterland auszierete, vornehmlich innerhalb dieſer Zeit auf-
gefuͤhret und gearbeitet worden. Jn dieſe Zeit faͤllt auch die drey und acht-
zigſte Olympias, in welcher Phidias bluͤhete.

Es wurde nach einem dreyjaͤhrigen Einhalte der Feindſeligkeiten, wel-
cher durch den Cimon vermittelt, und von beyden Theilen, wiewohl ſtill-
ſchweigend, beobachtet wurde, ein foͤrmlicher Stillſtand der Waffen ge-
ſchloſſen, welcher ſich anhob im zweyten Jahre der zwey und achtzigſten
Olympias. Um eben die Zeit ſchickten die Roͤmer Abgeordnete nach
Athen und in andere Griechiſche Staͤdte, um ihre Geſetze zu haben 3). Ein
Jahr hernach ſtarb Cimon, und ſein Tod gab dem Pericles freyere Hand,
ſeine großen Abſichten auszufuͤhren. Er ſuchte Reichthum und Ueberfluß in
Athen herrſchen zu machen, durch eine allgemeine Beſchaͤftigung aller Men-
ſchen: er bauete Tempel, Schauplaͤtze, Waſſerleitungen und Hafens, und
in Auszierung derſelben gieng er bis zur Verſchwendung: das Parthenion,
Odeum, und viele andere Gebaͤude, ſonderlich aber die doppelte Mauer,

durch
1) Dionyſ. Halic. Ant. Rom. L. 5. p. 458. l. 11. conf. Meurſ. Miſcell. Lacon. L. 4. c. 18.
p. 328. ſeq.
2) Baudelot. Epoq. de la nudité des Athlet. p. 191.
3) Dionyſ. Halic. l. c. L. 10. p. 645. l. 21.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
durch welche er den Pireaͤiſchen Hafen mit der Stadt vereinigte, ſind aller
Welt bekannt. Damals fieng die Kunſt an, gleichſam Leben zu bekom-
men, und Plinius ſagt 1), daß die Bildhauerey ſowohl, als die Malerey,
itzo angefangen.

Der Wachsthum der Kunſt unter dem Pericles erfolgete, wie diea.
Allgemeine
Betrachtung
der Kunſt in
dieſer Zeit.

Herſtellung derſelben unter Julius II. und Leo X. Griechenland war
damals, und Jtalien nachher, wie ein fruchtbarer, nicht erſchoͤpfter, aber
auch nicht vernachlaͤßigter Boden, welcher durch eine beſondere Bearbei-
tung den verſchloſſen geweſenen Reichthum ſeiner Fruchtbarkeit auslaͤßt.
Die Kunſt vor dem Phidias, und Michael Angelo und Raphael, iſt
zwar in keine voͤllige Vergleichung zu ſtellen; aber ſie hatte dort, wie hier,
eine Einfalt und Reinigkeit, die deſtomehr zur Verbeſſerung geſchickt iſt,
je ungekuͤnſtelter und unverdorbener ſie ſich erhalten hat.

Die beyden groͤßten Kuͤnſtler in Athen waren Phidias und Par-b.
Damalige
Kuͤnſtler.

rhaſius: der erſte fuͤhrete, außer ſeiner Kunſt, nebſt dem Mneſicles, den
großen Bau des Pericles, und der andere legte mit Hand an die Werke
des Phidias; er zeichnete die Schlacht der Lapither mit den Centauren auf
dem Schilde der Pallas, welche vom Mys in Elfenbein geſchnitten wurde.
Dieſes war das goldene Alter der Kunſt, wo die Eintracht arbeiten half,
und wo das oͤffentlich erkannte und entſchiedene Verdienſt eines jeden die
Eiferſucht entkraͤftete: dieſes Gluͤck genoß die Kunſt vorher und noch eine
geraume Zeit hernach. Unter den aͤlteren Kuͤnſtlern arbeiteten Thylacus
und ſein Bruder Onathus, nebſt deren Soͤhnen, an einem Jupiter zu
Elis 2): vom Onatas von Aegina, und vom Calliteles war an eben dem
Orte ein Mercurius, welcher einen Widder trug 3). Unter ihren Nach-
folgern arbeiteten Xenocritus und Eubius an einem Hercules 4); Timo-

cles
1) L. 36. c. 5.
2) Pauſan. L. 5. p. 438. l. 8.
3) Idem L. 5. p. 449. l. 27.
4) Idem L. 9. p. 732. l. 11.
T t 2

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
cles und Timarchides an einem Aeſculapius 1); Menaͤchmus und Sol-
das
an einer Diana 2); Dionyſius und Polycles, (welcher wegen ſei-
ner Muſen in Erzt 3) beruͤhmt war) an einer Juno; und von dergleichen
Werken, die mehr als einen Vater gehabt, koͤnnte man ein langes Ver-
zeichniß machen 4). Jn der Jnſel Delos war eine Jſis, an welcher drey
Kuͤnſtler von Athen, Dionyſodorus, Moſchion und Ladamas, des
Adamas Soͤhne, gearbeitet hatten, wie die Jnſchrift zu dieſer Statue,
welche zu Venedig iſt, beweiſet 5). Zu Rom war im ſechzehnten Jahrhun-
derte ein Hercules von zween Meiſtern gearbeitet, wie eine Jnſchrift, wel-
che an dieſer Statue ſtand, anzeiget: ich fand dieſelbe in einem Plinius,
Basler Ausgabe von 1525. mit geſchriebenen Anmerkungen vom Fulvius
Urſinus
und Barthol. Aegius, in der Bibliothek des Herrn von Stoſch
zu Florenz. Die Jnſchrift iſt folgende:

Jn der drey und achtzigſten Olympias ſcheint Phidias die Statue
des Olympiſchen Jupiters geendiget zu haben, und Plinius hat glaublich
die Zeit ſeines Flors, welche er in dieſe Olympias ſetzet, in Abſicht der
Vollendung dieſes großen Werks beſtimmet. Es hatte derſelbe ſeine Kunſt
vornehmlich den Goͤttern und den Helden gewidmet 6), und es fand ſich zu
Elis unter den Statuen der Sieger nur eine einzige von ihm gearbeitet:
ſie ſtellet den ſchoͤnen Pantarces vor, in welchen der Kuͤnſtler verliebt

war,
1) Pauſan. L. 10. p. 886. l. 30.
2) Idem L. 7. p. 570. l. 1.
3) conf. Lipf. Var. Lect. L. 2. c. 24.
4) conf. Chishul. Inſcr. Sig. p. 47.
5) Opuſc. Scientif. Tom. 15. p. 205. Corſini Not. Graec. Diſſ. 6. p. 120.
6) Pauſan. L. 10. p. 821. l. 17. ſeq. et lin. 26.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
war, wie er ſich die Binde, welche den Siegern der Spiele um die Stirne
geleget wurde, ſelbſt binden wollte 1).

Jn eben dieſer Olympias gieng der fuͤnfjaͤhrige Stillſtand zu Ende,
und der Krieg brach von neuem aus, aber der Bau in Athen wurde fort-
gefuͤhret, und die Arbeit im geringſten nicht unterbrochen. Denn in der
ſieben und achtzigſten, oder, wie Dodwell will, in der fuͤnf und achtzig-
ſten Olympias, hatte Phidias die weltberuͤhmte Pallas geendiget, welche
von dem Pericles in ihrem Tempel geweihet wurde 2). Von den Statuen
und andern Werken in dieſem Tempel, hatte Polemon, Periegetes zu-
benamet, vier Buͤcher geſchrieben 3). Ein Jahr vor Einweihung des
Tempels der Pallas fuͤhrete Sophocles ſeinen Oedipus, das Meiſterſtuͤck
aller Tragoͤdien, auf, ſo daß gemeldete Olympias den Kuͤnſtlern wegen
eins der vollkommenſten Werke der Kunſt, wie den Gelehrten, merk-
wuͤrdig ſeyn kann.

Endlich aber gieng, funfzig Jahre nach dem Feldzuge des Xerxes wi-B.
Jn dem Pe-
loponneſiſchen
Kriege.

der die Griechen, aus den bisherigen Feindſeligkeiten das Feuer des Pelo-
ponneſiſchen Krieges auf, durch die Gelegenheit, welche Sicilien gab, an
welchem alle Griechiſche Staͤdte Antheil hatten: den Athenienſern gab ein
einziges ungluͤckliches Seegefechte einen Stoß, welchen ſie nicht verwinden
konnten 4). Es wurde zwar in der neun und achtzigſten Olympias ein
Stillſtand von funfzig Jahren geſchloſſen, aber ein Jahr nachher auch
wiederum aufgehoben, und die Erbitterung der Gemuͤther dauerte bis zur
gaͤnzlichen Entkraͤftung der Nation. Wie reich Athen noch um dieſe Zeit
war, ſieht man aus der Schatzung, welche in dem ganzen Gebiete dieſer
Stadt zu dem Kriege wider die Lacedaͤmonier ausgeſchrieben wurde, da

Athen
1) Pauſan. L. 6. p. 261. l. 19.
2) Schol. ad Pac. Ariſtoph.
3) Strab. L. 9. p. 396. B.
4) Liv. L. 28. c. 41.
T t 3

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
Athen wider dieſe mit den Thebanern vereiniget war: die ganze Schatzung
betrug ſechstauſend zweyhundert und funfzig Talente 1).

a.
Vergleichung
der damaligen
Umſtaͤnde der
Kunſt mit der
Theatraliſchen
Dichtkunſt.

Jn dieſem Kriege ſcheinen die Poeſie und die Kunſt nicht gleiches
Schickſal, wie vorher, gehabt zu haben. Denn da ſonderlich die Athe-
nienſer aus eigenen Koſten dieſem Kriege nicht gewachſen waren, ſo konnte
nicht viel auf Werke der Kunſt verwendet werden. Allein die Schauſpiele
ließ das Volk nicht eingehen; ſie wurden bey ihnen gleichſam unter die
Nothwendigkeiten des Lebens gerechnet, und als die Stadt nachher unter
dem Regimente des Macedoniſchen Lachares von dem Demetrius Poliorce-
tes belagert wurde, dieneten die Schauſpiele in der Hungersnoth den Ma-
gen zu befriedigen 2). Wir finden Nachricht, daß, nach beſagtem ſogenann-
ten Peloponneſiſchen Kriege, in der groͤßten Armuth, worinnen ſich Athen
befand, ein gewiſſes Geld unter die Buͤrger, um die Schauſpiele ſehen zu
koͤnnen, und zwar eine Drachme auf den Mann, ausgetheilet wurde.
Denn ſie hielten dieſelbe in gewiſſer Maße, ſo wie die oͤffentlichen Spiele,
fuͤr heilig, wie ſie denn auch mehrentheils an großen Feſten aufgefuͤhret
wurden, und das Theater zu Athen iſt das erſte Jahr dieſes Krieges durch
den Wettſtreit des Euripides mit dem Sophocles und Euphorion uͤber die
Tragoͤdie Medea, welche fuͤr das beſte Stuͤck von jenem gehalten wurde 3),
eben ſo bekannt, als es die naͤchſt folgenden Olympiſchen Spiele ſind durch
den Doriaͤus aus Rhodus, den Sohn des beruͤhmten Diagoras, welcher
den Sieg und Preis erhielt. Das dritte Jahr nach Auffuͤhrung der Me-
dea, trat Eupolis mit ſeinen Comoͤdien hervor, und in eben dieſer Olym-
pias Ariſtophanes mit ſeinen Weſpen. Jn der folgenden, nemlich der
acht und achtzigſten Olympias, fuͤhrete er ſeine zwey Stuͤcke, die Wolken
und die Acharnenſer betitelt, auf. Aus angefuͤhrtem Grunde ſollte man

glauben,
1) Polyb. L. 2. p. 148. B.
2) Dionyſ. Halic. de Thucyd. judic. c. 18. p. 235.
3) Epigr. gr. ap. Orvil. Anim. in Charit. p. 387.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
glauben, die Kuͤnſtler wuͤrden ſich die acht und zwanzig Jahre hindurch,
welche dieſer Krieg gedauert, nicht wohl befunden haben: es ſtarb auch
ihr großer Befoͤrderer, Pericles, im zweyten oder dritten Jahre dieſes
Krieges; ob ihn Phidias uͤberlebet, iſt nicht bekannt. Gleichwohl wirdb.
Kuͤnſtler die-
ſer Zeit, und
Anfuͤhrung ei-
niger ihrer
Werke.

die erſte Olympias, in welcher der Peloponneſiſche Krieg ſeinen Anfang
nahm, fuͤr die Zeit angegeben, in welcher die andern großen Kuͤnſtler, nebſt
dem Phidias, Polycletus, Myron, Scopas, Pythagoras und Alcame-
nes, gebluͤhet haben. Das groͤßte und beruͤhmteſte Werk des Polycletus
war die Coloßaliſche Statue der Juno zu Argos, von Elfenbein und Golde,
und das edelſte in der Kunſt waren zwo Statuen jugendlich-maͤnnlicher
Figuren: die eine bekam den Namen Doryphorus, vermuthlich von dem
Spieße, welchen ſie fuͤhrete, und ſie war allen folgenden Kuͤnſtlern eine
Regel in der Proportion, und nach derſelben uͤbete ſich Lyſippus 1); die
andere iſt unter dem Namen Diadumenus bekannt, der ſich ein Band
umbindet, wie des Phidias Pantarces zu Elis war 2). Man giebt vor,
daß zu Anfang des ſechzehnten Jahrhunderts eine Statue mit dem Namen
dieſes Kuͤnſtlers ſoll zu Florenz geweſen ſeyn 3). Die Soͤhne des Polycle-
tus kamen ihrem Vater in der Kunſt nicht bey 4). Myron aus Athen,
oder von Eleutheris, im Attiſchen Gebiete, war mit dem Polycletus aus

eben
1) Cic. de clar. Orat. c. 86.
2) Es iſt glaublich, daß dieſe Statue ſehr oft copiret worden, und vielleicht iſt eine in der
Villa Farneſe wenigſtens nach einer Copie des Diadumenus gemacht. Es iſt eine
unbekkeidete Figur, etwas unter Lebensgroͤße, die ſich ein Band um die Stirne bindet,
welches als etwas ſeltenes ſich, nebſt der Hand, welche das Band faſſet, erhalten hat.
Eine aͤhnliche kleine Figur erhoben gearbeitet, ſtand noch vor wenig Jahren an einer
kleinen Begraͤbnißurne in der Villa Sinibaldi, mit der Unterſchrift, DIADVMENI:
und auf Marmornen Baſen von alten Leuchtern in der Kirche zu St. Agneſe außer
Rom, auch in der Villa Borgheſe auf zwo derſelben ſpringen aus zierlich gearbeiteten
Blaͤttern Amorini hervor, welche ſich ein Band um die Stirne binden. Eben ein
ſolches Kind iſt auf einem Stuͤcke einer alten Frieſe in den Haͤnden eines Liebhabers der
Alterthuͤmer zu Rom.
3) Gori Praef. ad T. 3. Inſcr. p. XXVII.
4) Plato Protag. p. 290. l. 12. edit. Baſil.

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
eben derſelben Schule, und ſeine mehreſten Werke waren in Erzt, unter
welchen ſein Diſcobolus, oder einer, welcher mit dem Diſcus wirft, noch
mehr aber ſeine Kuh, beruͤhmt iſt. Derjenige Myron, welcher die Statue
des Ladas, eines Laͤufers Alexanders des Großen, gearbeitet, kann alſo
nicht Myron, der Schuͤler des Ageladas, ſeyn. Scopas war von der
Jnſel Paros: eine unbekleidete Venus von ihm, welche zu Rom war,
wurde des Praxiteles Statue dieſer Goͤttin vorgezogen. Jhm wurde auch
von einigen die Niobe zu Rom, von andern aber dem Praxiteles zugeſchrie-
ben, wie Plinius und eine Sinnſchrift auf dieſelbe anzeigen 1).

aa.
Sonderlich
der Niobe.

Wenn man annimmt, daß das bekannte Gruppo in der Villa Medi-
cis eben die Niobe iſt, von welcher Plinius redet, ſo wuͤrde aus der Jdea
der hohen Schoͤnheit in den Koͤpfen, von welcher ich im erſten Theile einen
Begriff gegeben, und aus der reinen Einfalt in Gewaͤndern, ſonderlich der
beyden juͤngern Toͤchter, die Wahrſcheinlichkeit fuͤr den Scopas ſtaͤrker,
als fuͤr den Praxiteles, ſeyn; da jener faſt hundert Jahre aͤlter iſt, als die-
ſer. Wollte jemand, welcher nicht Kenntniß genug hat, zweifeln, ob die
Niobe ein Original, oder eine Copie iſt, da ein paar Figuren dieſes Grup-
po nicht von eben der Hand, und in der That geringer zu achten ſind, ſo
wuͤrde dieſes dennoch den vornehmſten Kenntniſſen der Kunſt, welche aus
dieſem Werke zu ziehen ſind, nichts nehmen, und dieſer Zweifel machete
das Urtheil uͤber die Arbeit des Scopas nicht grundlos. Denn da ein ſo
großes und aus vielen Figuren beſtehendes Werk dieſes Kuͤnſtlers, allezeit
das erſte wird geblieben ſeyn unter denen, welche ſich eben dieſe Vorſtellung
gewaͤhlet haben, ſo wird auch daſſelbe von andern auf das genaueſte nach-
geahmet ſeyn, und wir koͤnnten aus der Copie allezeit von dem Stil des
erſten Meiſters urtheilen. Es ſind in der That Wiederholungen einiger
Figuren in eben dieſer Villa und im Campidoglio; hier eine von den

Toͤchtern,
1) L. 36. c. 4. n. 8. Anthol. L. 4. c. 3.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
Toͤchtern, und dort eine Tochter und ein Sohn: auch zu Dreßden iſt un-
ter den acht Statuen einer von den Soͤhnen der Niobe, welcher demjeni-
gen, der in der Villa Medicis geſtreckt liegt, aͤhnlich iſt, und, wie dieſer,
eine Wunde unter der Bruſt hat. Jn den Truͤmmern der ehemaligen Sal-
luſtiſchen Gaͤrten in Rom, fanden ſich einige Figuren in erhobener Arbeit,
und in Lebensgroͤße, welche eben dieſe Fabel vorſtelleten: Pirro Ligorio,
welcher dieſes in ſeinen Handſchriften in der Vaticaniſchen Bibliothek an-
gemerket hat, verſichert, daß ſie von ſehr ſchoͤner Arbeit geweſen; und viel-
leicht iſt dieſes erhoben gearbeitete Werk von eben der Fabel in der Gallerie
des Grafen Pembroke zu Wilton in Engeland. Es ſcheint, man wolle in
dem Verzeichniſſe dieſer Gallerie deſſen Werth nach dem Gewichte ange-
ben: denn mag ſagt, daß es an drey tauſend Engliſche Pfund ſchwer
ſey 1). Es enthaͤlt daſſelbe zwanzig Figuren, unter welchen ſieben Toͤchter
und eben ſo viel Soͤhne ſind; jene ſtehen und liegen, und einige von dieſen
ſitzen zu Pferde, welche ſo hoch gearbeitet ſind, daß der Kopf und der Hals
derſelben ganz vom Grunde hervor ſtehen: Apollo und Diana befinden ſich
nicht unter den Figuren. Jn dem Muſeo der Zeichnungen Sr. Eminenz
des Herrn Cardinals Alex. Albani, und zwar unter denjenigen, welche
der beruͤhmte Commendator del Pozzo geſammelt hat, befindet ſich eine
Zeichnung eines erhobenen Werkes von dieſer Fabel, ebenfalls aus zwanzig
Figuren, die Pferde nicht mit gerechnet, welche Zeichnung ich nach jenem
Werke genommen glaube, ehe es aus Rom gegangen iſt. Es ſind ſieben
Soͤhne, und eben ſo viel Toͤchter, nach dem Apollodorus, vorgeſtellet, vor
welchen die Niobe ſtehend, die zwo juͤngſten in ihrem Schooße verbergen
will, welches Amycle und Meliboͤa ſeyn wuͤrden, die, wie einige wollen,
dem Tode entgangen ſind. Fuͤnf Soͤhne ſind zu Pferde, und außer denſel-
ben ſind drey alte Maͤnnliche Figuren, welches ihre Hofmeiſter vorſtellen.

Jn
1) Deſcr. delle Pitt. Statue etc. à Wilton, p. 81.
Winckelm. Geſch. der Kunſt. U u

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
Jn eben dieſer Sammlung ſtellet eine andere Zeichnung ein Stuͤck einer er-
habenen Arbeit von eben dieſer Fabel mit drey Figuren vor; einen von den
Soͤhnen mit einer Wunde in der Seite, und zwo Toͤchter, von denen die
eine ſo geſtellet iſt, daß ihr Geſicht, und alſo ihr Schmerz, durch den er-
hobenen Arm verdecket iſt. Eben dieſe Fabel war erhoben gearbeitet
auf der Thuͤre von Elfenbein an dem Tempel des Apollo, welchen Augu-
ſtus auf dem Palatino bauete 1).

Pythagoras, der vierte unter den oben namhaft gemachten Kuͤnſt-
lern, wurde unter die erſten ſeiner Zeit gezaͤhlet, wie der Preis, welchen
er zu Delphos durch die Statue eines Pancratiaſten uͤber den Myron er-
halten, beweiſet. Alcamenes wurde fuͤr den naͤchſten nach dem groͤßten
Kuͤnſtler ſeiner Zeit gehalten 2): eins von ſeinen beruͤhmteſten Werken war
ſeine Venus, mit dem Zunamen, im Garten zu Athen. Dieſes wa-
ren die beruͤhmteſten Kuͤnſtler des hohen Stils der Kunſt.

bb.
Widerlegung
der Meynung,
daß die Ver-
goͤtterung des
Homerus aus
dieſer Zeit ſey.

Ein gelehrter Engelaͤnder behauptet 3), daß die bekannte Vergoͤtterung
des Homerus in dem Pallaſte Colonna zu Rom, zwiſchen der zwey und
ſiebenzigſten und vier und neunzigſten Olympias gemachet worden, und
dieſes aus Gruͤnden, welche ihm die vermeynte Schreibart eines Wortes
auf dieſem Marmor, welches die Zeit bedeutet, giebt. Wenn dieſes Vor-
geben ſeine Richtigkeit haͤtte, und mit dem Augenſcheine beſtehen koͤnnte, ſo
wuͤrde dieſes Werk eines der aͤlteſten Ueberbleibſel aus dem Alterthume,
und aus dem hohen Stile der Kunſt ſeyn. Es war nicht zu fordern, daß
er aus der Arbeit der Kunſt urtheilen ſollen, weil er das Stuͤck vermuth-
lich nicht geſehen; alſo hat er ſich auf die ſo viel und weitlaͤuftig abgehan-
delte Schreibart gedachten Worts verlaſſen 4). Es hat derſelbe aber nicht

gewußt,
1) Propert. L. 2. el. 23. v. 14.
2) Pauſan. L. 5. p. 399. l. ult.
3) Reinold. Hiſt. Litt. Gr. et Lat. p. 9.
4) Man leſe, was Spanheim, (de praeſt. Num. T. I. p. 96.) Cuper, Schott, und andere
(Chishul. Inſcr. Sig. p. 23.) uͤber das Wort [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt] geſagt haben.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
gewußt, daß Fabretti die Vergehung aller Gelehrten, die uͤber dieſes Werk
geſchrieben, in Abſicht des beſagten Worts bereits vor mir bemerket und
angezeiget 1): es ſteht dieſes Wort geſetzet, wie es ſollte gewoͤhnlich geſchrie-
ben werden, nemlich [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt] 2). Es wird folglich alle Muthmaſ-
ſung nichtig, welche aus einer uͤbel bemerkten Schreibart auf die Beſtim-
mung der Zeit dieſes Werks gemachet worden. Es iſt hingegen ſo wenig
gedachter Zeit gemaͤß, daß es vielmehr offenbar von ſpaͤterer, und von der
Kaiſer Zeiten ſeyn muß. Die Figuren ſind keine Spanne lang, folglich
zu klein, um eine ſchoͤne Zeichnung anzubringen; es ſind auch erhabene
Werke uͤbrig, welche in groͤßeren Figuren vielmehr geendiget, und fleißi-
ger ausgearbeitet ſind. Der auf demſelben geſetzte Name des Kuͤnſtlers,
Apollonius von Priene, giebt dem Werke keinen Schein von Vorzuͤg-
lichkeit der Kunſt: denn es finden ſich auf ſehr ſchlechten Arbeiten der letz-

ten
1) Eplic. Tab. Iliad. p. 347.
2) Eine andere Vergoͤtterung des Homerus iſt auf einem Geſaͤße von Silber, in Geſtalt ei-
nes Moͤrſers, unter den Herculaniſchen Entdeckungen |vorgeſtellet. Der Dichter ſitzet
auf einem Adler, von welchem er in die Luft getragen wird. Auf beyden Seiten ſitzen
zwo weibliche Figuren auf Zierrathen von Zweigen, beyde mit einem kurzen Degen an
der Seite. Die zur Rechten hat einen Helm; mit der einen Hand faſſet ſie an ihrem
Degen, und ſitzet mit geſtuͤtztem Hanpte, und in tiefen Gedanken: die andere hat ei-
nen ſpitzigen Huth, ſo wie er dem Ulyſſes gegeben iſt, und hat ebenfalls die eine Hand
am Degen, und mit der andern Hand haͤlt ſie ein Ruder. Jene bedeutet vermuthlich
die Jlias, als das Tragiſche Theil des Homerus, und dieſe die Odyſſea. Das Ruder
und der ſpitzige Huth ohne Krempen, nach Art der Levantiniſchen Seeleute, bildet des
Ulyſſes große Reiſen zu Waſſer. Die Schwanen unter den Zierrathen uͤber der vergoͤt-
terten Figur haben auch ihre Deutung auf den Dichter. Bajardi hat in dem Verzeich-
niſſe der Herculaniſchen Entdeckungen dieſe Vorſtellung ohne alle Anſcheinung eine Ver-
goͤtterung des Julius Caͤſars getauft a), wider welchen Einfall der Bart der auf dem
Adler getragenen Figur allein, ohne andere Kennzeichen, ein Bedenken haͤtte machen
ſollen. Herr Graf Caylus wuͤrde es ohne den Bart auf die Vergoͤtterung eines
Kaiſers deuten b): allein er hat nach einer Zeichnung geurtheilet, welche nur die Fi-
gur auf dem Adler zeiget.
a) Catal. de’ Monum. d’ Ercol. Vafi, No. DXXXX. p. 246.
b) Rec. d’ Antiq. T. 2. pl. XLI. p. 121.
U u 2

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
ten Zeit der Kunſt die Namen des Meiſters geſetzet, wie ich unten anfuͤh-
ren werde. Es iſt dieſes Werk auf der Via Appia, ohnweit Albano, an
einem Orte gefunden, welcher ehemals ad Bovillas, itzo alle Fratocchie
heißt, und dem Hauſe Colonna gehoͤret, wo ehemals eine Villa Kaiſers
Claudius war, und es iſt zu glauben, daß es zu dieſes Kaiſers Zeiten ge-
machet worden. An eben dem Orte iſt die ſogenannte Tabula Jliaca ge-
funden, welche nach Abſterben des letzten aus dem Hauſe Spagna in
Rom, in das Muſeum des Campidoglio verſetzet iſt; ingleichen die ſoge-
nannte Ausſoͤhnung des Hercules 1), welche in der Kleiderkammer des
Pallaſtes Farneſe war, und durch einen beſondern Zufall Sr. Eminenz
dem Herrn Cardinal Alex. Albani zu Theil worden iſt, welcher dieſelbe in
ſeiner Villa aufſtellen laſſen.

C.
Schickſale der
Kunſt durch
das Ungluͤck
von Athen in
dieſem Kriege,
und in der wie-
der hergeſtelle-
ten Freyheit
dieſer Stadt.

Jch kehre wiederum zur Geſchichte, und zu dem ungluͤcklichen Pelo-
ponneſiſchen Kriege zuruͤck, welcher ſich im erſten Jahre der vier und neun-
zigſten Olympias endigte, aber mit Verluſt der Freyheit von Athen, und
zugleich, wie es ſcheinet, mit großem Nachtheile der Kunſt. Die Stadt
wurde vom Lyſander belagert, und mußte ſich nach der Uebergabe unter
den ſchweren Arm der Spartaner und ihres Heerfuͤhrers demuͤthigen, wel-
cher ihren Hafen einreißen, die Mauern unter waͤhrender Muſik ſchleifen
ließ, und die ganze Form der Regierung aͤnderte. Der Rath von dreyßig
Perſonen, welchen er ſetzte, ſuchte, wenn es moͤglich geweſen waͤre, durch
Hinrichtung der edelſten Buͤrger auch den Saamen der Freyheit zu vertil-
gen. Jn dieſen Drangſalen trat Thraſybulus hervor, uud wurde ein Er-
retter ſeines Vaterlandes. Die Tyrannen wurden nach acht Monathen
theils verjaget, theils ermordet, und ein Jahr hernach wurde durch eine
oͤffentliche Verordnung der Vergeſſenheit alles deſſen, was vorgegangen
war, die Ruhe in Athen wieder hergeſtellet. Ja dieſe Stadt hob ſich wie-

derum
1) Donii Inſcr. T. I. Tab. 6. et Corſin. explic. huius Marm.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
derum empor, da Conon die Macht der Perſer wider Sparta aufbrachte,
an der Spitze einer Perſiſchen Flotte die Spartaniſche ſchlug, nach Athen
gieng, und die Mauern wieder anfieng aufzubauen.

Die Kunſt erwachte damals von neuem, und die Schuͤler der vorigenKuͤnſtler aus
dieſer Zeit.

großen Meiſter, Canachus, Naucydes, Diomedes und Patrochus
zeigeten ſich in der folgenden fuͤnf und neunzigſten Olympias. Wir ſehen
aus Angebung dieſer Zeit, in welche der Flor dieſer Meiſter geſetzet wird,
daß die Kunſt mit Athen immer einerley Schickſale gehabt, und daß ihr
Aufnehmen vorzuͤglich von dem Wohlſtande dieſer Stadt abgehangen.
Canachus iſt vornehmlich durch eine Statue des Apollo Phileſius, d. i.
des Kuͤſſenden, oder Gekuͤſſeten, bekannt; Naucydes arbeitete fuͤr die
Stadt Corinth eine Hebe von Golde und Elfenbein; aber ſie haben den
Ruhm ihrer Vorfahren nicht erreichet. Nach dieſen Kuͤnſtlern kam
Bryaxis, Leochares und Timotheus, in der hundert und zweyten
Olympias. Von den erſten war ein beruͤhmter Apollo zu Daphne bey An-
tiochia, und zu Rhodus fuͤnf Coloſſaliſche Statuen von Goͤttern: der an-
dere machte den ſchoͤnen Ganymedes, welchen der Adler auf das zaͤrtlichſte
gefaſſet hatte, und ſich zu fuͤrchten ſchien, ihm auch durch die Kleider
wehe zu thun 1) Von dem letzten war eine Diana in dem Pallaſte der
Kaiſer zu Rom.

Jn
1) Die Baſe, auf welcher der Ganymedes des Leochares ehemals in Rom ſtand, befindet
ſich noch itzo in der Villa Medicis, mit der Jnſchrift a):
[fremdsprachliches Material – fehlt]
Die Art der Jnſchrift, welche die Benennung des Werks anzeiget, „ein Werk des
„Leochares,
‟ anſtatt ſchlechthin, „Leochares hat es gemacht,‟ ferner die Form
der Buchſtaben zeigen, daß ſie nicht von der Zeit des Kuͤnſtlers ſey, und die Baſe iſt
vermuthlich in Rom gemachet: die Griechiſchen Bildhauer ſetzten im uͤbrigen ihre Na-
men
a) Spon. Miſcell. p. 127.
U u 3
II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
D.
Nach dem Pe-
loponneſiſchen
Kriege.

Jn der hunderten Olympias bekamen die Sachen in Griechenland ei-
ne andere Geſtalt, und es veraͤnderte ſich das Syſtema der Staaten durch
den Epaminondas, den groͤßten Mann aller Griechen, der ſein Vaterland
Theben, welches vorher geringe ſchien, groß und maͤchtig uͤber Athen und
Sparta machete. Dieſe beyden Staͤdte trieb ſogleich die Furcht zur Ein-
tracht; ſie macheten Friede in der hundert und zweyten Olympias, und
Athen war in Ruhe, da Epaminondas die beruͤhmten Siege uͤber die La-
cedaͤmonier bey Leuctra und bey Mantinea erfochte.

Kuͤnſtler die-
ſer Zeit, und
vornehmlich
a.
Praxiteles,
und deſſen
Werke.

Mit dieſer Zeit faͤngt das letzte Alter der großen Leute in Griechen-
land an; die Zeit ihrer letzten Helden und Weiſen, ihrer feinſten Scriben-
ten und groͤßten Redner. Xenophon und Plato waren in ihren beſten
Jahren, und Demoſthenes trat nach ihnen auf, und redete unuͤberwindlich
fuͤr ſein Vaterland. Eben dieſe Zeit iſt es, in welcher an hundert Jahre
nach dem Phidias, Praxiteles gebluͤhet hat. Alle Welt redet von ſeinem
geprieſenen ([fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]) Satyr, von ſeinem Cupido zu Theſpis 1), und

von
men nicht allezeit auf dem Sockel ihrer Statuen, ſondern auch auf das Baſament der-
ſelben. Es ſind einige von denſelben mit dem Namen des Kuͤnſtlers, oder der abge-
bildeten Perſon, welche in Griechenland geblieben, da die Statuen ſelbſt nach Rom ge-
fuͤhret worden, vom Pauſanias angezeiget b): es kann aber ſeyn, daß die Jnſchrift
zum Gedaͤchtniſſe der weggefuͤhrten Statuen, auf die Baſe geſetzet worden. Derglei-
chen Baſament, auf welchem die Statue eines Siegers in den Spielen, Menip-
pus, ſtand, nach der Jnſchrift auf derſelben, iſt zu unſeren Zeiten bey Sparta gefun-
den worden c).
1) Thuanus d) redet von einem ſchlafenden Cupido, welchen das Herzogliche Haus Eſte zu
Modena beſeſſen, und welcher fuͤr eine Arbeit des Praxiteles gehalten wurde. Ande-
re erzaͤhlen die bekannte Hiſtorie von einem Cupido des Michael Angelo an eben dem
Orte, welches derjenige ſoll geweſen ſeyn, den er, wie man ſagt, vergraben, und nach-
her als eine alte Statue verkauft habe e). Es wird hinzugeſetzet, dieſer Kuͤnſtler habe
verlanget, ſeinen Cupido niemals, als zugleich mit dem alten Cupido, ſehen zu laſſen,
zum
d) de Vita ſua L. 1. p. 14. T. 7. edit. Opp. Londin.
e) Condivi Vita di Michel Angelo, f. 10.
b) L. 8. p. 678. l. 41. ibid. p. 698. l. 28.
c) Caylus Rec. d’ Antiq. T. 2. p. 105.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
von der Venus zu Gnidus. Viele von ſeinen Statuen waren den Alten
ſchon durch ihre Beynamen bekannt, und wenn jemand den Savrocto-
non, das iſt, der eine Eydex toͤdtet, nennete, ſo wußte man, daß ein
Apollo des Praxiteles gemeynet war. Dieſe Figur iſt ſehr oft copiret, und
in der Villa Borgheſe befindet ſie ſich zweymal in der Groͤße eines jungen
Knabens, an einem Baume ſtehend, an welchem eine Eydex kriechet, auf
welche die Figur zu lauren ſcheint: eben dieſe Stellung hat eine kleine Fi-
gur von Erzt, fuͤnf Palme hoch, in der Villa Albani. Es hat ſich alſo
das Bild von jener Statue nicht bloß allein auf einem geſchnittenen Stei-
ne erhalten, wie der Herr von Stoſch meynet 1), und es war dieſelbe nicht
von Erzt, wie eben derſelbe angiebt, ſondern von Marmor, und eine von
den Borgheſiſchen Figuren waͤre wuͤrdig, das Original zu ſeyn. Einige
Scribenten haben vorgegeben, Praxiteles ſey aus Großgriechenland gewe-
ſen, und habe das Roͤmiſche Buͤrgerrecht erhalten 2): man hat aber den
Paſiteles, aus großer Unwiſſenheit der Umſtaͤnde der Zeit, mit jenem
verwechſelt; Riccoboni irrete, wie ich glaube, zuerſt, und dieſem ſind
andere gefolget. Paſiteles lebete zu den Zeiten des Cicero, und er ſtellete
den beruͤhmten Roſcius in Silber geſchnitzet vor, wie ihn ſeine Amme in
der Wiege von einer Schlange umwunden ſah 3); es muß alſo am angezo-
genen Orte anſtatt Praxiteles, wie die gedruckten Buͤcher leſen, Paſiteles

geſetzet
zum Beweis, wie vorzuͤglich der alte Kuͤnſtler vor dem Neuern geweſen. Der erſte
Cupido aber wird nicht mit mehr Grunde eine Arbeit des Praxiteles geweſen ſeyn, als
es ein Cupido zu Venedig iſt, welchen man auch unter dem Namen dieſes großen Kuͤnſt-
lers will gehen laſſen. Am wenigſten iſt des Praxiteles eine kleine Venus mit dem
Cupido, wie uns jemand f) uͤberreden will, wuͤrdig.
1) Pier. grav. Pref. p. XIX.
2) Riccoboni Not. ad fragm. Varron. in Comment. de Hiſt. p. 153. Car. Steph. Hof-
manni et Daneti Dict. d’ Antiq. Lettre ſur une pretendue Med. d’ Alexandre, p.
3.
3) Cicero de diuinat. L. 1. c. 36.
f) Bernini Vit. del Cav. Bernini, p. 17.

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
geſetzet werden 1). Ein anderer Bildſchnitzer war derjenige Praxiteles,
welchen Theocritus anfuͤhret 2). Die Soͤhne des beruͤhmten Praxiteles
folgeten ihrem Vater in der Kunſt, und es wird einer Statue der Goͤttinn
Enyo, und eines Cadmus beym Pauſanias 3) gedacht, welche ſie gemein-
ſchaftlich gearbeitet: einer von ihnen hieß Cephiſſodorus, und von ihm
war das Symplegma, oder ein Paar, welche mit einander rungen, zu
Epheſus 4). Die beyden Ringer in der Tribuna der Großherzoglichen
Gallerie zu Florenz, verdienen fuͤr eine Arbeit entweder des Cephiſſodo-
rus, oder des Heliodorus, welcher das andere beruͤhmte Paar ſolcher
Ringer machte 5), gehalten zu werden. Ein anderer von des Praxiteles
Soͤhnen hieß Pamphilus 6).

b.
Lyſippus und
deſſen faͤlſch-
lich vermeyn-
te Werke.

Einige Zeit nach dem Praxiteles erſchien Lyſippus, welcher auf der
Bahne, die allezeit die groͤßten Menſchen in ihrer Art betreten haben, zur
Vollkommenheit in ſeiner Kunſt gieng: dieſer Weg iſt, ſelbſt die Quelle zu
ſuchen, und zu dem Urſprunge zuruͤck zu kehren, um die Wahrheit rein und
unvermiſcht zu finden. Die Quelle und der Urſprung in der Kunſt iſt die
Natur ſelbſt, die, wie in allen Dingen, alſo auch hier, unter Regeln,
Saͤtzen und Vorſchriften ſich verlieren, und unkenntlich werden kann.

Was
1) Die zwo aͤlteſten Handſchriften, die in der St. Marcusbibliothek zu Venedig, und die
in der Laurentianiſchen zu Florenz, haben die Lesart der gedruckten Buͤcher.
2) Idyl. 5. v. 105.
3) Pauſan. L. 1. p. 20. l. 16.
4) Plin. L. 34. c. 5.
5) Idem L. 36. c. 4. n. 10.
6) Seit ein paar Jahren hat ſich aus der Villa Negroni ein Kopf mit dem Namen Eu-
bulus,
eines Praxiteles Sohn, verlohren: die Form der Buchſtaben iſt etwas ver-
ſchieden von der Jnſchrift, wie dieſelbe in Buͤchern ſteht a): ich gebe ſie aus einer rich-
tigen Zeichnung:
[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]
Die Art zu ſchreiben deutet nicht auf des beruͤhmten Praxiteles Zeit.
a) Stoſch Pier. gr. Pref. p. XI.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
Was Cicero ſagt, daß die Kunſt ein richtigerer Fuͤhrer, als die Natur,
ſey 1), kann auf einer Seite, als richtig, auf der andern, als falſch be-
trachtet werden. Nichts entfernet mehr von der Natur, als ein Lehrge-
baͤude, und eine ſtrenge Folge nach demſelben, und dieſes war zum Theil
mit die Urſache von einiger Haͤrte, welche in den mehreſten Werken der
Kunſt vor dem Lyſippus geblieben war. Dieſer Kuͤnſtler ſuchte die Natur
ſelbſt nachzuahmen, und folgete ſeinen Vorgaͤngern nur in ſo weit ſie die-
ſelbe erreichet, oder ſich weislich uͤber dieſelbe erhoben hatten 2). Er lebete
zu einer Zeit, in welcher die Griechen die Suͤßigkeit der Freyheit ohne Bit-
terkeit ſchmecketen, in einiger Erniedrigung, aber in Eintracht; und die
faſt erloſchene Eiferſucht, welche ſie entkraͤftet hatte, ließ ihnen, wie wenn
ihre Wuth in der Liebe aufhoͤret, eine ſtolze Erinnerung der vormaligen
Groͤße, und die Ruhe uͤbrig, da die Macedonier, die Feinde ihrer Frey-
heit, aus welchem Lande man ehemals nicht einmal einen nuͤtzen Leibeige-
nen haben konnte 3), ſich uͤber ſie erhoben hatten, die ſich aber noch begnuͤ-
geten, der Freyheit nur die Waffen genommen zu haben, und ferne von
ihnen Abentheuer und andere Reiche ſucheten. Alexander in Perſien,E.
Unter Alexan-
der dem Groſ-
ſen.

und Antipater in Macedonien, waren vergnuͤgt, die Griechen ruhig zu ſe-
hen, und man gab ihnen nach der Zerſtoͤrung der Stadt Theben keine Ur-
ſache zum Misvergnuͤgen.

Jn dieſer Ruhe uͤberließen ſich die Griechen ihrer natuͤrlichen Nei-
gung zum Muͤßiggange und zu Luſtbarkeiten 4): und Sparta ſelbſt gieng
von ſeiner Strenge ab 5): der Muͤßiggang fuͤllete die Schulen der Philoſo-
phen, die ſich vervielfaͤltigten, und ſich ein groͤßeres Anſehen gaben; die
Luſtbarkeiten beſchaͤftigten Dichter und Kuͤnſtler, und dieſe ſuchten nach

dem
1) de Fin. L. 4. c. 4.
2) Plin. L. 34. c. 19.
3) Demoſth. Phil. 3. p. 48. a. l. 23.
4) Ariſtot. Polit. L. 7. c. 14. p. 209. edit. Wechel.
5) Ibid. p. 208.
Winckelm. Geſch. der Kunſt. X x

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
dem Geſchmacke ihrer Zeit das Sanfte und Gefaͤllige, da die Nation in
der Weichlichkeit ihren Sinnen zu ſchmeicheln ſuchte. Die beſten Dichter
und Kuͤnſtler aber, die ſich in dieſer Zeit beruͤhmt gemacht haben, waren
noch von dem Stamme, welcher in dem Grunde der ſtolzen Freyheit ge-
pflanzet war, entſproſſen, und die Sitten des Volks befoͤrdeten die letzte
Feinheit und den auf das hoͤchſte getriebenen Geiſt in den Werken des Wi-
tzes und der Kunſt. Menander trat mit den ausgeſuchteſten Worten,
mit dem abgemeſſenſten und wohlklingenſten Maße, mit gereinigten Sit-
ten, in Abſicht zugleich zu beluſtigen, und zu lehren, und zu tadeln, mit ei-
nem feinen Attiſchen Salze auf die Schaubuͤhne, als der erſte, dem ſich
die Comiſche Gratie in ihrer lieblichſten Schoͤnheit gezeiget hat. Die un-
ſchaͤtzbaren Stuͤcke, welche uns die Zeit von mehr als hundert verlohrnen
Comoͤdien deſſelben erhalten hat, koͤnnen uns, in Abſicht der unſtreitigen
Gemeinſchaft der Poeſie und Kunſt, und des Einfluſſes einer in die ande-
re, außer dem Zeugniſſe der Scribenten, ein Bild geben, auch von den
Schoͤnheiten der Werke der Kunſt, welche Apelles und Lyſippus in die
Gratie einkleideten. Jhre beſten Werke ſind zu bekannt, als daß ich die-
ſelben hier anfuͤhren darf: ein Hercules aber in Marmor zu Florenz mit
dem Namen des Lyſippus 1) verdienete nicht erwaͤhnet zu werden, wenn
dieſe Statue nicht als ein wahres Werk deſſelben geprieſen waͤre 2). Es
iſt bereits von andern bemerket, daß dieſer Name untergeſchoben ſey 3), und
es iſt nicht bekannt, daß dieſer Kuͤnſtler in Marmor gearbeitet habe: ſiehe,
was ich im Erſten Theile bey Gelegenheit dieſer und anderer ſolcher Jn-
ſchriften angemerket habe.

Das
1) Dieſer Name iſt von dem Erklaͤrer der alten Statuen nicht bemerket; es waͤre derſelbe
ſonſt nicht auf die Gedanken gerathen, daß dieſelbe ein Werk des Polycletus ſeyn koͤn-
ne a). Von einem und dem andern Kuͤnſtler wuͤrde dieſer Hercules keinen ſehr großen
Begriff geben.
a) Racc. di Stat. colle ſpieg. di Maffei n. 44. conf. Cambiagi Giard. di Boboli, p. 9.
2) Maffei Raccolt. di Stat.
3) Maffei Obſerv. Lett. T. I. p. 398.
der Zeit unter den Griechen betrachtet.

Das guͤtige Schickſal aber, welches auch uͤber die Kuͤnſte bey ihrera.
Von der Sta-
tue des Lao-
coon.

Vertilgung noch gewachet, hat aller Welt zum Wunder ein Werk aus die-
ſer Zeit der Kunſt erhalten, zum Beweis von der Wahrheit der Geſchichte
von der Herrlichkeit ſo vieler vernichteten Meiſterſtuͤcke. Laocoon, nebſt
ſeinen beyden Soͤhnen, vom Ageſander, Apollodorus und Athanodo-
rus aus Rhodus
1) gearbeitet, iſt nach aller Wahrſcheinlichkeit aus dieſer
Zeit, ob man gleich dieſelbe nicht beſtimmen, und, wie einige gethan ha-
ben, die Olympias, in welcher dieſe Kuͤnſtler gebluͤhet haben, angeben
kann 2) Wir wiſſen, daß man dieſes Werk ſchon im Alterthume allen

Gemaͤl-
1) Zu Nettuno, ehemals Antium, hat der Herr Cardinal Alexander Albani im Jahre
1717. in einem großen Gewoͤlbe, welches im Meere verſunken lag, eine Baſe einer
Statue entdecket, welche von ſchwarzgraͤulichem Marmor iſt, den man itzo Bigio nen-
net, in welche die Figur eingefuͤget war: auf derſelben befindet ſich folgende Jnſchrift:
[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]
Athanodorus des Ageſanders Sohn, aus Rhodus, hat es gemacht.‟ Wir
fernen aus dieſer Jnſchrift, daß Vater und Sohn am Laocoon gearbeitet haben, und
vermuthlich war auch Apollodorus des Ageſanders Sohn: denn dieſer Athanodorus
kann kein anderer ſeyn, als der, welchen Plinius nennet. Es beweiſet ferner dieſe
Jnſchrift, daß ſich mehr Werke der Kunſt, als nur allein drey, wie Plinius will,
gefunden haben, auf welche die Kuͤnſtler das Wort „Gemacht‟ in vollendeter und be-
ſtimmter Zeit geſetzet, nemlich [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], fecit: er berichtet, daß die uͤbrigen Kuͤnſtler
aus Beſcheidenheit ſich in unbeſtimmter Zeit ausgedruͤcket, [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], faciebat. Unter ge-
dachtem Gewoͤlde, tiefer im Meere, fand ſich ein Stuͤck eines großen Werks erhobener
Arbeit, auf welchem man itzo nur noch ein Stuͤck eines Schildes, und eines Degens,
unter demſelben haͤngend, und uͤbereinander geworfene Stuͤcke großer Steine vorgeſtel-
let ſieht, an deren Fuß eine Tafel angelehnet liegt: mit der Zierlichkeit und Ausfuͤh-
rung der Arbeit dieſes Werks, iſt kein anderes von allen, die ſich erhalten haben, zu
vergleichen. Es ſteht daſſelbe bey dem Bildhauer Barthol. Cavacepi.
2) Plinius meldet kein Wort von der Zeit, in welcher Ageſander und die Gehuͤlfen an ſei-
nem Werke gelebet haben: Maffei aber in der Erklaͤrung alter Statuen, hat wiſſen
wollen, daß dieſe Kuͤnſtler in der acht und achtzigſten Olympias gebluͤhet haben, und
auf deſſen Wort haben andere, als Richardſon, nachgeſchrieben. Jener hat, wie ich
glaube, einen Athenodorus unter des Polycletus Schuͤlern a), fuͤr einen von unſern
Kuͤnſtlern
a) Plin. L. 34. c. 19.
X x 2

I Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
Gemaͤlden und Statuen vorziehen wollte, und alſo verdienet es bey der
niedrigern Nachwelt, die nichts in der Kunſt demſelben zu vergleichen her-
vorgebracht hat, um deſto groͤßere Aufmerkſamkeit und Bewunderung.
Der Weiſe findet darinnen zu forſchen, und der Kuͤnſtler unaufhoͤrlich zu
lernen, und beyde koͤnnen uͤberzeuget werden, daß mehr in demſelben ver-
borgen liegt, als was das Auge entdecket, und daß der Verſtand des Mei-
ſters viel hoͤher noch, als ſein Werk, geweſen.

Laocoon iſt eine Natur im hoͤchſten Schmerze, nach dem Bilde eines
Mannes gemacht, der die bewußte Staͤrke des Geiſtes gegen denſelben zu
ſammeln ſuchet; und indem ſein Leiden die Muskeln aufſchwellet, und die
Nerven anziehet, tritt der mit Staͤrke bewaffnete Geiſt in der aufgetriebe-
benen Stirne hervor, und die Bruſt erhebet ſich durch den beklemmten
Othem, und durch Zuruͤckhaltung des Ausbruchs der Empfindung, um
den Schmerz in ſich zu faſſen und zu verſchließen. Das bange Seufzen,
welches er in ſich, und den Othem an ſich zieht, erſchoͤpfet den Unterleib,
und machet die Seiten hohl, welches uns gleichſam von der Bewegung ſei-
ner Eingeweide urtheilen laͤßt. Sein eigenes Leiden aber ſcheint ihn weni-
ger zu beaͤngſtigen, als die Pein ſeiner Kinder, die ihr Angeſicht zu ihrem
Vater wenden, und um Huͤlfe ſchreyen: denn das vaͤterliche Herz offen-
baret ſich in den wehmuͤthigen Augen, und das Mitleiden ſcheint in einem
truͤben Dufte auf denſelben zu ſchwimmen. Sein Geſicht iſt klagend, aber
nicht ſchreyend, ſeine Augen ſind nach der hoͤhern Huͤlfe gewandt. Der
Mund iſt voll von Wehmuth, und die geſenkte Unterlippe ſchwer von der-
ſelben; in der uͤberwerts gezogenen Oberlippe aber iſt dieſelbe mit Schmerz

vermi-
Kuͤnſtlern genommen, und da Polycletus in der ſieben und achtzigſten Olympias gebluͤ-
het, ſo hat man ſeinen vermeynten Schuͤler eine Olympias ſpaͤter geſetzet: andere
Gruͤnde kann Maffei nicht haben. Rollin redet vom Laocoon, als wenn er nicht in
der Welt waͤre b).
b) Hiſt. anc. T. XI. p. 87.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
vermiſchet, welcher mit einer Regung von Unmuth, wie uͤber ein unver-
dientes unwuͤrdiges Leiden, in die Naſe hinauftritt, dieſelbe ſchwuͤlſtig
macht, und ſich in den erweiterten und aufwerts gezogenen Nuͤſſen offen-
baret. Unter der Stirn iſt der Streit zwiſchen Schmerz und Widerſtand,
wie in einem Punkte vereiniget, mit großer Weisheit gebildet: denn in-
dem der Schmerz die Augenbranen in die Hoͤhe treibet, ſo druͤcket das
Straͤuben wider denſelben das obere Augenfleiſch niederwerts, und gegen
das obere Augenlied zu, ſo daß daſſelbe durch das uͤbergetretene Fleiſch bey-
nahe ganz bedeckt wird. Die Natur, welche der Kuͤnſtler nicht verſchoͤ-
nern konnte, hat er ausgewickelter, angeſtrengeter und maͤchtiger zu zeigen
geſuchet: da, wohin der groͤßte Schmerz geleget iſt, zeiget ſich auch die
groͤßte Schoͤnheit. Die linke Seite, in welche die Schlange mit dem wuͤ-
tenden Biſſe ihren Gift ausgießet, iſt diejenige, welche durch die naͤchſte
Empfindung zum Herzen am heftigſten zu leiden ſcheint, und dieſer Theil
des Koͤrpers kann ein Wunder der Kunſt genennet werden. Seine Bei-
ne wollen ſich erheben, um ſeinem Uebel zu entrinnen; kein Theil iſt in
Ruhe: ja die Meißelſtreiche ſelbſt helfen zur Bedeutung einer erſtarre-
ten Haut 1).

Es haben einige wider dieſes Werk Zweifel aufgeworfen, und, weil
es nicht aus einem einzigen Stuͤcke beſteht, welches Plinius von dem Lao-
coon in den Baͤdern des Titus verſichert, ſondern aus zwey Stuͤcken zu-
ſammengeſetzet iſt, will man behaupten, es ſey der gegenwaͤrtige Laocoon
nicht der alte ſo beruͤhmte. Pirro Ligorio iſt einer von denſelben, und
er will aus Stuͤcken von Fuͤßen und Schlangen, die groͤßer, als die Na-

tur,
1) Jch habe in einer beglaubten ſchriftlichen Nachricht gefunden, das Pabſt Julius II. dem
Felix von Fredis, welcher den Laocoon in den Baͤdern des Titus entdeckete, ihm und
ſeinen Soͤhnen zur Belohnung introitus et portionem gabellae Portae S. Iohannis
Lateranenſis
verliehen habe. Leo X. aber gab dieſe Einkuͤnfte an die Kirche von St.
Johann Lateran zuruͤck, und jenem an deren Stelle Officium Scriptoriae Apoſtolicae,
woruͤber ihm den neunten November 1517. ein Breve ausgefertiget wurde.
X x 3

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
tur, waren, und ſich zu deſſen Zeit fanden, glauben machen, der wahre
alte Laocoon ſey viel groͤßer, als der itzige, geweſen, und dieſes vorausge-
ſetzet, will er angezeigte Stuͤcke viel ſchoͤner, als die Statue im Belvedere,
gefunden haben: dieſes ſchreibt derſelbe in ſeinen Handſchriften in der Va-
ticaniſchen Bibliothek. Den unerheblichen Zweifel uͤber die zwey Stuͤcke
haben auch andere angefuͤhret, ohne zu bedenken, daß die Fuge ehemals
nicht, wie itzo, ſichthar geweſen ſeyn wird. Das Vorgeben des Ligorio
aber iſt nur zu merken wegen eines zerſtuͤmmelten Kopfs uͤber Lebensgroͤße
unter den Truͤmmern hinter dem Farneſiſchen Pallaſte, an welchem man
noch eine Aehnlichkeit mit dem Kopfe des Laocoons bemerket, und der viel-
leicht zu den obigen Fuͤßen und Schlangen gehoͤret; itzo iſt dieſer zerſtuͤm-
melte Kopf, nebſt andern Truͤmmern, nach Neapel gefuͤhret worden. Jch
kann nicht unangemerket laſſen, daß ſich zu St. Jldefonſe, dem Luſtſchloſſe
des Koͤnigs in Spanien, ein erhoben gearbeitetes Werk findet, welches
den Laocoon, nebſt ſeinen beyden Soͤhnen, vorſtellet, uͤber welche ein flie-
gender Cupido ſchwebet, als wenn er ihnen zu Huͤlfe kommen wollte.

Außer dieſem ſchoͤnſten und großen Werke der hoͤchſten Zeit der Kunſt,
lebet dieſelbe in den Muͤnzen Koͤnigs Philippus von Macedonien, Alexan-
ders des Großen, und deſſen naͤchſten Nachfolger: der ſitzende Jupiter auf
Alexanders Muͤnzen in Silber, kann uns ein Bild geben von dem Olym-
piſchen Jupiter des Phidias; ſo viel Goͤttlichkeit iſt auch in den kleinen
Zuͤgen ſeines Geſichts geleget, und die Arbeit iſt zur hoͤchſten Feinheit ge-
trieben. Auch der ſchoͤne Kopf dieſes Koͤnigs in Marmor, groͤßer als die
Natur, in der Gallerie zu Florenz, koͤnnte dieſer Zeit wuͤrdig geachtet wer-
den: ein kleinerer Kopf deſſelben in Lebensgroͤße im Campidoglio, iſt wie
fuͤr eine Copie nach jenem Kopfe von der Hand eines guten Kuͤnſtlers zu
achten. Ein vermeynter Kopf des Alexanders in Erzt unter den Hercula-
niſchen Entdeckungen, iſt in den Augen desjenigen, welcher jene kennet,
und unterſuchet hat, nur mittelmaͤßig.

Man
der Zeit unter den Griechen betrachtet.

Man wird hier ein Urtheil erwarten uͤber zween geſchnittene Steineb.
Von vermeyn-
ten geſchnitte-
nen Steinen
des Pyrgote-
les aus dieſer
Zeit.

mit Koͤpfen des Alexanders und des Phocions, auf welchen der Name
Pyrgoteles ſteht 1), der nur allein das Recht hatte, den Kopf dieſes Koͤ-
nigs zu ſchneiden. Beſagte Stuͤcke ſind in allen Schriften fuͤr eine Arbeit
dieſes Meiſters erkannt, und es wird eine Verwegenheit ſcheinen, dem er-
ſten das vorgegebene Alterthum abzuſprechen. Den Stein, mit dem ver-
meynten Kopfe des Phocions, welcher ein Cameo iſt, hat weder Bello-
ri
2), noch der Herr von Stoſch geſehen, ſondern beyde haben nur nach
einem Abguſſe geurtheilet, welcher von einem ſchlechten Abdrucke in Sie-
gellack genommen war: denn der Stein war in dem Graͤflichen Hauſe Ca-
ſtiglione,
entfernet von Rom, und es war nicht zu erhalten, denſelben
nach Rom zu uͤbermachen, um ihn richtig zu formen und in Schwefel ab-
zugießen. Der itzige Beſitzer deſſelben iſt der Herr Cardinal Alex. Albani,
und ich kann von dieſem Steine urtheilen, weil ich ihn unter den Haͤnden
habe 3). Erſtlich hat die Form der Buchſtaben von dem Namen Phocion
ſowohl, als des Pyrgoteles, nicht das Alterthum dieſer Zeit; hernach iſt
die Arbeit unter dem Begriffe von einem ſo beruͤhmten Kuͤnſtler. Alt iſt
der Kopf, und der Name Phocion wird es auch ſeyn, aber nicht der Na-
me der Perſon, ſondern des Steinſchneiders: der Name Pyrgoteles aber
wird in neuern Zeiten zugeſetzet worden ſeyn. Herr Zanetti in Venedig
beſitzet einen dieſem aͤhnlichen Stein 4), welches glaublich eben derſelbe iſt,
von welchem Vaſari Nachricht ertheilet 5), von Alexander Ceſari, mit

dem
1) Stoſch Pier. grav. n. 55. 56.
2) Imag. illuſtr. Viror. fol. 85. p. 10.
3) Es geht eine Sage umher, der Herr Cardinal habe denſelben fuͤr 1200 Sendi, andere
wollen Zecchini, erſtanden, welches beydes falſch iſt; er erhielt denſelben zum Geſchen-
ke von dem noch lebenden Canonico Caſtiglione.
4) Gori Dactyl. Zanet. tav. 3.
5) Vite de’ Pitt. P. 3. p. 291. ed. Fir. 1568. conf. Venati Praef. ad Num. Pontif. Rom.
p. XXII.

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
dem Zunamen, der Grieche, geſchnitten 1): er wurde dem Beſitzer von
dem Fuͤrſt Wenzel von Lichtenſtein geſchenket. Den vermeynten Kopf des
Alexanders ließ der Herr von Stoſch nach einem Abdrucke von Wachs
von Picart ſtechen, welcher uͤber dieſen Kopf, der halb ſo groß, als das
Kupfer, iſt, von ihm ſelbſt war geformet worden; aber aus dieſem Abdru-
cke war wenig zu urtheilen. Dieſes Stuͤck iſt nicht in dem Cabinette des
Koͤnigs von Preußen, wie Natter vorgiebt 2), ſondern in den Haͤnden
des Grafens von Schoͤnborn, welcher dem Herrn Cardinal Alex. Albani
den Abdruck der Schrift, und vornehmlich des Namens des Kuͤnſtlers,
nach Rom uͤbermachte, und man erkannte die Schrift fuͤr alt. Weiter
kann ich nicht davon urtheilen.

c.
Von Bruſt-
bildern des
Demoſthenes.

Bey Gelegenheit erinnere ich, daß der ehemals in Spanien zu Ta-
ragona
gefundene Kopf mit dem Namen Demoſthenes, welchen Fulvius
Urſinus und Bellori, nebſt andern, fuͤr das Bild des beruͤhmten Redners
aus dieſer Zeit halten, eine andere Perſon vorſtellen muͤſſe. Denn zwey
ſchoͤne Bruſtbilder in Erzt, aber kleiner, als die Natur, und das kleinſte
mit dem untergeſetzten Namen Demoſthenes, welches nebſt den Bildern
anderer beruͤhmten Maͤnner im Herculano gefunden iſt, haben einen Bart,
und jener Kopf, welcher dieſem gar nicht aͤhnlich iſt, hat das Kinn glatt;
jene Koͤpfe ſind alſo das wahre Bild des Redners.

d.
Von einer
Statue des
Jupiter U-
rius.

Von einer Statue eines Jupiter Urius, das iſt, der guten
Wind verleihet,
welche derjenige Philo, deſſen Statue des Hephaͤ-
ſtions, Alexanders Lieblings, ſehr geſchaͤtzet wurde, kann gemachet ha-
ben, befindet ſich noch die Baſe, nebſt der Jnſchrift, zu Chalcedon

am
1) Von eben dieſem Kuͤnſtler war das Bildniß Koͤnig Heinrichs II. in Frankreich in Stein
geſchnitten, in dem Cabinette von Crozat. v. Mariette Deſer. des pier. grav. de ce
Cabinet, p.
69.
2) Traité de la Grav. en Pier. Préf. p. IX.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
am ſchwarzen Meere 1): denn die Baſen weggefuͤhrter Statuen blie-
ben zuruͤck 2).

Jn der Ordnung, in welcher Plinius die Kuͤnſtler namhaft machet,e.
Von dem ſo-
genannten
Farneſiſchen
Ochſen.

koͤnnte es ſcheinen, daß Apollonius und Tauriſcus aus Rhodus, die
Meiſter eines großen Werks, aus einem einzigen Blocke Marmor, wel-
ches den Zethus und Amphion, nebſt ihrer Mutter Antiope, und ihre Stief-
mutter Dirce, an einen Ochſen gebunden, vorſtellete, aus dieſer Zeit ge-
weſen. Man kann glauben, daß der ſogenannte Farneſiſche Ochſe eben
dieſes Werk ſey, und es ſcheint nicht glaublich, daß man ein ſo ungewoͤhn-
lich großes Werk wiederholet habe. Aber die es weit unter dem Begriffe,
den eine Arbeit aus guter Zeit geben ſollte, und fuͤr eine ſogenannte Roͤmi-
ſche Arbeit halten 3), ſind ſo wie alle, die von dieſem Werke geſchrieben
haben, blind geweſen. Denn was das Schoͤnſte ſeyn ſollte, iſt neu, was
man auch ſchreiben mag, daß es ohne den geringſten Mangel in den Baͤ-
dern von Caracalla gefunden worden, und keine andere Huͤlfe noͤthig ge-
habt, als die Zuſammenfuͤgung der gebrochenen Theile 4). Die oberſte
Haͤlfte der Dirce bis auf die Schenkel iſt neu; am Zethus und Amphion iſt
nichts, als der Rumpf, alt, und ein einziges Bein an der einen von bey-
den Figuren; die Koͤpfe derſelben ſcheint der Ergaͤnzer nach einem Kopfe
des Caracalla gemacht zu haben; dieſer Bildhauer hieß Battiſta Bianchi,
ein Maylaͤnder. Antiope, welche ſteht, und der ſitzende junge Menſch,
die ſich faſt voͤllig erhalten, haͤtten den großen Unterſchied zeigen ſollen.
Man wird aufhoͤren ſich zu verwundern, daß ſich der Strick erhalten hat,
wenn der Kopf des Ochſens, an welchem derſelbe gebunden, neu iſt.

Aldro-
1) Spon Miſcel. p. 332. Wheler’s Voyage of Grece, p. 209. Chishul. Inſcr. Sig. p. 61.
2) conf. Pauſan. L. 8. p. 678. lin. penult. ibid. p. 698. l. 30.
3) Ficoroni Rom. mod. p. 44.
4) Maffei Spieg. delle Stat. ant. tav. 48. Caylus Diſſ. ſur la Scult. p. 325.
Winckelm. Geſch. der Kunſt. Y y

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
Aldrovandi 1) beſchreibt dieſes Werk, ehe es ergaͤnzet worden, und da-
mals hielt man es fuͤr einen Hercules, welcher den Marathoniſchen Stier
erleget. Jn der Villa Borgheſe findet ſich an der vordern Seite des Pal-
laſtes ein noch nicht bemerktes ſeltenes erhabenes Werk, welches den Am-
phion und Zethus, nebſt Antiope, ihrer Mutter, in der Mitten, vorſtellet,
wie die obengeſetzten Namen der Figuren anzeigen. Amphion hat die Leyer,
und Zethus, als ein Schaͤfer, ſeinen runden Hut auf die Schultern herun-
ter geworfen, nach Art der Pilgrimme: ihre Mutter ſcheint die Soͤhne um
Rache anzuflehen wider die Dirce. Eben dieſe Vorſtellung, und jener voll-
kommen aͤhnlich, aber ohne Namen, findet ſich in der Villa Albani.

III.
Von der Kunſt
nach Alexan-
ders Zeiten,
und von der
Abnahme der-
ſelben.

Nach Alexanders des Großen Tode, erhoben ſich Empoͤrungen und
blutige Kriege in den eroberten Reichen deſſelben, und auch in Macedonien
ſelbſt, unter deſſen naͤchſten Nachfolgern, die um die hundert und vier und
zwanzigſte Olympias alle ſchon mit Tode abgegangen waren 2), und die
A.
Unter den
naͤchſten Nach-
folgern.
Kriege dauerten fort auch unter den Nachfolgern und Soͤhnen von dieſen.
Griechenland litt in kurzer Zeit durch feindliche Kriegsheere, mit welchen
es ſo oft uͤberſchwemmet wurde, durch die faſt jaͤhrliche Veraͤnderung der
a.
Umſtaͤnde der
Griechen und
der Athenien-
fer.
Regierung, und durch die großen Schatzungen, womit die Nation erſchoͤ-
pfet wurde, mehr, als in allen vorigen einheimiſchen Kriegen. Die Athe-
nienſer, bey welchen der Geiſt der Freyheit nach Alexanders Tode auf-
wachte, thaten den letzten Verſuch, ſich von den Macedoniern unabhaͤngig
zu machen, und brachten andere Staͤdte wider den Antipater in Waffen,
aber ſie wurden nach einigen erhaltenen Vortheilen geſchlagen, und ge-
zwungen, einen harten Frieden einzugehen, in welchem ihnen auferlegt
wurde, die Unkoſten des Kriegs, und noch uͤberdem eine große Summe
zu zahlen, und in dem Hafen Munichia Beſatzung einzunehmen. Ja ein
Theil von den Buͤrgern wurde nach Thracien geſchicket, und hiermit hatte

die
1) Statue di Roma.
2) Polyb. L. 2. p. 155. D.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
die Freyheit der Athenienſer ein Ende. Koͤnig Demetrius Poliorcetes
ließ ihnen zwar wiederum einen Schatten derſelben ſehen; allein ihre un-
glaubliche Schmeicheleyen und Niedertraͤchtigkeiten gegen dieſen Prinzen
macheten ſie der Freyheit unwuͤrdig, und der Genuß dauerte auch nur eine
kurze Zeit. Von dieſem und dem Koͤnige Pyrrhus, finden ſich Muͤnzenb.
Muͤnzen aus
dieſer Zeit.

von dem allerſchoͤnſten Gepraͤge: auf den mehreſten von jenen, ſteht auf der
Ruͤckſeite ein auf das feinſte gearbeiteter Neptunus, und die Muͤnzen vom
Pyrrhus haben einen Kopf des Jupiters in der hoͤchſten Jdee, oder einen
ſchoͤnen bartigen Kopf, welches etwa ein Mars iſt. Einige haben theils
jenen, theils dieſen, fuͤr das Bildniß des Pyrrhus genommen, auf deren
Aehnlichkeit ſich auch die Benennung eines Kopfs beym Fulvius Urſinus
gruͤndet 1), oder auf die Aehnlichkeit derſelben mit dem Kopfe einer gehar-
niſchten großen Statue, (des Mars) welche ehemals im Pallaſte Maſſimi
war, und itzo im Campidoglio ſteht 2); und ſo verhaͤlt es ſich wechſelsweiſe
von der Statue mit den Muͤnzen. Hierzu kommen die Elephantenkoͤpfe
auf den Fluͤgeln, wie ſie bey den Alten hießen, am Harniſche, welche man
etwa auf die erſten Elephanten wird gedeutet haben, die dieſer Koͤnig zuerſt
in Griechenland und Jtalien gefuͤhret: daher man dieſelben auch an der
Bekleidung der ergaͤnzten neuen Fuͤße angebracht hat. Dieſer angenom-
menen Meynung zufolge, hat Gori einen aͤhnlichen Kopf eines geſchnitte-
nen Steins, in dem Großherzoglichen Muſeo zu Florenz, einen Pyrrhus
getauft 3). Dieſer Koͤnig aber hat vermuthlich nach dem Gebrauche ſei-
ner Zeit unter den Griechen, entweder gar keinen, oder ſehr wenig von
Bart, wie auf einer großen goldenen Muͤnze deſſelben zu Florenz 4), ge-
tragen, und es hat keiner von allen damaligen Koͤnigen einen Bart: denn
die Griechen fiengen an unter Alexander dem Großen ſich denſelben abzu-

nehmen.
1) Imag. 102.
2) Muſ. Capit. T. 3. tav. 48.
3) Muſ. Flor. T. 3. tab. 25. n. 4.
4) Muſ. Flor. T. 2. tab. 2.
Y y 2

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
nehmen 1). Es hat auch der vom Montfaucon 2) angefuͤhrte erhoben gear-
beitete Kopf von Porphyr, in der Villa Ludoviſi, nichts mit dem Pyrrhus
zu ſchaffen. Pyrrhus findet ſich wirklich mit einem glatten Kinne auf ſei-
nen Muͤnzen 3), wie ſchon Pignorius bemerket hat 4).

c.
Folgende Um-
ſtaͤnde von A-
then.

Die Kunſt, welche von der Freyheit gleichſam das Leben erhalten,
mußte alſo nothwendig durch den Verluſt derſelben, an dem Orte, wo die-
ſelbe vornehmlich gebluͤhet, ſinken und fallen. Athen wurde unterdeſſen
unter dem glimpflichen Regimente der Macedoniſchen Statthalter, ſonder-
lich des Demetrius Phalereus, wiederum ſo volkreich, als es ſonſt gewe-
ſen war, und man ſollte aus den dreyhundert und ſechzig Statuen von
Erzt, die ihm binnen Jahresfriſt aufgerichtet wurden, (unter welchen vie-
le zu Wagen und Pferde waren,) ſchließen, daß der mehreſte Theil von
Buͤrgern Kuͤnſtler geweſen. Es ſcheint auch außerordentlich, daß die Athe-
nienſer damals eine Verordnung gemacht haben uͤber goldene Statuen,
(ich wollte lieber glauben, vergoldete,) welche die Stadt dem Demetrius
Poliorcetes, und deſſen Vater Antigonus, ſetzen wollte 5); ferner, daß
die Stadt Sigea dem Antiochus Soter eine goldene Statue zu Pferde
zu ſetzen beſchloſſen 6): aber eben dieſe verſchwenderiſche Schmeicheley ge-
reichete zum Nachtheile der Wahrheit und des Fleißes in der Kunſt. Es
iſt im uͤbrigen gewiß, daß der Flor der Kunſt nicht laͤnger, als nach Ale-
xanders Tode, beſtanden, das iſt, wie Plinius dieſe Zeit angiebt 7), in der
hundert und zwanzigſten Olympias.

Um dieſe Zeit hatten ſich die Athenienſer wider den Demetrius Po-
liorcetes, nachdem deſſen Vater Antigonus in der Schlacht bey Jpſus ge-

blieben
1) Athen. Deipn. L. 13. p. 565. l. 6.
2) Diar. Ital. p. 221.
3) Golz. Græc. tab. 4. n. 1. 2. 4. Cuper. de Elephant. Exerc. 2. c. 1. p. 110.
4) Symb. Epiſt. p. 33. 34. conf. Deſcr. des Pier. grav. du Cab. de Stoſch, p. 412. 413.
5) Diod. Sic. L. 20. p. 782. ad fin. pag.
6) Chishul. Inſcr. Aſiat. p. 52. n. 35.
7) L. 34. c. 19.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
blieben war, empoͤret, und Lachares hatte ſich zum Haupte der Stadt auf-
geworfen; Demetrius aber verjagte denſelben aus Athen, befeſtigte das
Muſeum, und legte Beſatzung hinein: er ließ die Athenienſer ihren Abfall
empfinden, welche die Umſtaͤnde, in die ſie geſetzt waren, fuͤr eine wirkli-
che Knechtſchaft hielten 1).

Der Fall des Flors der Kunſt iſt zu verſtehen von Kuͤnſtlern, welcheB.
Abnahme der
Kunſt in Grie-
chenland, die
hingegen an-
fieng zu bluͤ-
hen

ſich von neuem hervorgethan: denn diejenigen, welche, als Lyſippus, Apel-
les und Protogenes, beſagte Zeit uͤberlebet, werden nach ihrem Flore ge-
rechnet. Die große Veraͤnderung nach Alexanders Tode aͤußert ſich auch
in der Sprache und Schreibart der Griechen: denn ihre Schriften ſind von
dieſer Zeit an groͤßtentheils in dem ſogenannten gemeinen Dialecte abge-
faſſet, welcher zu keiner Zeit, oder an irgend einem Orte, die Mundart
des Volks war; es war eine Sprache der Gelehrten, ſo wie es die Latei-
niſche itzo iſt.

Die Kunſt, welche Noth in Griechenland litt, wurde von den Se-a.
Unter den Se-
leucidern.

leucidern nach Aſien gerufen, und die daſigen Kuͤnſtler machten denen,
die in Griechenland geblieben waren, den Vorzug ſtreitig 2). Her-
mocles aus Rhodus,
welcher die Statue des ſchoͤnen Combabus mach-
te 3), bluͤhete an dem Hofe der erſten von dieſen Koͤnigen. Cteſias, wel-
cher einen ſterbenden Fechter machte, war vielleicht unter den Kuͤnſtlern
dieſes Hofes: denn Antiochus Epiphanes, Koͤnig in Syrien, fuͤhrete die
Fechterſpiele, welche den Griechen nicht bekannt waren, in Aſien ein; er
ließ Fechter von Rom kommen, und die Griechen, welche anfaͤnglich dieſe
Spiele nicht ohne Abſcheu ſahen, verlohren durch die Gewohnheit die Em-
pfindung: bey den Cretenſern allein waren ſchon vor dieſer Zeit Fechter-
ſpiele uͤblich, und es erſchienen auch die geehrteſten Frauen bey denſelben 4).

Da
1) Dicaearch. Geogr. p. 168. l. 14.
2) Theophraft. Charact. c. ult.
3) Lucian. de Dea Syr. c. 26. p. 472.
4) Scalig. Poet. L. 1. c. 36. p. 44.
Y y 3

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
Da in folgenden Zeiten zu Corinth ein Fechterſpiel ſollte aufgefuͤhret wer-
den, ſagte jemand, man muͤſſe den Altar der Barmherzigkeit und des Mit-
leidens umwerfen, bevor man ſich dieſe Spiele anzuſehen entſchließe 1).

b.
Unter den
Ptolemaͤern.

Nach Aegypten wurde die Kunſt durch die Freygebigkeit des Ptole-
maͤus gezogen, und Apelles ſelbſt gieng nach Alexandrien: die Griechiſchen
Koͤnige in Aegypten waren die maͤchtigſten und reichſten unter allen Nach-
folgern Alexanders des Großen. Sie unterhielten ein Kriegsheer, wenn
man dem Appianus von Alexandrien glauben darf 2), von zweymal hun-
dert tauſend zu Fuß, und von dreyßig tauſend zu Pferde: ſie hatten drey
hundert zum Kriege abgerichtete Elephanten, und zwey tauſend Streitwa-
gen. Jhre Seemacht waͤre nicht weniger groß geweſen: gedachter Scri-
bent redet von tauſend und zwey hundert dreyrudrigen bis fuͤnfrudrigen
Schiffen. Alexandrien wurde unter dem Ptolemaͤus Philadelphus beyna-
he, was Athen geweſen war: die groͤßten Gelehrten und Dichter verließen
ihr Vaterland, und fanden ihr Gluͤck daſelbſt: Euclides lehrete hier die
Geometrie, der Dichter der Zaͤrtlichkeit, Theocritus, ſang hier Doriſche
Hirtenlieder, und Callimachus prieß mit einer gelehrten Zunge die Goͤt-
ter. Der praͤchtige Aufzug, welchen gedachter Koͤnig zu Alexandrien hielt,
zeiget, was fuͤr eine Menge Bildhauer in Aegypten muͤſſe geweſen ſeyn:
es wurden Statuen zu hunderten herumgefuͤhret, die man nicht aus Tem-
peln wird entlehnet haben, und in dem großen Gezelte, welches beym Athe-
naͤus beſchrieben wird 3), lagen hundert verſchiedene Thiere von Marmor,
von den vornehmſten Kuͤnſtlern gearbeitet.

C.
Muthmaſ-
ſung uͤber den
verderbten Ge-
ſchmack dieſer
Zeiten auch in
der Kunſt.

Um dieſe Zeit aͤußerte ſich zuerſt ein verderbter Geſchmack unter den
Griechen, an welchem das Hofleben ihrer Dichter einen großen Antheil
hatte, und dieſes war dasjenige Uebel, welches zu unſern Zeiten Pedan-

terie
1) Lucian. Demon. p. 393.
2) Prooem. hiſt. p. 7. l. 22.
3) Deipn. L. 5. p. 196. F.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
terie heißt. Callimachus und Nicander aus der ſogenannten Plejas,
oder dem Siebengeſtirn der Dichter, an dem Hofe des Ptolemaͤus Phila-
delphus, ſuchten mehr Gelehrte, als Dichter, zu erſcheinen, und ſich mit
alten und fremden Worten und Redensarten zu zeigen, und ſonderlich Ly-
cophron,
einer unter dieſen ſieben, wollte lieber beſeſſen, als begeiſtert,
ſcheinen, und mit Schweiß und Pein verſtanden werden, als gefallen; er
ſcheint der erſte unter den Griechen zu ſeyn, welcher anfieng, mit Ana-
grammen zu ſpielen 1). Die Dichter machten Altaͤre, Floͤten, Beile und
Eyer aus Verſen; ſelbſt Theocritus hat ein Wortſpiel gemachet 2). Zu
verwundern aber iſt, daß Apollonius Rhodius, ebenfalls unter den ſie-
ben Dichtern, ſehr oft wider die bekannteſten Regeln der Sprache ver-
ſtoſſen hat 3). Dergleichen von meinem Vorhaben entfernt ſcheinende An-
merkung, kann allezeit zu gewiſſen allgemeinen Muthmaßungen dienen:
denn ein Dichter, wie Lycophron, welcher den Beyfall des Hofes und ſei-
ner Zeit erhaͤlt, giebt nicht den beſten Begriff von dem herrſchenden Ge-
ſchmacke, und die Schickſale der Kunſt und der Gelehrſamkeit ſind ſich
mehrentheils ſehr aͤhnlich geweſen, und haben ſich begleitet. Da im vori-
gen Jahrhunderte eine ſchaͤdliche Seuche in Jtalien, ſo wie in allen Laͤn-
dern, wo Wiſſenſchaften geuͤbet werden, uͤberhand nahm, welche das Ge-
hirn der Gelehrten mit uͤblen Duͤnſten anfuͤllete, und ihr Gebluͤt in eine
fiebermaͤßige Wallung brachte, woraus der Schwulſt und ein mit Muͤhe
geſuchter Witz in der Schreibart entſtand, zu eben der Zeit kam eben die
Seuche auch unter die Kuͤnſtler. Giuſeppe Arpino, Bernini und
Borromini verließen in der Malerey, Bildhauerey und Baukunſt die

Natur
1) Dickinſ. Delph. phoeniſ. c. 1.
2) Idyl. 27. v. 26.
3) v. Argonaut. L. 3. v. 99. 167. 335. 395. 600. etc, Canterus Novar. Lect. L. 5. c. 13
p.
627. merket dieſe Vergehungen als einen beſondern Gebrauch in Verwechſelung der
Pronominum poſſeſſivorum an.

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
Natur und das Alterthum, ſo wie es Marino und andere in der Dicht-
kunſt thaten.

D.
Von vermeyn-
ten Werken
der Kunſt aus
dieſer Zeit.

Von den erſten und beſten Kuͤnſtlern, welche aus Griechenland nach
Alexandrien giengen, ſind vermuthlich diejenigen Statuen in Porphyr ge-
arbeitet, welche ſich in Rom befinden, die vom Kaiſer Claudius, und nur
allein von demſelben, wie Plinius berichtet 1), aus Aegypten gebracht
worden. Ein ſchoͤner Sturz von einer Pallas ſteht am Aufgange zum
Campidoglio, eine Pallas mit einem Kopfe von Marmor iſt in der Villa
Medicis, und die allerſchoͤnſte Statue nicht allein in Porphyr, ſondern
man kann auch ſagen, unter den ſchoͤnſten aus dem Alterthume, iſt eine
vermeynte Muſe, von andern wegen ihres Diadema eine Juno genannt,
uͤber Lebensgroͤße, in der Villa Borgheſe, deren Gewand ein Wunder-
werk der Kunſt iſt 2). Unterdeſſen ſind auch zu Rom Statuen in Por-
phyr gearbeitet, wie ein Bruſtbild mit einem Panzer in dem Pallaſte Far-
neſe zeiget, welches nur angeleget, und nicht voͤllig geendiget iſt: es wur-
de im Campo Marzo zu Rom gefunden, wie Pirro Ligorio in ſeinen
Handſchriften in der Vaticaniſchen Bibliothek berichtet. Es werden auch
verſchiedene Statuen gefangener Koͤnige in dieſem Steine, in der Villa
Borgheſe, Medicis und anderwerts, in Rom ſelbſt gearbeitet ſeyn.
Hermocles von Rhodus iſt einer von den Bildhauern, welche ſich in
dieſer Zeit beruͤhmt gemacht haben. Unter dem Ptolemaͤus Philadelphus
war ein Steinſchneider Satyrius beruͤhmt, welcher deſſen Gemahlinn
Arſinoe in Cryſtall geſchnitten hatte 3).

E.
Fall der Kunſt
in Aegypten
und in Groß-
griechenland.

Die Griechiſche Kunſt aber wollte in Aegypten, als unter einem ihr
fremden Himmel, nicht Wurzel faſſen 4), und ſie verlohr unter dem Prach-
te an den Hoͤfen der Seleucider und Ptolemaͤer viel von ihrer Groͤße, und

von
1) Plin. L. 36. c. 13.
2) Montſauc. Ant. expl. Tom. 1. pl. 21. n. 2.
3) Anthol. L. 4. p. 205. b.
4) conf. Strab. L. 14. p. 959.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
von ihrem wahren Verſtaͤndniſſe. Jn Großgriechenland erfolgete ihr gaͤnz-
licher Fall: ſie hatte hier, nebſt der Philoſophie des Pythagoras und des
Zeno von Elea, in ſo vielen freyen und maͤchtigen Staͤdten gebluͤhet, und
wurde durch die Waffen und Barbarey der Roͤmer vertilget.

Jn Griechenland ſelbſt aber ſtieg aus der uͤbrig gebliebenen WurzelF.
Und in Grie-
chenland durch
die innerlichen
Kriege des A-
chaͤiſchen Bun-
des mit den
Aetoliern.

der Freyheit, die durch viele Tyrannen, welche ſich unter dem Koͤnige An-
tigonus Gonatas in Macedonien, und durch deſſen Handreichung aufge-
worfen hatten 1), war gekraͤnket worden, eine neue Sproſſe hervor, und
aus der Aſche ihrer Voreltern wurden einige große Maͤnner erwecket, die
ſich der Liebe ihres Vaterlandes aufopferten, und den Macedoniern und
den Roͤmern ein großes Aufmerken macheten. Es unternahmen drey oder
vier in der Geſchichte kaum bekannte Staͤdte, in der hundert und vier und
zwanzigſten Olympias, ſich der Herrſchaft der Macedonier zu entziehen:
es gelung ihnen, die Tyrannen, welche ſich in jeder Stadt aufgeworfen
hatten, theils zu verjagen, theils zu ermorden, und weil man das Buͤnd-
niß dieſer Staͤdte von keiner Folge hielt, blieben ſie ungekraͤnkt: dieſes war
der Grund und Anfang zu dem beruͤhmten Achaͤiſchen Bunde. Viele große
Staͤdte, ja ſelbſt Athen, welche dieſen Entſchluß nicht gewaget hatten, be-
fanden ſich beſchaͤmt, und ſuchten mit gleichem Muthe die Herſtellung ihrer
Freyheit. Endlich trat ganz Achaja in ein Buͤndniß, entwarf neue Geſe-
tze, und eine beſondere Form in der Regierung; und da die Lacedaͤmonier
und Aetolier aus Eiferſucht gegen ſie aufſtunden, ſo traten Aratus und
Philopoemenes, die letzten Helden der Griechen, und jener ſchon im
zwanzigſten Jahre ſeines Alters, an ihre Spitze, und waren muthige Ver-
theidiger der Freyheit.

Griechenland aber war von ſeinem ehemaligen Flore ſehr abgefallen,
und die Verfaſſung der Staͤdte, ſo gar zu Sparta, welche bis auf dieſe

Zeit
1) Polyb. L. 2. p. 129. A.
Winckelm. Geſch. der Kunſt. Z z

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
Zeit an vierhundert Jahre unveraͤndert geblieben war 1), hatte nach der
Schlacht bey Leuctra eine andere Geſtalt bekommen. Nachdem der Spar-
taniſche Koͤnig Cleomenes, wegen ſeiner deſpotiſchen Abſichten, aus ſeinem
Vaterlande nach Aegypten hatte fluͤchtig werden muͤſſen, regiereten die
Ephori allein; nach jenes Tode aber ſchritt man von neuem zu einer Koͤ-
nigswahl, und neben dem Ageſipolis, welcher noch ein Kind war, wurde
die hoͤchſte Wuͤrde dem Lycurgus ausgewirket, deſſen Vorfahren nicht aus
Koͤniglichem Gebluͤte waren, und dieſes erhielt er durch ein Talent, welches
er jedem Ephoro gab. Es mußte aber derſelbe ebenfalls fluͤchtig werden,
und wurde wiederum zuruͤck gerufen 2): dieſes geſchah in der hundert und
vierzigſten Olympias. Nicht lange hernach, da Sparta nach dem Tode Koͤ-
nigs Pelops, von verſchiedenen Tyrannen, und zuletzt vom Nabis, regieret
wurde, vertheidigte dieſer die Stadt mit fremden Voͤlkern 3).

in welche ſich
die Roͤmer mi-
ſcheten, und
nach erlange-
tem Siege die
Griechen fuͤr
eine freye Na-
tion erklaͤre-
ten.

Da der Krieg in gedachter Olympias zwiſchen den Achaͤern und Aeto-
liern ausbrach, gieng die Erbitterung beyder Theile gegen einander ſo weit,
daß ſie damals ſogar anfiengen, wider die Werke der Kunſt zu wuͤten.
Als die Aetolier in eine Macedoniſche Stadt, Dios genannt, aus welcher
die Einwohner entfluͤchtet waren, ohne Widerſtand einzogen, riſſen ſie die
Mauern derſelben um, und die Haͤuſer nieder; die Hallen und die bedeck-
ten Gaͤnge um die Tempel wurden in Brand geſtecket, und alle Statuen
daſelbſt zerſchlagen 4). Eben ſolche Wuth veruͤbten die Aetolier in dem
Tempel des Jupiters zu Dodona in Epirus; ſie verbrannten die Gallerien,
zernichteten die Statuen, und richteten den Tempel ſelbſt zu Grunde 5);
und Polybius fuͤhret in einer Rede eines Acarnaniſchen Geſandten 6) viele
andere Tempel an, welche von den Aetoliern ausgepluͤndert worden. Ja

die
1) Excerpt. Diodor. p. 225. l. 10.
2) Polyb. L. 5. p. 377. A. p. 431. B.
3) Liv. L. 34. c. 28.
4) Polyb. L. 4. p. 326.
5) Ibid. p. 331. A.
6) Id. L. 9. p. 567. A.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
die Landſchaft Elis, welche bisher, wegen der oͤffentlichen Spiele, von feind-
lichen Partheyen verſchonet geblieben war, und das Recht einer Freyſtaͤdte
genoß, wurde von der hundert und vierzigſten Olympias an eben ſo, wie an-
dere Laͤnder, von den Aetoliern heimgeſuchet 1). Die Macedonier aber un-
ter dem Koͤnige Philippus und die Achaͤer, veruͤbeten das Recht der Wie-
dervergeltung faſt auf eben die Weiſe zu Therma, der Hauptſtadt der Ae-
tolier, verſchoneten aber doch die Statuen und Bildniſſe der Goͤtter 2): da
aber dieſer Koͤnig zum zweytenmale nach Therma kam, ließ er die Statuen,
welche er vorher ſtehen laſſen, zu Grunde richten 3). Eben dieſer Koͤnig
ließ in der Belagerung der Stadt Pergamus ſeine Wuth wider die Tempel
aus, welche er, nebſt den Statuen in denſelben, dermaßen zerſtoͤrete, daß
auch die Steine ſelbſt zertruͤmmert wurden, um zu verhindern, daß dieſel-
ben nicht zu Wiederaufbauung der Tempel dienen koͤnnten 4): dieſes giebt
Diodorus 5) dem Koͤnige in Bithynien Schuld, welches vermuthlich ein
Verſehen ſeyn muß. Jn dieſer Stadt war ein beruͤhmter Aeſculapius vom
Phylomachus gearbeitet 6), welcher Kuͤnſtler bey andern Phyroma-
chus
heißt 7). Athen war zu Anfang dieſes Kriegs ruhig geweſen, weil
die Stadt gaͤnzlich von den Maeedoniern, und von dem Koͤnige in Aegy-
pten abhieng 8); durch dieſe Unthaͤtigkeit aber waren ſie von ihrem An-
ſehen und Achtung unter den Griechen gaͤnzlich heruntergefallen: und da
die Stadt von den Macedoniern abgieng, ruͤckte Koͤnig Philippus in ihr
Gebieth, verbrannte die Academie vor der Stadt, pluͤnderte die Tempel
umher aus, und ließ auch die Graͤber nicht verſchonet 9). Da die Achaͤer
in ſeinen Vorſchlag wider Sparta und den Tyrannen Nabis nicht willi-

gen
1) Polyb. L. 4. p. 336. 337.
2) Idem L. 5. p. 358. C. et L. 9. p. 562. D.
3) Excerpt. Polyb. L. 11. p. 45.
4) Ibid. L. 16. p. 67.
5) Excerpt. Diodor. p. 294.
6) Excerpt. Polyb. p. 169. l. 20.
7) Anthol. L. 4. c. 12. Excerpt. Diodor. p. 337. l. 22.
8) Polyb. L. 5. p. 444. A. B.
9) Excerpt. Diodor. p. 294. Liv. L. 31. c. 24.
Z z 2

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
gen wollten, gieng er von neuem in das Attiſche Gebieth, und zerſtoͤrete
die Tempel, welche er kurz zuvor ausgepluͤndert hatte, ſchlug die Statuen
in Stuͤcken, und ließ auch die Steine zertruͤmmern, damit ſie nicht zu Wie-
derherſtellung der Tempel brauchbar ſeyn moͤchten 1). Dieſe veruͤbte Grau-
ſamkeit war es, welche vornehmlich die Athenienſer bewegte, wider den
Koͤnig eine Verordnung zu machen, wodurch alle Statuen deſſelben ſo-
wohl, als von Perſonen aus deſſen Hauſe beyderley Geſchlechts, ſollten
umgeworfen und vernichtet werden; alle Orte, wo irgend etwas zu des
Koͤnigs Ehre von Jnſchriften geſetzt war, wurden fuͤr unheilig und ſchaͤnd-
lich erklaͤret 2). Jn dem Kriege wider den Koͤnig Antiochus in Syrien
ließ der Conſul Marcus Acilius, nach ſeinem Siege bey Thermopylaͤ, den
Tempel der Jtoniſchen Pallas in Boͤotien, worinnen gedachten Koͤnigs
Statue ſtand, zerſtoͤren 3). Die Roͤmer, welche bisher in feindlichen Or-
ten die Tempel verſchonet hatten, fiengen nunmehro auch an, nach ihrer
Meynung, das Recht der Wiedervergeltung zu uͤben, und pluͤnderten
in der Jnſel Bachium, welche Phocaͤa gegen uͤber lieget, die Tempel
aus, und fuͤhreten die Statuen mit ſich fort 4). Jn eben oben erzaͤhl-
ten Umſtaͤnden befand ſich Griechenland in der hundert und vierzigſten
Olympias 5).

Die Aetolier giengen ſo weit in der Feindſeligkeit gegen die Achaͤer,
daß ſie die Roͤmer zu Huͤlfe riefen, welche damals zuerſt ihren Fuß auf den
Griechiſchen Boden ſetzten; die Achaͤer hingegen hatten die Parthey der
Macedonier ergriffen. Nach einem Siege, welchen Philopoemenes, der
Feldherr des Bundes, wider die Aetolier und ihren Beyſtand erfochte, tra-
ten die Roͤmer, da ſie beſſer von den Umſtaͤnden in Griechenland unterrich-

tet
1) Livius L. 31. c. 26. 30.
2) Ibid. c. 44.
3) Idem L. 36. c. 20.
4) Idem L. 37. c. 21.
5) Polyb. L. 5. p. 448. B.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
tet waren, von denen ab, welche ſie gerufen hatten, und zogen die Achaͤer
an ſich, welche mit ihnen Corinth eroberten, und den Koͤnig Philippus
von Macedonien ſchlugen. Dieſer Sieg wirkete einen beruͤhmten Frieden,
in welchem ſich der Koͤnig der Entſcheidung der Roͤmer unterwarf, und ſich
bequemen mußte, alle Plaͤtze in Griechenland abzutreten, und aus allen
Orten ſeine Beſatzungen zu raͤumen, und dieſes vor den bevorſtehenden
Jſthmiſchen Spielen. Jn dieſen Umſtaͤnden nahmen die Roͤmer ein em-
pfindliches Herz an gegen die Freyheit eines andern Volks, und der Pro-
conſul Quintus Flaminius hatte im drey und dreyßigſten Jahre ſeines Al-
Alters die Ehre, die Griechen fuͤr freye Leute zu erklaͤren, die ihn faſt
anbeteten.

Dieſes geſchah in der hundert und fuͤnf und vierzigſten Olympias,G.
Neuer Flor
der Kunſt in
Griechenland
durch dieſe er-
theilte Frey-
heit, aber von
kurzer Dauer.

hundert und vier und neunzig Jahre vor der Chriſtlichen Zeitrechnung;
und es ſcheint, daß Plinius dieſe Olympias, und nicht die hundert und
fuͤnf und funfzigſte geſetzt gehabt, wenn er berichtet, daß die Kuͤnſte in der-
ſelben wiederum zu bluͤhen angefangen. Denn in der hundert und fuͤnf
und funfzigſten waren die Roͤmer als Feinde in Griechenland; die Kuͤnſte
aber koͤnnen ohne eine beſondere gluͤckliche Anſcheinung niemals empor kom-
men. Bald hernach wurde den Griechen ihre Freyheit durch den Paulus
Aemilius beſtaͤtiget. Die Zeit, in welcher die Kuͤnſte in Griechenland nie-
der gelegen, wird geweſen ſeyn, wie die Zeit vom Raphael und Michael
Angelo
bis auf die Caracci. Die Kunſt fiel damals in der Roͤmiſchen
Schule ſelbſt in eine große Barbarey, und auch diejenigen Kuͤnſtler, die
von der Kunſt ſchrieben, als Vaſari und Zuccheri, waren wie mit
Blindheit geſchlagen. Die Gemaͤlde der beyden groͤßten Meiſter in
der Kunſt waren in ihrem voͤlligen Glanze, und im Angeſichte derjeni-
gen gemachet, die, wie ihre Arbeit zeiget, niemals ein aufmerkſames
Auge auf dieſelben gerichtet, und keine einzige alte Statue betrachtet zu

haben
Z z 3

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
haben ſcheinen. Dem aͤlteren Caracci giengen in Bologna zuerſt die Au-
gen wiederum auf.

H.
Flor derſelben
in Sicilien.

Zu der Zeit, da die Kuͤnſte in Griechenland lagen, und die Werke
derſelben gemishandelt wurden, bluͤheten dieſelben in Sicilien auch in den
groͤßten Unruhen unter dem Koͤnige Agathocles, und im waͤhrenden Krie-
ge deſſelben mit den Carthaginenſern und im erſten Puniſchen Kriege.
Von dieſem Flore der Kunſt zeugen die außerordentlich ſchoͤnen Muͤnzen
gedachten Koͤnigs in Gold und Silber, in verſchiedener Groͤße, welche
insgemein auf der einen Seite einen Kopf der Proſerpina, und auf der an-
dern eine Victoria vorſtellen, die einen Helm auf ein Siegeszeichen ſetzet,
welches Ruͤſtungen auf den Stamm eines Baums gehaͤnget ſind. Dieſer
Flor der Kunſt dauerte auch unter dem Koͤnige Hiero II. zu Syracus: die-
ſer ließ, unter andern großen Werken, das im ganzen Alterthume beruͤhmte
Schiff von zwanzig Reihen Ruder, an jeder Seite, bauen, welches mehr
einem Pallaſte, als einem Schiffe, aͤhnlich war. Es waren Waſſerleitun-
gen, Gaͤrten, Baͤder und Tempel auf demſelben, und in einem Zimmer
war der Fußboden von Muſaico, oder mit kleinen Steinen ausgelegt, wel-
ches die ganze Jlias vorſtellete. Er ſandte dem Roͤmiſchen Volke zu der
Zeit, da Hannibal allenthalben Sieger war, eine Flotte mit Getreyde, und
eine goldene Victorie, welche dreyhundert und zwanzig Pfund wog 1).
Dieſe nahm der Senat an, da derſelbe, obwohl in dem aͤußerſten Mangel,
von vierzig goldenen Schalen, welche die Abgeordneten der Stadt Neapel
brachten, nur eine, und zwar die leichteſte, annahm 2), und diejenigen
goldenen Schalen, welche die Stadt Paͤſtum in Lucanien ſandte, wurden
den Geſandten derſelben mit Dankſagung zuruͤck gegeben 3). Nicht lange
nach den Zeiten des Agathocles, iſt eine Muͤnze der Stadt Segeſta in Si-
cilien gepraͤget, welche einige Aufmerkſamkeit verdienet, nicht ſo wohl in

Abſicht
1) Liv. L. 22. c. 37.
2) Ibid. c. 32.
3) Ibid. c. 36.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
Abſicht der Kunſt, als vielmehr der Seltenheit derſelben, und in Abſicht
der Zeitrechnung. Auf der einen Seite iſt ein Weiblicher Kopf, welcher
die Egeſta des Hippotes aus Troja Tochter vorſtellet, von welcher die
Stadt den Namen fuͤhrete. Auf der andern Seite iſt ein Hund, nebſt
drey Kornaͤhren, welche den fruchtbaren Boden bedeuten. Der Hund
iſt ein Bild des Flußes Crimiſus, welcher ſich in dieſes Thier verwandelte,
um die Egeſta zu genießen, welche von ihrem Vater hierher geſchicket war,
ihr Leben zu retten. Denn da Neptunus mit dem Apollo den verdienten
Lohn wegen aufgefuͤhrter Mauern der Stadt Troja vom Laomedon nicht
erhielten, ſchickte derſelbe ein ſchreckliches Ungeheuer wider die Stadt, deſ-
ſen Muth, nach dem Ausſpruche des Orakels des Apollo, die vornehmſten
Jungfrauen von Troja ſollten ausgeſetzet werden. Das merkwuͤrdigſte die-
ſer Muͤnze iſt der Name Egeſta und Segeſta zu gleicher Zeit. Dieſe von
den Carthaginenſern belagerte Stadt wurde vom Cajus Duillius in der
hundert und neun und zwanzigſten Olympias entſetzet 1), und neunzehen
Jahre hernach wurden die Carthaginenſer durch den Cajus Lutatius Ca-
tulus aus Sicilien verjaget, und dieſe Jnſel wurde eine Roͤmiſche Pro-
vinz, das Reich des Hierons ausgenommen 2): in dieſer Provinz aber ließ
man einigen Staͤdten, unter welchen Segeſta genennet iſt 3), den voͤlligen
Genuß ihrer Freyheit. Die angegebenen neunzehn Jahre finden ſich auf die-
ſer Muͤnze mit [ΗΙΒ] IB. angezeiget, wenn wir den Jnhalt dieſer Zahl theilen:
denn [Η] oder Z iſt ſieben, und IB zwoͤlf; ungetheilt ſollte ſie ΙΘ geſchrieben
ſeyn. Jch bin der Meynung, daß die Segeſtaner die Zeit von dem Entſatze
an bis zur Eroberung von Sicilien, in welcher ihnen ihre alte Freyheit wi-
der Vermuthen beſtaͤtiget worden, auf dieſer Muͤnze haben erhalten wollen,
und daß ſie damals den Namen Egeſta in Segeſta veraͤndert.

4)
Jn
1) Polyb. L. 1. p. 14. C.
2) Liv. L. 19. c. 63.
3) conf. Sigon. de antiqu. iur. provinc. Ital. L. 1. c. 3. p. 266.
4) conf. Mazocchi in Comment. Tab. Heracl.
II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
I.
Beruͤhmte
Kuͤnſtler und
Werke dieſer
Zeit.

Jn gedachter Wiederherſtellung der Kuͤnſte in Griechenland, haben
ſich Antheus, Calliſtratus, Athenaͤus, Polycles, der Meiſter des
ſchoͤnen Hermaphrodits, Metrodorus, der Maler und Philoſoph, und
einige andere bekannt gemachet: der ſchoͤne Hermaphrodit in der Villa
Borgheſe koͤnnte fuͤr jenen gehalten werden; ein anderer iſt in der Groß-
herzoglichen Gallerie zu Florenz, und der dritte liegt in den Gewoͤlbern ge-
dachter Villa. Apollonius, des Neſtors Sohn, von Athen, iſt auch
vermuthlich aus dieſer Zeit: denn nach der Form der Buchſtaben ſeines
Namens an dem ſogenannten Torſo im Belvedere, muß er einige Zeit nach
Alexander dem Großen gelebet haben 1).

K.
Jnsbeſondere
die Beſchrei-
bung des ver-
ſtuͤmmelten
Hercules im
Belvedere.

Auf das aͤußerſte gemishandelt und verſtuͤmmelt, und ohne Kopf,
Arme und Beine, wie dieſe Statue iſt, zeiget ſie ſich noch itzo denen, welche

in
1) Das Griechiſche O (Ω) in dem Namen des Kuͤnſtlers, hat die Form ω, welche zuerſt
auf Muͤnzen der Syriſchen Koͤnige vorkommt; alſo nicht ſo neu iſt, als es Montfau-
con
und viele andere glauben. Neben gedachten Muͤnzen iſt das aͤlteſte Werk einer be-
ſtimmten Zeit, auf welchem das Omega in dieſer Form vorkommt, eine ſchoͤne große
gereifte Vaſe von Erzt im Campidoglio, welche, nach der Jnſchrift auf dem Nande
derſelben, Koͤnig Mithradates Eupator in Pontus, der beruͤhmte Krieger, in ein
Gymnaſium geſchenket hatte, welches von ihm den Namen Euporiſtaͤ fuͤhrete. Die-
ſe Vaſe wurde zu unſern Zeiten zu Porto d’Anzio, (ehemals Antium) als man den
Hafen daſelbſt raͤumete, gefunden. Auf derſelben ſtehen, außer der Jnſchrift in großen
punctirten Buchſtaben, die Worte [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt] a), welche bisher nicht verſtanden wor-
den ſind, und vermuthlich heißen [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]bewahre es rein und glaͤn-
„zend.
‟ Es iſt ein Wort, welches von glaͤnzendem Pferdegeſchirre gebraucht wird b).
Die Schrift iſt in Griechiſchen Curſivbuchſtaben, deren wir uns itzo bedienen, und iſt
die alleraͤlteſte Spur von denſelben, und vielleicht noch aͤlter, als der in ſolchen Buchſta-
ben geſchriebene Vers des Euripides, welcher auf der Mauer eines Hauſes im alten
Herculano ſtand c):
[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt].
a) Auf der Zeichnung, welche man dem Pococke nach Engeland ſchickte, ſind dieſe
Worte ebenfalls von jemanden abgeſchrieben, welcher dieſelben nicht verſtan-
den. Auch die Vaſe hat die Runde eines halben Zirkels, die auf das zierlich-
ſte Elliptiſch iſt. v. Pococke’s Deſcr. of the Eaſt, Vol. 2. p. 207. pl. XCII.
b) Heſych. in [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt].
c) Pitt. d’ Ercol. Tom. 2. p. 34.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
in die Geheimniſſe der Kunſt hinein zu ſchauen vermoͤgend ſind, in einem
Glanze von ihrer ehemaligen Schoͤnheit. Dieſer Kuͤnſtler hat ein hohes
Jdeal eines uͤber die Natur erhabenen Koͤrpers, und eine Natur maͤnnlich
vollkommener Jahre, wenn dieſelbe bis auf den Grad Goͤttlicher Genuͤg-
ſamkeit erhoͤhet waͤre, in dieſem Hercules gebildet, welcher hier erſcheint,
wie er ſich von den Schlacken der Menſchheit mit Feuer gereiniget, und die
Unſterblichkeit und den Sitz unter den Goͤttern erlanget hat 1). Denn er
iſt ohne Beduͤrfniß menſchlicher Nahrung, und ohne ferneren Gebrauch der
Kraͤfte vorgeſtellet. Es ſind keine Adern ſichtbar, und der Unterleib iſt
nur gemacht zu genießen, nicht zu nehmen, und voͤllig, ohne erfuͤllt zu ſeyn.
Er hat, wie die Stellung des uͤbrigen Reſtes urtheilen laͤßt, mit geſtuͤtz-
tem und aufwerts gerichtetem Haupte geſeſſen, welches mit einer frohen
Ueberdenkung ſeiner vollbrachten großen Thaten wird beſchaͤftiget geweſen
ſeyn; wie ſelbſt der Ruͤcken, welcher gleichſam in hohen Betrachtungen ge-
kruͤmmet iſt, anzudeuten ſcheint 2). Die maͤchtig erhabene Bruſt bildet
uns diejenige, auf welche der Rieſe Geryon erdruͤcket worden, und in der
Laͤnge und Staͤrke der Schenkel finden wir den unermuͤdeten Held, wel-
cher den Hirſch mit ehernen Fuͤßen verfolgete und erreichte, und durch un-
zaͤhlige Laͤnder bis an die Graͤnzen der Welt gezogen iſt. Der Kuͤnſtler be-
wundere in den Umriſſen dieſes Koͤrpers die immerwaͤhrende Ausfließung
einer Form in die andere, und die ſchwebenden Zuͤge, die nach Art der
Wellen ſich heben und ſenken, und in einander verſchlungen werden: er
wird finden, daß ſich niemand im Nachzeichnen der Richtigkeit verſichern
kann, indem der Schwung, deſſen Richtung man nachzugehen glaubet,
ſich unvermerkt ablenket, und durch einen andern Gang, welchen er nimmt,

das
1) So malete ihn Artemon. Plin. L. 35. c. 40.
2) Es kann kein ſpinnender Hercules ſeyn, und ich entſinne mich nicht, wo jemand will ge-
funden haben, daß Raphael in demſelben dieſe Stellung geſehen a).
a) Batteux Cours de bell. lettr. T. 1. p. 66.
Winckelm. Geſch. der Kunſt. A a a

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
das Auge und die Hand irre machet. Die Gebeine ſcheinen mit einer fett-
lichen Haut uͤberzogen, die Muskeln ſind feiſt ohne Ueberfluß, und eine ſo
abgewogene Fleiſchigkeit findet ſich in keinem andern Bilde: ja man koͤnn-
te ſagen, daß dieſer Hercules einer hoͤhern Zeit der Kunſt naͤher kommt,
als ſelbſt der Apollo 1). Es befinden ſich in der praͤchtigen Sammlung der
Zeichnungen des Herrn Cardinals Alex. Albani die Studia der groͤßten
Kuͤnſtler nach dieſem Torſo, aber es ſind dieſelben alle gegen das Original,
wie ein ſchwach zuruͤck geworfenes Licht. Apollonius, der Kuͤnſtler dieſes
Werks, iſt bey den Scribenten nicht bekannt; es irret auch Duͤbos, wenn
er vorgiebt 2), daß Plinius mit Vorzuͤglichkeit von der Statue des Farne-
ſiſchen Hercules rede; er gedenket weder derſelben, noch des Glycon, wel-
cher ſie gemachet.

Der
1) Gewiſſe Vergehungen der Scribenten verdienen kaum bemerkt zu werden, wie diejenige
iſt, welche Le Comte machet a), bey welchem der Bildhauer des Torſo Herodotus
von Sicyon
heißt. Pauſanias gedenket eines Herodotus von Olynthus, aber
niemand kennet einen Bildhauer dieſes Namens von Sicyon. Der Trunk einer weib-
lichen Figur in Rom, welche nach beſagten Seribenteus Vorgeben alle andere Statuen
an Schoͤnheit uͤbertreffen ſoll, und fuͤr ein Werk eben deſſelben Kuͤnſtlers gehalten wor-
den, iſt mir nicht bekannt. Ein anderer ſagt b), dieſer Apollonius ſey auch der
Meiſter von der Dirce, dem Zethus und Amphion: dieſer aber war von Rhodus, und
jener von Athen. Es war noch zu Ende des vorigen Jahrhunderts in dem Pallaſte
Maſſimi zu Rom ein Trunk eines Hereules, andere ſagen, eines Aeſculapius, von
eben dem Kuͤnſtler, wie die Jnſchrift deſſelben anzeigete. Jn den Handſchriften des
Pirro Ligorio in der Koͤnigl. Farneſiſchen Bibliothek, auf Capo di Monte, zu
Neapel, T. 10. p. 224. finde ich, daß dieſes Stuͤck in den Baͤdern des Agrippa gefun-
den worden, und daß der beruͤhmte Baumeiſter Sangallo der Beſitzer deſſelben gewe-
ſen ſey. Es muß ein geſchaͤtztes Werk geweſen ſeyn, weil Kayſer Trajanus Decius,
welcher es dahin ſetzen laſſen, die Verſetzung dieſer Statue in einer beſondern Jnſchrift
an derſelben hat wollen bekannt machen, wie eben dieſer Seribent berichtet. Wohin
der Sturz dieſer Statue gekommen, habe ich nicht erfahren koͤnnen. Auf eben die Art
ſtunden an einem Hercules zu Rom drey verſchiedene Jnſchriften: des Lucius Lucullus,
welcher ihn nach Rom gebracht, ſeines Sohns, welcher dieſe Statue bey den Roſtris
aufgeſtellet, und die dritte des Aedilis T. Septimius. Plin. L. 34. c. 19.
a) Cabinet, T. I. p. 20.
b) Demontios. del Sculpt. antiqu. p. 12.
2) Refl. ſur la Poeſie et ſur la Peint. T. 1. p. 360.
der Zeit unter den Griechen betrachtet.

Der Torſo des Hercules ſcheint eines der letzten vollkommenen Werke
zu ſeyn, welche die Kunſt in Griechenland vor dem Verluſte der Freyheit
hervorgebracht hat. Denn nachdem Griechenland zu einer Roͤmiſchen Pro-
vinz gemachet war, findet ſich bis auf die Zeit der Roͤmiſchen Triumvirate
keine Meldung eines beruͤhmten Kuͤnſtlers dieſer Nation. Die Griechen
aber verlohren die Freyheit einige vierzig Jahre darauf, nachdem ſie vom
Quintus Flaminius fuͤr freye Leute erklaͤret waren, und die Unruhen,
welche die Haͤupter des Achaͤiſchen Bundes erregten, noch mehr aber die
Eiferſucht der Roͤmer uͤber dieſen Bund, waren die Urſachen davon. Die
Roͤmer waren, nach dem Siege uͤber den Koͤnig Perſeus in Macedonien,
Herren von dieſem Reiche geworden, und hatten ſich vor beſagtem Buͤnd-
niſſe der Griechen, ſo wie dieſe vor der Macht der ihnen gefaͤhrlichen Nach-
barn, beſtaͤndig zu fuͤrchten. Da nun die Roͤmer durch den Metellus ver-
gebens geſuchet hatten, in ein gutes Vernehmen mit den Griechen zu tre-
ten, wie uns die Roͤmiſchen Geſchichtſchreiber berichten, ſo kam endlich
Lucius Mummius, ſchlug die Griechen bey Corinth, und nahm dieſe Stadt,
als das Haupt des Achaͤiſchen Bundes, ein, und zerſtoͤrete dieſelbe. Die-
ſes geſchah in der hundert und ſechs und funfzigſten Olympias 1), in eben
dem Jahre, da Carthago erobert wurde. Durch die Pluͤnderung von
Corinth kamen die erſten Werke der Kunſt aus Griechenland ſelbſt, nach
Rom, und Mummius machete durch dieſelben ſeinen Einzug praͤchtig und
merkwuͤrdig: Plinius glaubt 2), der beruͤhmte Bacchus des Ariſtides
ſey das erſte Gemaͤlde, welches damals aus Griechenland nach Rom ge-
bracht worden. Die aͤlteſten und hoͤlzernen Statuen blieben in der verſtoͤ-
reten Stadt; unter dieſen war ein vergoldeter Bacchus, deſſen Geſicht
roth angeſtrichen war 3); ein Bellerophon von Holz, mit den aͤußerſten

Theilen
1) Plin. L. 33. c. 3.
2) L. 35. c. 8.
3) Pauſan. L. 2. p. 115. l. 24.
A a a 2

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
Theilen von Marmor 1); ingleichen ein Hercules von Holz, welchen man
fuͤr ein Werk des Daͤdalus hielt 2). Was im uͤbrigen den Roͤmern von
einigem Werthe ſchien, wurde fortgefuͤhret, ſo gar/ die Gefaͤße von
Erzt, welche innerhalb der Sitze des Theaters ſtanden, um den Ton
zu verſtaͤrken 3).

L.
Widerlegung
uͤber vermeyn-
te erhaltene
Statuen aus
dieſer Zeit.

Fabretti ſcheint geneigt zu ſeyn zu glauben 4), daß zwo Statuen im
Hauſe Carpegna zu Rom, aus welchen man durch fremde aufgeſetzte
Koͤpfe einen Marcus Aurelius und einen Septimius Severus gemachet,
unter denjenigen Statuen geweſen, welche Mummius aus Griechenland
brachte, weil auf ihrer beyder Baſe M. MVMMIVS COS. ſtand; ohn-
geachtet jener Lucius hieß: die aber die Kunſt verſtehen, finden an denſel-
ben eine Arbeit viel niedriger Zeiten. Jene Baſen ſind vermuthlich verloh-
ren gegangen, da man neue Fuͤße mit neuen Baſen, ohne Jnſchrift, aus
einem Stuͤcke gemachet und ergaͤnzet hat.

M.
Der Roͤmer
Raub der
ſchoͤnſten Wer-
ke der Kunſt
aus Griechen-
land.

Gegen die Menge von Statuen und Gemaͤlden, mit welchen alle
Staͤdte und Orte in Griechenland angefuͤllet waren, waͤre dieſer Raub
endlich zu verſchmerzen geweſen: allein den Griechen muß der Muth gefal-
len ſeyn, auf oͤffentliche Werke der Kunſt Koſten zu verwenden, da die-
ſelben von dieſen Zeiten an den Begierden ihrer Ueberwinder ausgeſetzt wa-
ren; und in der That wurde Griechenland nunmehro ein beſtaͤndiger Raub
der Roͤmer. Marcus Scaurus nahm, als Aedilis, der Stadt Sicyon
alle ihre Gemaͤlde aus Tempeln und oͤffentlichen Gebaͤuden, wegen ruͤck-
ſtaͤndiger Schulden an Rom, und ſie dieneten ihm zu Auszierung ſeines
praͤchtigen Theaters, welches er auf einige Tage bauen ließ 5). Aus Am-
bracia, der Reſidenz der Koͤnige in Epirus, wurden alle Statuen nach

Rom
1) Pauſan. L. 2. p. 119. l. 32.
2) Ibid. p. 121. l. 3.
3) Vitruv. L. 5. c. 5.
4) Inſcr. L. 5. p. 400. n. 293. conf. Buonarroti Oſſ. ſopr. alc. Medagl. p. 264.
5) Plin. L. 35. c. 40. conf. L. 36. c. 24.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
Rom gefuͤhret 1), unter welchen die Neun Muſen waren, die in dem Tem-
pel des Hercules Muſarum geſetzt wurden 2); und man ſchickete ſogar
Gemaͤlde mit ſammt der Mauer außer Griechenland, wie Muraͤna und
Varro, waͤhrend ihres Aedilats, mit Gemaͤlden zu Sparta thaten 3).
Mit einer Atalanta und Helena zu Lanuvium im Latio, wollte man der-
gleichen Verſetzung unter dem Caligula nicht wagen 4). Man kann ſich
alſo vorſtellen, daß die Kuͤnſtler, ſonderlich Bildhauer und Baumeiſter,
wenig Gelegenheit gehabt haben, ſich zu zeigen. Unterdeſſen wurden, wie
es ſcheint, noch allezeit den Siegern in den Olympiſchen Spielen zu Elis
Statuen aufgerichtet, und der letzte, von welchem ſich Nachricht findet,
hieß Mneſibulus, welcher in der zwey hundert und fuͤnf und dreyßigſten
Olympias, zu Anfang der Regierung Kaiſers Marcus Aurelius, den
Sieg erhielt 5).

Was von Tempeln, Gebaͤuden und Statuen in Griechenland ge-
machet wurde, geſchah mehrentheils auf Koſten einiger Koͤnige in Syrien,
Aegypten und anderer. Der Koͤniginn Laodice, Koͤnigs Seleucus Toch-
ter, und des Perſeus Gemahlinn, wurde zu Delos eine Statue geſetzt,
fuͤr ihre Freygebigkeit gegen die Einwohner und gegen den Tempel des
Apollo auf dieſer Jnſel. Die Baſe, auf welcher die Jnſchrift iſt, die die-
ſes anzeiget, befindet ſich unter den Arundelliſchen Marmorn 6). Antio-
chus IV. in Syrien ließ verſchiedene Statuen um den Altar des Apollo
gedachten Tempels ſetzen 7).

Daß
1) Excerpt. Polyb. legat. p. 828.
2) Plin. L. 35. c. 36. n. 4.
3) Plin. L. 35. c. 49.
4) Plin. L. 35. c. 6. Eben dieſes hat man mit den Gemaͤlden der St. Peterskirche zu Rom
vorgenommen, welche, nachdem ſie vorher in Muſaico gearbeitet worden, mit der
Mauer von Quaderſtuͤcken, auf welche ſie gemalet ſind, ausgeſaͤget, weggenommen,
und in die Kirche der Cartheuſer ohne allen Schaden verſetzet worden ſind. Die He-
truriſchen Gemaͤlde in dem Tempel der Ceres wurden ebenfalls mit der Mauer verſe-
tzet. Plin. L. 35. c. 45.
5) Pauſan. L. 10. p. 886.
6) n. 29. p. 26. edit. Maittaire.
7) Chishul. Inſcr. Sig.
A a a 3
II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden

Daß Antiochus Epiphanes, Koͤnig in Syrien, einen Roͤmiſchen
Baumeiſter, Coſſutius, von Rom nach Athen kommen laſſen, den Tem-
pel des Olympiſchen Jupiters, welcher ſeit des Piſiſtratus Zeit unvollen-
det geblieben war, auszubauen 1), koͤnnte ein Beweis ſcheinen von der
Seltenheit geſchickter Leute in dem ehemaligen Sitze der Kunſt; es kann
aber auch aus Gefaͤlligkeit und Schmeicheley gegen die Roͤmer geſchehen
ſeyn. Jn eben der Abſicht ſcheint Koͤnig Ariobarzanes Philopator II. in
Cappadocien, zween Roͤmiſche Baumeiſter, den Cajus Stallius, und
deſſen Bruder Marcus, nebſt einem Griechen, Menalippus, genommen
zu haben, da er den Athenienſern das Odeum wieder aufbauen ließ, wel-
ches Ariſtion, des Mithradates Feldherr, in der Belagerung des Sylla
zum Theil hatte niederreißen laſſen 2).

N.
Ende der
Kunſt unter
den Seleuci-
dern.

Jn Aſien, und an dem Hofe der Koͤnige in Syrien, ergieng es der
Griechiſchen Kunſt, wie wenn ein Licht, ehe es aus Mangel der Nahrung
verloͤſchet, vorher in eine helle Flamme auflodert, und alsdenn verſchwin-
det. Antiochus IV. der juͤngere Sohn Antiochus des Großen, welcher ſei-
nem aͤltern Bruder Seleucus IV. in der Regierung folgete, liebete die Ru-
he, und ſuchete ſeine Tage wolluͤſtig zu genießen: die Kunſt und die Unter-
redung mit den Kuͤnſtlern war ſeine vornehmſte Beſchaͤftigung; er ließ nicht
allein fuͤr ſich, ſondern auch fuͤr die Griechen arbeiten. Jn dem Tempel
des Jupiters zu Antiochia, welcher ohne Decke geblieben war, ließ er die-
ſelbe vergoldet machen, und alle Mauern inwendig mit vergoldeten Ble-
chen belegen 3), und in demſelben ließ er eine Statue der Gottheit, in der
Groͤße des Olympiſchen Jupiters des Phidias, ſetzen 4). Den Tempel
des Olympiſchen Jupiters zu Athen, der einzige, welcher, wie die Alten
ſagen, der Groͤße des Jupiters anſtaͤndig war, ließ er praͤchtig ausbauen,

und
1) Vitruv. Praef. L. 7.
2) Explic. d’une Inſcr. ſur le retabl. de l’Odeum, p. 189.
3) Livius L. 14. c. 25.
4) Ammian. L. 22. c. 13.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
und den Tempel des Apollo zu Delos ließ er mit einer Menge Altaͤre und
Statuen auszieren; der Stadt Tegea bauete er ein praͤchtiges Theater von
Marmor 1). Mit dieſes Koͤnigs Tode ſcheint auch die Kunſt der Griechen
in Syrien ausgeſtorben zu ſeyn: denn da den Syriſchen Koͤnigen, nach
der Schlacht bey Magneſia, das Gebuͤrge Taurus zur Graͤnze geſetzet war,
und ſie ſich alles deſſen, was ſie in Phrygien, und in dem Joniſchen Aſien
beſeſſen hatten, begeben mußten, ſo war dadurch die Gemeinſchaft mit den
Griechen gleichſam abgeſchnitten, und jenſeit des Gebirges war nicht das
Land, wo ſich eine Schule Griechiſcher Kuͤnſtler erhalten konnte. Nach
gedachtem Siege uͤber dieſes Koͤnigs Vater, brachte Lucius Scipio eine
unglaubliche Menge Statuen nach Rom, und dieſes geſchah in der hundert
und ſieben und vierzigſten Olympias. Wenn es wahr iſt, was Fulvius
Urſinus ſagt, und wiſſen konnte, daß der ſchoͤne Kopf des Bruders dieſes
Scipio, des aͤltern Africanus, von Baſalt, im Pallaſte Roſpiglioſi, zu
Liternum, ohnweit Cuma, gefunden worden, wo dieſer große Mann ſein
Leben beſchloſſen hat, ſo waͤre dieſer Kopf ein Denkmaal aus dieſer Zeit 2).
Statuen deſſelben, welche ein neuer Roͤmiſcher Dichter kuͤhnlich anfuͤhret 3),
finden ſich nicht vom Scipio. Die Muͤnzen der Nachfolger des kunſtlie-
benden Koͤnigs in Syrien, zeugen von dem Falle derſelben, und eine ſil-
berne Muͤnze Koͤnigs Philippus, des drey und zwanzigſten, vom Seleu-

cus
1) Livius L. 41. c. 25.
2) Dieſer Kopf war ehemals in dem beruͤhmten Hauſe Ceſi, und das Haus Roſpiglioſi
mußte denſelben, da der letzte aus jenem Hauſe ſtarb, fuͤr eine Schuldforderung von
3000. Scudi annehmen. Auf dem Kopfe zur Rechten ſieht man eine Wunde, als ei-
nen Kreuzſchnitt, angezeiget, und eben dieſes Zeichen findet ſich an drey aͤhnlichen Koͤ-
pfen in Marmor; der eine iſt im Pallaſte Barberini, der andere im Campidoglio, und
der dritte in der Villa Albani. Ein anderer Kopf, welcher wegen der Aehnlichkeit
den Namen Scipio fuͤhret, befindet ſich in den Zimmern der Conſervatori im Campi-
doglio, und wurde von Pabſt Clemens XI. dahin geſchenket, welcher denſelben mit 800
Scudi erſtand; dieſer Kopf hat gedachte Wunde nicht.
3) Concorſo dell’ Acad. di S. Luca, a. 1750. p. 43.

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
cus an gerechnet, giebt einen deutlichen Beweis, daß die Kunſt ſich von
dem Hofe dieſer Koͤnige weggezogen hatte. So wohl der Kopf dieſes
Prinzen, als der ſitzende Jupiter auf der Ruͤckſeite, ſcheinen kaum von
Griechen gemacht zu ſeyn. Ueberhaupt ſind die Muͤnzen faſt aller Seleuci-
der ſchlechter, als der geringſten Griechiſchen Staͤdte, gepraͤget, und auf
Muͤnzen der Parthiſchen Koͤnige mit einer Griechiſchen und zum Theil zier-
lichen Schrift, erſcheint ſchon die Barbarey in der Zeichnung und in dem
Gepraͤge. Gleichwohl ſind dieſelben ohne Zweifel von Griechiſchen Mei-
ſtern gemacht: denn die Parthiſchen Koͤnige wollten das Anſehen haben,
große Freunde der Griechen zu heißen, und ſetzten dieſen Titel ſo gar auf
ihre Muͤnzen 1).

O.
Flor derſelben
unter den Koͤ-
nigen von Bi-
thynien und
von Perga-
mus.

Jn Kleinaſien blieben die Koͤnige in Bithynien und zu Pergamus
große Befoͤrderer der Griechiſchen Kunſt, nachdem dieſelbe bereits in Sy-
rien gefallen war: Attalus und Eumenes, deſſen Bruder, ſuchten ſich die
Griechen durch große Freygebigkeiten zu verbinden, und jenem errichtete die
Stadt Sicyon aus Dankbarkeit eine Coloſſaliſche Statue, neben einem
Apollo, auf dem oͤffentlichen Platze der Stadt 2). Dieſer hatte ſich in
Griechenland dermaßen beliebt gemachet, daß ihm die mehreſten Pelopon-
neſiſchen Staͤdte Saͤulen aufrichteten 3). Zu Pergamus ließen dieſe Koͤ-
nige eine große Bibliothek anlegen; es wurden aber auch von den Gelehr-
ten an dieſem Hofe untergeſchobene Schriften unter dem falſchen Namen
aͤlterer Scribenten geſchmiedet, und die Gelehrten in Alexandrien ſtritten
mit jenen um den Vorzug in dieſem Betruge 4). Man ſollte beynahe hier-
aus ſchließen, daß auch in der Kunſt mehr Copien, als eigene urſpruͤngli-
che Werke, hervor gebracht worden.

Jn
1) Spanhem. de praeſt. Num. Tom. I. p. 467.
2) Excerpt. Polyb. L. 17. p. 97.
3) Ibid. L. 27. p. 131. 133.
4) Galen. in Hippocrat. de natura hominis, p. 7. l. 24.
der Zeit unter den Griechen betrachtet.

Jn Aegypten hatte die Kunſt und Gelehrſamkeit unter den drey er-P.
Ende der
Griechiſchen
Kunſt in Ae-
gypten, und
Widerlegung
des Vaillant
und anderer.

ſten Ptolemaͤern gebluͤhet, und ſie waren beſorget, auch die Werke der Ae-
gyptiſchen Kunſt zu erhalten. Ptolemaͤus Evergetes ſoll, nach ſeinem
Siege wider den Koͤnig in Syrien Antiochus Theos, zwey tauſend fuͤnf
hundert Statuen nach Aegypten gebracht haben, unter welchen viele wa-
ren, welche Cambyſes aus Aegypten weggefuͤhret hatte 1). Die hundert
Baumeiſter, welche deſſen Sohn und Nachfolger Philopator, nebſt un-
glaublichen Geſchenken, der Stadt Rhodus, die durch ein Erdbeben ſehr
gelitten hatte, zu ſandte 2), koͤnnen von der Menge der Kuͤnſtler an dieſem
Hofe zeugen. Aber die Nachfolger des Evergetes waren alle, den einzigen
Philometor ausgenommen, unwuͤrdige Prinzen, und wuͤtheten wider ihr
Reich, und wider ihr eigenes Gebluͤt, und Aegypten gerieth in die aͤußer-
ſte Verwirrung. Theben wurde unter dem Lathyrus, dem fuͤnften Koͤ-
nige nach dem Epiphanes, beynahe zerſtoͤret, und ſeiner Herrlichkeit be-
raubet, und dieſes war der Anfang der Vernichtung ſo vieler Denkmale
der Aegyptiſchen Kunſt.

Die Griechiſchen Kuͤnſte hatten ſich, wiewohl ſie von ihrem erſten
Glanze in dieſem Reiche ſehr abgefallen, dennoch bis unter dem Vater letzt-
gedachten Koͤnigs, dem Ptolemaͤus Phyſcon, dem ſiebenten Koͤnige in Ae-
gypten, erhalten. Unter dieſem Tyrannen aber verließen faſt alle Gelehrte
und Kuͤnſtler Aegypten, in der grauſamen Verfolgung, welche er nach ſei-
ner Ruͤckkunft ins Reich, aus welchem er gefluͤchtet war, wider die Stadt
Alexandrien ausuͤbete, und begaben ſich nach Griechenland 3)
. Mit dieſer

lehrte
Grauſam-
1) Monum. Adulit. ap. Chishul. Inſcr. Sig. p. 79. 80. S. Hieronym. Comment. in Dan.
c. 11. v. 8. p.
706.
2) Polyb. L. 5. p. 429. E.
3) Athen. Deipn. L. 5. c. 25. p. 184. Iuſtin. L. 38. c. 8. Vaillant, welcher den Athe-
naͤus nicht recht verſtanden, giebt dieſem veraͤchtlichen Koͤnige das Lob a), daß er ge-
a) Hiſt. Ptolem. p. 111.
Winckelm. Geſch. der Kunſt. B b b

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
Grauſamkeit machte er das zweyte Jahr ſeiner Regierung, welches in die
hundert und acht und funfzigſte Olympias faͤllt, merkwuͤrdig. Bey dem
allen fehlete es zu Caͤſars Zeiten und nachher nicht an Maͤnnern, welche
zu Alexandria die Weltweisheit mit großem Zulaufe lehreten 1).

Q.
Wiederher-
ſtellung der
Kunſt in
Griechenland.

Die Kunſt fieng alſo von neuem an, ihren Sitz in Griechenland zu
nehmen, und zu bluͤhen: denn die Roͤmer ſelbſt wurden Befoͤrderer derſel-
ben unter den Griechen, und ließen in Athen Statuen fuͤr ihre Luſthaͤuſer
arbeiten, wie wir vom Cicero wiſſen, dem Atticus dieſelben fuͤr ſein Tu-
ſculanum beſorgete, unter welchen Hermen von Penteliſchem Marmor mit
Koͤpfen von Erzt waren 2): der eingefuͤhrte Pracht in Rom, war eine
Quelle zum Unterhalte der Kuͤnſtler auch in den Provinzen. Denn ſogar
die Geſetze verſtatteten den Proconſuls und Praͤtors, ihrem Namen zu Eh-
ren, ja ihnen ſelbſt geweihete Tempel in den Laͤndern ihrer Statthalter-
ſchaft erbauen zu laſſen 3), wozu die dem Scheine nach bey ihrer Freyheit
geſchuͤtzten Griechen die Koſten aufbringen mußten. Pompejus hatte

Tempel
lehrte und geſchickte Leute beſonders geehret, und daß unter ihm alle Kuͤnſte und Wiſ-
ſenſchaften einen neuen Glanz bekommen: Athenaͤus aber ſaget nicht, daß die Erneue-
rung der Wiſſenſchaften in Aegypten, ſondern daß ſie in Griechenland geſchehen. Die
Verfaſſer der allgemeinen Weltgeſchichte in Engeland, welche dem Vaillant, wie ſonſt
haͤufig neuern Ausſchreibern, gefolget ſind, wie aus der unrichtig angefuͤhrten Stelle
des Athenaͤus, ſo wie ſie dieſelbe bey jenem gefunden, zu ſchließen iſt, koͤnnen daher nicht
reimen b), daß dieſer Prinz, welcher verurſachet, daß die Kuͤnſtler und Gelehrten aus
dem Lande gegangen, zu gleicher Zeit ein Freund und Beſchuͤtzer derſelben ſeyn ſollen.
Sie fuͤhren zugleich den H. Epiphanius von Maaßen und Gewichten an, vielleicht we-
gen des Beynamens [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], den man dieſem Koͤnige beylegte, weiter aber meldet
er kein Wort. Athenaͤus ſagt auch nicht, daß Phyſcon, wie Vaillant vorgiebt, aus
allen Theilen der Welt Buͤcher aufſuchen laſſen; er gedenket nur der vier und zwanzig
Buͤcher Commentariorum, in welchen dieſer Koͤnig Nachricht gegeben, daß er keine
Pfauen gegeſſen habe.
1) Appian. Bel. civ. L. 2. p. 239. l. 31.
2) ad Attic. L. 1. ep. 4. 6. 8. 9.
3) Mangault Diſſ. ſur les honneurs rendues aux Gouverneurs etc. p. 253.
b) Hiſt. Vniv. T. 6. p. 474. traduct. Franc.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
Tempel in allen Provinzen. Dieſer Misbrauch nahm noch mehr uͤberhand
unter den Kaiſern, und Herodes bauete zu Caͤſarea dem Auguſtus einen
Tempel, in welchem deſſen Statue in der Groͤße und Aehnlichkeit des
Olympiſchen Jupiters ſtand, nebſt der Statue der Goͤttinn Roma, die
wie die Juno zu Argos gebildet war 1). Appius bauete auf ſeine Koſten
einen Porticus zu Eleuſis 2).

Durch die aus Aegypten gefluͤchteten Kuͤnſtler, ſcheint der ſogenann-
te Aegyptiſche Stil in der Griechiſchen Kunſt, uͤber welchen ich in dem Er-
ſten Theile dieſer Schrift eine Muthmaßung gewaget habe, eingefuͤhret zu
ſeyn: die Stadt Alexandria ruͤhmete ſich, daß von ihr die Kuͤnſte ausge-
gangen, und von neuem zu den Griechen und zu andern Voͤlkern gekom-
men ſeyn 3). Syracus aber muß beſtaͤndig fort ſehr vorzuͤgliche Kuͤnſtler,
auch nach der Eroberung, gehabt haben, weil Verres, welcher die ſchoͤnſten
Werke an allen Orten aufſuchte, vornehmlich zu Syracus an Vaſen ar-
beiten ließ: er hatte in dem alten Pallaſte der Koͤnige eine Werkſtatt an-
geleget, wo acht ganze Monathe alle Kuͤnſtler, theils Vaſen zu zeichnen,
theils ſie zu gießen und zu ſchnitzen, beſchaͤftiget waren; und es wurde nicht
anders, als in Golde, gearbeitet.

Die Ruhe, welche die Kuͤnſte einige Jahre in Griechenland genoſſenR.
Nachtheil der-
ſelben durch
die Mithrida-
tiſchen Krie-
ge, und Ver-
ſtoͤrung von
Griechenland,
und in Groß-
griechenland
und Sicilien.

hatten, wurde von neuem in dem Mithridatiſchen Kriege geſtoͤret, in wel-
chem die Athenienſer die Parthey des Koͤnigs in Pontus wider die Roͤmer
ergriffen. Dieſe Stadt hatte von den großen Jnſeln im Aegeiſchen Meere,
welche ſie ehemals beherrſchete, nur allein die einzige kleine Jnſel Delos
uͤbrig behalten; aber auch dieſe hatten die Athenienſer kurz zuvor verlohren,
und Archelaus, des Mithridates Feldherr, machte ihnen dieſelbe von
neuem unterwuͤrfig 4). Athen war durch Partheyen zerruͤttet, und damals

hatte
1) Ioſeph. de Bell. Iud. L. 1. c. 21. §. 7. p. 107.
2) Cic. ad Attie. L. 6. ep. 1.
3) Athen. Deipn. l. c.
4) Appian. Mithrad. p. 153. lin. ult.
B b b 2

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
hatte ſich Ariſtion, ein Epicuriſcher Philoſoph, zum Herrn aufgeworfen,
und behauptete ſich in der angemaßten Gewalt durch die auswaͤrtige Macht,
von welcher er unterſtuͤtzet, alle Roͤmiſchgeſinnete Buͤrger ermorden ließ 1).
Da nun zu Anfange beſagten Krieges Archelaus vom Sylla in Athen be-
lagert wurde, gerieth die Stadt in die aͤußerſte Noth; der Mangel an Le-
bensmitteln war ſo groß, daß man endlich Felle und Haͤute der Thiere fraß;
ja man fand ſogar nach der Uebergabe Menſchenfleiſch 2). Sylla ließ den
ganzen Pireaͤiſchen Hafen, nebſt dem Arſenale und allen andern oͤffentlichen
Gebaͤuden zum Seeweſen, gaͤnzlich zerſtoͤren: Athen war, wie die Alten
ſagen, wie ein hingeworfener todter Koͤrper, gegen das vorige Athen zu
vergleichen. Sylla nahm aus dem Tempel des Olympiſchen Jupiters ſo-
gar die Saͤulen weg 3), und ließ dieſelben, nebſt der Bibliothek des Apel-
lion, nach Rom fuͤhren 4): es werden auch ohne Zweifel viele Statuen
fortgefuͤhret worden ſeyn, da er aus Alalcomene eine Pallas nach Rom
ſchickete 5). Das Ungluͤck dieſer Stadt ſetzte alle Griechen in Furcht und
Schrecken, und dieſes war auch die Abſicht des Sylla. Es geſchah da-
mals in Griechenland, was noch niemals geſchehen war, daß, außer dem
Laufe der Pferde, keines von andern feyerlichen Olympiſchen Spielen zu
Elis gehalten wurde 6): denn dieſe wurden damals von dem Sylla nach
Rom verleget. Es war die hundert und fuͤnf und ſiebenzigſte Olympias.
Leander Alberti redet von der oberſten Haͤlfte einer Statue des Sylla, wel-
che zu Caſoli in der Dioͤces von Volterra in Toſcana war 7).

Jn den uͤbrigen Gegenden von Griechenland waren allenthalben trau-
rige Spuren der Verſtoͤrung. Theben, die beruͤhmte Stadt, die ſich nach
ihrer Verheerung durch den Alexander wieder erholet hatte, war, außer

einigen
1) Appian. Mithrad. p. 124. l. 5.
2) Ibid. p. 127. l. 27. 39.
3) Plin. L. 36. c. 5.
4) Strab. L. 13. p. 907. l. 10.
5) Pauſan. L. 9. p. 777.
6) Appian. Bell. civ. L. 1. p. 198. l. 33.
7) Deſcr. d’ Ital. p. 51. a.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
einigen Tempeln in der ehemaligen Burg, wuͤſte und oͤde 1). Sparta,
welches noch in dem Kriege zwiſchen Pompejus und Caͤſar ſeine Koͤ-
nige hatte 2), und das Land umher, war von Einwohnern entbloͤßet 3);
und von Mycene war nur noch der Name uͤbrig 4). Drey der beruͤhmte-
ſten und reichſten Tempel der Griechen, des Apollo zu Delphos, des Aeſcu-
lapius zu Epidaurus, und des Jupiters zu Elis, wurden von dem Sylla
ausgepluͤndert 5).

Großgriechenland und Sicilien waren um dieſe Zeit in eben ſo klaͤgli-
che Umſtaͤnde geſetzet. Von ſo vielen maͤchtigen und beruͤhmten Staͤdten,
war zu Anfang der Roͤmiſchen Monarchie nur Taranto und Brunduſium
in einigem Flor 6). Die Einwohner zu Croton, deren Mauern zwoͤlf Mi-
lien im Umkreiſe hatten, welche ſich uͤber eine Million erſtrecketen, waren
in dem zweyten Puniſchen Kriege auf zwanzig tauſend herunter gebracht 7).
Kurz vor dem Kriege mit dem Koͤnige Perſeus in Macedonien, ließ der
Cenſor Quintus Fulvius Flaccus den beruͤhmten Tempel der Juno Laci-
nia, ohnweit gedachter Stadt, abdecken, und fuͤhrete die Ziegel deſſelben,
welche von Marmor waren, nach Rom, um den Tempel der Fortuna
Equeſtris
mit denſelben zu belegen 8). Er mußte dieſelben aber, da es
in Rom kund wurde, woher er ſie genommen, wieder zuruͤck ſchaffen.

Jn Sicilien ſah man damals, von dem Vorgebuͤrge Lilybaͤum an,
bis an das Vorgebuͤrge Pachynum, von einem Ende der Jnſel zum an-
dern, nur Truͤmmer der ehemaligen bluͤhenden Staͤdte 9): Syracus aber
wurde noch itzo fuͤr die ſchoͤnſte Griechiſche Stadt gehalten, und da Mar-
cellus in der Eroberung dieſelbe von einem erhabenen Orte uͤberſah, konnte

er
1) Pauſan. L. 9. p. 727. l. 9.
2) Appian. Bell. civ. L. 2. p. 232. l. 39.
3) Strab. L. 8. p. 557. l. 19.
4) Ibid. p. 579. l. 5.
5) Excerpt. Diodor. p. 406.
6) Strab. L. 6. p. 430. l. 8.
7) Liv. L. 23. c. 30.
8) Idem L. 42. c. 3.
9) Strab. L. 6. p. 417. l. 23.
B b b 3

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
er ſich der Freudenthraͤnen nicht enthalten 1). Es fieng ſo gar die Griechi-
ſche Sprache an in den Griechiſchen Staͤdten in Jtalien aus dem Gebrau-
che zu kommen: denn Livius berichtet 2), daß kurz vor dem Kriege mit dem
Koͤnige Perſeus, das iſt, im fuͤnf hundert und zwey und ſiebenzigſten Jah-
re der Stadt Rom, der Roͤmiſche Senat der Stadt Cuma die Erlaubniß
gegeben, in oͤffentlichen Geſchaͤften ſich der Roͤmiſchen Sprache zu bedie-
nen, und die Waaren in Latein zum Verkauf ausrufen zu laſſen; welches
ich vielmehr fuͤr ein Geboth, als fuͤr eine Erlaubniß halte.

IV.
Von der Grie-
chiſchen Kunſt
unter den Roͤ-
mern und den
Roͤmiſchen
Kaiſern.

Der abermalige Fall des Flors der Kunſt in Griechenland, ſchließt
indeſſen dieſelbe in einigen einzelnen Kuͤnſtlern nicht aus. Denn zu Julius
Caͤſars Zeiten, machte ſich in der Bildhauerey Strongylion beruͤhmt 3),
der Meiſter der Amazone, mit den ſchoͤnen Beinen zubenamet, welche
A.
Unter dem
Caͤſar.
Nero allenthalben mit ſich fuͤhrete; er machete auch die Statue des jungen
Menſchen, welchen Brutus liebte. Jn der Malerey war es Timoma-
a.
Namhafte
Kuͤnſtler.
chus, deſſen Gemaͤlde Ajax und Medea vom Caͤſar mit achtzig Talenten be-
zahlet, und in dem von ihm erbaueten Tempel der Venus aufgehaͤnget
wurden 4). Vor demſelben ſtand des Caͤſars Statue zu Pferde, und es
ſcheint aus einer Stelle des Statius 5), daß das Pferd von der Hand des
beruͤhmten Lyſippus geweſen, und alſo aus Griechenland weggefuͤhret
worden. Es bluͤhete Arceſilaus 6), der Freund des Lucullus, deſſen
Modelle von andern Kuͤnſtlern theuerer, als anderer Meiſter geendigte
Werke, bezahlet wurden; er arbeitete eine Venus fuͤr den Caͤſar, die ihm,
ehe er die letzte Hand an dieſelbe geleget hatte, aus den Haͤnden genommen,
b.
Werke der
Kunſt aus die-
ſer Zeit.
und in Rom aufgeſtellet wurde. Ferner ſind Paſiteles, Poſidonius,
Ladus
und Zopyrus bekannt. Eine große und ſchoͤne Statue des Ne-
ptunus, welche vor wenig Jahren, nebſt einer ſogenannten Juno, zu

Corinth
1) Livius L. 25. c. 24.
2) L. 40. c. 42.
3) Plin. L. 34. c. 19.
4) Idem L. 35. c. 40.
5) conf. Nardini Rom. p. 267.
6) Plin. L. 35. c. 45.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
Corinth in Griechenland gefunden worden, und ſich itzo in Rom zum Ver-
kauf befindet, iſt entweder zu Julius Caͤſars Zeiten, oder doch nicht lange
hernach, gemachet worden. Es ſchickete derſelbe eine Colonie nach Corinth,
und ließ die Stadt wiederum aus ihren Truͤmmern aufbauen. Der Stil
der Arbeit deutet auch etwa auf dieſe Zeit, und aus demſelben, noch mehr
aus einer Griechiſchen Jnſchrift auf dem Kopfe eines Delphins zu den Fuͤſ-
ſen der Statue, iſt erweislich, daß ſie nicht vor der Zerſtoͤrung der Stadt
gemachet ſey. Es zeiget die Jnſchrift an, daß die Statue vom Publius
Licinius Priſcus,
einem Prieſter des Neptuns, geſetzet worden. Es iſt
dieſelbe folgende:

[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]

Der Name der Perſon, welche eine Statue machen ließ, war zuweilen,
nebſt dem Namen des Kuͤnſtlers, an derſelben geſetzet 1). Pauſanias mel-
det 2), daß jemand aus Corinth, nach Wiederherſtellung der Stadt, eine
Statue Alexanders des Großen, in Geſtalt eines Jupiters, zu Elis neben
dem Tempel des Jupiters, aufrichten laſſen.

Es finden ſich in verſchiedenen Muſeis Koͤpfe, welche den Namen
Caͤſar fuͤhren, und kein einziges gleichet voͤllig den Koͤpfen auf deſſen Muͤn-
zen; es will daher der erfahrenſte Kenner der Alterthuͤmer, der Erhabenſte
Cardinal Alex. Albani, zweifeln, ob ſich wahrhafte Koͤpfe des Caͤſars
erhalten haben. Eine große Thorheit aber iſt es in allen Faͤllen, vorzuge-
ben, daß ein Buſto in dem Muſeo des Cardinals Polignac als ein Einzi-
ges Stuͤck anzuſehen ſey, und nach dem Leben gearbeitet worden 3).
Bey dieſer Gelegenheit merke ich von den zehen Statuen eben dieſes Mu-
ſei an, welche letztgedachter Cardinal ohnweit Fraſcati ausgraben ließ, daß

es
1) conf. Orville Animadu. in Chariton. p. 186.
2) L. 5. p. 44. l. 11.
3) Cabinet de Polignac.

II Theil. Von der Kunſt, nach den aͤußern Umſtaͤnden
es nicht bewieſen werden koͤnnen, daß dieſelben ein Gruppo zuſammen ge-
macht, noch viel weniger die Familie des Lycomedes, nebſt dem in weibli-
chen Kleidern verſteckten Achilles, vorgeſtellet. Es wurde von dieſen Sta-
tuen, da der Koͤnig in Preußen dieſes Muſeum kaufte, viel Geſchrey in
Frankreich gemachet, und man gab vor, daß dieſe allein nicht aus dem
Lande gehen ſollten; es wurden dieſelben uͤber drey Millionen Livres ge-
ſchaͤtzet, und auch dieſe mit begriffen, gieng das ganze Muſeum fuͤr etwa
36000. Thaler nach Berlin. Man muß aber wiſſen, daß alle zehen Sta-
tuen ohne Koͤpfe gefunden worden, welche von jungen Leuten in der Fran-
zoͤſiſchen Academie zu Rom ganz neu dazu gearbeitet ſind, die ihnen, wie
gewoͤhnlich, Modegeſichter gegeben: der Kopf des vermeynten Lycomedes,
war nach einem Portrait des beruͤhmten Herrn von Stoſch gemacht. Es
verdienet angemerket zu werden, daß eine Roͤmerinn im Teſtamente ihrem
Ehemanne auferlegte, dem Caͤſar im Capitolio eine Statue von hundert
Pfund Gold ſchwer ſetzen zu laſſen 1).

Nachdem endlich Rom und das Roͤmiſche Reich ein einziges Ober-
haupt und Monarchen erkannte, ſetzten ſich die Kuͤnſte in dieſer Stadt, wie
in ihrem Mittelpunkte, und die beſten Meiſter in derſelben wandten ſich
hierher, weil in Griechenland wenig zu thun und zu arbeiten Gelegenheit
war. Athen wurde, nebſt andern Staͤdten, weil ſie es mit dem Anto-
nius gehalten, ihrer vorzuͤglichen Rechte beraubet 2); Eretrien und Aegina
wurden den Athenienſern abgenommen, und wir finden nicht, daß ſie we-
gen des Tempels, welchen ſie dem Auguſtus gebauet, und wovon das Do-
riſche Portal noch uͤbrig iſt 3), gnaͤdiger angeſehen worden. Gegen das
Ende ſeiner Regierung wollten ſie ſich empoͤren, wurden aber bald zum
Gehorſam gebracht.

Auguſtus,
1) conf. Lipſ. Elector. L. 1. c. 9.
2) Dio Caſſ. L. 54. c. 7. p. 735. ed. Reimar.
3) Le Roy Monum. de la Grece, p. 32.
der Zeit unter den Griechen betrachtet.

Auguſtus, welchen Livius den Erbauer und Wiederherſteller allerB.
Unter dem
Auguſtus, und
von deſſen
Werken.

Tempel nennet, kaufte ſchoͤne Statuen der Goͤtter, welche er auf den Plaͤ-
tzen, und ſo gar auf den Straaßen in Rom ſetzen ließ 1), und er ſetzte die
Statuen aller großen Roͤmer, die ihr Vaterland empor gebracht hatten,
als Triumphirende vorgeſtellet, in dem Portico ſeines Fori, und welche
ſchon vorhanden waren, wurden wieder ausgebeſſert 2): es war unter den-
ſelben auch die Statue des Aeneas mit gerechnet 3). Es ſcheint aus einer
Jnſchrift, welche ſich in dem Grabmale der Livia gefunden 4), daß er uͤber
dieſe oder uͤber andere Statuen einen Aufſeher beſtellet habe.

Die ſtehende Statue des Auguſtus im Campidoglio, welche ihn ina.
Deſſen Sta-
tuen und der
Livia.

ſeiner Jugend vorſtellet, und mit einem Steuerruder zu den Fuͤßen, als
eine Deutung auf die Schlacht bey Actium, iſt mittelmaͤßig. Eine vorge-
gebene ſitzende Statue mit dem Kopfe deſſelben im Campidoglio, haͤtte gar
nicht ſollen angefuͤhret werden 5); die in Buͤchern geprieſene Livia, oder,
wie andere wollen 6), Sabina, des Hadrians Gemahlinn, in der Villa
Mattei, iſt als die Tragiſche Muſe Melpomene vorgeſtellet, wie der Co-
thurnus
anzeiget. Maffei 7) redet von einem Kopfe des Auguſtus mit
einer Corona civica, oder von Eichenlaub, in dem Muſeo Bevilacqua zu
Verona, und er zweifelt, daß ſich anderwerts dergleichen Kopf deſſelben
finde: er haͤtte koͤnnen Nachricht haben von einem ſolchen Kopfe des Augu-
ſtus in der Bibliothek zu St. Marco in Venedig 8). Jn der Villa Albani
ſind drey verſchiedene Koͤpfe des Auguſtus mit einem Kranze von Eichen-
laub, und ein ſchoͤner Coloſſaliſcher Kopf der Livia.

Zwo
1) Sueton. Aug. c. 57.
2) Ibid. c. 31.
3) Ovid. Faſt. L. 5.
4) Gori Columb. Liv. p. 157.
5) Muſ. Capit. T. 3. tav. 51.
6) Maffei Stat. n. 107.
7) Verona illuſtr. P. 3. c. 7. p. 215.
8) Zanetti Statue della Libr. di S. Marc.
Winckelm. Geſch. der Kunſt C c c
II Theil. Von der Griechiſchen Kunſt
b.
Von vermeyn-
ten Statuen
der Cleopatra.

Zwo liegende Weibliche Statuen, eine im Belvedere, die andere in
der Villa Medicis, fuͤhren den Namen der Cleopatra, weil man das Arm-
band derſelben fuͤr eine Schlange angeſehen, und ſtellen etwa ſchlafende
Nymphen, oder die Venus vor, wie dieſes ſchon ein Gelehrter der vori-
gen Zeit eingeſehen 1). Folglich ſind es keine Werke, aus welchen von der
Kunſt unter dem Auguſtus zu ſchließen waͤre; unterdeſſen ſagt man, es ſey
Cleopatra in einer aͤhnlichen Stellung todt gefunden worden 2). Der
Kopf an der erſtern hat nichts beſonders, und er iſt in der That etwas
ſchief; der Kopf an der andern, aus welchem einige ein Wunder der Kunſt
machen, und ihn mit einem der ſchoͤnſten Koͤpfe im Alterthume verglei-
chen 3), iſt nicht allein ein ſehr niedriges Jdeal, ſondern er iſt ungezweifelt
neu. Jn dem Pallaſte Odeſcalchi war eine jenen aͤhnliche Figur, mehr
als Lebensgroͤße, wie die vorigen Statuen, welche, nebſt den uͤbrigen Sta-
tuen dieſes Muſei, nach Spanien gegangen iſt.

c.
Von geſchnit-
tenen Steinen
dieſer Zeit.

Von geſchnittenen Steinen finden ſich einige ſchoͤn gearbeitete Stuͤcke
des Dioſcorides, der die Koͤpfe des Auguſtus, mit welchen dieſer zu ſie-
geln pflegte, ſchnitt 4). Ein anderer beruͤhmter Kuͤnſtler im Steinſchnei-
den war Solon, von welchem wir, unter andern Steinen, den vermeyn-
ten Kopf des Maͤcenas, die beruͤhmte Meduſa, einen Diomedes und Cu-
pido haben 5). Außer dieſen bekannt gemachten Steinen, iſt in dem Sto-
ſchiſchen Muſeo einer der ſchoͤnſten Koͤpfe des Hercules, die jemals in Stein
geſchnitten ſind 6); und der Verfaſſer beſitzet einen zerbrochenen ſchoͤnen
Carniol, welcher eine Victoria, die einen Ochſen opfert, vorſtellete; die
Victoria hat ſich, nebſt dem Namen [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], unbeſchaͤdigt erhalten.

Das
1) Steph. Pigh. in Schotti Itin. Ital. p. 326.
2) Galen. ad Piſon. de Theriaca, c. 8. p. 941. edit. Charter. Tom. 13.
3) Richards Trait. de la Peint. T. 2. p. 206.
4) Sueton. Aug. c. 58.
5) Stoſch. Pier. gr. pl. 62. 61. 64.
6) Deſcr. des Pier. gr. du Cab. de Stoſch, p. 268.

unter den Roͤmiſchen Kaiſern.
Das ſchoͤne kleine Bruſtbild des Auguſtus aus einem Chalcedon geſchnit-
ten, welches uͤber ſechs Zoll eines Roͤmiſchen Palms hoch iſt, und ehemals
in dem Muſeo Carpegna war 1), iſt itzo in der Vaticaniſchen Bibliothek.

Allein wir haben vielleicht noch ein beſſeres Denkmal eines Griechi-d.
Von einer Ca-
ryatide des
Diogenes zu
Athen.

ſchen Meiſters von Auguſtus Zeit: denn nach aller Wahrſcheinlichkeit iſt
noch eine von den Caryatiden des Diogenes von Athen, welche im Pan-
theon ſtunden, uͤbrig; ſie ſtehet unerkannt in dem Hofe des Pallaſtes Far-
neſe. Es iſt die Haͤlfte einer Maͤnnlichen unbekleideten Figur bis auf das
Mittel, ohne Arme: ſie traͤgt auf dem Kopfe eine Art eines Korbes, wel-
cher nicht mit der Figur aus einem Stuͤcke gearbeitet iſt; an dem Korbe
bemerket man Spuren von etwas Hervorragendem, und allem Anſehen
nach ſind es vorgeſtellete Blaͤtter geweſen, welche denſelben bekleidet haben,
auf eben die Art, wie ein ſolcher bewachſener Korb einem Callimachus
das Bild zu einem Corinthiſchen Capitaͤl ſoll gegeben haben. Dieſe halbe
Figur hat etwa acht Roͤmiſche Palme, und der Korb drittehalb: es iſt al-
ſo eine Statue geweſen, die das wahre Verhaͤltniß zu der Attiſchen Ord-
nung im Pantheon hat, welche etwa neunzehen Palme hoch iſt. Was ei-
nige Scribenten bisher fuͤr dergleichen Caryatiden angeſehen haben 2), zeu-
get von ihrer großen Unwiſſenheit.

Von einem Werke in der Baukunſt außer Rom von Auguſtus Zei-e.
Von Werken
der Baukunſt
unter dem Au-
guſtus.

ten, kann man zwar nicht auf die damalige Baukunſt uͤberhaupt ſchließen;
es verdienet aber die Ausſchweifung angemerket zu werden. Es iſt ein
Tempel zu Melaſſo in Carien 3), dem Auguſtus und der Stadt Rom zu
Ehren gebauet, wie die Jnſchrift auf dem Gebaͤlke anzeiget. Saͤulen von
Roͤmiſcher Ordnung am Portale, Joniſche Saͤulen auf den Seiten, und
der Fuß derſelben mit geſchnitzten Blaͤttern nach Art eines Capitaͤls, ſind

der
1) Buonar. Oſſ. ſopra alc. Med. p. 45.
2) Demontioſ. Gal. Rom. hoſp. p. 12.
3) Pococke’s Deſcr. of the Eaſt, Vol. 2. P. 2. p. 61.
C c c 2

II Theil. Von der Griechiſchen Kunſt
der Regel und dem guten Geſchmacke entgegen. Es fieng derſelbe unter-
deſſen ſchon unter dem Auguſtus an in der Schreibart zu fallen, und ſcheint
ſich ſonderlich durch die Gefaͤlligkeit gegen den Maͤcenas, welcher das Ge-
zierte, das Spielende und das Sanfte der Schreibart liebte 1), eingeſchli-
chen zu haben. Ueberhaupt ſagt Tacitus, daß ſich nach der Schlacht bey
Actium keine großen Geiſter mehr hervorgethan haben. Jn gemalten Ver-
zierungen war man damals ſchon auf einen uͤbeln Geſchmack gefallen, wie
ſich Vitruvius beklagt 2), daß man dem Entzwecke der Malerey entgegen,
welches die Wahrheit oder Wahrſcheinlichkeit ſey, Dinge wider die Natur
und geſunde Vernunft vorgeſtellet, und Pallaͤſte auf Staͤbe von Rohr und
auf Leuchter gebauet, die unfoͤrmlichen, langen und ſpillenmaͤßigen Saͤulen,
wie der Stab oder der Schaft der Leuchter aus dem Alterthume iſt 3), da-
durch vorzuſtellen. Einige Stuͤcke von Jdealiſchen Gebaͤuden unter den
Herculaniſchen Gemaͤlden, welche vielleicht um eben die Zeit, oder doch
nicht lange hernach, gemachet ſind, koͤnnen dieſen verderbten Geſchmack
beweiſen. Die Saͤulen an denſelben haben das doppelte ihrer gehoͤrigen
Laͤnge, und einige ſind ſchon damals wider den Grund einer tragenden
Stuͤtze gedrehet: die Verzierungen an denſelben ſind ungereimt und barba-
riſch. Von einer aͤhnlichen ausſchweifenden Art waren die Saͤulen einer
gemalten Architectur auf einer Wand vierzig Palme lang, in dem Pallaſte
der Kaiſer, in der Villa Farneſe, und in den Baͤdern des Titus 4).

C.
Unter dem
Tiberius.

Von Kuͤnſtlern, welche ſich unter der Regierung der naͤchſten Nach-
folger beruͤhmt gemacht haben, findet ſich kaum einige Meldung ihres Na-
mens. Unter dem Tiberius, welcher wenig bauen ließ 5), wuͤrden die
Kuͤnſtler auch ſehr ſchlecht geſtanden ſeyn, und da er in allen reichen Pro-

vinzen,
1) Sueton. Aug. c. 86.
2) L. 7. c. 5.
3) Pitture d’ Ercol. Tav. 39.
4) Hiervon habe ich eine Zeichnung von dem beruͤhmten Johann von Udine, des Raphaels
Schuͤler, geſehen.
5) Suet. Tiber. c. 47.

unter den Roͤmiſchen Kaiſern.
vinzen, alſo auch in Griechenland, bemittelte Perſonen unter allerhand
Vorwand ihrer Guͤter verluſtig erklaͤrete 1), ſo wird niemand leicht auf
Werke der Kunſt etwas verwendet haben. Um in der Bibliothek des Pa-
latiniſchen Apollo eine Statue deſſelben zu ſetzen, ließ er eine von Temenos
aus Sicilien holen 2). Es iſt bekannt, daß er, ein unzuͤchtiges Gemaͤlde
des Parrhaſius zu haben, eine betraͤchtliche Summe Geldes in ſeiner Erb-
ſchaft, da ihm zwiſchen beyden die Wahl gelaſſen wurde, fahren ließ: die
Liebe der Kunſt aber ſcheint das geringſte Antheil an der Achtung dieſes
Gemaͤldes gehabt zu haben. Statuen wurden etwas Veraͤchtliches, weil
ſie Belohnungen der Spions unter dieſem Kaiſer waren 3). Die Statue
des Germanicus 4), welche ehemals in der Villa Montalto, itzo Negroni,
war, und itzo in dem Garten zu Verſailles ſteht, verdienet als eine ſchoͤne
Arbeit von dieſer Zeit angefuͤhret zu werden: der Kuͤnſtler derſelben iſt
Cleomenes, ein Athenienſer 5). Der Kopf des Germanicus iſt einer von
den ſchoͤnſten Kaiſerlichen Koͤpfen im Campidoglio. Ehemals fand ſich in
Spanien eine Baſe von einer Statue, welche dem Germanicus von dem
Aedilis Lucius Turpilius geſetzet war 6).

Caligula, auf deſſen Befehl die Statuen beruͤhmter Maͤnner, dieD.
Unter dem
Caligula.

Auguſtus im Campo Marzo ſetzen ließ, niedergeriſſen und zerſchlagen wur-
den 7); der von den ſchoͤnſten Statuen der Goͤtter die Koͤpfe abreiſſen, und
an deren Stelle ſein Bildniß ſetzen ließ 8); ja der den Homerus vertilgen
und vernichten wollte 9), kann nicht als ein Befoͤrderer der Kuͤnſte ange-
ſehen werden.

Was
1) Suet. Tiber. c. 49.
2) Ibid. c. 74.
3) Fragm. Dion. L. 58. ap. Conſtant. Porphyrog. de Vit. et Virt.
4) Maffei Stat. n. 69.
5) Dieſer Cleomenes war von einem Vater gleiches Namens: Cleomenes, welcher auf der
Baſe der Mediceiſchen Venus ſteht, war ein Sohn Apollodorus.
6) Grut. Inſer. p. CCXXXVI. n. 2. conf. Pigh. Annal. Rom. a. 764. p. 540.
7) Sueton. Caj. c. 34.
8) Ibid. c. 22.
9) Ibid. c. 34.
C c c 3
II Theil. Von der Griechiſchen Kunſt
E.
Unter dem
Claudius.

Was Claudius fuͤr ein Kenner geweſen, zeigen die Koͤpfe des Augu-
ſtus, welche er anſtatt der ausgeſchnittenen Koͤpfe Alexanders des Großen,
in zwey Gemaͤlde ſetzen ließ 1). Er ſuchte ein Beſchuͤtzer der Gelehrten zu
heißen, und erweiterte in dieſer Abſicht das Muſeum, oder die Wohnung
der Gelehrten, zu Alexandria 2). Seine Ehrbegierde beſtand in dem Ruh-
me, ein anderer Cadmus zu heißen, durch Erfindung neuer Buchſtaben,
und er brachte das umgekehrte Ⅎ in Gebrauch. Das ſchoͤne Bruſtbild die-
ſes Kaiſers, welches alle Fratocchie gefunden wurde 3), kam durch den
Cardinal Girolamo Colonna nach Spanien. Als Madrid von der Oe-
ſterreichiſchen Parthey eingenommen wurde, ſuchte Lord Galloway daſſel-
be, und er erfuhr, daß es im Eſcurial war, wo es als das groͤßte Gewicht
der Kirchenuhr angehaͤnget gefunden wurde: er fuͤhrete es alſo mit ſich
nach Engeland.

F.
Unter dem
Nero.

Nero bezeugete gegen alles, was die ſchoͤnen Kuͤnſte angeht, eine aus-
gelaſſene Begierde; allein er war wie der Geiz, welcher nur zu ſammeln,
a.
Umſtaͤnde von
Griechenland.
nicht hervorzubringen ſuchet, und von ſeinem uͤbeln Geſchmacke kann eine
Statue Alexanders des Großen, von der Hand des Lyſippus, zeugen, wel-
che er vergolden ließ 4): von derſelben wurde das Gold wiederum abgenom-
men, weil ſie viel dadurch verlohren hatte. Es gehoͤren auch ſeine gereim-
ten Verſe hierher 5). Es ſcheint, daß die guten Kuͤnſtler immer ſeltener
geworden, weil Nero den Zenodorus, aus Gallien, wo er eine Statue
des Mercurius gemachet hatte, nach Rom kommen ließ, ſeine Coloſſali-
ſche Statue in Erzt zu arbeiten 6). Jn Griechenland waren die Umſtaͤnde
fuͤr die Kuͤnſte wenig vortheilhaft: denn obgleich Nero die Griechen, ſo
viel ihm moͤglich war, ihre vorige Freyheit ſuchte genießen zu laſſen, ſo

wuͤtete
1) Plin. L. 35. c. 36.
2) Athen. Deipn. L. 6.
3) Montfauc. Ant. expl. T. 5. pl. 129.
4) Plin. L. 34. c. 19. §. 6.
5) Perſ. Sat. I. v. 93-95.
6) Plin. L. 34. c. 18.

unter den Roͤmiſchen Kaiſern.
wuͤtete er gleichwohl wider die Werke der Kunſt, und ließ die Statuen der
Sieger in den großen Spielen umreißen, und an unſaubere Orte werfen 1):
bey allem Scheine der Freyheit wurden die beſten Werke aus dem Lande
gefuͤhret: Caligula machte den Anfang, und beſetzte alle ſeine Gaͤrten und
Luſthaͤuſer mit dieſem Raube, unter dem Vorwande, daß das Schoͤnſte
an dem ſchoͤnſten Orte ſeyn muͤſſe, und dieſes ſey Rom 2). Er nahm unter
andern den Theſpiern ihren beruͤhmten Cupido vom Praxiteles, welchen
ihnen Claudius wiedergab, und Nero von neuem nahm, und wollte den
Olympiſchen Jupiter des Phidias nach Rom bringen laſſen, welches aber
der Baumeiſter Memmius Regulus, ohne die Statue zu zerbrechen, ſich
nicht getrauete 3).

Nero war vollends unerſaͤttlich, und ſandte in dieſer Abſicht den Acra-b.
Weggefuͤhrte
Statuen aus
Griechenland,
unter welchen
vermuthlich
war

tus, einen frevelhaften Freygelaſſenen, und einen Halbgelehrten, den Se-
cundus Carinas, nach Griechenland, welche alles, was ihnen gefiel, fuͤr
den Kaiſer ausſucheten. Aus dem Tempel des Apollo zu Delphos allein,
wurden fuͤnfhundert Statuen von Erzt genommen 4), und ſchon vorher
waren viele Statuen aus demſelben weggefuͤhret 5). Es iſt glaublich, daß
Apollo im Belvedere, und der ſogenannte Fechter vom Agaſias aus Ephe-
ſus,
in der Villa Borgheſe, mit unter dieſen Statuen geweſen 6). Denn

ſie
1) Suet. Ner. c. 24.
2) Ioſeph. Antiq. L. 19. c. 1. p. 916.
3) Pauſan. L. 9. p. 762.
4) Idem L. 10. p. 813. l. 13.
5) Strab. L. 9. p. 420. C.
6) Bianchini meynet a), wenn dieſe Statuen ſchon zu des Nero Zeiten zu Antium ge-
weſen waͤren, wuͤrden ſie vom Plinius angefuͤhret ſeyn; aber dieſes folget nicht: Pli-
nius ſaget nichts von einer Statue der Pallas vom Evodius b), die Auguſtus aus
der Stadt Alea nach Rom fuͤhren ließ, noch von einem Hercules des Lyſippus c),
welcher aus Alyzia in Acarnanien nach Rom gebracht wurde. Nach Harduins Er-
klaͤrung einer Stelle des Plinius d), haͤtte zu Antium die Malerey beſonders gebluͤ-
het: aber das Wort Hic kann nicht von dieſem Orte, ſondern muß wegen des nachfol-
genden von Rom verſtanden werden.
a) De Lapide Antiate, p. 52.
b) Pauſan. L. 8. p. 694. l. 38.
c) Strab. L. 10. p. 705. A.
d) L. 35. c. 33.

II Theil. Von der Griechiſchen Kunſt
ſie ſind beyde zu Antium, itzo Nettuno genannt, entdecket, und dieſes
war der Ort, wo Nero gebohren war, und auf deſſen Auszierung er ſehr
viel wendete: man ſieht noch itzo daſelbſt weitlaͤuftige Truͤmmer laͤngſt dem
Meere hin. Es war unter andern ein Porticus, welchen ein Maler, der
ein Freygelaſſener des Kaiſers war, mit Figuren von Fechtern in allen
moͤglichen Stellungen bemalet hatte 1).

aa.
Apollo im
Belvedere.
Beſchreibung
deſſelben.

Die Statue des Apollo iſt das hoͤchſte Jdeal der Kunſt unter allen
Werken des Alterthums, welche der Zerſtoͤrung derſelben entgangen ſind.
Der Kuͤnſtler derſelben hat dieſes Werk gaͤnzlich auf das Jdeal gebauet,
und er hat nur eben ſo viel von der Materie dazu genommen, als noͤthig
war, ſeine Abſicht auszufuͤhren und ſichtbar zu machen. Dieſer Apollo
uͤbertrift alle andere Bilder deſſelben ſo weit, als der Apollo des Homerus
den, welchen die folgenden Dichter malen. Ueber die Menſchheit erhaben
iſt ſein Gewaͤchs, und ſein Stand zeuget von der ihn erfuͤllenden Groͤße.
Ein ewiger Fruͤhling, wie in dem gluͤcklichen Elyſien, bekleidet die reizen-
de Maͤnnlichkeit vollkommener Jahre mit gefaͤlliger Jugend, und ſpielet
mit ſanften Zaͤrtlichkeiten auf dem ſtolzen Gebaͤude ſeiner Glieder. Gehe
mit deinem Geiſte in das Reich unkoͤrperlicher Schoͤnheiten, und verſuche
ein Schoͤpfer einer Himmliſchen Natur zu werden, um den Geiſt mit Schoͤn-
heiten, die ſich uͤber die Natur erheben, zu erfuͤllen: denn hier iſt nichts
Sterbliches, noch was die Menſchliche Duͤrftigkeit erfordert. Keine Adern
noch Sehnen erhitzen und regen dieſen Koͤrper, ſondern ein Himmliſcher
Geiſt, der ſich wie ein ſanfter Strohm ergoſſen, hat gleichſam die ganze
Umſchreibung dieſer Figur erfuͤllet. Er hat den Python, wider welchen er
zuerſt ſeinen Bogen gebraucht, verfolget, und ſein maͤchtiger Schritt hat
ihn erreichet und erleget. Von der Hoͤhe ſeiner Genugſamkeit geht ſein er-
habener Blick, wie ins Unendliche, weit uͤber ſeinen Sieg hinaus: Ver-

achtung
1) Vulpii Tabula Antian. illuſtr. p. 17.

unter den Roͤmiſchen Kaiſern.
achtung ſitzt auf ſeinen Lippen, und der Unmuth, welchen er in ſich zieht,
blaͤhet ſich in den Nuͤſſen ſeiner Naſe, und tritt bis in die ſtolze Stirn hin-
auf. Aber der Friede, welcher in einer ſeligen Stille auf derſelben ſchwe-
bet, bleibt ungeſtoͤrt, und ſein Auge iſt voll Suͤßigkeit, wie unter den
Muſen, die ihn zu umarmen ſuchen. Jn allen uns uͤbrigen Bildern des
Vaters der Goͤtter, welche die Kunſt verehret, naͤhert er ſich nicht der
Groͤße, in welcher er ſich dem Verſtande des Goͤttlichen Dichters offenba-
rete, wie hier in dem Geſichte des Sohnes, und die einzelnen Schoͤnheiten
der uͤbrigen Goͤtter treten hier, wie bey der Pandora, in Gemeinſchaft zu-
ſammen. Eine Stirn des Jupiters, die mit der Goͤttinn der Weisheit
ſchwanger iſt, und Augenbranen, die durch ihr Winken ihren Willen er-
klaͤren: Augen der Koͤniginn der Goͤttinnen mit Großheit gewoͤlbet, und
ein Mund, welcher denjenigen bildet, der dem geliebten Branchus die
Wolluͤſte eingefloͤßet. Sein weiches Haar ſpielet, wie die zarten und fluͤßi-
gen Schlingen edler Weinreben, gleichſam von einer ſanften Luft bewegt,
um dieſes goͤttliche Haupt: es ſcheint geſalbet mit dem Oel der Goͤtter, und
von den Gratien mit holder Pracht auf ſeinem Scheitel gebunden. Jch
vergeſſe alles andere uͤber dem Anblicke dieſes Wunderwerks der Kunſt,
und ich nehme ſelbſt einen erhabenen Stand an, um mit Wuͤrdigkeit anzu-
ſchauen. Mit Verehrung ſcheint ſich meine Bruſt zu erweitern und zu er-
heben, wie diejenigen, die ich wie vom Geiſte der Weißagung aufgeſchwel-
let ſehe, und ich fuͤhle mich weggeruͤckt nach Delos und in die Lyciſchen
Hayne, Orte, welche Apollo mit ſeiner Gegenwart beehrete: denn mein
Bild ſcheint Leben und Bewegung zu bekommen, wie des Pygmalions
Schoͤnheit. Wie iſt es moͤglich, es zu malen und zu beſchreiben. Die
Kunſt ſelbſt muͤßte mir rathen, und die Hand leiten, die erſten Zuͤge, wel-
che ich hier entworfen habe, kuͤnftig auszufuͤhren. Jch lege den Begriff,
welchen ich von dieſem Bilde gegeben habe, zu deſſen Fuͤßen, wie die Kraͤn-
ze derjenigen, die das Haupt der Gottheiten, welche ſie kroͤnen wollten,

nicht
Winckelm Geſch. der Kunſt. D d d

II Theil. Von der Griechiſchen Kunſt
nicht erreichen konnten. Der Begriff eines Apollo auf der Jagd, wel-
chen Herr Spence 1) in dieſer Statue finden will, reimet ſich nicht mit
dem Ausdrucke des Geſichts.

bb.
Der ſogenann-
te Borgheſi-
ſche Fechter.
Beſchreibung
deſſelben.

Der Borgheſiſche ſogenannte Fechter, welcher, wie ich angezeiget
habe, mit dem Apollo an einem Orte gefunden worden, ſcheint nach der
Form der Buchſtaben die aͤlteſte von den gegenwaͤrtigen Statuen in Rom
zu ſeyn, auf welchen ſich der Meiſter derſelben angegeben hat. Wir haben
keine Nachricht vom Agaſias, dem Meiſter derſelben, aber deſſen Werk
verkuͤndiget ſeine Verdienſte. So wie im Apollo und im Torſo ein ho-
hes Jdeal allein, und im Laocoon die Natur mit dem Jdeal und mit dem
Ausdrucke erhoͤhet und verſchoͤnert worden, ſo iſt in dieſer Statue eine
Sammlung der Schoͤnheiten der Natur in vollkommenen Jahren, ohne
Zuſatz der Einbildung. Jene Figuren ſind wie ein erhabenes Heldenge-
dicht, von der Wahrſcheinlichkeit uͤber die Wahrheit hinaus bis zum Wun-
derbaren gefuͤhret: dieſe aber iſt wie die Geſchichte, in welcher die Wahr-
heit, aber in den ausgeſuchteſten Gedanken und Worten, vorgetragen wird.
Das Geſicht zeiget ausgenſcheinlich, daß deſſen Bildung nach der Wahrheit
der Natur genommen iſt: denn es ſtellet einen Menſchen vor, welcher nicht
mehr in der Bluͤte ſeiner Jahre ſteht, ſondern das Maͤnnliche Alter errei-
chet hat, und es entdecken ſich in demſelben die Spuren von einem Le-
ben, welches beſtaͤndig beſchaͤftigt geweſen, und durch Arbeit abgehaͤr-
tet worden 2)
.

iſt
Alle
1) Polymet. Dial. 8. p. 87.
2) Einige machen aus dieſer Statue einen Diſcobolus, das iſt, der mit dem Diſco, oder
mit einer Scheibe von Metall, wirft, und dieſes war die Meynung des beruͤhmten
Herrn von Stoſch in einem Schreiben an mich, aber ohne genugſame Betrachtung
des Standes, worinnen dergleichen Figur will geſetzt ſeyn. Denn derjenige, welcher
etwas werfen will, muß ſich mit dem Leibe hinterwerts zuruͤck ziehen a), und indem
der Wurf geſchehen ſoll, liegt die Kraft auf dem naͤchſten Schenkel, und das linke Bein
a) [fremdsprachliches Material – fehlt]. v. Euſtath. in Homer. p. 1309. l. 32.
unter den Roͤmiſchen Kaiſern.

Alle andere Statuen, welche Nero aus Griechenland fuͤhren ließ,
dieneten, deſſen ſogenannten goldenen Pallaſt auszuzieren 1). Jn dem
großen Brande von Rom, vor Auffuͤhrung dieſes Gebaͤudes, in welchem
von vierzehen Viertheilen der Stadt nur vier unbeſchaͤdigt blieben, gien-
gen zugleich unendlich viel Werke der Kunſt zu Grunde 2); und da ſich
ſehr viele Spuren von alten Ergaͤnzungen finden, ſo koͤnnten viele von den
beſchaͤdigten und zerſtuͤmmelten Werken damals gelitten haben. An dem
beruͤhmten Torſo im Belvedere ſieht man das Geſaͤß hinten rauh behauen,
wie bey Ergaͤnzungen geſchehen muß, und auch die Eiſen, das angeſetzte
Theil an das Alte zu befeſtigen. Es iſt beſonders, daß unter dem Nero
zuerſt auf Leinewand gemalet worden, bey Gelegenheit ſeiner Figur von
hundert und zwanzig Fuß hoch, und daß dieſer Prinz, welcher naͤrriſch
verliebt war in alles, was Griechiſch hieß, ſeinen Pallaſt durch einen Roͤ-
miſchen Kuͤnſtler Amulius ausmalen ließ 3).

Von dem Stile der Kuͤnſtler, die unter dieſem Kaiſer gebluͤhet haben,c.
Koͤpfe des Ne-
ro, und Sta-
tuen der A-
grippina, und
anderer.

koͤnnen wir aus ihren Werken nicht urtheilen: denn es ſind wenige, oder
gar keine uͤbrig. Die wahren Koͤpfe des Nero ſind ſehr ſelten, und an dem
im Campidoglio iſt nur das Untertheil des Geſichts alt: in dem erhabenen

Kinne
iſt muͤßig: hier aber iſt das Gegentheil. Die ganze Figur iſt vorwerts geworfen, und
ruht auf dem linken Schenkel, und das rechte Bein iſt hinterwerts auf das aͤußerſte
ausgeſtrecket. Der rechte Arm iſt neu, und man hat ihm in der Hand ein Stuͤck von
einer Lanze gegeben; auf dem linken Arme ſieht man den Riem von dem Schilde, wel-
chen er gehalten hat. Betrachtet man, daß der Kopf und die Augen aufwerts gerich-
tet ſind, und daß die Figur ſich mit dem Schilde vor etwas, das von oben her kommt,
zu verwahren ſcheint, ſo koͤnnte man dieſe Statue mit mehrerem Rechte fuͤr eine Vor-
ſtellung eines Soldaten halten, welcher ſich in einem gefaͤhrlichen Stande beſonders ver-
dient gemachet hat: denn Fechtern in Schauſpielen iſt die Ehre einer Statue unter den
Griechen vermuthlich niemals wiederfahren: und dieſes Werk ſcheint aͤlter, als die Ein-
fuͤhrung der Fechter unter den Griechen zu ſeyn.
1) Plin. L. 34. c. 19.
2) Sueton. Ner. c. 38.
3) Plin. L. 35. c. 37.
D d d 2

II Theil. Von der Griechiſchen Kunſt
Kinne hat man geglaubet, das Bild deſſelben zu finden, und aus dieſem
Grunde iſt das obere und groͤßte Theil des Kopfs ergaͤnzet worden. Die
vermeynte ſitzende Agrippina daſelbſt kommt einer aͤhnlichen und beruͤhmten
Figur derſelben in der Villa Farneſe nicht bey; eine dritte von ſolchen Sta-
tuen, iſt in der Villa Albani. Ein aͤhnlicher Stand iſt der Grund zur
Benennung der Figur mit zuſammengeſchlagenen Haͤnden, auf einem ge-
ſchnittenen Steine 1): denn in Poußins Zeichnung deſſelben in groß, in
der Bibliothek Albani, finde ich keine Aehnlichkeit mit der Aprippina. Der
Verfall der Kunſt muß damals ſehr merklich geweſen ſeyn, weil Plinius
berichtet, daß man unter dem Nero nicht mehr verſtanden, in Erzt zu gieſ-
ſen, ſo wie ſich itzo in Rom die Kunſt Buchſtaben zu gießen in gewiſſer
Maaße verlohren hat, und er berufet ſich 2) auf die Coloſſaliſche Statue
dieſes Kaiſers von oben erwaͤhnten Zenodorus, dem es, bey aller ſeiner
Kunſt, in dieſer Arbeit nicht gelingen wollen. Es iſt aber hieraus, wie
Donati und Nardini wollen 3), nicht zu ſchließen, daß dieſe Statue von
Marmor geweſen. Jn den Vitelliſchen Unruhen, vertheidigte ſich Julius
Sabinus im Capitolio durch Statuen, mit welchen er ſich verſchanzte 4).
Es macht jemand, welcher Gelegenheit gehabt, die alten Muͤnzen zu ver-
gleichen, die Anmerkung 5), daß die Koͤpfe der Kaiſer auf Griechiſchen
Muͤnzen den Koͤpfen derſelben auf Roͤmiſchen Muͤnzen nicht zu vergleichen
ſind, welches wahrſcheinlich machet, daß, was von guten Griechiſchen Kuͤnſt-
lern geweſen, nach Rom gegangen. Jch entſinne mich, unter andern die
ſeltene Griechiſche Muͤnze mit Koͤpfen des Claudius und der Pompeja ge-
ſehen zu haben, welche ein faſt barbariſches Gepraͤge hat.

G.
Unter dem Ve-
ſpaſianus, Ti-
tus und Do-
mitianus.

Nach ſo ſchaͤndlichen Menſchen, die den Thron beſeſſen hatten, kam
endlich Veſpaſianus, deſſen Regierung bey aller ſeiner Sparſamkeit fuͤr die

Kuͤnſte
1) Maffei pietr. intagl. T. I. tav. 19.
2) Idem L. 34. c. 18.
3) Rom. ant. L. 3. c. 12. p. 134.
4) Tacit. Hiſt. L. 3. c. 71.
5) Haym Teſoro Brit. Proem. al T. I. p. 7.

unter den Roͤmiſchen Kaiſern.
Kuͤnſte vortheilhafter geweſen zu ſeyn ſcheint, als die ungeheure Verſchwen-
dung vor ihm. Er war nicht allein der erſte, welcher den Lehrern der Roͤ-
miſchen und Griechiſchen Beredſamkeit ein anſehnliches Gehalt ausmachete,
ſondern er zog Dichter und Kuͤnſtler durch Belohnungen zu ſich 1). Jn
dem von ihm erbaueten Tempel des Friedens, wurden die Gemaͤlde der be-
ruͤhmteſten Kuͤnſtler aller Zeiten aufgehaͤnget, und hier war, wie man itzo
reden wuͤrde, die groͤßte oͤffentliche Gallerie von Gemaͤlden: es ſcheint aber,
daß dieſelben nicht in dem Tempel ſelbſt, ſondern uͤber demſelben in den obe-
ren Saͤlen geweſen, zu welchen man durch eine Windeltreppe geht, welche
ſich noch itzo erhalten hat. Es waren auch in Griechenland Tempel, wel-
che Pinacothecaͤ 2), das iſt, Gallerien der Gemaͤlde waren. An dem
Titus, ſeinem Mitregenten und Nachfolger, fanden die Kuͤnſte gleichfalls
einen großen Freund und Verehrer. Deſſen Coloſſaliſcher ſchoͤner Kopf
befindet ſich in der Villa Albani. Zween Roͤmiſche Maler, Cornelius
Pinus
und Accius Priſcus 3), waren unter dem Veſpaſianus beruͤhmt,
die den Tempel der Ehre und der Tugend ausmaleten.

Mit Griechenland kam es endlich unter dem Veſpaſianus ſo weit, daßa.
Umſtaͤnde von
Griechenland.

es zu einer Roͤmiſchen Provinz erklaͤret wurde, und die Athenienſer verloh-
ren ſogar ihr kleines bisher erhaltenes Vorrecht, Muͤnzen ohne Bildniß des
Kaiſers ſchlagen zu duͤrfen 4). Unter dem Domitianus ſcheinen die Grie-
chen gnaͤdiger angeſehen worden zu ſeyn: denn da ſich unter dem Veſpaſia-
nus und Titus keine Muͤnzen von Corinth finden 5), ſo iſt hingegen von
dieſer Stadt unter dem Domitianus eine große Anzahl auch von der groͤße-
ren Form uͤbrig. Es iſt merkwuͤrdig, was Plutarchus berichtet 6), daß
die Saͤulen vom Penteliſchen Marmor, welche Domitianus fuͤr den Roͤ-

miſchen
1) Suet. Veſp. c. 18.
2) Strab. L. 14. p. 944.
3) Plin. L. 35. c. 37.
4) Vaillant Num. Imp. a Graecis percuſſ. p. 20. et p. 223. Wiſe Num. Bodlej. p. 193.
5) Vaillant Num. Colon. p. 199. ſeq.
6) in Poplic. p. 190.
D d d 3

II Theil. Von der Griechiſchen Kunſt
miſchen Tempel des Olympiſchen Jupiters zu Athen arbeiten laſſen, da die-
ſe nach Rom gebracht, und uͤberarbeitet oder poliret worden, ihre ſchoͤne
Form verlohren.

b.
Uebrige Wer-
ke von dieſer
Zeit.

Von Werken der Kunſt unter dieſem Kaiſer, hat ſich noch das groͤß-
te Theil des Portals von dem Tempel der Pallas erhalten: die zum Theil
uͤber ihre Haͤlfte erhabene Figuren der Friſe, ſind nach Santes Bartoli
Zeichnung geſtochen. Die Pallas, ebenfalls erhaben gearbeitet, welche in
der Mitten uͤber dem Gebaͤlke der Saͤulen ſteht, verliert durch die Naͤhe,
in welcher man ſie itzo ſieht, da das Pflaſter bis an die Haͤlfte der Saͤulen
erhoͤhet iſt, und ſie ſieht gegen die gehaͤuften Zierrathen des Gebaͤlks nur
wie entworfen aus. Jm Campidoglio iſt ein ſchoͤner Kopf vom Domitia-
nus, was aber Montfaucon von deſſen Statue im Pallaſte Giuſtiniani
ſagt 1), iſt falſch: er behauptet, es habe dieſelbe nicht den geringſten Scha-
den gelitten, und es ſey die einzige von den Statuen dieſes Kaiſers, die
der Rache des Roͤmiſchen Raths, welcher alle Bildniſſe deſſelben zu vertil-
gen beſchloſſen, entgangen ſey. Es ſcheint, man halte die Giuſtinianiſche
Statue fuͤr diejenige, welche auf Bitten deſſen Gemahlinn ihr zugeſtanden
worden 2): dieſe aber war von Erzt, und ſtand noch auf dem Capitolio zu
Procopius Zeiten, und jene iſt von Marmor. Hernach iſt es falſch, daß
dieſe nicht gelitten: denn ſie iſt unter der Bruſt entzwey gebrochen geweſen,
und die Arme ſind neu; es iſt auch zweifelhaft, ob der Kopf zur Statue
gehoͤret. Montfaucon hat Luſt, etwas zu reden uͤber die Figuren auf
dem Harniſche derſelben, allein aus dem unrichtigen Kupfer, welches er
vor Augen hatte, konnte er nichts ſicheres beybringen. Dasjenige, was
Maffei fuͤr eine Sirene haͤlt mit einem Fiſchſchwanze, und was jenem an-
ders ſcheint, iſt dergleichen; aber man haͤtte ſie eine Nereide nennen ſollen:
denn die Sirenen haben Voͤgelfuͤße. Die mittelſte Figur, welche mit ei-

ner
1) Ant. explic. Suppl. T. 4. pl. 4. p. 6.
2) Procop. Hiſt. arcana, c. 8. p. 25.

unter den Roͤmiſchen Kaiſern.
ner in die Hoͤhe gehobenen Hand vorgeſtellet iſt, haͤlt mit beyden Haͤnden
vor dem Unterleibe Fruͤchte. Aus dem Thiere, auf welchem ein Kind
reutet, weis der Erklaͤrer nicht, was er machen ſoll; auf dem Kupfer
iſt es ein Ochſe: wenn man ſich die Muͤhe nimmt, die Statue in der
Naſe zu betrachten, ſo findet man, daß es die Liebe iſt, welche auf ei-
nen Loͤwen reutet.

Jm Fruͤhlinge des Jahres 1758. wurde eine ungezweifelte Statue desc.
Von einer
Statue des
Domitianus,
und von einem
Kopfe des
Nerva.

Domitianus gefunden, an einem Orte, welcher alla Colonna heißt, und
zwiſchen Fraſcati und Paleſtrina liegt, und eben da, wo kurz zuvor eine
Venus entdecket wurde. Der Leib bis auf die Knie, und ohne Arme,
hatte nicht tief unter der Erde gelegen, und war daher ſehr zerfreſſen, und
man ſah an demſelben offenbare Zeichen veruͤbter Gewaltſamkeit, Hiebe im
Kreuze, und tiefe Stoͤße, woraus zu muthmaßen iſt, daß auch dieſe Sta-
tue in der Wuth wider das Andenken des Domitianus umgeworfen und
zerſchlagen worden: denn es wurde ſogar deſſen Name, wo ſich derſelbe auf
Jnſchriften fand, ausgehauen und vertilget 1). Der abgeloͤſete Kopf
wurde viel tiefer gefunden, und er hat daher weniger gelitten. Dieſe Sta-
tue iſt unbekleidet, und von großer Schoͤnheit. Um den Kopf gieng eine
Krone von Erzt, von welcher man die Stifte ſieht, an welcher ſie befeſti-
get war. Der Herr Cardinal Alex. Albani hat dieſelbe ergaͤnzen laſſen,
und ſie ſteht, nebſt andern Kaiſerlichen Statuen, unter dem groͤßern Por-
tico des Pallaſtes in deſſen Villa. Der ſeltene Kopf des Nerva im Cam-
pidoglio, iſt nicht neu und vom Algardi gearbeitet, wie der Erklaͤrer dieſes

Muſei
1) Fabret. Inſer. c. 4. p. 274. 330. Eben ſo ergieng es dem Namen ANTONINVS
in den Jnſchriften des Caracalla: in einer derſelben, welche in dem vor einiger Zeit zu
Pozzuolo entdeckten Gymnaſio gefunden worden, iſt gedachter Name halb vertilget.
Es heißt dieſelbe
M .... ANTONINO
COLONIA. PVTEOLANA.

II Theil. Von der Griechiſchen Kunſt
Muſei vorgiebt 1); dieſer Kuͤnſtler hat kein anderes Antheil an demſel-
ben, als die Spitze der Naſe ergaͤnzt zu haben. Der Herr Cardinal
Alex. Albani erhielt denſelben von dem Bruder des letzt verſtorbenen
Prinzen Pamphili, des letzten ſeines Hauſes, in deſſen Villa dieſes
Bruſtbild ſtand.

H.
Unter dem
Trajanus.

Unter dem Trajanus bekam Rom und das ganze Reich ein neues Le-
ben 2), und er fieng an, nach ſo vielen Unruhen durch die großen Wer-
ke, welche er unternahm, die Kuͤnſtler aufzumuntern. Die Ehre einer
Statue, welche er ſich nicht allein, mit Ausſchließung anderer, anmaßete,
ſondern mit wohlverdienten Maͤnnern theilete 3), kann der Kunſt ſehr be-
foͤrderlich geweſen ſeyn; ja wir finden, daß jungen Leuten von großer Hof-
nung Statuen nach ihrem Tode geſetzet wurden 4). Es ſcheint, daß eine
ſitzende Senatoriſche Statue in der Villa Ludoviſi von einem Zeno des At-
tis Sohn, aus Aphrodiſium
5), gemachet, von dieſer Zeit ſey, und
man koͤnnte glauben, daß ſich damals eine Schule der Kunſt an beſagtem
Orte in Carien, (wenn man den bekannteſten unter vielen andern gleiches
Namens nimmt,) aufgethan, wegen verſchiedener Namen Aphrodiſiſcher
Kuͤnſtler, welche ſich erhalten haben 6). Ein anderer Zeno, aus Sta-

phis
1) Muſ. Capit. T. 2. p. 31.
2) Flor. Prooem. L. 1.
3) Plin. Panegyr.
4) Id. L. 2. ep. 7.
5) Der Name dieſes Zeno ſteht auf dem Zipfel des Gewandes der Statue, nach der Ge-
wohnheit der Alten, in deren Gewaͤndern auf dem Rande zuweilen Buchſtaben ge-
wirket ſind a).
[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt].
Es iſt dieſelbe noch von niemand bisher bemerket worden.
a) Ruben. de re veſt. L. 1. c. 10. p. 63.
6) v. Inſcr. Syrac. in Grævil Theſ. Sioil. T. 6. Unter der Statue einer Muſe, von wel-
cher Buonarroti redet b), ſtand [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt].
b) Pref. a’ Vetri antich. p. XXI.

unter den Roͤmiſchen Kaiſern.
phis in Aſien, der das Bild ſeines Sohns gleiches Namens, in Form
einer halbbekleideten Herme, auf deſſen Grabmal geſetzet, wie aus der
Jnſchrift derſelben aus neunzehen Zeilen erhellet 1), wird nicht viel ſpaͤter

gelebet
1) Es iſt dieſelbe folgende in Verſen:
[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt] .......
Die letzten Zeilen dieſer Jnſchrift ſind nicht voͤllig zu leſen. Es iſt dieſelbe noch von
niemand bekannt gemacht. Außer der erhaltenen Anzeige eines Kuͤnſtlers, koͤnnte ſie
auch dienen, theils den Namen der Stadt [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt] in Aſien, welcher ſich bey kei-
nem Scribenten findet, bekannt zu machen, theils die Buchſtaben [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt] auf einer
Muͤnze Koͤnigs Epiphanes, woruͤber man mit verſchiedenen Muthmaßungen hervorge-
treten a), zu erklaͤren. Es koͤnnte der abgekuͤrzte Name dieſer Stadt ſeyn: denn [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]
[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt] und [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt] ſcheinen zu weit geſucht. Das unrichtige Sylbenmaaß wird
hier niemand irre machen, der die Nachlaͤßigkeit der Griechiſchen Dichter dieſer und der
folgenden Zeiten kennet, geſchweige denn in Jnſchriften.
Bey dieſer Gelegenheit will ich eine andere Jnſchrift bekannt machen, welche auf
der Baſe von einer Statue des Bacchus in Griechenland ſteht:
[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]
Das Wort [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt] machet zweifelhaft, ob Liſanias der Bildhauer geweſen, oder
derjenige, welcher die Statue machen laſſen.
Je geringer aber die Kunſt wurde, deſto mehr ſchaͤtzeten die ſchlechten Arbeiter ihr
Werk, und ſetzten ihren Namen zu den unbetraͤchtlichſten Sachen. Alſo ſteht der Na-
me eines Bildhauers [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt] aus Bithynien, an der vordern Seite eines
kleinen Grabeſteins im Campidoglio uͤber der Figur des Verſtorbenen von einem
Fuße hoch b).
a) Beger. Theſ. Brand. T. I. p. 259. Wiſe Num. ant. Bodlej. p. 116. conf.
Cuper. de Elephant. Exerc. I. c. 7. p. 74. E.
b) Muratori Inſer. p. DCXXXIII. 1.
Winckelm. Geſch. der Kunſt. E e e

II Theil. Von der Griechiſchen Kunſt
gelebet haben: der fremde Kopf, welcher auf dieſe Herme geſetzet iſt, er-
laubet nicht, mit mehr Wahrſcheinlichkeit auf die Zeit derſelben zu ſchließen.
Dieſes Denkmal befindet ſich in der Villa Negroni. Wohin ich aber ei-
nen Antiochus von Athen 1) ſetzen ſoll, von welchem eine Pallas von
zweymal Lebensgroͤße in der Villa Ludoviſi ſteht, weis ich nicht: die Sta-
tue iſt ſchlecht und plump, und die Schrift ſcheint aͤlter, als von dieſer
Zeit. Die beyden Centaure des Cardinals Furietti, vom ſchwaͤrzlichen
ſehr harten Marmor, welchen man Bigio heißt, vom Ariſteas und Pa-
pias,
gleichfalls aus Aphrodiſium, gearbeitet, ſind als Copien von dem
Borgheſiſchen Centaur anzuſehen, und in der Villa Hadriani gefunden
worden. Der Oberleib von einem Centaur gleicher Groͤße, und aus
eben dem Marmor, befindet ſich in der Villa Altieri, und an demſelben
iſt dieſes beſonders, daß die Augen und die Zaͤhne von weiſem Marmor
eingeſetzet ſind.

Das groͤßte Werk von Trajanus Zeiten, iſt deſſen Saͤule, welche
mitten auf dem Platze ſtand, den er durch den Apollodorus von Athen
bauen ließ. Hat jemand Gelegenheit, die Figuren auf derſelben in Gips
geformet zu betrachten, ſo wird er erſtaunen uͤber die unendliche Verſchie-
denheit in ſo viel tauſend Koͤpfen an derſelben. Jm ſechzehenten Jahr-
hunderte war noch der Kopf uͤbrig von der Coloſſaliſchen Statue dieſes

Kaiſers,
1) Die Abſchrift dieſes Namens, welche man dem Carlo Dati aus Rom nach Florenz
uͤberſchickete, war folgende a): … [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]. Maffei
giebt denſelben, wie er muͤßte ergaͤnzet werden, ohne Anzeige der Verſtuͤmmelung b).
Jch gebe ihn, wie er auf der beſchaͤdigten Baſe ſtehet:
[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]
[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]
[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt].

Der Name eines Antiochus ſteht auch auf zween geſchnittenen Steinen c).
a) Vite de’ Pittori, p. 111.
b) Muſ. Veron. Inſcr. var. p. CCCXVIII.
c) Gori Inſer. T. I. Gem. p. XXXXIII. Quirini Epiſt. ad Freret, p. 29.

unter den Roͤmiſchen Kaiſern.
Kaiſers, welche auf der Saͤule ſtand 1): von demſelben findet ſich weiter
keine Nachricht. Der edle Venetianiſche Abt Farſetti, welcher mit Koͤ-
niglichen Koſten die beſten alten Statuen in Rom abformen laſſen, und
ſich durch eine Maleracademie, welche er zu Venedig ſtiften wollte, um
ſein Vaterland verdient zu machen gedachte, hatte auch den Anſchlag ge-
machet, dieſe ganze Saͤule von neuem formen zu laſſen: man hatte ſich ſchon
um neun tauſend Scudi verglichen; die Koſten des Geruͤſtes hatte Herr
Farſetti getragen.

Die ſogenannten Tropheen oder Siegeszeichen des Marius auf dem
Campidoglio, ſcheinen mit dem Baſamente der Saͤule in einerley Stil ge-
arbeitet zu ſeyn, und ſind vermuthlich Siegeszeichen des Trajanus. Ein
neuer Scribent glaubet, daß dieſelben nach der Schlacht bey Actium geſe-
tzet worden ſind, aus keinem andern Grunde, als weil er in der wellen-
foͤrmig ausgefreſſenen Baſe derſelben eine Vorſtellung des Waſſers zu fin-
den vermeynet. Jch kann nicht umhin, einer ſehr ſeltenen Muͤnze in Gold
zu gedenken, welche auf der einen Seite den Kopf der Plotina, des
Trajanus Gemahlinn, hat, und auf der andern Seite den Kopf der
Matidia, des Trajanus Schweſter: es wird dieſelbe mit mehr als hun-
dert Scudi bezahlet, und befindet ſich in dem Muſeo des Collegii St.
Jgnatii zu Rom.

Jn Abſicht der Baukunſt verdienet der Bogen des Trajanus zu An-
cona mit angefuͤhret zu werden: denn man wird an keinem alten Gebaͤude
ſo erſtaunend große Bloͤcke Marmor angebracht finden. Das Baſament
des Bogens bis an den Fuß der Saͤule iſt aus einem einzigen Stuͤcke: in
der Laͤnge haͤlt es ſechs und zwanzig Roͤmiſche Palmen und ein Dritttheil;
die Breite iſt von ſiebzehen und einem halben, und die Hoͤhe von dreyzehen
Palmen. Die Pfeiler der Bruͤcke des Trajanus uͤber die Donau diene-

ten,
1) Ciacc. Column. Traj. p. 4.
E e e 2

II Theil. Von der Griechiſchen Kunſt
ten, nachdem die Bruͤcke abgeworfen war, wie Dion ſagt, bloß dazu, die
aͤußerſte Staͤrke der Menſchlichen Kraͤfte zu zeigen.

I.
Unter dem
Hadrianus.
a.
Von deſſen
Reiſen und
Gebaͤuden.

Endlich nahm ſich Hadrian vor, Griechenland in die ehemalige Frey-
heit zu ſetzen, erklaͤrete es fuͤr ein freyes Land, und fieng nicht allein an,
zu Athen ſo ſtark, als Pericles, ſondern faſt an allen beruͤhmten Orten da-
ſelbſt zu bauen. Er vollendete den Tempel des Olympiſchen Jupiters zu
Athen, nachdem derſelbe an ſiebenhundert Jahre, vom Piſiſtratus an,
gelegen hatte, und es wurde ein Werk, welches viele Stadien im Umkrei-
ſe hatte. Jn demſelben ließ er, wie Pauſanias berichtet, unter andern
Statuen von Golde und Elfenbein, eine ſolche Coloſſaliſche Statue des
Jupiters ſetzen 1) Der Tempel, welchen er zu Cyzikum auffuͤhren ließ,
wurde unter die ſieben Wunder der Welt gezaͤhlet. Eine jede Stadt ließ
dieſem Kaiſer eine Statue in dem Tempel des Olympiſchen Jupiters zu
Athen ſetzen.

Hadrian war nicht allein ein Kenner, ſondern auch ein Kuͤnſtler, und
hat wirklich mit eigener Hand Statuen gearbeitet. Aber Victor giebt
uns ein Lob unverſchaͤmter Schmeichler, wenn er ſaget 2), daß er neben
dem Polycletus und Euphranor ſtehen koͤnnen. Er trat den Parthen
ein großes Land ab, um, wie es ſcheint, zugleich zu dieſen ſeinen großen
Abſichten Ruhe zu haben.

Jn
1) Dieſe Stelle des Pauſanias (L. 1. p. 42.) iſt dunkel, und die Umſchreibungen derſelben
in den Anmerkungen der Leipziger Ausgabe, machen dieſelbe nicht deutlicher. Mich
deucht, man koͤnne derſelben viel leichter, als geſchehen, helfen, wenn man [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt] an-
ſtatt [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt] ſetzet, und lieſt [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt] Pauſanias haͤtte ſagen wollen: die Sta-
tue des Jupiters war ſehenswuͤrdig, nicht wegen der Groͤße, weil auch zu Rom und
zu Rhodus Coloſſen waren: mit [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt] faͤngt ſich der folgende Satz an. Der vor-
hergehende Satz ſcheint etwas kurz abgebrochen, welches aber diejenigen nicht befrem-
det, welche die Griechiſche Schreibart dieſes Cappadociers kennen. Der Jtalieniſche
Ueberſetzer findet hier einen Jupiter, welcher groͤßer geweſen, als alle Coloſſen zu Rom
und zu Rhodus; dieſes widerleget ſich von ſelbſt.
2) Epitom. 14, 2.
unter den Roͤmiſchen Kaiſern.

Jm ſechſten Jahre ſeiner Regierung trat er ſeine großen Reiſen faſt in
alle Roͤmiſche Provinzen an, und es finden ſich Muͤnzen von ſiebenzehen
Laͤndern, welche er durchreiſet iſt. Er gieng ſogar nach Arabien und Ae-
gypten, welches Land er, wie er ſelbſt zu ſagen pflegte 1), voͤllig ausſtudi-
ret hatte, und nachdem er vier Jahre vor ſeinem Tode nach Rom zuruͤck
kam, bauete er die erſtaunenden Gebaͤude, ohnweit Tivoli, ſeine Villa,
in welcher er die beruͤhmteſten Gegenden und Gebaͤude von Griechenland
vorſtellen ließ, auch ſogar die Orte, die unter dem Namen der Eliſeiſchen
Felder und deren Eingang bekannt waren 2). Dieſe Villa zierete er aus
mit Werken der Kunſt, die er aus allen Laͤndern mit ſich gefuͤhret hatte.
Der Umkreis der Truͤmmer dieſer Gebaͤude iſt uͤber zehen Jtalieniſche Mei-
len, und es ſtehen unter andern noch verſchiedene runde Tempel, an wel-
chen nur die Vorderſeite fehlet. An einem und dem andern Ende dieſer
Villa waren zwey Theater, aus derer Ueberbleibſel man ſich noch einigen
Begriff machen kann. Unter andern Gebaͤuden ſind die ſogenannten hun-
dert Kammern beruͤhmt und ſehenswuͤrdig, in welchen die Kaiſerliche Gar-
de lag, welches Wohnungen waren, die keine Gemeinſchaft eine mit der
andern hatten, ſondern vermoͤge eines hoͤlzernen Ganges von außen, wel-
cher durch eine Wache konnte beſetzet und geſchloſſen werden. Es ſind zwo
Reihen Gewoͤlber uͤber einander, welche in dem Winkel, welchen ſie ma-
chen, ein rundes Caſtell haben, wo man ſich das Corpo die Guardia vor-
ſtellet. Jn jedem Gewoͤlbe waren, vermoͤge eines breternen Bodens, wel-
cher auf hervorſpringenden Steinen ruhete, die man noch ſieht, zwo Woh-
nungen, und es findet ſich noch in einem derſelben der abgekuͤrzte Name ei-
nes Soldaten mit ſchwarzer Farbe, wie mit einem Finger geſchrieben.
Die Pracht dieſer Gebaͤude war ſo verſchwenderiſch, daß ein großer Teich,
in welchem, wie man glaubet, Gefechte zu Schiffe gehalten werden konnten,

ganz
1) Vopiſc. in Saturnino.
2) conf. Salmaſ. in Spartian. p. 60. D.
E e e 3

II Theil. Von der Griechiſchen Kunſt
ganz und gar mit Giallo antico ausgefuͤttert war. Jn demſelben fand
ſich eine große Menge Koͤpfe von Marmor, und von andern haͤrteren Stei-
nen, von welchen viele mit der Hacke zerſchlagen waren; die beſten von
denſelben behielt der Cardinal Polignac. Es waren lange Gaͤnge zum
Spatzieren mit Muſaico beleget, von welchen man noch große Stuͤcke ſieht:
die Boden der Zimmer waren von eben dieſer Arbeit, aber von kleinern
Steinen zuſammengeſetzet. Unzaͤhlich viele Tiſche von Muſaico, theils in
Rom, theils anderwerts, ſind alle unter dem Schutte dieſer Truͤmmer ge-
funden worden; alle Statuen, welche in der Villa Eſte zu Tivoli ſtanden,
und itzo im Campidoglio ſind, viele andere Statuen eben daſelbſt, und in
andern Pallaͤſten und Villen zu Rom, ſind von daher geholet, und es
wird noch itzo beſtaͤndig gegraben und gefunden.

Eins der ſeltenſten Stuͤcke, welche daſelbſt entdecket ſind, iſt eine Mu-
ſaiſche Arbeit, welche eine Schaale voll Waſſer vorſtellet, auf deren Ran-
de vier Tauben ſitzen, von denen die eine trinken will. Es iſt daſſelbe bis-
her fuͤr das allerſchoͤnſte Werk in dieſer Art geſchaͤtzet worden, und es iſt
vielleicht eben daſſelbe Werk, welches ſich zu Plinius Zeiten zu Pergamus
befand, und vom Soſus gemachet war, von da es Hadrian wird wegge-
nommen haben: der Cardinal Furietti, deſſen Beſitzer, hat dieſe Selten-
heit beſonders beſchrieben. Es wurde mitten in dem Boden eines Zim-
mers eingeſetzt gefunden, welcher ebenfalls voͤllig von der allerfeinſten Ar-
beit in dieſer Art war. Von den Binden mit Laubwerk, welche ins ge-
vierte auf demſelben umher liefen, hat der Herr Cardinal Alex. Albani
ein Stuͤck von einem Palm breit, und von vier Palmen lang, in einem
Tiſchblatte von Orientaliſchem Alabaſter einfaſſen laſſen, und von demſel-
ben erhielt Se. Koͤnigl. Hoheit der Churprinz von Sachſen ein aͤhnliches
Tiſchblatt mit einer noch laͤngern von dieſen Binden, von eben der Breite
und von eben der Arbeit. Das vorzuͤglichſte Werk naͤchſt jenem, iſt nach
meiner Einſicht die Sirene Parthenope, auf dem Palatino zu Rom ge-

funden,

unter den Roͤmiſchen Kaiſern.
funden, welche ſich itzo in der Koͤniglichen Farneſiſchen Gallerie zu Ca-
po di Monte bey Neapel befindet: von dieſem Stuͤcke hat gedachter Scri-
bent keine Nachricht gehabt. Jn der Feinheit der Arbeit aber wird dieſes
ſowohl, als jenes, uͤbertroffen von einem ſchaͤtzbaren Werke, welches in der
verſchuͤtteten Stadt Pompeji den 28. April dieſes 1763. Jahres entdecket
worden. Es ward daſſelbe in der Mitte des Fußbodens eines Zimmers
gefunden, und deutet auf die Pracht der Alten und des ehemaligen Gebaͤu-
des, in dem es geſtanden hat, iſt zween Roͤmiſche Palmen hoch, und ſtel-
let vier Figuren vor, welche Comiſche Masken vor dem Geſichte haben,
und auf Jnſtrumenten ſpielen. Die erſte Figur zur rechten Hand ſpielet
das, was man in Jtalien den Tamburino nennet; die andere ſchlaͤgt die
Crotali, oder kleine Becken an einander, und dieſe beyde ſind Maͤnnliche
Figuren. Die dritte iſt Weiblich, ins Profil gekehret, und blaͤſt zwo
Floͤten; die vierte iſt ein Kind, welches die Schalmey blaͤſt. Die kleinen
Steinchen zum Grunde dieſes Gemaͤldes ſind in der Groͤße eines ganz zu
oberſt abgeſtutzten Federkiels, und vermindern ſich in den Figuren, bis ſie
dem bloßen Auge nicht mehr kenntlich ſind; es ſind ſogar die behaarten Au-
genbranen an den Masken ausgedruͤcket. Den Werth dieſer unnachahmli-
chen Arbeit erhoͤhet der Name des Kuͤnſtlers mit ſchwarzen Buchſtaben:

[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt].

Waͤre es moͤglich geweſen, die Kunſt zu ihrer vormaligen Herrlichkeitb.
Von der Be-
ſchaffenheit
und dem Sti-
le der Kunſt
ſeiner Zeit.

zu erheben, ſo war Hadrian der Mann, dem es hierzu weder an Kennt-
niß, noch an Bemuͤhung fehlete: aber der Geiſt der Freyheit war aus der
Welt gewichen, und die Quelle zum erhabenen Denken und zum wahren
Ruhme war verſchwunden. Es kann auch als eine Urſache der aufgeklaͤrte
Aberglauben und die Chriſtliche Lehre angegeben werden, welche ſich ei-
gentlich unter dieſem Kaiſer anfieng auszubreiten 1) Die Gelehrſamkeit,

welcher
1) Euſeb. Præp. Evang. L. 4. p. 92. l. 9. Ibid. p. 98. l. 25.

II Theil. Von der Griechiſchen Kunſt
welcher Hadrian aufhelfen wollte, verlohr ſich in unnuͤtzen Kleinigkeiten,
und die Beredſamkeit, welche durch bezahlte Redner gelehret wurde, war
meiſtens Sophiſterey: dieſer Kaiſer ſelbſt wollte den Homerus unterdruͤ-
cken, und an deſſen Statt den Antimachus empor bringen und einfuͤh-
ren 1). Außer dem Lucianus iſt der Stil der Griechiſchen Scribenten die-
ſer Zeit theils ungleich, theils geſucht und gekuͤnſtelt, und wird dadurch
dunkel, wovon Ariſtides ein Beyſpiel ſeyn kann. Die Athenienſer waren
bey allen verliehenen Freyheiten in Umſtaͤnden, daß ſie einige Jnſeln, wel-
che ſie bisher behauptet hatten, verkaufen wollten 2).

Die Kunſt konnte ſich eben ſo wenig, wie die Wiſſenſchaften, erhe-
ben, und der Stil der Kuͤnſtler dieſer Zeit iſt von dem Alten merklich ver-
ſchieden, wie man ſelbſt damals, nach einigen oben angefuͤhrten Anzeigen
der Scribenten dieſer Zeit, eingeſchen hat. Die Huͤlfe, welche Hadrian
der Kunſt gab, war wie die Speiſen, welche die Aerzte den Kranken ver-
ordnen, die ſie nicht ſterben laſſen, aber ihnen auch keine Nahrung geben.

Eins der groͤßten Werke der Bildhauerey, welche dieſer Kaiſer ma-
chen laſſen, wuͤrde deſſen Statue auf einem Wagen mit vier Pferden gewe-
ſen ſeyn, welche auf der Spitze ſeines Grabmals, itzo Caſtel St. Angelo,
ſoll geſtanden ſeyn, und, wenn dem Scribenten, der es berichtet 3), zu
glauben iſt, ſo groß war, daß ein ſtarker Mann zu den Loͤchern, welche die
Augen an den Pferden macheten, hinein kriechen konnte: man giebt ſogar
vor, dieſes Werk ſey aus einem einzigen Blocke Marmor gearbeitet geweſen.
Es ſcheint aber eine Griechiſche Luͤgen aus der Zeit des Scribenten, welche
zu gleichem Paare geht mit dem Kopfe einer Statue der Juno zu Conſtan-
tinopel, welchen kaum vier Geſpanne Ochſen ziehen koͤnnen 4).

Der
1) conf. Cuper. Apotheoſ. Hom. p. 5.
2) Philoſtrat. Vit. Lolliani, p. 527. l. 19.
3) Io. Antiochen. [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt] citat. a Salmaſ. Not. in Spartian. p. 51.
4) Mich. Choniat. ap. Fabric. Bibl. Gr. T. 6. p. 406.
unter den Roͤmiſchen Kaiſern.

Der ohne Grund ſogenannte Antinous im Belvedere 1), wird ins-c.
Beſchreibung
des faͤlſchlich
ſogenannten
Antinous im
Belvedere.

gemein als das ſchoͤnſte Denkmal der Kunſt unter dem Hadrian angegeben,
aus dem Jrthume, daß es die Statue ſeines Lieblings ſey; es ſtellet die-
ſelbe vielmehr einen Meleager, oder einen andern jungen Held, vor. Sie
wird unter die Statuen der erſten Claſſe geſetzet, wie ſie es verdienet, mehr
wegen der Schoͤnheit einzelner Theile, als wegen der Vollkommenheit des
Ganzen: denn die Beine und Fuͤße, nebſt dem Unterleibe, ſind weit ge-
ringer in der Form und in der Arbeit, als das uͤbrige der Figur. Der
Kopf iſt unſtreitig einer der ſchoͤnſten jugendlichen Koͤpfe aus dem Alter-
thume. Jn dem Geſichte des Apollo herrſchet die Majeſtaͤt und der Stolz;
hier aber iſt ein Bild der Gratie holder Jugend, und der Schoͤnheit bluͤ-
hender Jahre, mit gefaͤlliger Unſchuld und ſanfter Reizung geſellet, ohne
Andeutung irgend einer Leidenſchaft, welche die Uebereinſtimmung der
Theile und die jugendliche Stille der Seele, die ſich hier bildet, ſtoͤren
koͤnnte. Jn dieſer Ruhe, und gleichſam in dem Genuße ſeiner ſelbſt, mit
geſammelten und von allen aͤußern Vorwuͤrfen zuruͤckgerufenen Sinnen, iſt
der ganze Stand dieſer edlen Figur geſetzet. Das Auge, welches, wie an
der Goͤttinn der Liebe, aber ohne Begierde, maͤßig gewoͤlbet iſt, redet mit
einnehmender Unſchuld; der voͤllige Mund im kleinen Umfange haͤufet Re-
gungen, ohne ſie zu fuͤhlen zu ſcheinen: die mit lieblicher Fuͤlle genaͤhrte
Wangen beſchreiben, mit der gewoͤlbten Rundung des ſanft erhobenen
Kinnes, den voͤlligen und edlen Umriß des Haupts dieſes edlen Juͤnglings.
Jn der Stirn aber zeiget ſich ſchon mehr, als der Juͤngling; ſie kuͤndiget
den Held an in der erhabenen Pracht, mit welcher ſie anwaͤchſt, wie die
Stirn des Hercules. Die Bruſt iſt maͤchtig erhaben, und die Schultern,
Seiten und Huͤften ſind wunderbar ſchoͤn. Aber die Beine haben nicht die
ſchoͤne Form, die ein ſolcher Koͤrper erfordert; die Fuͤße ſind grob gearbeitet,

und
1) Bottari Muſ. Capit. T. 2. p. 35.
Winckelm Geſch. der Kunſt F f f

II Theil. Von der Griechiſchen Kunſt
und der Nabel iſt kaum angedeutet: bey dem allen iſt der Stil verſchieden
von dem zu Hadrians Zeiten. Die ſchoͤnſten Werke von Hadrians Zeiten
ſind das erhaben gearbeitete Bruſtbild des Antinous 1), welches ehemals
deſſen Figur, in mehr als Lebensgroͤße, war, in der Villa Albani, und
deſſen Bruſtbild, welches ehemals in der Sammlung der Koͤniginn Chri-
ſtina von Schweden war, und itzo zu St. Jldefonſe in Spanien ſteht.
Der Kopf deſſelben in der Villa Monte Dragone, oberhalb Fraſcati, iſt
dreymal ſo groß, als die Natur, und hat eingeſetzte Augen. Eine kleine
Statue zu Pferde, ein paar Fuß hoch, wie man vorgiebt 2), vom Ha-
drian, in der Villa Mattei, verdienete kaum erwaͤhnet zu werden, ge-
ſchweige denn mit Gelegenheit zu einer heftigen Schrift 3) zu geben, zumal
jemanden, der dieſe Figur ſelbſt nicht ſehen konnte, da er ſchrieb: es iſt
dieſelbe außerdem dieſem Kaiſer im geringſten nicht aͤhnlich. Der ſchoͤnſte
Kopf dieſes Kaiſers in Stein geſchnitten, iſt ein Cameo in dem Cabinette
des Prinzen von Oranien, deſſen voriger Beſitzer der Graf von Thoms
in Holland war: dieſer Stein befand ſich in dem Koͤniglichen Farneſiſchen
Muſeo zu Capo di Monte in Neapel, und kam in gedachten Beſitzers
Haͤnde; wie und auf was Art, uͤberlaſſe ich dem Leſer zu muthmaßen.

Jch finde hier noch anzumerken, daß die großen Kaiſerlichen Medail-
lons in Erzt, welche aͤcht ſind, allererſt unter dem Hadrian anfangen.
Dieſes vorausgeſetzt, ſind alle diejenigen, welche ſich in dem Kaiſerlichen
Muſeo zu Wien befinden, fuͤr untergeſchoben zu erklaͤren. Einer der
ſchoͤnſten daſelbſt von gedachtem Kaiſer iſt inwendig hohl, und ein Maul-
eſeltreiber bey Rom hatte dieſes ſeltene Stuͤck viel Jahre, anſtatt einer
Schelle, an ſeinem Thiere haͤngen.

Die
1) v. Borioni Collect. Antiqu. tab. 9.
2) Maffei Stat. n. 104.
3) Riccobaldi Apolog. del Diar. Ital. di Montfauc. p. 45. ſeq.
unter den Roͤmiſchen Kaiſern.

Die Antoniner ſchaͤtzten die Kuͤnſte, und Marcus Aurelius verſtandK.
Unter den
Antoninern.
a.
Allgemeine
Betrachtung
uͤber die Kunſt.

die Zeichnung, in welcher ihn Diognetus, ein weiſer Mann, unterrich-
tete 1); dieſer war zugleich ſein Lehrer in der Weltweisheit; aber die gu-
ten Kuͤnſtler fiengen an ſelten zu werden, und die vormalige allgemeine Ach-
tung fuͤr dieſelben verlohr ſich, wie man aus den Begriffen dieſer Zeit
ſchließen kann. Die Sophiſten, welche itzo gleichſam auf den Thron er-
hoben wurden, und denen die Antoniner oͤffentliche Lehrſtuͤhle bauen, und
ein großes Gehalt auf ihre Lunge und Stimmen zahlen ließen 2), Men-
ſchen ohne eigene Vernunft und Geſchmack 3), ſchrien wider alles, was
nicht gelehrt war, und ein geſchickter Kuͤnſtler war in ihren Augen wie ein
Handwerker. Jhr Urtheil von der Kunſt iſt dasjenige, welches Lucianus
der Gelehrſamkeit in ſeinem Traume in den Mund leget; ja es wurde an
jungen Leuten als eine Niedertraͤchtigkeit ausgeleget, nur zu wuͤnſchen ein
Phidias zu werden. Daher es faſt zu verwundern iſt, daß Arrianus,
ein Scribent dieſer Zeit, es fuͤr ein Ungluͤck haͤlt, den Jupiter des Phidias
nicht geſehen zu haben 4).

Die Zeit der Antoniner iſt in der Kunſt, wie die ſcheinbare Beſſerung
gefaͤhrlicher Kranken kurz vor ihrem Ende, in welchen das Leben bis auf
einen duͤnnen Faden des Hauchs gebracht, dem Lichte einer Lampe aͤhnlich
iſt, welches, ehe es gaͤnzlich verloͤſchet, alle Nahrung ſammelt, in eine
helle Flamme auffaͤhrt, und ploͤtzlich verloͤſchet. Es lebeten noch die Kuͤnſt-
ler, welche ſich unter dem Hadrian gebildet hatten, und die großen Wer-
ke, noch mehr aber der uͤbrige gute Geſchmack und die Einſicht beſagter
Kaiſer und ihres Hofes, gaben ihnen Gelegenheit, ſich zu zeigen; aber
nach ihrer Zeit fiel die Kunſt mit einmal. Antoninus Pius bauete ſeine
praͤchtige Villa bey Lavinium, deren Truͤmmer von ihrer Groͤße zeigen.

Von
1) Capitolin. in M. Aurel. p. 24. A.
2) [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt].
3) v. Galen. de pulſuum differ. ſub init.
4) Arrian. Epict. L. 1. c. 6. p. 35.
F f f 2

II Theil. Von der Griechiſchen Kunſt
Von der Pracht derſelben giebt ein ſilberner Hahn einen Beweis, aus wel-
chem das Waſſer in den Baͤdern dieſer Villa lief; es wurde derſelbe vor
etwa vierzig Jahren an gedachtem Orte ausgegraben, und hielt dreyßig
bis vierzig Pfund am Gewichte, mit der Jnſchrift: FAVSTINAE
NOSTRAE.
Jn den Baͤdern des Claudius lief auch das Waſſer in
ſilbernen Roͤhren 1). Jn den Truͤmmern jener Villa wurde die ſchoͤne
Thetis des Herrn Cardinal Alex. Albani im Jahre 1714. entdecket, aber
ohne Kopf: es iſt dieſelbe bis auf die Schenkel unbekleidet, und haͤlt ein
Ruder, welches auf einem Meerthiere ruhet: die Baſe, nebſt dem einen
Fuße auf derſelben, hat ſich erhalten, und an derſelben ſieht man ein Ro-
ſtrum
eines Schiffes. Dieſe Statue aber iſt vermuthlich aus einer hoͤ-
hern Zeit der Kunſt, ſo wie es zwo unbekleidete Statuen mit Koͤpfen des
Lucius Verus 2) in der Villa Mattei und Farneſe ſcheinen, unter welchen
dieſe eine der vollkommenſten Maͤnnlichen Figuren aus dem Alterthume iſt.
Marcus Aurelius ließ auf dem Foro Trajani allen tapfern Maͤnnern,
die in dem deutſchen Kriege geblieben waren, Statuen aufrichten.

b.
Von einem
Coloſſaliſchen
Kopfe der
Fauſtina.

Eins der ſchoͤnſten Werke dieſer Zeit, iſt ein Coloſſaliſcher Kopf von
Marmor, wie es ſcheint der juͤngern Fauſtina; ich ſage, wie es ſcheint:
denn die Aehnlichkeit, ſonderlich Jugendlicher und Weiblicher Koͤpfe, wird
etwas unkenntlich in Coloſſaliſchen Koͤpfen; von dem Kinne an, bis an
die Haare auf der Stirne, haͤlt derſelbe zwo Spannen. Dieſer Kopf
war, wie man ſieht, nach der von mir angezeigten Art, in deſſen Statue
eingefuͤget. Es muß dieſelbe von Erzt, oder von Marmor, geweſen ſeyn:
denn einer von den Fuͤßen, welcher ſich erhalten hat, war ebenfalls einge-
fuͤget; ſo daß die aͤußern Theile von Marmor waren; auch von den Ar-
men ſind Stuͤcke uͤbrig. Dieſer ſchoͤne Kopf, welcher nichts im geringſten
gelitten hat, wurde zu Porcigliano, ohnweit von Oſtia, wie man glaubet,

in
1) Fabric. Rom. p. 205.
2) Maffei Stat. n. 106.

unter den Roͤmiſchen Kaiſern.
in den Truͤmmern der Villa des Plinius, Laurentum genannt, entdecket.
An eben dem Orte fanden ſich verſchiedene ſehr ſchoͤne modellirte Figuren
von gebrannter Erde; unter andern ein Sturz einer Venus, und eine be-
kleidete Figur von etwa drey Palmen hoch, ingleichen zween Fuͤße mit an-
gelegten Sohlen, die dem Fuße von gedachter Statue vollkommen aͤhnlich
ſind, und vermuthlich die Modelle zu jenen waren: dieſe Stuͤcke befin-
den ſich zu Rom in dem Hauſe des Baron del Nero, eines Florentini-
ſchen Patritius.

Man ſieht, daß man damals anfieng ſich mehr, als vorher, auf Por-c.
Von andern
Bruſtbildern
dieſer Kaiſer.

traits zu legen, und Koͤpfe anſtatt Figuren zu machen, welches durch wie-
derholte Befehle des Raths zu Rom, daß jedermann dieſes oder jenes Kai-
ſers Bildniß im Hauſe haben ſollte 1), befoͤrdert wurde. Es finden ſich
einige etwa von dieſer Zeit, welche Wunder der Kunſt in Abſicht der Aus-
arbeitung koͤnnen genennet werden. Drey außerordentlich ſchoͤne Bruſt-
bilder des Lucius Verus, und eben ſo viel vom Marcus Aurelius, ſonder-
lich aber eins von jeden, groͤßer als die Natur, in der Villa Borgheſe,
wurden vor dreyßig Jahren, mit großen Ziegeln bedeckt, vier Milien von
Rom, auf der Straße nach Florenz, an einem Orte, welcher Acqua
Traverſa
heißt, gefunden.

Die Statue des Marcus Aurelius zu Pferde iſt zu bekannt, als daßd.
Von des Mar-
cus Aurelius
Statue zu
Pferde von
Erzt.

ich viel davon rede. Laͤcherlich iſt, was man unter dem Kupfer einer Fi-
gur zu Pferde in der Gallerie des Grafen Pembroke, zu Wilton in Enge-
land, geſetzet hat 2): „die erſte Statue des Marcus Aurelius zu Pferde,
„welche verurſachete, daß der Meiſter derſelben gebrauchet wurde, die große
„Statue dieſes Kaiſers, an welcher das Pferd von dem unſrigen verſchie-
„den iſt, zu machen.“ Die Unterſchrift eines halb bekleideten Hermes

eben
1) conf. Caſaub. Not. in Spartiani Peſcen. p. 124. D.
2) Tab. 9.
F f f 3

II Theil. Von der Griechiſchen Kunſt
eben daſelbſt 1), iſt wegen aͤhnlicher Unverſchaͤmtheit des Vorgebens zu mer-
ken: „Einer von den Gefangenen, welche die Architrave an dem Thore
„des Pallaſtes von dem Vicekoͤnig in Aegypten trugen, nachdem Camby-
„ſes dieſes Reich erobert hatte.“ Die Statue des Marcus Aurelius zu
Pferd, ſtand auf dem Platze vor der Kirche von St. Johann Lateran,
weil in dieſer Gegend das Haus war, wo dieſer Kaiſer gebohren war; die
Figur des Kaiſers aber muß in der mittlern Zeit verſchuͤttet gelegen haben.
Denn in dem Leben des beruͤhmten Cola von Rienzo, wird nur von dem
Pferde allein geredet, und man nennete es das Pferd des Conſtantins.
Bey Gelegenheit eines großen Feſtes, zur Zeit, da die Paͤbſte ihren Sitz
zu Avignon hatten, lief fuͤr das Volk aus dem Kopfe des Pferdes, und
zwar aus dem rechten Naſenloche, rother Wein, und aus dem linken, Waſ-
ſer 2): in Rom war damals kein ander Waſſer, als aus der Tiber, da die
Waſſerleitungen eingegangen waren, und an entlegenen Orten von dem
Fluſſe wurde es verkauft, wie itzo auf den Gaſſen zu Paris 3).

e.
Von der Sta-
tue des Ariſti-
des, und vom
Herodes Atti-
cus.

Die Statue des Rhetors Ariſtides in der Vaticaniſchen Bibliothek
iſt aus der Zeit, von welcher wir reden, und unter den ſitzenden bekleideten
Figuren nicht die ſchlechteſte. Nach der Beſchreibung einer bewafneten
Venus, welche der beruͤhmte Redner Herodes, mit dem Zunamen Atti-

cus,
1) Tab. 20.
2) Fiortifioc. Vita di Col. di Rienz. p. 107.
3) Der Senat zu Rom giebt alle Jahre einen Blumenſtrauß an das Capitel der Kirche von
St. Johann Lateran, gleichſam als eine Lehnpflicht, zur Bekenntniß des alten Rechts
dieſer Kirche an die Statue des Marcus Aurelius. Es iſt eine oͤffentliche Bedienung
uͤber dieſe Statue von der Zeit, da dieſelbe auf das Campidoglio gebracht worden, be-
ſtellet, welche monathlich zehen Scudi eintraͤgt; derjenige, welcher dieſelbe verſieht,
heißt Cuſtode del Cavallo. Eine andere eintraͤglichere, eben ſo muͤßige, aber noch
aͤltere Bedienung, iſt die Lettura di Tito Livio, welche jaͤhrlich dreyhundert Scudi
eintraͤgt, die aus dem Salzimpoſte genommen werden. Beyde Stellen vergiebt der
Pabſt, und ſie ruhen auf gewiſſen Haͤuſern von dem aͤlteſten Adel in Rom: die letzte
Bedienung hat das Haus Conti, und ſollte auch niemand von ihnen des Livius Ge-
ſchichte mit Augen geſehen haben.

unter den Roͤmiſchen Kaiſern.
cus, machen laſſen 1), die nicht das Suͤſſe und Verliebte, ſondern etwas
Maͤnnliches und eine Freude, wie nach erhaltenem Siege, zeigete, kann
man ſchließen, daß ſich die Kenntniß des Schoͤnen und des Stils der Alten
nicht gaͤnzlich aus der Welt verlohren gehabt. Eben ſo fanden ſich noch
Kenner der edlen Einfalt und der ungeſchmuͤckten Natur in der Schreibart
und Beredſamkeit, und Plinius, welcher uns berichtet 2), daß diejenigen
Stellen in ſeiner Lobrede, die ihm am wenigſten Muͤhe gekoſtet, bey eini-
gen mehr, als die ausſtudirten, Beyfall gefunden, faſſete daher Hofnung
zur Wiederherſtellung des guten Geſchmacks. Aber nichts deſto weniger
blieb er ſelbſt bey dem gekuͤnſtelten Stil, welchen in ſeiner Rede die Wahr-
heit und das Lob eines wuͤrdigen Mannes gefaͤllig machet. Vorher ge-
dachter Herodes ließ einigen von ſeinen Freygelaſſenen, die er liebete,
Statuen ſetzen 3). Von den großen Denkmalen, die dieſer Mann in Rom
ſowohl, als zu Athen, und in andern Griechiſchen Staͤdten, bauen laſſen,
ſind noch zwo Saͤulen ſeines Grabmals uͤbrig, von einer Art Marmor,
den man Cipolino nennet, von drey Palmen im Durchmeſſer. Die Jn-
ſchrift auf denſelben hat dieſelben beruͤhmt gemachet, und Salmaſius hat
ſie erklaͤret. Ein Franzoͤſiſcher Scribent 4) muß getraͤumet haben, wel-
cher uns lehren will, die Jnſchrift ſey nicht in Griechiſchen, ſondern in
Lateiniſchen Buchſtaben abgefaſſet. Es wurden dieſe Saͤulen im Mona-
the September 1761. von Rom nach Neapel abgefuͤhret, und liegen in
dem Hofe des Herculaniſchen Muſei zu Portici. Die Jnſchriften ſeiner
beruͤhmten Villa Triopaͤa, welche itzo in der Villa Borgheſe ſtehen, hat
Spon bekannt gemachet 5).

Damals
1) Phot. Bibiioth. p. 1046.
2) L. 3. ep. 18.
3) Philoſtrat. Vit. Sophiſt. L. 2. c. 1. §. 10.
4) Renaudot ſur l’ orig. des Lettr. Grecq. p. 237.
5) Miſc. ant. p. 322.
II Theil. Von der Griechiſchen Kunſt
f.
Misbrauch
der Statuen
an Perſonen
ohne Verdien-
ſte.

Damals wurden auch denen, die im Circo in den Wettlaͤufen auf
Wagens den Preis erhielten, Statuen aufgerichtet 1), von welchen man
ſich einen Begriff machen kann aus einigen Stuͤcken Muſaiſcher Arbeit im
Hauſe Maſſimi mit dem Namen der Perſonen, noch deutlicher aber von ei-
nem ſolchen Sieger, faſt in Lebensgroͤße, auf einem Wagen mit vier
Pferden, in erhobener Arbeit, von einer großen Ovalen Begraͤbnißurne
in der Villa Albani, und ſonderlich aus einer wirklichen Statue in der
Villa Negroni. Aus dieſer Figur iſt in der Ergaͤnzung derſelben ein
Gaͤrtner gemachet worden, wegen eines krummen Meſſers im Guͤrtel, auf
eben die Art, wie an jener Urne, und es iſt ihr daher eine Hacke in die
Hand gegeben worden. Dieſe Perſonen waren mehrentheils vom Poͤbel,
deren Bruſt bis an den Unterleib mit einem Guͤrtel vielmehr umwunden
und geſchnuͤret war. Lucius Verus ließ ſogar das Bildniß ſeines Pfer-
des, Volucris genannt, von Golde im Circo ſetzen. Bey den Werken
unter dem Marcus Aurelius gemacht, faͤllt mir mehrentheils dieſes Prin-
zen eigene Schrift ein, in welcher, außer einer geſunden Moral, die Ge-
danken ſowohl, als die Schreibart, gemein, und eines Prinzen, welcher
ſich mit Schreiben abgiebt, nicht wuͤrdig genug ſind.

L.
Unter dem
Commodus.

Unter und nach dem Commodus, dem Sohne und Nachfolger des
Marcus Aurelius, gieng die letzte Schule der Kunſt, die gleichſam vom
Hadrian geſtiftet war, und die Kunſt ſelbſt, ſo zu reden, zu Grunde.
Derjenige Kuͤnſtler, von deſſen Hand der wunderſchoͤne Kopf dieſes Kai-
ſers in ſeiner Jugend, im Campidoglio iſt, macht der Kunſt Ehre; es
ſcheint derſelbe etwa um eben die Zeit, in welcher Commodus den Thron
beſtieg, das iſt im neunzehenden Jahre ſeines Alters, gemacht zu ſeyn:
der Kopf aber kann zum Beweiſe dienen, daß dieſer Kuͤnſtler nicht viel ſei-
nes gleichen gehabt: denn alle Koͤpfe der folgenden Kaiſer ſind jenem nicht

zu
1) conf. Palmer. Exerc. in auct. gr. p. 535.

unter den Roͤmiſchen Kaiſern.
zu vergleichen. Die Muͤnzen dieſes Kaiſers ſind in der Zeichnung ſowohl,
als in der Arbeit, unter die ſchoͤnſten Kaiſerlichen Muͤnzen zu rechnen: zu
einigen derſelben ſind die Stempel mit ſo großer Feinheit geſchnitten, daß
man an der Goͤttinn Roma, die auf einer Ruͤſtung ſitzet, und dem Com-
modus eine Kugel uͤberreichet, an den Fuͤßen die kleinen Koͤpfe von den
Thieren, aus deren Fellen man Schuhe trug, ausgefuͤhret ſieht 1). Man
kann aber von einer Arbeit im Kleinen auf die Ausfuͤhrung eines Werks im
Großen nicht ſicher ſchließen; derjenige, welcher ein kleines Modell eines
Schifs zu machen weis, iſt dadurch nicht geſchickt zum Bau eines Schifs,
welches im tobenden Meere beſtehen kann: denn viele Figuren auf Ruͤck-
ſeiten der Muͤnzen folgender Kaiſer, die nicht uͤbel gezeichnet ſind, wuͤrden
ſonſt einen irrigen Schluß auf das Allgemeine der Kunſt veranlaſſen. Ein
ertraͤglicher Achilles klein gezeichnet, wird von eben der Hand groß, wie
die Natur, ausgefuͤhret, vielmals als ein Therſites erſcheinen. Es iſt
auch glaublich, wenn auf Muͤnzen des dritten Jahrhunderts die Ruͤckſei-
ten uͤber den Begriff ſelbiger Zeiten gearbeitet ſind, daß man ſich alter
Stempel bedienet habe.

Des Commodus Andenken beſchloß der Senat zu Rom zu vertilgen,
und dieſes gieng vornehmlich auf deſſen Bildniſſe; dieſes fand ſich an vie-
len Bruſtbildern und Koͤpfen deſſelben, die der Herr Cardinal Alex. Al-
bani
entdeckete, da er den Grund zu ſeinem praͤchtigen Luſthauſe zu Net-
tuno am Meere graben ließ. Von allen Koͤpfen iſt das Geſicht mit dem
Meißel abgeſchlagen, und man erkennet dieſelben nur an einigen andern
Zeichen, ſo wie man auf einem zerbrochenen Steine den Kopf des Anti-
nous an dem Kinne und Munde erkennet. Jn der Villa Altieri iſt ein
Kopf eben dieſes jungen Menſchen, nach Anzeige des Mundes, welcher nur
allein von demſelben erhalten war, als ein Antinous ergaͤnzet.

Es
1) Buonaroti Oſſ. ſopr. alc. Medagl. tab. 7. n. 5.
Winckelm Geſch. der Kunſt. G g g
II Theil. Von der Griechiſchen Kunſt

Es iſt kein Wunder, daß die Kunſt anfieng, ſich merklich gegen ih-
ren Fall zu neigen, wenn man bedenket, daß auch die Schulen der Sophi-
ſten in Griechenland mit dem Commodus aufhoͤreten 1) Ja den Grie-
chen wurde ſogar ihre eigene Sprache unbekannt: denn es waren wenige
unter ihnen, die ihre beſten Schriften mit dem wahren Verſtaͤndniſſe der-
ſelben leſen konnten, und wir wiſſen, daß Oppianus in ſeinen Gedichten
durch die Nachahmung des Homerus, und durch deſſen Ausdruͤcke und
Worte, deren er ſich bedienet, ſo wie Homerus ſelbſt, den Griechen dun-
kel war 2). Daher hatten die Griechen Woͤrterbuͤcher in ihrer eigenen
Sprache noͤthig, und Phynichus ſuchte die Athenienſer zu lehren, wie
ihre Voraͤltern geredet hatten: aber von vielen Worten war keine beſtimm-
te Bedeutung mehr zu geben, und ihre Herleitung wurde durch verlohrne
Stammwoͤrter auf Muthmaßungen gegruͤndet.

V.
Fall der Kunſt
unter dem Se-
ptimius Seve-
rus.
A.
Von Werken
unter dieſem
Kaiſer.

Wie ſehr die Kunſt nach dem Commodus gefallen, beweiſen die oͤf-
fentlichen Werke, welche Septimius Severus einige Zeit nachher auffuͤh-
ren ließ. Er folgete dem Commodus ein Jahr nachher in der Regierung,
nachdem Pertinax, Didius Julianus, Clodius Albinus und Peſcennius
Niger in kurzer Zeit regieret hatten, und ermordet worden. Die Athe-
nienſer ließ Severus ſogleich ſeinen Zorn empfinden, wegen einer Beleidi-
gung, welche ihm auf einer Reiſe nach Syrien zu Athen in voriger Zeit
widerfahren war: er nahm der Stadt alle ihre Vorrechte und Freyhei-
ten, die ihr von den vorigen Kaiſern ertheilet waren 3). Die erhobenen
Arbeiten an ſeinem Bogen, und an einem andern Bogen, welchen die
Silberſchmiede ihm zu Ehren auffuͤhren laſſen, ſind ſo ſchlecht, daß es er-
ſtaunend ſcheint, wie die Kunſt in zwoͤlf Jahren, ſeit dem Tode des

Marcus
1) Creſol. Theatr. Rhet. L. 1. c. 4. p. 32.
2) conf. Bentley’s Diſſ. upon Phalar. p. 406.
3) Spartian. Sever. p. 594. ed. Lugd. 1591.

unter den Roͤmiſchen Kaiſern.
Marcus Aurelius, ſo ganz und gar herunter kommen koͤnnen. Die erho-
bene Figur des Fechters Bato 1), in der Villa Pamfili, in Lebens-
groͤße, iſt ebenfalls ein Zeugniß hiervon: denn wenn dieſes der Fechter
dieſes Namens iſt, welchen Caracalla praͤchtig beerdigen laſſen, ſo wird
nicht der ſchlechteſte Bildhauer dazu gebraucht ſeyn. Philoſtratus geden-
ket eines Malers Ariſtodemus, welcher ſich um dieſe Zeit hervor that: er
war ein Schuͤler eines Eumelus.

Jn Betrachtung gedachter Arbeiten ſollte man kaum glauben, daß
ſich noch ein Kuͤnſtler gefunden, welcher des Severus Statue von Erzt 2)
in dem Pallaſte Barberini machen koͤnnen, ob ſie gleich nicht fuͤr ſchoͤn
kann gehalten werden. Die vermeynte Statue des Peſcennius Niger 3),
im Pallaſte Altieri, welcher ſich wider vorgedachten Kaiſer aufwarf, und
von ihm geſchlagen wurde, waͤre noch weit ſeltener, als jene, und als alle
deſſen Muͤnzen, wenn dieſelbe dieſen Kaiſer vorſtellen koͤnnte; der Kopf
aber iſt dem Septimius Severus aͤhnlicher. Die einzige Statue des Ma-
crinus, welcher dem Caracalla folgete, befindet ſich in dem Weinber-
ge Borioni.

Von den Zeiten des Heliogabalus wird eine Weibliche Statue in Le-B.
Unter dem
Heliogabalus.

bensgroͤße in der Villa Albani gehalten. Es ſtellet dieſelbe eine betagte
Frau vor, mit einem ſo Maͤnnlichen Geſichte, daß nur die Kleidung das
Geſchlecht derſelben anzeiget: die Haare ſind ganz ſchlecht uͤber den Kopf
gekaͤmmet, und hinterwerts hinauf genommen und untergeſtecket. Jn
der linken Hand haͤlt dieſelbe eine gerollete Schrift, welches an Weibli-
chen Figuren etwas außerordentliches iſt, und man glaubet daher, daß
es die Mutter beſagten Kaiſers ſeyn koͤnne, welche im geheimen Rathe

erſchien,
1) Fabret. Syntagm. de Columna Traj. c. 8. Montfauc. Ant. expl. T. 3. pl. 154.
2) Maffei Stat. n. 92.
3) Maffei Stat. n. 110.
G g g 2

II Theil. Von der Griechiſchen Kunſt
erſchien, und welcher zu Ehren ein Senat von Weibern in Rom ange-
ordnet wurde 1).

C.
Unter dem
Alexander Se-
verus.

Alexander Severus, welcher dem Heliogabalus folgete, ließ die
Statuen vieler beruͤhmten Maͤnner von allen Orten zuſammen holen, und
auf dem Foro des Kaiſers Trajanus ſetzen. Von deſſen Zeit iſt die ſitzende
Statue des H. Hippolytus in Lebensgroͤße, in der Vaticaniſchen Biblio-
thek 2), welches ohne Zweifel die aͤlteſte Chriſtliche Figur in Stein iſt:
denn damals fiengen die Chriſten an mehr Anſehen, als vorher, zu gewin-
nen, und gedachter Kaiſer erlaubete ihnen den oͤffentlichen Gottesdienſt an
dem Orte, wo itzo St. Maria in Traſtevere iſt 3). Dieſe Statue iſt in
Vergleichung mit der Arbeit an dem Bogen des Septimius Severus uͤber
den Begriff dieſer Zeit: eben dieſes gilt von der großen Begraͤbnißurne des
Alexander Severus, und der Julia Mammaͤa, welche liegend in Lebens-
groͤße auf dem Deckel derſelben gearbeitet ſind 4). Der Kuͤnſtler derſelben
muß einer von denjenigen ſeyn, welche durch Nachahmung der Alten aus
dem Verderbniſſe ihrer Zeit das Haupt erhoben.

D.
Von einer
Statue des
Pupienus.

Von einem ſolchen Kuͤnſtler iſt die Statue Kaiſers Pupienus, welche
im Pallaſte Veroſpi ſtand, und vor kurzer Zeit verkauft worden. Es iſt
dieſelbe zehen Palme hoch, und ohne alle Beſchaͤdigung erhalten, bis auf
den rechten Arm, welcher bis an den Ellenbogen mangelt: es hat dieſelbe
ſogar die feine lettigte Rinde behalten, mit welcher die Werke der Alten
unter der Erde uͤberzogen werden. Mit der linken Hand haͤlt die Figur
das Parazonium gefaſſet, und an dem Stamme, woran das rechte
Bein zur Befeſtigung ſteht, iſt ein großes Horn des Ueberfluſſes ſtehend

gearbei-
1) Lamprid. Heliogab. p. 102. C.
2) Ueber den Beweis der Benennung dieſer Statue, an welcher der Kopf neu iſt, ſiehe
Vignola Diſſ. de anno Imp. Alexandri Severi, quem præfert Cathedra marmorea
S. Hippolyti, Rom.
1712. 4.
3) v. Nardini Rom. p. 477.
4) v. Bellori Sepuler. vet. fig. 81.

unter den Roͤmiſchen Kaiſern.
gearbeitet. Dem erſten Anblicke giebt dieſe Statue einen Begriff, wel-
cher ſich nicht mit ihrer Zeit zu reimen ſcheint: denn ſie zeiget eine Großheit
und Pracht der Theile; in der Fuͤlle ihrer Theile aber, entdecket ſich nicht
das Wiſſen aͤlterer Kuͤnſtler; es ſind die Hauptfarben da, aber die Mit-
teltinten fehlen, und die Figur erſcheint dadurch ſchwer, und hat fuͤr ihre
Groͤße einen zu voͤlligen Umfang. Es irret alſo Montfaucon, wenn er
vorgiebt 1), daß die Bildhauerkunſt um dieſe Zeit gaͤnzlich verlohren ge-
gangen. Die Baſe von einer Statue Kaiſers Gordianus, welche im
Pallaſte Farneſe war 2), iſt nicht mehr vorhanden.

Die eigentliche beſtimmte Zeit, in welcher der gaͤnzliche Fall derE.
Gaͤnzlicher
Verfall der
Kunſt unter
dem Gallie-
nus.

Kunſt erfolgete, war vor dem Conſtantin, zur Zeit der großen Verwir-
rung durch die dreyßig Tyrannen, welche ſich unter dem Gallienus auf-
warfen, das iſt, zu Anfang der letzten Haͤlfte des dritten Jahrhunderts.
Die Muͤnzverſtaͤndigen bemerken, daß nach dem Gallienus in Griechen-
land nicht einmal mehr Muͤnzen gepraͤget worden; je ſchlechter aber die
Muͤnzen dieſer Zeit an Gehalt und Gepraͤge ſind, deſto oͤfter findet ſich
die Goͤttinn Moneta auf denſelben; ſo wie die Ehre ein haͤufiges Wort
in dem Munde einer Perſon iſt, an deren Ehre man zu zweifeln hat. Der
Kopf des Gallienus von Erzt mit einem Lorbeerkranze, in der Villa Mat-
tei, iſt wegen der Seltenheit zu ſchaͤtzen.

Es findet ſich Nachricht von einer Statue der Calpurnia, der Gemah-
linn des Titus, welcher einer von gedachten Afterkaiſern oder Tyran-
nen war; es wird dieſelbe aber ſo ſchlecht geweſen ſeyn, daß ein dunke-
les Wort, deſſen Erklaͤrung den Gelehrten viel Muͤhe machet 3), kei-

nen
1) conf. Ficoroni Oſſ. ſopra il Diar. Ital. di Montf. p. 14.
2) v. Lipſ. Ant. Lect. L. 5. c. 8.
3) Trebellius Pollio, (Vita Titi) welcher dieſe Nachricht giebt, ſaget: — cuius Statuam
in templo Veneris adhuc videmus Argolicam, ſed auratam.
Baudelot hat eine
weit-
G g g 3

II Theil. Von der Griechiſchen Kunſt
nen merkwuͤrdigen Umſtand zur Kunſt, wie man hier geſuchet hat, ent-
halten kann.

F.
Von der Kunſt
unter dem
Conſtantin.

Wie es hernach unter Conſtantin dem Großen mit der Kunſt ausge-
ſehen, zeigen deſſen Statuen, eine unter dem Portale der Kirche zu St.
Johann Lateran, zwo andere auf dem Campidoglio, und einige erhobene
Arbeiten an deſſen Bogen, an welchem alles, was gut iſt, von einem Bo-
gen Kaiſers Trajanus genommen worden. Es iſt alſo kaum glaublich,
daß das alte Gemaͤlde der Goͤttinn Roma im Pallaſte Barberini zu Con-
ſtantins Zeiten gemachet worden. Es findet ſich Nachricht von andern
entdeckten Gemaͤlden, welche Hafens und Ausſichten auf das Meer vor-
ſtellen, die, nach der Unterſchrift derſelben, aus dieſer Zeit moͤchten gewe-
ſen ſeyn 1); ſie ſind aber nicht mehr vorhanden: die Zeichnungen mit Far-
ben ausgefuͤhret, finden ſich in der Bibliothek des Herrn Cardinals Alex.
Albani.
Aber die Gemaͤlde in dem einen und aͤlteſten Vaticaniſchen Vir-
gilio, ſind nicht zu gut fuͤr Conſtantins Zeiten, wie jemand meynet 2),
welcher, da er geſchrieben, nicht das friſche Gedaͤchtniß davon gehabt,
und nach Kupfern des Bartoli, welcher alles Mittelmaͤßige wie von gu-
ter Zeit ſcheinen gemacht, geurtheilet hat. Es hat derſelbe nicht gewußt,
daß man aus einer ſchriftlichen Nachricht von gleichem Alter in dieſem Bu-
che beweiſen kann, daß dieſe Abſchrift zu Conſtantinus Zeiten gemachet
worden 3). Von eben der Zeit ſcheint der alte gemalte Terentius in dieſer

Biblio-
weitlaͤuftige Unterſuchung uͤber das Wort Argolica gemacht a): ich glaubete, man koͤn-
ne Argillacea leſen, ſo daß die Statuen von Thon, oder gebrannter Erde, aber ver-
goldet, geweſen, und ich habe nachher gefunden, daß ein Gelehrter, welcher den Deut-
ſchen Ehre machet, eben dieſer Meynung iſt b).
1) Burman. Syllog. Epiſt. T. 5. p. 527.
2) Spence Polymet. Dial. 8. p. 105.
3) Burman. l. c. p. 194. ſeq.
a) Vtilité des Voyag. T. 1. p. 174. ſeq.
b) Triller. Obſ. Crit. L. 4. c. 6. p. 328.

unter den Roͤmiſchen Kaiſern.
Bibliothek zu ſeyn, und der beruͤhmte Peireſc gedenket in einer ſeiner un-
gedruckten Briefe, in der Bibliothek des Herrn Cardinals Alexander
Albani
, einer andern alten Handſchrift des Terentius von den Zeiten Kai-
ſers Conſtantius, Conſtantinus des Großen Sohns, deſſen gemalte Fi-
guren von eben dem Stil mit jenen geweſen.

Man erinnere ſich, daß, wenn ich von dem Falle der Kunſt im Alter-G.
Erinnerung
uͤber die Bau-
kunſt dieſer
Zeit.

thume rede, dieſes vornehmlich von der Bildhauerey und Malerey zu ver-
ſtehen iſt: denn da dieſe abnahmen, und ſich ihrem Untergange naͤherten,
bluͤhete die Baukunſt in gewiſſer Maaße, und es wurden Werke in Rom
aufgefuͤhret, dergleichen an Groͤße und Pracht Griechenland in ſeinen be-
ſten Zeiten nicht geſehen, und da es wenige Kuͤnſtler gab, die eine ertraͤg-
liche Figur zeichnen konnten, bauete Caracalla die erſtaunenden Baͤder,
deren Truͤmmer ſelbſt noch wunderbar ſcheinen. Diocletianus fuͤhrete
ſeine Baͤder auf, in welchen er jene noch zu uͤbertreffen ſuchte, und man
muß geſtehen, daß dasjenige, was ſich von denſelben erhalten hat, uns
mit Erſtaunen erfuͤllen kann. Die Gebaͤlke der Saͤulen aber werden un-
ter dem gehaͤuften Schnitzwerke, wie die Zuſchauer in den Schauſpielen
dieſes Kaiſers unter einer Ueberſchwemmung von Blumen, welche man
auf ſie werfen ließ, erſticket. Eine jede Seite von ſeinem Pallaſte zu
Spalatro in Jllyrien iſt ſiebenhundert und fuͤnf Engliſche Fuß lang, nach
der neueſten Ausmeſſung Herrn Adams. Dieſes erſtaunende Gebaͤude
hatte vier Hauptgaſſen, von fuͤnf und dreyßig Fuß breit, und die Gaſſe
von dem Eingange bis zu dem Platz in der Mitten, iſt zweyhundert und
ſechs und vierzig Fuß lang; die Gaſſe, welche dieſe durchſchneidet, iſt
vierhundert und vier und zwanzig Fuß lang. Auf beyden Seiten dieſer
Gaſſen waren bedeckte Bogen von zwoͤlf Fuß breit, und einige von den-
ſelben ſind noch ganz erhalten. Nicht lange vorher ſind die großen Pal-
laͤſte und Tempel zu Palmyra aufgefuͤhret, die an Pracht alle uͤbrig geblie-

benen

II Theil. Von der Griechiſchen Kunſt
benen Gebaͤude in der Welt uͤbertreffen, an welchen man das Schnitzwerk
und die Verzierungen bewundern muß. Es waͤre alſo nicht widerſpre-
chend, wie Nardini meynet 1), daß die zwey erſtaunenden Stuͤcke eines
ſchoͤn geſchnitzten Gebaͤlks in dem Garten des Pallaſtes Colonna, von einem
Tempel der Sonne ſeyn koͤnnten, welchen Kaiſer Aurelianus in dieſer Ge-
gend gebauet. Dieſes zu begreifen, muß man bedenken, daß die Bau-
kunſt, welche vornehmlich mit Maaß und Regel zu thun hat, und in wel-
cher alles nach denſelben beſtimmet werden kann, eine angewieſenere Vor-
ſchrift, als die Kunſt der Zeichnung insbeſondere, hat, und alſo nicht ſo
leicht abweichen, noch verfallen konnte. Unterdeſſen bekennet Plato,
daß ſelbſt in Griechenland ein guter Baumeiſter eine Seltenheit gewe-
ſen 2). Bey dem allen iſt faſt unbegreiflich, daß an dem Portal des
faͤlſchlich ſogenannten Tempels der Concordia, welchen Conſtantin, nach
Anzeige einer nicht mehr vorhandenen Jnſchrift 3) wieder herſtellen laſſen,
das oberſte und verjuͤngete Ende von zwo Saͤulen, umgekehrt auf die un-
tere Haͤlfte derſelben geſetzet worden.

H.
Von dem ver-
uͤbten Unfug
an Statuen
uͤberhaupt,
und von erhal-
tenen Werken
aus dieſer
Zeit.

Conſtantin der Große ſuchete, nach beſtaͤtigtem Frieden im Reiche,
den Wiſſenſchaften aufzuhelfen, und in Athen, wo die Lehrer der Rede-
kunſt ihre Schulen von neuem mit großem Zulaufe oͤfneten, wurde der
Sammelplatz der Studirenden, die aus dem ganzen Reiche dahin gien-
gen 4). Haͤtte die Welt durch Ausrottung der Abgoͤtterey nicht eine an-
dere Geſtalt bekommen, ſo ſieht man an vier großen Kirchenvaͤtern, dem
H. Gregorius Nazianzenus und Nyſſenus, dem H. Baſilius und Johann
Chryſoſtomus, daß es der Griechiſchen Nation auch nach dem Conſtantin
nicht an außerordentlichen Talenten, auch in Cappadocien, gefehlet.

Und
1) Rom. p. 187.
2) Amator. p. 237. l. 7. edit. Baſil.
3) Marlian. Topogr. Rom. L. 2. c. 10. p. 28.
4) v. Creſol. Theatr. Rhet. p. 32.

unter den Roͤmiſchen Kaiſern.
Und da gedachte H. Vaͤter die Beredſamkeit und die Schoͤnheit der Spra-
che nach einem großen Verfall wiederum in die Hoͤhe gebracht, ſo daß ſie
dem Plato und dem Demoſthenes zur Seite ſtehen koͤnnen, und alle Heid-
niſche Scribenten ihrer Zeit gegen ſich verdunkeln, ſo waͤre es nicht un-
moͤglich geweſen, daß in der Kunſt ein gleiches geſchehen koͤnnen. Es
war aber mit der Kunſt ſo weit gekommen, daß man aus Ungeſchicklich-
keit und Mangel eigener Kraͤfte, wenn Statuen oder Koͤpfe verordnet
und beſtellet wurden, Figuren alter Meiſter nahm, und dieſelben nach
dem, was ſie vorſtellen ſollten, zurichtete, ſo wie alte Roͤmiſche Jnſchrif-
ten auf Chriſtlichen Graͤbern gebraucht wurden 1), auf deren Ruͤckſeite die
Chriſtliche Jnſchrift ſteht. Flaminio Vacca redet 2) von ſieben unbe-
kleideten Statuen, welche zu ſeiner Zeit gefunden wurden, und von einer
Barbariſchen Hand waren uͤberarbeitet worden. An einem im Jahre
1757. gefundenen Kopfe, unter den Truͤmmern alter Sachen in der Villa
Albani, von welchem nur die Haͤlfte uͤbrig iſt, ſieht man zugleich die
Hand eines Alten und eines Barbariſchen Meiſters: dieſem hat es
vielleicht nicht gelingen wollen, und er hat ſeine Arbeit nicht geen-
diget; das Ohr und der Hals zeugen von dem Stile des alten
Kuͤnſtlers.

Von der Kunſt findet ſich nach Conſtantins Zeiten weiter nicht viel
Nachricht; es iſt hingegen zu vermuthen, daß, da man bald nachher in
Conſtantinopel anfieng, die Statuen der Goͤtter zu zerſchlagen, die Wer-
ke der Kunſt in Griechenland ein gleiches Schickſal werden gehabt ha-
ben. Jn Rom wurde, dieſen Unfug zu verhindern, ein Aufſeher uͤber
die Statuen beſtellet, welcher Centurio nitentium rerum hieß, und uͤber
Soldaten geſetzet war, die des Nachts umher gehen und Achtung geben

muͤſſen,
1) conf. Fabret. Inſcr. p. 168.
2) Montfauc. Diar. Ital. p. 139.
Winckelm. Geſch. der Kunſt. H h h

II Theil. Von der Griechiſchen Kunſt
muͤſſen, daß keine Statuen zerſtuͤmmelt und zerſchlagen wurden 1). Denn
da die Chriſtliche Religion anfieng maͤchtig zu werden, wurden die Heid-
niſchen Tempel ausgepluͤndert, und die Verſchnittenen, welche an der
Conſtantiner Hoͤfe anſtatt ihrer Herren regiereten, ziereten mit dem Mar-
mor der Tempel ihre Pallaͤſte aus 2). Dieſen Unfug ſuchte Kaiſer Ho-
norius in Rom zu ſteuern durch ein Geſetz, in welchem die Opfer unter-
ſaget, aber die Tempel ſelbſt zu erhalten befohlen wurden 3). Beruͤhm-
ten Maͤnnern aber wurden noch damals Statuen aufgerichtet, wie dem
Stilico, und dem Dichter Claudianus, unter dem Kaiſer Honorius
dieſe Ehre wiederfuhr: von jener Statue fand ſich vor zweyhundert Jah-
ren noch die Baſe 4). Zu Conſtantinopel haben ſich noch zwo Saͤulen,
nach Art der Trajaniſchen in Rom, erhalten, welche unter der Regie-
rung des Arcadius gearbeitet, und aufgerichtet worden ſind 5). Die er-
hobenen Arbeiten an der einen, ſind nach den Zeichnungen in Kupfer ge-
ſtochen, welche der Venetianiſche Maler Bellino, den Mohammed II.
nach Conſtantinopel kommen ließ, verfertiget, und es ſcheint, daß
der Kuͤnſtler die Arbeit an derſelben nach ſeiner Vorſtellung verſchoͤ-
nert habe. Denn das wenige, was von der andern Saͤule gezeichnet
iſt, giebt einen ſehr ſchlechten Begriff, und iſt unendlich weit von jener
Arbeit verſchieden.

I.
Von dem Ver-
fall der Stadt
Athen, und
von der Zer-
ſtoͤrung von
Rom.

Athen war, wie Syneſius berichtet 6), etliche ſechzig Jahre, nach-
dem Byzanz der Sitz des Roͤmiſchen Reichs geworden war, aller ſeiner
Herrlichkeit beraubet, und es war nichts merkwuͤrdiges mehr daſelbſt,

als
1) v. Valeſ. Not. ad Ammian. L. 16. c. 6. C.
2) v. Ibid. ad L. 22. c. 4. p. 299. b.
3) Cod. Theodoſ. de Pagan. L. 15.
4) Marlian. Topogr. Rom. L. 2. c. 10. p. 29.
5) v. Bandur. Imp. Orient. T. 2. p. 508.
6) Ep. 235.

unter den Roͤmiſchen Kaiſern.
als die Namen von den alten Truͤmmern. Den obgleich Kaiſer Valeria-
nus, vor dem Conſtantin, den Athenienſern erlaubet, die Mauern der
Stadt, welche ſeit der Zeit des Sylla einige hundert Jahre umgeriſſen
gelegen, wieder aufzubauen, ſo konnte die Stadt dennoch den Gothen,
die unter dem Kaiſer Gallienus Griechenland uͤberſchwemmeten, nicht
widerſtehen. Sie wurde gepluͤndert, und Cedrenus berichtet, daß die
Gothen eine Menge von Buͤchern zuſammen geſchleppet, um ſie zu ver-
brennen; da ſie aber bedacht, daß es beſſer fuͤr ſie ſey, die Athenienſer mit
Buͤchern zu beſchaͤftigen, haͤtten ſie ihnen dieſelben wieder gegeben. Eben
ſo ein betruͤbtes Verhaͤngniß betraf die Werke der Kunſt in Rom; und
durch die Barbaren in ſo vielen Eroberungen und Pluͤnderungen dieſer
Stadt, ja durch die Roͤmer ſelbſt, wurden Schaͤtze, dergleichen keine
Zeit und die Haͤnde aller itzigen und kuͤnftigen Kuͤnſtler nicht hervorzubrin-
gen vermoͤgend ſind, mit wilder Wuth vernichtet. Der praͤchtige Tem-
pel des Olympiſchen Jupiters war ſchon zur Zeit des H. Hieronymus 1)
dem Erdboden gleich gemachet. Da unter der Regierung des Kaiſers
Juſtinianus, im Jahre 537. der Koͤnig der Gothen Theodatus, unter
Anfuͤhrung des Vitiges, Rom belagern ließ, und die Moles Hadriani
beſtuͤrmet wurde, vertheidigten ſich die Belagerten mit Statuen, die ſie
auf die Feinde herunter warfen 2). Der beruͤhmte ſchlafende Faunus, in
der Gallerie Barberini, iſt vermuthlich unter dieſen Statuen geweſen:
denn er wurde ohne Schenkel und Beine, und ohne den linken Arm,
in Raͤumung des Grabens um beſagtes Caſtell, unter Pabſt Urban
VIII. nebſt der Statue des Septimius Severus in Erzt, gefunden; nicht
aber in dem Graben von Caſtell Gandolfo außer Rom, wie Breval
irrig vorgiebt 3).

Man
1) contr. Iovian. L. 2.
2) Procop. Hiſt. Goth. L. 1. p. 202. edit. Grotii.
3) Remarks.
H h h 2
II Theil. Von der Griechiſchen Kunſt
K.
Von vermeyn-
ten Statuen
des Juſtinia-
nus und des
Beliſarius.

Man giebt eine faſt Coloſſaliſche Statue in der Villa Giuſtiniani in
vielen Buͤchern fuͤr eine Statue Kaiſers Juſtinianus an, und das Haus
Giuſtiniani, welches ſich von dieſem Kaiſer herſchreibt, hat dieſes Vorge-
ben in einer Jnſchrift, die vor wenig Jahren geſetzt worden iſt, von neuem
zu behaupten geſuchet; aber ohne den allergeringſten Grund. Die Sta-
tue, welche mittelmaͤßig iſt, wuͤrde als ein Wunder der Kunſt aus dieſer
Zeit muͤſſen angeſehen werden, und der Kopf iſt neu, und nach einem jun-
gen Marcus Aurelius gemachet.

Eine ſitzende Statue unter Lebensgroͤße, in der Villa Borgheſe,
welche man irrig fuͤr einen bettelnden Beliſarius haͤlt, hat zu dieſem Na-
men durch die rechte Hand, welche auf dem Knie liegt, Gelegenheit ge-
geben. Es iſt dieſelbe hohl, gleichſam etwas in derſelben zu empfangen,
und hierinnen kann eine geheime Bedeutung liegen. Wir wiſſen, daß
Auguſtus alle Jahre einen Tag den Bettler machte, und eine hohle Hand,
(Cavam manum) hinreichete, um ein Allmoſen zu empfangen. Dieſes
geſchah zur Verſoͤhnung der Nemeſis 1), welche die Hohen in der Welt,
wie man glaubte, erniedrigte. Aus eben dieſer Urſache wurden an dem
Triumphwagen die Geißel und die Schellen, mit welchen Nemeſis vorge-
ſtellet wird, (wie an einer ſchoͤnen ſitzenden Statue derſelben in den Vati-
caniſchen Gaͤrten zu ſehen iſt,) angehaͤnget, um die Sieger zu erinnern,
daß ihre Herrlichkeit vergaͤnglich ſey, und daß die Rache der Goͤtter,
in Ueberhebung in ihrem Gluͤcke, uͤber ſie kommen koͤnne. Es wird
alſo jener Statue, in beſagter Betrachtung, die Hand wie zum Allmo-
ſen offen gemachet ſeyn.

Was man ſich von der Statue des Juſtinianus zu Pferde 2), und
ſeiner Gemahlinn Theodora 3), beyden von Erzt, ehemals zu Conſtanti-

nopel,
1) conf. Caſaub. Animadv. in Sueton. p. 115. B.
2) Procop. de Aedif. L. 1. c. 2. p. 10.
3) Ibid. c. 11. p. 25.

unter den Roͤmiſchen Kaiſern.
nopel, fuͤr einen Begriff zu machen habe, kann man ſich ohngefaͤhr aus
beyder Figuren in Muſaico, zu Ravenna, zu derſelben Zeit gemachet 1),
vorſtellen. Jene Statue war wie Achilles gekleidet, das iſt, wie Proco-
pius ſagt, mit untergebundenen Sohlen, und mit bloßen Beinen, ohne
Beinruͤſtung; wir wuͤrden ſagen heroiſch, oder noch Art der Menſchen aus
der Heldenzeit vorgeſtellet.

Endlich kam der Griechiſche Kaiſer Conſtantinus, ein Enkel KaiſersL.
Letztes Schick-
ſal der Sta-
tuen in Rom,

Heraclius, im Jahre 663. nach Rom, und fuͤhrete, nach einem Auf-
enthalt von zwoͤlf Tagen, alle uͤbrig gebliebenen Werke von Erzt,
ſogar die Ziegel von Erzt, womit das Pantheon gedecket war, mit
ſich hinweg nach Syracus in Sicilien, und dieſer Schatz kam bald
nach deſſen Tode in der Saracenen Haͤnde, die alles nach Alexan-
drien fuͤhreten 2).

Jn Conſtantinopel, und daſelbſt allein, waren einige Werke derM.
und in Con-
ſtantinopel.

Kunſt, nach ihrer allgemeinen Vernichtung in Griechenland und Rom,
noch verſchont geblieben. Denn was ſich noch in Griechenland erhalten
hatte, war dahin gefuͤhret, auch ſo gar die Statue des Eſeltreibers mit
ſeinem Eſel von Erzt 3), welche Auguſtus zu Neapolis, nach der Schlacht
wider den Antonius und die Cleopatra, ſetzen ließ. Jn Conſtantinopel
ſtand noch bis in das eilfte Jahrhundert die Pallas aus der Jnſel Lin-
dus 4), von Scyllis und Dipoenus, Bildhauern vor Cyrus Zeiten: es
war um dieſe Zeit daſelbſt das Wunder der Kunſt, der Olympiſche Ju-
piter des Phidias, die ſchoͤnſte Venus aus Cnidus von der Hand des
Praxiteles, die Statue der Gelegenheit des Lyſippus, und eine Juno

aus
1) Aleman. Not. in Procop. Hiſt. arcan. c. 8. p. 110. c. 10. p. 123.
2) Anaſtaſ. Vit. S. Vitaliani et Adeodati. Paul. Diac. Hiſt. Longob. L. 5. c. 11.
3) Glycas Annal. P. 3.
4) Cedren. p. 322. B.
H h h 3

II Theil. Von der Griechiſchen Kunſt
aus Samos von demſelben. Alle dieſe Werke aber wurden vermuthlich
vernichtet in der Eroberung dieſer Stadt, unter Balduino, zu Anfang
des dreyzehenden Jahrhunderts: denn wir wiſſen, daß die Statuen von
Erzt zerſchmolzen, und zu Muͤnzen verpraͤget wurden, und ein Geſchicht-
ſchreiber dieſer Zeit thut hier ſonderlich der Samiſchen Juno Meldung 1).
Jch halte es fuͤr eine Hyperbole, wenn derſelbe ſagt, daß der bloße Kopf
der Statue, nachdem er zerſchlagen worden, auf vier Wagen habe muͤſſen
weggefuͤhret werden; aber es bleibt fuͤr die Wahrſcheinlichkeit ein Begriff
von einem ſehr großen Werke uͤbrig.



Beſchluß
dieſes zweyten
Theils.

Jch bin in der Geſchichte der Kunſt ſchon uͤber ihre Graͤnzen gegan-
gen, und ohngeachtet mir bey Betrachtung des Untergangs derſelben faſt
zu Muthe geweſen iſt, wie demjenigen, der in Beſchreibung der Geſchich-
te ſeines Vaterlandes die Zerſtoͤrung deſſelben, die er ſelbſt erlebet hat,
beruͤhren muͤßte, ſo konnte ich mich dennoch nicht enthalten, dem Schick-
ſale der Werke der Kunſt, ſo weit mein Auge gieng, nachzuſehen. So
wie eine Liebſte an dem Ufer des Meeres ihren abfahrenden Liebhaber, oh-
ne Hofnung ihn wieder zu ſehen, mit bethraͤnten Augen verfolget, und
ſelbſt in dem entfernten Segel das Bild des Geliebten zu ſehen glaubt.
Wir haben, wie die Geliebte, gleichſam nur einen Schattenriß von dem
Vorwurfe unſrer Wuͤnſche uͤbrig; aber deſto groͤßere Sehnſucht nach dem
Verlohrnen erwecket derſelbe, und wir betrachten die Copien der Urbil-
der mit groͤßerer Aufmerkſamkeit, als wie wir in dem voͤlligen Beſitze von
dieſen nicht wuͤrden gethan haben. Es geht uns hier vielmals, wie Leu-
ten, die Geſpenſter kennen wollen, und zu ſehen glauben, wo nichts iſt:
der Name des Alterthums iſt zum Vorurtheil geworden; aber auch dieſes

Vorur-
1) Fragm. hiſt. Mich. Choniatae ap. Fabric. Biblioth. Graeca, T. 6. p. 406.

unter den Roͤmiſchen Kaiſern.
Vorurtheil iſt nicht ohne Nutzen. Man ſtelle ſich allezeit vor, viel zu
finden, damit man viel ſuche, um etwas zu erblicken. Waͤren die Alten
aͤrmer geweſen, ſo haͤtten ſie beſſer von der Kunſt geſchrieben: wir ſind
gegen ſie wie ſchlecht abgefundene Erben; aber wir kehren jeden Stein
um, und durch Schluͤſſe von vielen einzelnen, gelangen wir wenigſtens
zu einer muthmaßlichen Verſicherung, die lehrreicher werden kann, als die
uns von den Alten hinterlaſſenen Nachrichten, die, außer einigen Anzei-
gen von Einſicht, bloß hiſtoriſch ſind. Man muß ſich nicht ſcheuen, die
Wahrheit auch zum Nachtheile ſeiner Achtung zu ſuchen, und einige muͤſſen
irren, damit viele richtig gehen.

[Abbildung]


Erſtes Regiſter
der in dieſem Werke verbeſſerten und erklaͤrten Stellen
alter und neuer Scribenten.


Die in ( ) eingeſchloßnen Ziffern bedeuten die in dieſem Werke ange-
zeigte Seite.

[Spaltenumbruch]
Carl Antonioli Zwo Abhandlungen uͤber
einen alten geſchnittenen Stein des
Stoßiſchen Muſei. (100)
Ariſtophanes Pac. v. 1183. [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]
[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]. (7. not. 3.)
Ariſtoteles Hiſtor. Animal. L. I. p. 19. I.
4. ed. Sylburg.
(61)
Ioſ. Barnes in Iliad. l. 590. Odyſſ. [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt].
155. ad voc. [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]. (197) in Eu-
ripid. Phoeniſſ. v. 1498. (272) in Eu-
ripid. Troad. v.
271. (307)
Charl. Ceſar Baudelot Epoque de la nu-
dité des Athlet. p. 191. (330) Vtil.
des Voiages. T. I. p.
174. (421. 422)
Ottau. Ant. Bayardi Catal. de’ Monum.
d’ Ercol. p.
170. 246. (236. 339)
Laur. Begerus Theſaur. Brandenburg.
T. I. p.
259. (401)
Franc. Bianchini de lap. Antiat. p. 52. (391)
Iean Bapt. Du Bos Reflex. ſur la Poeſ.
et ſur la Peint.
(186. 187. 265. 370)
Io. Bottari Muſeum Capitol. T. II. p.
35. (409)
Claude Gros de Boze Mem. de l’ Acad.
des Inſcr. T. I. p.
235. (328)
[Spaltenumbruch]
Iohn Breval Remarks on ſeveral Parts of
Europ.
(427)
Carl Le Brun Abhandlung von den Lei-
denſchaften. (172)
Cabinet de Polignac. (383)
Callimachus fragm. 105. p. 358. (316)
Caylus ſur quelqu. paſſag. de Pline ſur
les arts. p.
285 (251)
Cicero Ep. ad Attic. L. I. ep. 10. putealia
ſigillata. (97) Ep. ad Attic. L. 14.
ep. 7. litterae
[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]. (253) de
diuinat. L. I. c.
36. (343)
Florent Le Comte Cabin. T. I. p. 20.
(370)
Gisb. Cuper Lettr. crit. p. 363. (264)
Ludou. Demontioſius Gall. Rom. hoſp.
p.
12. (387)
Diodorus Siculus L. 4. [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]
[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]. (8)
Dionyſius Halicarnaſſ. Antiqu. Roman.
L. 7. p. 458. (5) ibid. L. 3. p. 187.
l. 29. (304) Ep. ad Cn. Pompei. de
Plat. p.
204. (253)
Alex. Donati Rom. antiqu. L. 3. c. 12.
p.
134. (396)
Raphael
Winckelm. Geſch. der Kunſt J i i
Erſtes Regiſter.
[Spaltenumbruch]
Raphael Fabretti Inſcript. L. 5. p. 400.
n.
293. (372)
Falconet Reflex. ſur la ſculpt. p. 52. 55.
58. (193. 205)
Andr. Felibien Hiſt. des Archit. p. 22. (219)
Nic. Gedoyn Hiſt. de Phidias, p. 199. (135)
Caſp. Gevartius Elect. L. 1. c. 7. p. 17 (308)
Ant. Franc. Gori Muſ. Etruſc. (93. 103.
199. 207) Muſ. Florent.
(355)
Io. Harduini Comment. ad Plin. L. 35.
c.
33. (391)
Heſychius voc. [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]. (138)
Homerus Il. [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]. v. 219. 223. (199)
Iſidorus Orig. L. 16. c. 5. p. 1214. (250)
Franc. Iunius de pict. veter. L. 3. c. 9.
p.
157. (178)
Lomazzo Tratt. della Pittura. (174)
Lucatelli Muſeo Capitolino p. 23. (98)
T. II. p.
31. (400)
Macrobius L. 1. c. 21. p. 248. (52)
Paolo Aleſſand. Maffei Raccolta di Sta-
tue.
(346)
Scip. Maffei Verona illuſtr. P. 3. c. 7. p.
215. (385)
Hieron. Magius Miſcell. L. 2. c. 6. p. 83.
(257)
P. I. Mariette Pierres grav. T. I. p. 102.
(237)
Bern. de Montfaucon Antiqu. expliqu.
(84. 159. 206. 223. 398) Diar. Ital.
p.
169. (258)
Natter de la grav. en pier. pref. p. IX.
(352)
Ovidius Metam. L. I. v. 30. patulus. (98.
not.
5)
Paol. Mar. Paciaudi Monum. Pelop.
Vol. II. p.
44. (15)
Pauſanias L. 6. p. 517. l. 13. (169. not. 2.)
L. 1. p. 42. ed. Lipſ.
(404)
Charl. Perrault Parallel. (205. 251)
[Spaltenumbruch]
Petronius Satyr. c. 2. p. 13. ed. Burm. (238)
Philoſtrati Icon. L. l. n. 10. p. 779. (192)
Des Piles Rem. ſur l’ art de peintur. de
Fresnoy p.
105. (223)
Pitture Ercolane T. I. tav. 22. 23. (200)
Plinius Hiſt. natur. L. 34. c. 37. (264)
Pluche Hiſt. du ciel T. I. p. 95. (52)
Plutarchus Vita Alexand. (181)
Humphr. Prideaux Not. ad marmor.
Arundel. p.
24. (199)
Reinold Hiſt. litt. graec. et lat. p. 9. 57.
(216. 338)
Euſeb. Renaudot ſur l’ orig. des Lettr.
Grecq. p.
237. (415)
Richardſon Tr. de la peint. T. II. p. 206.
(386)
Rom. Riccobaldi Apolog. del Diar. di
Montfauc. p.
45. (410)
Nie. Rigaltius Not. in Onoſandri Stra-
tag. p.
37. (199)
Charl. Rollin Hiſt. anc. T. I. p. 87. (348)
Claud. Salmaſius Not. ad Scriptor. Hiſtor.
Aug. p. 322. E. p. 389. D. (15. 195) in
Tertull. de pall. p.
334. (204)
Giancriſoſt. Scarfo Lett. ſop. alcuni mo-
num. ant. p.
51. (293)
Spence Polymet. Dial. 8. p. 87. (394)
Statius Thebaid. L. 6. v. 840. (100)
Strabo Geogr. L. 15. p. 948. [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]
[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]. (9)
Dan. Wilh. Triller Obſeruatt. crit. L. 4.
c.
6. (15)
Adr. Turnebi Aduerſ. L. 29. c. 25. (308)
Iean Foy Vaillant Hiſt. Ptolem. p. 111.
(377. 378)
Virgilius Aen. IV. v. 216. (308)
Watelet Reflex. ſur la peint. (158. 160.
164. 173)
Iac. de Wilde Gemm. ant. n. 66. 67. (74)
Wiſe Num. ant. Bodlei. p. 116. (401)


Zweytes




Zweytes Regiſter
der
merkwuͤrdigſten in dieſem Werke vorkommenden Sachen.


A.
[Spaltenumbruch]
Abraxas, ſind Gemaͤchte der Gnoſti-
ker und Baſilidianer. 60
Acanthus, der erſte Ringer ohne Schurz
um den Unterleib. 330
Achaͤer und Aetolier gerathen in einen
heftigen Krieg wider einander. 362
Acratus, ein frevelhafter Freygelaſſener
des Nero, 391. wird von dieſem nach
Griechenland geſchickt, um fuͤr ihn,
was ihm gefaͤllt, zu rauben. ibid.
Acrolithi, Statuen, an denen nur die
aͤußern Theile von Stein waren. 15
Aegina, eine beruͤhmte Schule der Kunſt
in Griechenland. 321
Aegypten, daſelbſt bluͤhet die Kunſt ſchon
in den aͤlteſten Zeiten, 5. ziehet un-
ter den Ptolemaͤern die Kunſt aus Grie-
chenland an ſich, 358. Macht der
Griechiſchen Koͤnige daſelbſt. ibid.
Flor der Kuͤnſte unter den Ptolemaͤern.
377. Verfall derſelben. ibid.
Aegypter, haben die Kunſt den Grie-
chen nicht mitgetheilet, 8. verſagen
Fremden den Zutritt in ihr Land, ibid.
ſetzen die Schrift auf die Baſe ihrer
Figuren. 9. Aehnlichkeit ihrer aͤlte-
ſten Figuren mit den Griechiſchen, ib.
bleiben bey den geraden Linien der er-
ſten Bildung ſtehen, 10. vergolden
ihre Figuren, 13. arbeiten in Baſalt,
[Spaltenumbruch] 16. gelangen im Steinſchneiden zu
großer Vollkommenheit. 18. ihre Bil-
dung, 20. ſind heutiges Tages nicht
mehr, wie ſie ſonſt geweſen. 21. Ur-
ſachen der Kunſt unter ihnen, 31. von
ihrer ehemaligen Bildung hergenom-
men, 32. 33. von ihrer Gemuͤths-
und Denkungsart, Geſetzen, Gebraͤu-
chen und Religion. 33. ihre Farbe
und Geſtalt waren nicht vorzuͤglich, 33.
waren nicht froͤhlichen Gemuͤths, ibid.
verbothen die Muſik in ihren Tempeln
und bey ihren Opfern, 34. ihre Me-
laucholie bringt die erſten Eremiten
hervor, ibid. beſtehen feſt auf ihren
alten Gebraͤuchen und Gottesdienſte, 35.
haben einen Abſcheu gegen alle fremde,
ſonderlich Griechiſche Gebraͤuche, 36.
rechnen Kuͤnſtler zu dem niedrigſten
Stande, ibid. dieſen fehlte es ſon-
derlich an Kenntniß der Anatomie,
37. von dem Stil ihrer Kunſt, 38.
dieſer iſt in Thieren vorzuͤglicher als
in menſchlichen Figuren, 40. Urſa-
chen hiervon, 41. ihre Sphinxe
haben beyderley Geſchlecht, 46. von
ihnen finden ſich keine nackenden Fi-
guren, 48. ihre Figuren haben we-
der Schuhe noch Sohlen, 52. Art
der Ausarbeitung ihrer Werke, 61.
Mate-
J i i 2
Zweytes Regiſter
[Spaltenumbruch] Materien, in welchen ſie gearbei-
tet. 63
M. Aemilius laͤßt zu Rom einen Markt-
platz pflaſtern und mit Pfahlwerk um-
zaͤunen. 301
Paul. Aemilius laͤßt zu Delphos die
Baſen, auf welchen Koͤnig Perſeus
ſeine Statuen ſetzen wollte, wegneh-
men, und beſtimmt ſie fuͤr ſeine eige-
nen. 302
Aerzte, durften in Aegypten keine ande-
re Mittel verſchreiben, als die in den
heil. Buͤchern verzeichnet waren. 36
Aeſchylus bringt die erſten regelmaͤßi-
gen Tragoͤdien hervor. 325. Urtheil
von deſſen Prometheus. 328
Aeſculapius, deſſen Tempel zu Epidau-
rus wird vom Sylla gepluͤndert. 381
Aethiopier, hatten Siegel in Stein ge-
arbeitet, 18. machten die Koͤpfe der
auf Mumien gemalten Perſonen ge-
nau nach der Aehnlichkeit des Verſtor-
benen. 32
Aetion, Meiſter des Gemaͤldes von Ver-
maͤhlung Alexanders und der Roxa-
ne. 135
Aetolier zerſtoͤren den Tempel des Jupi-
ters zu Dodona, 362. rufen die Roͤ-
mer wider die Achaͤer zu Huͤlfe. 364
Affen werden fuͤr heilig gehalten, 246.
eine ſonderbare Statue davon im Cam-
pidoglio. ibid.
Agaſias, Meiſter des beruͤhmten Far-
neſiſchen Fechters. 394
Agathocles, Koͤnig in Sicilien, von
ihm ſollen ſich irrdene gemalte Ge-
faͤße, mit ſeinem Namen bezeichnet,
gefunden haben, 119. iſt ein Befoͤr-
derer der Kuͤnſte, 366. ſeine Muͤn-
zen. ibid.
Ageladas, von Argos, Lehrmeiſter des
Polycletus. 318. 327
[Spaltenumbruch]
Agenor, ein Griechiſcher Kuͤnſtler. 327
Ageſander, Meiſter der beruͤhmten Sta-
tue des Laocoon. 154. 347
Agrippina, Statuen derſelben. 396
Ajax, wie ihn der beruͤhmte Maler Ti-
momachus vorgeſtellet, 171. nebſt
der Medea, ein Gemaͤlde vom Timo-
machus, welches Caͤſar mit achtzig
Talenten bezahlt. 382
Alabaſter entſteht aus einer verſteiner-
ten Feuchtigkeit, 65. wurde bey The-
ben in großen Stuͤcken gebrochen. 64
Albani, Alex. Cardinal, Statuen aus
deſſen praͤchtiger Villa beſchrieben, 15.
beſitzt Zeichnungen von Andr. Mon-
tegna, 29. Beſchreibung einer Aegy-
ptiſchen Figur in deſſen Villa, 39. 40.
eines weiblichen Kopfs daſelbſt, 42.
einer Statue mit einem Thierkopfe, 44.
eines Altars, 46. einer Aegyptiſchen
Jſis, 48. einer andern Aegyptiſchen
Figur, 52. zweener Canopen, 59.
einer maͤnnlichen Aegyptiſchen Figur
in Weiberkleidung, 60. einer Sta-
tue aus Alabaſter, 65. eines Com-
meſſo im Palaſte deſſelben, 84. ei-
nes vermeynten Hetruriſchen Prieſters,
93. 94. einer der aͤlteſten erhabenen
Arbeiten in Rom, 96. deſſen ehemals
gemachte Sammlung von Alterthuͤ-
mern koͤmmt in das Campidoglio, 98.
Beſchreibung eines ſchoͤnen Faunen-
kopfs in deſſen Villa, 158. eines
ſchoͤnen aber verſtuͤmmelten Bacchus,
161. einer Thetis, 165. einer ſchoͤ-
nen Pallas, 165. 166. 226. eines Cy-
niſchen Philoſophen, 202. eines ſchoͤ-
nen Kindlichen Satyrs, 234. vier
weiblich bekleideter Goͤttinnen, 238.
einer Begraͤbnißurne, 244. eines al-
ten Gemaͤldes, 266. entdeckt eine
merkwuͤrdige Baſe einer Statue, 347.
Beſchrei-
der merkwuͤrdigſten Sachen.
[Spaltenumbruch] Beſchreibung eines Steins ſeines Ca-
binets mit dem Kopfe des Phocions,
351. beſitzt in ſeiner Sammlung von
Zeichnungen die Studia der groͤßten
Kuͤnſtler nach dem beruͤhinten Hercu-
les im Belvedere, 370. zweifelt, ob
ſich wahrhafte Koͤpfe des Caͤſars er-
halten haben, 383. Beſchreibung ei-
ner Statue des Domitianus in deſſen
Villa, 399. einer ſchoͤnen Thetis, 412.
einer weiblichen Statue. 419
Alcamenes, ein beruͤhmter Griechiſcher
Kuͤnſtler. 134. 338
Alexander M. Schickſale der Kunſt un-
ter demſelben. 345
Alexander, ein Maler von Athen. 268.
Alexander Severus, Roͤmiſcher Kaiſer,
Werke der Kunſt unter ihm. 420
Alexandrien wird unter Ptolemaͤo Phi-
ladelpho das andere Athen, 358. die
Gelehrten daſelbſt ſtreiten mit denen
von Pergamus um den Vorzug in
Schmiedung untergeſchobner Schrif-
ten unter dem Namen aͤlterer Scriben-
ten, 376. ruͤhmt ſich, daß von ihm
die Kuͤnſte ausgegangen. 379
Aliphera, eine wegen einer ſchoͤnen Pal-
las von Erzt beruͤhmte Stadt. 137
Allo Spadaro, Art der Vergoldung im
Feuer. 260
Amalgema, Art der Vergoldung im
Feuer. 260
Amazone, mit den ſchoͤnen Beinen, ei-
ne beruͤhmte Statue vom Strongy-
lion. 382
Amazonen deuten ihre erſten Gottheiten
durch viereckigte Steine an. 6
Ambracia, eine beruͤhmte Stadt und
Reſidenz der Koͤnige in Epirus, 24.
wird von den Roͤmern erobert, 301.
welche alle Kunſtwerke daraus mitneh-
men, ibid. deren Einwohner bekla-
[Spaltenumbruch] gen ſich zu Rom, daß ſie keine einzi-
ge Gottheit mehr zu verehren haͤtten.
ibid. et 372
Ammonius, ein Griechiſcher Bildhauer.
246
Ampechonion, ein Stuͤck weiblicher
Kleidung. 204
Amulius, ein Roͤmiſcher Maler, der
des Nero Pallaſt ausgemalet. 395
Anaboladion, ein Stuͤck weiblicher
Kleidung. 204
Anaxagoras von Aegina, ein Bild-
hauer. 319
[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], was es beym Ari-
ſtophanes heiße. 7
[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], Benennung der Sphin-
xe beym Herodotus, von ihrem doppel-
ten Geſchlecht hergenommen. 46
Angelio, ein Griechiſcher Kuͤnſtler. 317
Michel Angelo, Urtheil von ſeinen
Werken, 144. iſt ein Wiederherſtel-
ler der Kunſt der Alten. 248
Anthermus, ein Griechiſcher Kuͤnſtler.
317
Antheus, ein Griechiſcher Kuͤnſtler. 368
Antinous, deſſen Statue im Campido-
glio, 35. 62. im Belvedere. 409
Antiochus von Athen, ein Kuͤnſtler. 402
Antiochus Epiphanes, Koͤnig in Sy-
rien, fuͤhrt die Fechterſpiele in Aſien
ein, 357. laͤßt einen Roͤmiſchen Bau-
meiſter nach Athen kommen, den Tem-
pel des Olympiſchen Jupiters auszu-
bauen. 374
Antiphon ſetzet die erſten gerichtlichen
Reden auf. 326
Antiquen, welche Werke ſo zu nennen.
223
Antonius Pius, Roͤmiſcher Kaiſer,
Pracht ſeiner Villa. 411. 412
Antoninus, Marc. Aurel. Roͤmiſcher
Kaiſer, deſſen Statue zu Pferde iſt
gegoſſen,
J i i 3
Zweytes Regiſter
[Spaltenumbruch] gegoſſen, 258. und vergoldet, 260.
verſteht die Zeichnung, 411. allge-
meine Betrachtungen uͤber die Kunſt
unter demſelben, ibid. von deſſen be-
ruͤhmter Statue zu Pferde, 413. 414.
Urtheil von ſeinen Schriften. 416
Apelles war zugleich ein Bildhauer, 140.
der Maler der Gratie, 232. Ort ſei-
ner Geburth, 233. ſoll zu Pergamus
einen Tempel ausgemalt haben. 264
Aphrodiſium, Stadt in Carien, ſcheint
eine Schule der Kunſt geweſen zu
ſeyn. 400
[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], Schuhe aus einer einzigen Soh-
le. 210
Apollo, mit einem Donnerkeil, 87. mit
einem Hute, 88. in ſeinen Statuen
iſt der hoͤchſte Begriff idealiſcher maͤnn-
licher Jugend gebildet, 158. war der
ſchoͤnſte unter den Goͤttern, 159. ſei-
ne Bildung iſt in etlichen Statuen dem
Bacchus aͤhnlich, 161. Vorſtellung
der Muskeln an ihm, 164. Beſchrei-
bung des Vaticaniſchen, 168. der im
Belvedere zu Rom, iſt wahrſcheinlich
unter denen vom Nerone aus Griechen-
land entfuͤhrten Statuen geweſen. 391.
wird zu Antium, itzo Nettuno genannt,
entdecket, 392. Beſchreibung deſſel-
ben, ibid. deſſen Tempel zu Delphos
wird vom Sylla gepluͤndert, 381. aus
eben demſelben werden zur Zeit Nero-
nis 500. Statuen von Erzt wegge-
nommen. 391
Apollodorus, Lehrmeiſter des Zeuxis. 138
Apollodorus, ein Sohn Ageſanders,
und Gehuͤlfe an der Statue des Lao-
coons 347
Apollonius, ein Athenienſiſcher Kuͤnſt-
ler. 236. 353. 368
Apollonius, Meiſter des Hercules im
Belvedere. 370
[Spaltenumbruch]
Apollonius, von Rhodus, einer von
den ſieben Dichtern an Ptolemaͤi Phi-
ladelphi Hofe, 359. verſtoͤßt oft wi-
der die bekannteſten Regeln der Spra-
che. ibid.
Araber deuten ihre erſten Gottheiten
durch viereckigte Steine an. 6
Arcadien bleibt unter den Griechen am
laͤngſten bey der aͤlteſten Geſtalt der
Kunſt, 6. deſſen Einwohner ſind die
redlichſten und geſitteſten unter den
Griechen. 27
Arceſilaus, ein beruͤhmter Kuͤnſtler, 382.
deſſen Modelle werden theurer bezahlt,
als andrer Kuͤnſtler geendigte Werke,
ibid. arbeitet eine Venus fuͤr den
Caͤſar. ibid.
Architeles, ein beruͤhmter Steinmetz. 136
Ariobarzanes Philopator II. Koͤnig in
Cappadocien, laͤßt zween Roͤmiſche
Baumeiſter nach Athen kommen, das
Odeum wieder aufzubauen. 374
Ariſteas, Lehrer der Bienenzucht. 88
Ariſteas, aus Aphrodiſium, ein Kuͤnſt-
ler. 402
Ariſtides, der Redner, Urtheil von
ihm. 408
Ariſtides, deſſen beruͤhmter Bacchus iſt,
nach Plinio, das erſte Gemaͤlde, ſo
aus Griechenland nach Rom gekom-
men. 371
Ariſtion, ein Epicuriſcher Philoſoph,
wirft ſich zum Herrn von Athen auf.
380
Ariſtocles, von Cydonia aus Creta, ein
Kuͤnſtler. 317
Ariſtocles, von Sicyon, ein Bild-
hauer. 319
Ariſtodemon, von Argos, ein Kuͤnſt-
ler. 318
Ariſtodemus, Tyrann von Megalopolis,
erlanget den Zunamen [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]. 322
Ariſto-
der merkwuͤrdigſten Sachen.
[Spaltenumbruch]
Ariſtodemus, ein Griechiſcher Kuͤnſt-
ler. 319
Ariſtodemus, ein Maler. 419
Armbaͤnder der Alten. 211
Aſcarus, ein Griechiſcher Kuͤnſtler. 318
Aſſalectus, ein Roͤmiſcher Kuͤnſtler. 291
Aſſyrier tragen Panzer von Leinewand.
310
Athanodorus, ein Sohn Ageſanders,
und Gehuͤlfe an der Statue des Lao-
coon. 347
Athen, der vornehmſte Sitz der Kuͤnſte
und Wiſſenſchaſten in Griechenland,
324. 325. wird unter dem Pericles
praͤchtiger, 330. ſein Reichthum, 333.
334. wird von den Spartanern ero-
bert, 340. vom Sylla erobert und
zerſtoͤret, 380. unter dem Auguſt ſei-
ner vorzuͤglichen Rechte beraubt, 384.
wird von den Gothen gepluͤndert. 427
Athenagoras, erſter oͤffentlicher Lehrer
der Weisheit zu Athen: 326
Athenaͤus, ein Griechiſcher Kuͤnſtler. 368
Athenienſer, ihre Befreyung von den
Tyrannen, 324. Siege uͤber die Per-
ſer, ibid. ferneres Wachsthum ihrer
Macht, ibid. Untergang ihrer Macht,
354. 355. machen eine Verordnung
wider Koͤnig Philipp von Macedonien,
alle Statuen deſſelben zu vernichten,
364. ergreifen die Parthey des Koͤ-
nigs in Pontus wider die Roͤmer, 379.
verliehren unter dem Veſpaſianus ihr
Vorrecht, Muͤnzen ohne Bildniß des
Kaiſers zu ſchlagen, 397. beleidigen
den Septimius Severus, und muͤſſen
dafuͤr ſeinen Zorn empfinden. 418
Attalus, ein Befoͤrderer der Griechiſchen
Kunſt, 376. ihm errichtet die Stadt
Sicyon eine Statue. ibid.
Atticus beſorgt die Statuen fuͤr des Ci-
cero Tuſculanum. 378
[Spaltenumbruch]
Auge, das linke ſieht ſchaͤrfer als das
rechte, 184. worinnen deſſen Schoͤn-
heit beſtehe. 179. 180
Augenbranen, worinnen ihre Schoͤn-
heit beſtehe. 154. 155. 178
Auguſtus, Roͤmiſcher Kaiſer, traͤgt im
Winter auf einmal vier Unterkleider,
303. iſt ein Erbauer und Wiederher-
ſteller der Tempel, 385. zieret Rom
mit ſchoͤnen Statuen, ibid. Urtheil
uͤber deſſen Statuen, ibid. Werke
der Baukunſt unter ihm, 387. ma-
chet alle Jahre einen Tag den Bett-
ler, zu Verſoͤhnung der Nemeſis. 428
M. Aurelius, Roͤmiſcher Kaiſer, ſiehe
Antoninus.
Aurigatores trugen in Rom eine beſon-
dere Art von Huͤten. 308
Ausdruck in Bildung der Schoͤnheit,
was er ſey, 167. neuerer Kuͤnſtler. 171
B.
Bacchanalia kommen von den Griechen
unter die Roͤmer. 300
Bacchus in Geſtalt einer Saͤule vereh-
ret, 6. mit einem Donnerkeil vorge-
ſtellet, 88. deſſen Bildung in Figu-
ren, 160. 161. Beſchreibung einer
Statue deſſelben in der Villa Albani,
162. deſſen Gemaͤlde vom Ariſtides
das erſte, ſo aus Griechenland nach
Rom gekommen. 371
B[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], ein gemeines Beywort der
Griechiſchen Weiber bey den Dichtern,
197. wie es zu verſtehen. ibid.
Barbierer kommen zuerſt aus Sicilien
nach Rom. 297
Barocci, ein beruͤhmter Maler, iſt an ſeinen
Gewaͤndern und Profilen kenntlich. 145
Baſalt wird von Aegyptern und Grie-
chen zu Statuen gebraucht, 16. deſ-
ſen ſind zwo Arten. 64
Baſi-
Zweytes Regiſter
[Spaltenumbruch]
Baſilicaͤ, Name oͤffentlicher Gebaͤude in
Rom. 298
Battus, ſeine Geſtalt auf Muͤnzen. 163
Baukunſt, der Perſer, hat zu haͤufige
Zierrathen, 77. gelanget bey den
Griechen ſpaͤter, als die Bildhauerey
und Malerey, zur Vollkommenheit, 137.
Urſachen hiervon, 138. verfaͤllt unter
den Roͤmiſchen Kaiſern in einen ver-
derbten Geſchmack, 388. bluͤhet aber
dennoch, auch nach dem Verfall der
Bildhauerey und Malerey in Rom. 432
Baumwolle, bey den Alten eine ge-
woͤhnliche Kleidung des weiblichen Ge-
ſchlechts, 191. wird bey Maͤnnern fuͤr
weichlich gehalten. ibid.
Beinkleider der Alten. 309
Beinruͤſtungen der Alten. 311
Beliſarius, vermeynte Statue deſſelben,
428. muthmaßliche Bedeutung deſſel-
ben. ibid.
Bernini, Jo. Lor. Urtheil von ihm, 144.
ſein ungegruͤndetes Urtheil vom Zeuxis,
155. ſein Fehler in Bekleidung der H.
Veronica zu S. Peter in Rom, 196
Bibliothek, Vaticaniſche, bekoͤmmt die
ſchoͤne Sammlung Hetruriſcher Gefaͤſ-
ſe von Joſ. Valetta. 119
Bigio, eine Art von ſchwaͤrzlichen Mar-
mor. 402
Bilder, in Holz gearbeitet oder gegoſſe-
ne, haben in der Hetruriſchen Spra-
che eine beſondere Benennung. 5
Bildhauer beſtimmen zuerſt die Regeln
der Proportion. 174
Bildhauerey iſt der Anfang der Kunſt,
4. gelanget bey den Griechen eher zur
Vollkommenheit, als die Baukunſt
und Malerey, 137. 138. 139. der Grie-
chen, 249. in Elfenbein, 252. in
Marmor, ibid. in Baſalt, 255. in
Porphyr, 256. in Erzt. 257
[Spaltenumbruch]
Bildung, Einfluß des Himmels in die-
ſelbe, 19. dienet in jedem Lande den
Kuͤnſtlern zum Vorwurf ihrer Figuren,
20. der heutigen Aegypter, ibid. der
heutigen Griechen, 21. 23. der Jta-
liener. 21. 22
Blattern ſind in warmen Laͤndern weni-
ger gefaͤhrlich, als in kalten, 24. wa-
ren den alten Griechen gaͤnzlich un-
bekannt. ibid.
Boethus, ein Carthaginenſiſcher Kuͤnſt-
ler. 72
Bolſena, ehemals Volſinium, eine
Stadt der Kuͤnſtler, 85. aus derſel-
ben werden nach der Eroberung 2000.
Statuen nach Rom gefuͤhret. ibid.
Brunnen haben Einfaſſungen mit er-
habner Arbeit gezieret. 97. 98
Bruſt, ihre Schoͤnheiten an alten Figu-
ren, 183. war dem Neptunus ge-
widmet. ibid.
Bryaxis, ein Griechiſcher Kuͤnſtler. 341
Buchſtaben, Anmerkungen uͤber deren
Form auf alten Jnſchriften, 142. aͤl-
teſte Form der Roͤmiſchen, 292. Grie-
chiſche in Curſivſchrift. 368
Bularchus, ein beruͤhmter Maler. 317
Buonarotti, Mich. Angel. hat einen
beſtaͤndig einfoͤrmigen Charakter in al-
len ſeinen Figuren. 111
Bupalus, ein alter Griechiſcher Kuͤnſt-
ler. 317
C.
Cåſar bezahlt ein Gemaͤlde vom Timo-
machus mit 80. Talenten, 382. ſchi-
cket eine Colonie nach Corinth, die
Stadt wieder aufzubauen, 383. die-
ſen Namen fuͤhren Koͤpfe in verſchiede-
nen Muſeis, die aber deſſen Koͤpfen
auf Muͤnzen nicht gleichen, ib. Zwei-
fel, ob wahrhafte Koͤpfe von ihm noch
vorhanden. ibid.
Calamis,
der merkwuͤrdigſten Sachen.
[Spaltenumbruch]
Calamis, ein durch Bildung ſchoͤner
Pferde beruͤhmter Kuͤnſtler, 186. ſei-
ne Statue der Amazone Soſandra, ei-
ne der vorzuͤglichſten Figuren weibli-
cher Schoͤnheit. 225
Caligula, Roͤmiſcher Kaiſer, laͤßt die
Statuen beruͤhmter Maͤnner nieder-
reißen und zerſchlagen, 389. von den
Statuen der Goͤtter die Koͤpfe abreiſ-
ſen, und an deren Stelle ſein Bild-
niß ſetzen, ibid. will den Homerus
vertilgen, ibid. raubt die Kunſtwer-
ke aus Griechenland, und verſetzt ſie
in ſeine Gaͤrten und Luſthaͤuſer. 391.
Callimachus, ein Bildhauer, Zeit, wenn
er gelebt, 219. iſt der erſte, der mit
dem Bohrer arbeitet, 220. ſoll das
Corinthiſche Capital erfunden haben.
ibid.
Callimachus ſchreibt ſeine Geſaͤnge zu
Alexandrien, 358. iſt an Ptolemaͤi
Philadelphi Hofe in der ſogenannten
Pleias der Dichter. 359
Calliſtratus, ein Griechiſcher Kuͤnſtler.
368
Calliteles, ein Griechiſcher Kuͤnſtler. 331
Callon, ein Griechiſcher Kuͤnſtler. 318
Cambyſes hat den Goͤtterdienſt der Ae-
gypter, und ihre Art die Todten zu
balſamiren, nicht aufgehoben, wie ei-
nige Neuere vorgeben. 35
Campanier, Nachrichten von ihrer
Kunſt, 117. ihre Muͤnzen und ge-
malten Gefaͤße. 118
Canachus, ein beruͤhmter Aihenienſi-
ſcher Kuͤnſtler. 341
Caracalla, Roͤmiſcher Kaiſer, deſſen
Baͤder. 423
Caracci, Urtheil von ihnen. 248
Carinas, Secund. ein Halbgelehrter
unter dem Nero, 391. wird von
dieſem nach Griechenland geſchickt,
[Spaltenumbruch] um Kunſtwerke fuͤr ihn aufzuſuchen.
ibid.
Carthaginenſer tragen Panzer von Lei-
newand. 311
Carvilius, Spur. laͤßt die Statue des
Apollo aus der uͤberwundnen Samni-
ter Ruͤſtungen gießen. 296
Caſſius, Spur. laͤßt in Rom die erſte
Statue von Erzt machen. 296
Caſtor und Pollux hatten bey den Spar-
tanern die Geſtalt von zwey parallel-
Hoͤlzern, daher ihr Zeichen im Thier-
kreiſe koͤmmt. 6
Caſtula, eine Art von Schnuͤrbruſt bey
den Roͤmern. 194
Caulonia, Muͤnzen dieſer Stadt. 215
Centurio nitentium rerum, Benennung
eines Aufſehers der Statuen in Rom.
425
Cephiſſidorus, Sohn des beruͤhmten
Praxiteles. 344
Ceres [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], die rothfuͤßige, wo-
her ſie dieſen Beynamen bekommen. 11
Ceſari, Alex. ein neuerer beruͤhmter
Kuͤnſtler. 352. 353
Chaldaͤer ließen ihre Zimmer ausma-
len. 264
Chi, Griechiſches, wird vom Simonide
erfunden. 219
Chiriſophus, Meiſter des Apollo zu
Tegea. 134
X[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], Unterkleid oder Hemde der Grie-
chiſchen Weiber. 194
Chlamys, ein leichtes Unterkleid der
Griechen im Felde. 305
Chryſippus thut ſich ſowohl in den Grie-
chiſchen Spielen, als in der Weltweis-
heit hervor. 131
Cicero laͤßt Statuen fuͤr ſein Tuſcula-
num in Athen arbeiten. 378
Cinaͤdi tragen in Rom enge und lange
Ermel. 304
Claudius,
K k k
Zweytes Regiſter
[Spaltenumbruch]
Claudius, Roͤmiſcher Kaiſer, laͤßt die
Koͤpfe des Auguſtus anſtatt der aus-
geſchnittnen Koͤpfe Alexanders in zwey
Gemaͤlde ſetzen, 390. erweitert das
Muſeum zu Alexandrien, ibid. bringt
das umgekehrte F. in Gebrauch, ibid.
ein ſchoͤnes Bruſtbild von ihm wird
ohnlaͤngſt im Eſcurial als ein Gewicht
der Kirchenuhr angehaͤngt gefunden,
ibid. giebt den Theſpiern ihren vom
Caligula geraubten Cupido vom Pra-
xiteles wieder. 391
Cleanthes, ein beruͤhmter Kuͤnſtler. 320
Cleanthus thut ſich ſo wohl in Griechi-
ſchen Spielen, als in der Weltweis-
heit hervor. 131
Cleomenes, ein beruͤhmter Kuͤnſtler von
Athen, Meiſter der ſchoͤnen Statue des
Germanicus. 389
Cleopatra, Urtheil von vermeynten Sta-
tuen derſelben. 386
Cleophantus, von Corinth, zeigt den
Roͤmern zuerſt die Griechiſche Kunſt
in Gemaͤlden. 321
Commodus, Roͤmiſcher Kaiſer, unter
ihm geht die Kunſt zu Grunde, 416.
ſeine Muͤnzen ſind unter die ſchoͤnſten
Kaiſerlichen zu rechnen, 417. ſeine
Statuen zerſchlagen. ibid.
Conſtantinus M. Werke der Kunſt un-
ter ihm, 422. ſucht den Wiſſenſchaf-
ten aufzuhelfen. 424
Conſtantinus, Griechiſcher Kaiſer, fuͤhrt
alle Kunſtwerke von Rom nach Syra-
cus. 429
Conti, ein edles Geſchlecht in Rom, hat
die eintraͤgliche Bedienung der Lettura
di Tito Livio erblich. 414
Corinth, eine beruͤhmte Schule der Kunſt
unter den Griechen, 320. wird vom
L. Mummius zerſtoͤret. 371
Cosmus, Großherzog von Toſcana, ſoll
[Spaltenumbruch] ein Waſſer erfunden haben das Eiſen
zu haͤrten. 256
Coſſutius, ein Roͤm. Baumeiſter. 374
Cothurnus, Beſchreibung deſſelben. 210.
Cretenſer, gute Krieger, wo es mehr auf
Liſt, als Tapferkeit ankam. 27
Croton, Stadt, deren Mauern haben
12. Meilen im Umkreiſe, 381. hat uͤber
eine Million Einwohner, ibid. wird
aber im zweyten Puniſchen Kriege ſehr
herunter geſetzt. ibid.
Creſias, ein beruͤhmter Kuͤnſtler in Aſien.
357
Cuma, Stadt, erhaͤlt vom Roͤmiſchen
Rathe Erlaubniß in oͤffentlichen Ge-
ſchaͤften ſich der Roͤmiſchen Sprache zu
bedienen. 382
Cybele mit dem Donnerkeil vorgeſtellet,
88. ihre Prieſter ſind Verſchnitte-
ne. 152
Cyclas, ein Stuͤck weiblicher Kleidung
der Alten. 203
Cynaͤther, ſind wild und von den Grie-
chen verabſcheut. 28
Cynaͤthus zu Syracus, der erſte Rha-
pſodiſte. 325. 326
Cyniker tragen einen doppelten Man-
tel. 202
Cypſelus, Koͤnig in Arcadien, ordnet
Wettſpiele der Schoͤnheit an. 129
Cyrene in Africa, aͤlteſte Muͤnze in Gold
von dieſer Stadt. 323
D.
Daͤdalus, Erfinder der Geſtaltung der
Beine an Bildſaͤulen, 7. arbeitet in
Holz, ibid. von ihm heißen die er-
ſten Statuen Daͤdali, 7. 13. uͤbet
die Kunſt in den aͤlteſten Zeiten in
Griechenland. 316
Damophon, von Meſſene, ein Kuͤnſt-
ler. 318
Demeas,
der merkwuͤrdigſten Sachen.
[Spaltenumbruch]
Demeas, ein Griechiſcher Kuͤnſtler. 318
Demetrius Phalereus, wird von ſei-
nen ſchoͤnen Augenbrauen [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]
[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt] genennet, 129. ihm werden
binnen Jahresfriſt zu Athen 360. Sta-
tuen errichtet. 356
Demetrius Poliorcetes, beherrſcht die
Athenienſer gelinde, 355. Muͤnzen
von ihm, ibid. demuͤthigt die Athe-
nienſer nach ihrem Abfall. 357
Democritus, ein Bildhauer aus Si-
cyon. 320
Demoſthenes, vorhandene Bruſtbilder
deſſelben. 352
Diadema, goͤttliche Figuren haben zu-
weilen ein doppeltes, 207. war eine
Bekleidung des Haupts bey den Grie-
chen, 306. nicht bey den Roͤmern,
ibid. muß zuweilen von Erzt gewe-
ſen ſeyn. 307
Diadumenus, Beyname einer beruͤhm-
ten Statue vom Polycletus. 335
Diagoras kocht ſein Eſſen bey einer Fi-
gur des Hercules. 13
Diana, unter der Geſtalt einer Saͤule
vorgeſtellet, 6. von Marmor und
uͤbermalet, wird im Herculano gefun-
den, 16. mit Fluͤgeln vorgeſtellt, 87.
beſondere Form ihres Bogens, 98.
ihr wird unter den weiblichen Gotthei-
ten eine beſtaͤndige Jungfrauſchaft bey-
gelegt, 156. ihre Vorſtellung in Fi-
guren uͤberhaupt. 166
Dichtkunſt, gelanget eher zur Vollkom-
menheit als die Beredſamkeit, 139.
Urſachen hiervon. ibid.
Dii nixi. 40
Diocletianus, Roͤm. Kaiſer, Beſchrei-
bung einiger ſeiner Kunſtwerke. 423
Diogenes von Athen, ein beruͤhmter
Kuͤnſtler. 387. verfertigt die Caria-
tiden im Pantheon zu Athen. ibid.
[Spaltenumbruch]
Diognetus, ein Maler und Philoſoph,
Lehrer des Marcus Aurelius. 134. 411
Diomedes, ein beruͤhmter Griechiſcher
Kuͤnſtler. 341
Dionyſidorus, ein Kuͤnſtler von Athen.
332
Dionyſius von Rhegium, ein Bild-
hauer. 319
Dioſcorides, ein beruͤhmter Steinſchnei-
der, 386. ſchneidet die Koͤpfe, wo-
mit Auguſt zu ſiegeln pflegte. ibid.
Dioſcorides, von Samos, ein Kuͤnſt-
ler in Muſaiſcher Arbeit. 407
Dipoͤnus, ein Griechiſcher Kuͤnſtler,
317. ſcheint die Schule der Kunſt zu
Sicyon geſtiftet zu haben. 319
Domitianus, Roͤmiſcher Kaiſer, hat
ſchlechte Fuͤße, 182. iſt den Grie-
chen guͤnſtig, 397. ſeine Bildniſſe
und Statuen werden vertilgt, 398.
Beſchreibung einer Statue von ihm.
399
Dontas, ein Griechiſcher Kuͤnſtler. 317
Doryclidas, ein Griechiſcher Kuͤnſt-
ler. 317
Doryphorus, Beyname einer beruͤhm-
ten Statue vom Polycletus. 335
Druſen, Voͤlker auf dem Gebuͤrge Liba-
non, 80. werden fuͤr Nachkoͤmmlin-
ge der Franken gehalten, die in Kreuz-
zuͤgen dahin gefluͤchtet. ibid.
E.
Egeſta oder Segeſta, Stadt in Sici-
lien, richtet dem Philippus aus Cro-
ton, wegen ſeiner Schoͤnheit, ein Grab-
mal auf, 129. Beſchreibung einer
ſeltenen und merkwuͤrdigen Muͤnze der-
ſelben. 366. 367
Einfaſſungen der Brunnen mit erhab-
ner Arbeit, 97. 98. wie ſolche beym
Cicero heißen. ibid.
Einfluß
K k k 2
Zweytes Regiſter
[Spaltenumbruch]
Einfluß des Himmels, in die Bildung,
19. in die Werkzeuge der Sprache,
ibid. in die Denkungsart, 25. in die
Kunſt bey den Griechen. 128
Eladas von Argos, Lehrmeiſter des Phi-
dias. 319
Elfenbein, wird in den aͤlteſten Zeiten
der Griechen geſchnitzt, 14. zu Stuͤh-
len der Koͤnige und Conſuls in Rom
gebraucht, ibid. zu Leyern und Sta-
tuen. ibid. et 260
Eliſabeth, Koͤniginn in Engeland, will
ohne Schatten gemalet ſeyn. 180
Encyclion, ein Stuͤck weiblicher Klei-
dung der Alten. 203
Endoͤus, ein Schuͤler des Daͤdalus. 317
Engonaſes, Benennung der auf unter-
geſchlagenen Beinen ſitzenden Figu-
ren. 40
Epicharmus fuͤhrt die erſten regelmaͤßi-
gen Comoͤdien auf. 326
EΠOHΣE anſtatt EΠOIHΣE, auf
alten Jnſchriften. 236. 237
E[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], fecit, dieſes Wort ſoll ſich, wie
Plinius will, nur auf drey Werken
der Kunſt gefunden haben, ſo aber ir-
rig, 347. die uͤbrigen Kuͤnſtler ſollen,
aus Beſcheidenheit [fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], faciebat,
geſetzt haben. ibid.
Erzt, ſoll eher in Jtalien als in Grie-
chenland zu Statuen gebraucht worden
ſeyn, 16. den erſten Wagen davon
laſſen die Athenienſer nach dem Tode
Piſiſtratus machen, 8. Aegypter ar-
beiten darinnen, 63. von den Grie-
chen zu Statuen gebraucht, 257. zu
oͤffentlichen Denkmalen in Rom, 295.
erſte Statue davon in Rom. 296
Eubius, ein Griechiſcher Kuͤnſtler. 331
Euclides lehrt zu Alexandrien. 358
Eumarus von Athen, ſoll den Unter-
ſchied des Geſchlechts in der Malerey
[Spaltenumbruch] zuerſt gezeigt haben, 7. wie ſolches
zu verſtehen. ibid.
Eumenes, ein großer Befoͤrderer der
Griechiſchen Kunſt. 376
Euphranor bringt zuerſt die Symme-
trie in die Malerey. 138
Eupompus, ein beruͤhmter Kuͤnſtler.
320
Eutyches, aus Bithynien, ein Bild-
hauer. 401
F.
Q. Fabius bekoͤmmt den Zunamen Pl-
ctor. 297
Farbe traͤgt vieles zur Schoͤnheit bey,
147. 148. die weiße die vorzuͤglichſte
ſchoͤner Coͤrper. 148
Farſetti, ein Edler Venetianer, ſeine
Verdienſte. 403
Faune, ihre wahre Bildung in Griechi-
ſchen Statuen. 158. 169
Fauſtina, die juͤngere, Beſchreibung ei-
nes ſchoͤnen Kopfs derſelben. 412
Fechter, der fogenannte Borgheſiſche,
beſchrieben. 394
Fechterſpiele werden vom Antiochus
Epiphanes in Aſien eingefuͤhret, 357.
ſind den erſten Griechen nicht bekannt,
ibid. jedoch bey den Cretenſern uͤb-
lich. ibid.
Q. Flaminius, Roͤmiſcher Proconſul,
erklaͤrt die Griechen fuͤr freye Leu-
te. 365
Fondi, Pietro, ein Betruͤger in der
Kunſt alte Hetruriſche Gefaͤße nach zu-
machen, 123. Kennzeichen dieſen Be-
trug zu entdecken. ibid.
Forceps, eine beſondere Art von Schlacht-
ordnung im Angriffe, 90. forcipe
et ſerra proeliari,
was es heiße. ibid.
Fortuna virilis von Roͤmiſchen Kaiſern
verehret. 13. 14
Frauen-
der merkwuͤrdigſten Sachen.
[Spaltenumbruch]
Frauenzimmer, Griechiſches, deſſen Klei-
dung, 190. preſſet den Leib mit duͤn-
nen Bretergen von Lindenholz, die Feh-
ler des Gewaͤchſes zu verbergen. 195
Fredis, Felix von, entdeckt die vortreff-
liche Statue des Laocoon, in den Baͤ-
dern des Titus, 349. wird deswegen
vom Pabſt Julius II. belohnt. ibid.
M. Fulvius fuͤhrt in ſeinem Triumph
uͤber die Aetolier eine große Menge
Statuen in Rom ein, 301. laͤßt
Kuͤnſtler aus Griechenland nach Rom
kommen, ibid. die Ziegel von Mar-
mor vom Tempel der Juno Licinia ab-
decken und nach Rom bringen. 301. 381
Fuß, war bey den Alten die Regel aller
großen Ausmeſſungen. 174
Fuͤße, worinnen ihre Schoͤnheit beſte-
he. 182
G.
Gallienus, Roͤmiſcher Kaiſer, Verfall
der Kunſt unter ihm. 421
Galloway, Lord, findet im Eſcurial
ein ſchoͤnes Bruſtbild vom Kaiſer Clau-
dius, als ein Gewicht an der Kirchen-
uhr angehaͤngt, und fuͤhrt es mit nach
Engeland. 390
Gamma, deſſen Form auf alten Muͤn-
zen. 216
Gefaͤße, bemalte Hetruriſche und Grie-
chiſche, dienten zum Zierrath, nicht zum
Gebrauch, 12. Sammlungen und
Beſchreibung derſelben, 118. waren in
den erſten Zeiten der Griechen Preiße
der Sieger in den Spielen, 120. He-
truriſche mit unterſchiednen Farben ge-
malt, 121. die Zeichnung darauf iſt
meiſterhaft und zierlich. 122
Gemaͤlde, Herculaniſche, 267. in den
Grabmaͤlern bey Corneto entdeckt, 276.
andere, an einem unbekannten Orte auſ-
[Spaltenumbruch] ſer Rom gefundne, ibid. ſind meh-
rentheils von der Kaiſer Zeiten, 280.
und von Griechiſchen Meiſtern, 281.
die auf trocknem Grunde muͤſſen von
den Alten mit einem beſondern Leim-
waſſer aufgetragen ſeyn, 285. wer-
den mit Wachs uͤberzogen, um ſie beſ-
ſer zu erhalten, 286. 287. werden
mit ſamt der Mauer von einem Ort
zum andern gebracht. 373
Genius in der Villa Borgheſe beſchrie-
ben. 159
Germanicus, deſſen ſchoͤne Statue. 389
Glabrio ſchlaͤgt den Koͤnig Antiochus
bey den Thermopylen, 302. ihm wird
von ſeinem Sohne die erſte vergoldete
Statue geſetzt. ibid.
Glaucias von Aegina, ein Bildhauer.
319. 327
Glaucus von Meßene, ein Bildhauer.
319
Gorgias von Leontium, giebt der Rede-
kunſt zuerſt die Geſtalt der Wiſſen-
ſchaft. 326
Gottheiten der Griechen, werden erſt
durch Steine und Saͤulen angedeutet,
5. ingleichen der Araber und Amazo-
nen, 6. der Heyden, haben von menſch-
licher Geſtalt nur den Kopf, 6. 7. der
Aegypter, ſind in ſchlechterm Stil gear-
beitet, als die Figuren der Thiere, 40.
Urſachen hiervon, 41. einige mit Thier-
koͤpfen, 44. der Phoͤnicier und Hetru-
rier, gefluͤgelt, 71. der Hetrurier, ſind
nach ihrer Vorſtellung beſonders, 86.
87. ihre Schoͤnheit im jugendlichen
Alter vorgeſtellet, 158. ihre Geſtalt
nach des Epicurus Meynung, ibid.
Begriff der Schoͤnheit der weiblichen,
164. ihre Bildung war unter den
Griechiſchen Kuͤnſtlern allgemein be-
ſtimmt, 166. 167. Stand und Hand-
lungen
K k k 3
Zweytes Regiſter
[Spaltenumbruch] lungen ihrer Figuren, 168. der Grie-
chen, werden von den Roͤmern ange-
nommen. 300
Gracchus, Tiber. laͤßt die Luſtbarkeit
ſeines Heers, nach dem Siege uͤber den
Hanno, in ein Gemaͤlde bringen. 297
Granit, deſſen zwiefache Art. 63. 64
Gratie des ſchoͤnen Stils in der Kunſt,
worinnen ſie beſtehe. 229. ſeqq.
Gratien, durch Steine vorgeſtellet. 6
Griechen, erfinden die Kunſt ſpaͤter, als
die Morgenlaͤnder, 5. bilden ihre
Gottheiten erſt nicht in menſchlicher
Geſtalt, ibid. ſondern deuten ſie durch
einen Klotz oder viereckigten Stein an,
6. ſetzen nach der Zeit Koͤpfe auf die-
ſe Steine, ibid. zeigen auf dem Mit-
tel dieſer Steine den Unterſchied des
Geſchlechts an, 7. machen ihre Bild-
ſaͤulen durch Geſtaltung der Beine voll-
kommen, ibid. erhalten die Kunſt
wahrſcheinlicher von den Phoͤniciern,
als Aegyptern, 8. die Abſicht ihrer
Reiſen nach Aegypten gieng vornehm-
lich auf die Regierungsform, ibid.
haben zeitig Verkehr mit den Phoͤni-
ciern, 9. bekommen auch durch den
Cadmus ihre erſten Buchſtaben von
ihnen, ibid. ſetzen Schrift auf ihre
Figuren, ibid. Aehnlichkeit ihrer aͤl-
teſten Figuren mit den Aegyptiſchen,
ibid. geben ihren Figuren Stellung
und Handlungen, 9. 10. vergolden
dieſelben, 13. arbeiten ſchon zur Zeit
des Croͤſus große Werke in Metall, 17.
ſollen anfaͤnglich mit Holz vom Wurm
durchloͤchert geſiegelt haben, 18. ſind
in ihrer itzigen Bildung von den Al-
ten ſehr unterſchieden, 21. die feinſte
und ſchlaueſte Nation, 22. ihre vor-
zuͤglichen Schoͤnheiten in der Bildung,
23. 24. ihnen waren die Blattern un-
[Spaltenumbruch] bekannt, 24. ihre Denkungsart, 25.
26. 132. Verſchiedenheit derſelben,
nach ihrer Verfaſſung, Erziehung und
Regierung, 27. laſſen ihre Todten
auf Aegyptiſche Art zurichten, 35. brei-
ten ſich in Parthien aus, 77. Urſa-
chen des Aufnehmens und Vorzugs
ihrer Kunſt, 127. halten die Schoͤn-
heit hoch, 129. ihre Freyheit, die
vornehmſte Urſache des Vorzugs ihrer
Kunſt, 130. Belohnung der Leibes-
uͤbungen und anderer Verdienſte mit
Statuen, ibid. ihre Achtung fuͤr
Kuͤnſtler, 133. ihr Gebrauch und An-
wendung der Kunſt zu wuͤrdigen und
erhabnen Dingen, 137. ihre Bild-
hauerey und Malerey kommen eher,
als die Baukunſt, zu Vollkommenheit,
ibid. Urſachen hiervon, 138. ihre
Zeichnung des Nackenden, 142. Bil-
dung ihrer Gottheiten im jugendlichen
Alter, 158. im maͤnnlichen, 162. war
unter ihren Kuͤnſtlern allgemein be-
ſtimmt, 166. 167. ihre Abbildung der
Thiere, 186. ihre Zeichnung beklei-
deter Figuren, 190. Wachsthum und
Fall ihrer Kunſt, 213. Mechaniſche
Theile ihrer Bildhauerey, 249. ihre
Arbeit auf Muͤnzen, 261. ihre Ma-
lerey, 262. waren nicht fuͤr lebloſe
Vorſtellungen in ihren Gemaͤlden, 280.
tragen im Felde keinen Mantel, 305.
ihr Diadema, 306. tragen Beinklei-
der, 309. Handſchuhe, 310. Ge-
ſchichte ihrer Kunſt, nach den aͤußerli-
chen Umſtaͤnden betrachtet, 315. von
den aͤlteſten Zeiten bis auf den Phi-
dias, 316. beruͤhmte Kuͤnſtler dieſer
Zeit, ibid. die beruͤhmteſten Schu-
len ihrer Kunſt, 319. Veranlaſſung
und Urſachen des hoͤchſten Flors derſel-
ben, 324. Schickſale ihrer Kunſt von
den
der merkwuͤrdigſten Sachen.
[Spaltenumbruch] ben Zeiten des Phidias bis auf Ale-
xander M. 328. Kuͤnſtler dieſer Zeit,
331. 335. 342. Schickſale ihrer Kunſt
unter Alexander M. 345. von ihrer
Kunſt nach Alexanders Zeiten, und von
der Abnahme derſelben, 354. Flor
derſelben unter den Seleucidern, 357.
unter den Ptolemaͤern in Aegypten, 358.
Fall derſelben in Aegypten und Groß-
griechenland, 360. neuer Flor derſel-
ben in Griechenland, 365. und in
Sicilien, 366. beruͤhmte Kuͤnſtler
und Werke dieſer Zeit, 368. Ende
der Kunſt unter den Seleucidern, 374.
Flor derſelben unter den Koͤnigen von
Bithynien und Pergamus, 376. En-
de derſelben in Aegypten, 377. Wie-
derherſtellung derſelben in Griechen-
land, 378. Nachtheil derſelben durch
die Mithridatiſchen Kriege, und Ver-
ſtoͤrung von Griechenland, 379. Schick-
ſale derſelben unter den Roͤmern und
Roͤmiſchen Kaiſern. 382
Guͤrtel an weiblichen Kleidungen der
Alten. 197. 198
Guͤrten, heißt beym Homerus, ſich zur
Schlacht ruͤſten. 198
Gymnaſia waren Schulen fuͤr die Kuͤnſt-
ler. 151
H.
Haare, von Hyacinthenfarbe, 207. roth-
gefaͤrbte, ibid. vergoldete, ibid. laſ-
ſen ſich die Wittwen zum Zeichen der
Trauer abſcheeren, 208. tragen die
erſten Roͤmer lang. 297
Haarputz der Alten. 206. 207.
Hadrian, Roͤmiſcher Kaiſer, laͤßt viele
Nachahmungen Aegyptiſcher Werke
machen, 55. werden in ſeiner Villa zu
Tivoli gefunden, 56. haben nicht al-
le ihre alten Koͤpfe, ibid. ſoll oͤfters
[Spaltenumbruch] in einem Panzer, baarfuß, zwanzig
Meilen gegangen ſeyn, 310. in einer
Statue in einem Panzer baarfuß vor-
geſtellet, ibid. deſſen Reiſen und Ge-
baͤude, 404. iſt ein Liebhaber und
Kenner der Kuͤnſtler, ibid. arbeitet
mit eigner Hand Statuen, ibid. durch-
reiſet ſiebzehn Laͤnder, 405. ſeine ſchoͤ-
ne Villa bey Tivoli, 405. 406. Be-
ſchaffenheit und Stil der Kunſt ſeiner
Zeit, 407. unter ihm herrſchet ein
ſchlechter Geſchmack, 407. 408. will
den Homerus unterdruͤcken, und den
Antimachus empor bringen, 408. deſ-
ſen ehemalige große Statue auf dem
Caſtell St. Angelo, ſcheint eine Er-
dichtung zu ſeyn, ibid. unter ihm fan-
gen ſich die aͤchten erſten großen Kai-
ſerlichen Medallions in Erzt an. 410
Haͤnde, worinnen ihre Schoͤnheit beſtehe,
181. 182
Handſchuhe ſind bey Griechen und Roͤ-
mern im Gebrauch geweſen. 310
Hannibal traͤgt einen Aufſatz von frem-
den Haaren. 51
Haruſpex, vermeynter, in der Gallerie
zu Florenz. 92. 93
Hecatodorus und Soſtratus, Kuͤnſtler
einer ſchoͤnen Pallas von Erzt. 137
Hegias, ein Griechiſcher Kuͤnſtler. 318
Helden, Begriff der Schoͤnheit ihrer
Figuren. 163
Heliogabalus, Roͤmiſcher Kaiſer, Wer-
ke der Kunſt ſeiner Zeit. 419
Helme der Alten. 311
Herculaniſche Gemaͤlde. 267
Hercules, mit einem Donnerkeil vorge-
ſtellet, 88. mit einem Scythiſchen
Bogen, 98. Statue deſſelben von
Hetruriſcher Arbeit im Campidoglio,
98. 99. ſeine Bildung auf geſchnitte-
nen Steinen, 160. Unterſchied der
Vorſtel-
Zweytes Regiſter
[Spaltenumbruch] Vorſtellung eines menſchlichen und ver-
goͤtterten, 162. Fabel von dem Far-
neſiſchen, 185. mit der Keule und dem
Bogen vorgeſtellet, 221. 222. Be-
ſchreibung deſſen ſchoͤner Statue im
Belvedere. 368.
Hermaͤ, viereckigte Steine mit Koͤpfen. 7
Hermocles von Rhodus, ein Kuͤnſtler.
357. 360.
Herodes bauet zu Caͤſarea dem Auguſtus
einen Tempel. 379
Herodes Atticus, laͤßt im Tempel des
Neptun einen Wagen mit vier vergol-
deten Pferden ſetzen, 14. hinterlaͤßt
viele große Denkmale ſeiner Liebe zur
Kunſt. 414. 415
Hetrurier, ſtehen mit den Phoͤniciern in
Buͤndniß, 9. ſetzen Schrift auf ihre
Figuren, ibid. geben denſelben Stel-
lung und Handlungen, 10. vortheil-
hafte aͤußere Umſtaͤnde fuͤr die Kunſt
unter ihnen, 82. ihre Gemuͤthsart,
83. ſind zur Melancholie geneigt, und
lieben das Uebertriebene, ibid. ihre
Kriege mit den Roͤmern hemmen den
Lauf ihrer Kunſt, 85. Art der Vor-
ſtellung ihrer Goͤtter, 86. Anzeige
der vornehmſten Werke ihrer Kunſt,
91. die Aehnlichkeit derſelben mit den
Griechiſchen macht es ſchwer ſie zu un-
terſcheiden. ibid. tragen Baͤrte, 93.
ihre mehreſten geſchnittenen Steine ſind
Scarabei, 99. ihre Muͤnzen, 101.
ihre vorgegebnen Urnen von Porphyr,
103. Stil ihrer Kunſt, 104. bey
ihnen muß der Gebrauch ſich zu ſchnuͤ-
ren geweſen ſeyn, 195. ihre Kuͤnſt-
ler werden in aͤlteſten Zeiten zu Rom
zu oͤffentlichen Werken gebraucht, 294.
296. ihre Beinruͤſtungen. 311. 312.
Hiero II. Koͤnig von Syracus, ein Be-
foͤrderer der Kuͤnſte, 366. laͤßt ein
[Spaltenumbruch] außerordentliches großes Schiff bauen,
ibid. ein großer Freund der Romer.
ibid.
S. Hippolytus, deſſen Statue, die er-
ſte Chriſtliche Figur in Stein. 420
Holz zu Statuen gebraucht. 12. 63. 316
Homerus, deſſen Vergoͤtterung im Pal-
laſte Colonna zu Rom, von welcher
Zeit ſie ſey, 338. 339. deſſen Gedich-
te will Caligula vertilgen, 389. auch
Hadrian, der an ſeiner Statt den An-
timachus empor bringen will. 408
Honorius, Kaiſer, befiehlt der Heiden
Tempel zu erhalten. 426
Hoſen, tragen die Taͤnzerinnen bey den
Griechen, 309. waren bey den Maͤn-
nern nicht gemein. ibid.
Hut, der Griechiſchen Weiber, 208.
wird bey den Alten von Reiſenden und
im Felde getragen, 307. Beſchrei-
bung deſſelben, ibid. beſondre Art
deſſelben bey den Roͤmiſchen Aurigato-
ribus. ibid.
J.
Jndianer, bemalen ihre Bilder roth. 11
Jonier unterſcheiden ſich von andern
Griechen in der Kleidung. 194
Jphion, von Aegina, ein Kuͤnſtler. 319
Jſis mit Hoͤrnern auf dem Kopfe, 45.
mit Fluͤgeln. 58
Jſiſche Tafel, iſt kein von den Roͤmern
nachgemachtes Werk, wie Warburton
will. 58. 59
Jtaliener, vorzuͤgliche Bildung derſel-
ben, 21. 22. haben ſelten Blatter-
gruben. 24
Juden, haben nach Scaligers Anmer-
kung mehrentheils gepletſchte Naſen,
24. die in Portugal Habichtsnaſen,
ibid. Nachrichten von der Kunſt un-
ter ihnen. 72. 73
Juno,
der merkwuͤrdigſten Sachen.
[Spaltenumbruch]
Juno, als eine Saͤule vorgeſtellet, 6.
erlanget, ſo oft ſie ſich im Brunnen
Cauathus badet, ihre Jungfrauſchaft
wieder, 156. ihre Figur in Statuen,
165. deren Statue von Elfenbein und
Golde, das groͤßte und beruͤhmteſte
Werk des Polycletus, 335. Erdich-
tung von einer großen Statue derſel-
ben zu Conſtantinopel. 408. 430
Juno Martialis, mit beyden Haͤnden
eine große Zange haltend, und deren
Bedeutung. 89. 90
Jupiter, zu Corinth, eine Saͤule, 6.
zu Tegea, ibid. apomyos, ſ. muſca-
rius,
86. mit Fluͤgeln vorgeſtellet,
87. iſt auf Muͤnzen majeſtaͤtiſch vor-
geſtellet, 166. und ſich daſelbſt alle-
mal aͤhnlich, 167. auf Muͤnzen der
Stadt Caulonia, 215. auf Muͤnzen
Alexanders, 350. deſſen Tempel zu
Elis wird vom Sylla gepluͤndert. 381
Juſtinianus, Kaiſer, vermeynte Sta-
tuen von ihm, 428. eine andere von
ihm und der Theodora. 428. 429
K.
K[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], enge Ermel an Griechiſchen
Weiberroͤcken. 195
K[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], eine Art von Hauben Grie-
chiſcher Weiber. 208
Kinn, worinnen deſſen Schoͤnheit beſte-
he. 181
K[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], eine Saͤule, bedeutet noch in den
beſten Zeiten der Griechen eine Sta-
tue. 6
Kleidung, weibliche der Alten, 190.
war in den aͤlteſten Zeiten unter allen
Griechen eben dieſelbe, 194. der Roͤ-
miſchen Maͤnner, 303. Zierrathen
derſelben. 306
Knie, wie ſie an jugendlichen Figuren
vorgeſtellet werden. 184
[Spaltenumbruch]
K[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], kurze Ermel des Roͤmiſchen
Unterkleides. 304
K[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], eine Beſetzung des Rocks bey
den Griechen. 196
Kunſt, nimmt ihren Urſprung von der
Nothwendigkeit, 3. vermuthlich mit
der Bildhauerey, 4. aͤhnlicher Ur-
ſprung derſelben bey verſchiedenen Voͤl-
kern, ibid. Alterthum derſelben in
Aegypten, 5. wird ſpaͤter von den
Griechen erfunden, ibid. zeiget ſich
erſt durch Steine und Saͤulen, ibid.
durch anwachſende Bildung einer Fi-
gur durch den Kopf, 6. durch An-
zeige des Geſchlechts und der Beine, 7.
ihre erſte Materie war der Thon, 11.
Holz, 12. Elfenbein, 14. Stein, 15.
Erzt, 16. 17. ihr Anfang und Fort-
gang unter den Aegyptern, 31. Phoͤ-
niciern, 69. Juden, 72. Perſern,
73. Parthern, 77. Hetruriern, 81.
unter den mit den Hetruriern angren-
zenden Voͤlkern, 115. unter den Grie-
chen, 127. unter den Roͤmern, 289.
Geſchichte derſelben, nach den aͤußer-
lichen Umſtaͤnden unter den Griechen,
315. von den aͤlteſten Zeiten bis auf
den Phidias, 316. Verzeichniß der
beruͤhmteſten Kuͤnſtler dieſer Zeit, 316.
der vornehmſten Schulen der Kuͤnſtler,
319. ihre Schickſale von den Zeiten
des Phidias, bis auf Alexander den
Großen, 328. Kuͤnſtler damaliger
Zeit, 331. 335. 341. 342. ihre Schick-
ſale unter Alexander dem Großen, 345.
nach Alexanders Zeiten, und ihre Ab-
nahme, 354. in Griechenland, 357.
faͤngt hingegen an zu bluͤhen unter den
Seleucidern, ibid. und unter den
Ptolemaͤern in Aegypten, 358. Fall
derſelben in Aegypten und Großgrie-
chenland, 360. in Griechenland durch
die
Winckelm. Geſch. der Kunſt. L l l
Zweytes Regiſter
[Spaltenumbruch] die innerlichen Kriege des Achaͤiſchen
Bundes mit den Aetoliern, 361. neuer
Flor derſelben in Griechenland, 365.
in Sicilien, 366. Ende derſelben un-
ter den Seleucidern, 374. Flor der-
ſelben unter den Koͤnigen von Bithy-
nien und Pergamus, 376. Ende der-
ſelben in Aegypten, 377. Wiederher-
ſtellung derſelben in Griechenland, 378.
Nachtheil derſelben durch den Mithri-
datiſchen Krieg und Verſtoͤrung von
Griechenland, 379. ihre Schickſale
unter den Roͤmern und den Roͤmiſchen
Kaiſern. 382
Kuͤnſtler, die aͤlteſten ſetzen ihre Namen
auf ihre Werke, 134. jedoch iſt der
Mangel des Namens nicht allemal ein
Kennzeichen von einem Werke ſpaͤterer
Zeiten, 134. 135. hatten den Namen
goͤttliche, 137. arbeiten wilde Thiere
nach dem Leben. 186
L.
Ladamas, ein beruͤhmter Kuͤnſtler von
Athen. 332
Ladus, ein Kuͤnſtler. 382
[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], ein kurzer krummer Stab
der Comicorum. 271
Lamachus, einer der duͤrftigſten Buͤr-
ger zu Athen, zugleich ein Heerfuͤh-
rer. 134
Lamda, Griechiſches, befindet ſich auf
alten Jnſchriften oft gedoppelt. 241
Laocoon, Schoͤnheit der Vorſtellung
ſeiner Muskeln, 163. iſt eines der
ſchoͤnſten Werke des Alterthums, 170.
Meiſter deſſelben, 347. Beſchreibung
deſſelben, 348. 349. wer dieſe Sta-
tue entdeckt, 349. Hebung einiger
aufgeworfenen Zweifel wider dieſes
Stuͤck. 349. 350
Laphaes, ein Griechiſcher Kuͤnſtler. 318
[Spaltenumbruch]
Learchus, ein Griechiſcher Kuͤnſtler. 317
Leinewand, eine gewoͤhnliche Kleidung
der Griechen, 191. wird zu Panzern
von den Alten gebraucht, 310. 311. de-
ren Zubereitung, 311. darauf wird
zuerſt in Rom unter dem Nero gema-
let, 395. Gelegenheit hierzu. ibid.
Leochares, ein Griechiſcher Kuͤnſtler. 341
Leyern der Alten aus Elfenbein. 14
Limbus, was es bey den Roͤmern ge-
weſen. 196
Livia, Urtheil uͤber deren vorhandene
Statuen. 385
Loͤwen, davon haben ſich ſchoͤne Stuͤcke
aus dem Alterthume erhalten. 186
Lucianus, der einzige gute Griechiſche
Scribent von Hadrians Zeiten. 408
C. Lucretius erobert Chalcis, und laͤßt
von da alle Statuen und Schaͤtze nach
Antium abfuͤhren. 302
Ludio, der erſte Landſchaftsmaler zu
Auguſtus Zeiten. 280
[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], Name des Pariſchen Mar-
mors. 250
Lycophron ſcheint der erſte unter den
Griechen zu ſeyn, ſo mit Anagrammen
geſpiclet, 359. iſt in der ſogenannten
Pleias an Ptolemaͤi Philadelphi Ho-
fe. ibid.
Lyſander erobert Athen, und laͤßt deſſen
Mauern unter waͤhrender Muſik ſchlei-
fen. 340
Lyſippus, ein beruͤhmter Kuͤnſtler, 228.
320. 344. 345. ſcheint der Meiſter ei-
nes Pferdes zu einer Statue des Caͤ-
ſars zu ſeyn. 382
M.
Maͤcenas liebt in der Schreibart das
Gezierte und Spielende, und fuͤhrt
dadurch einen falſchen Geſchmack ein.
388
Malas,
der merkwuͤrdigſten Sachen.
[Spaltenumbruch]
Malas, ein Griechiſcher Kuͤnſtler. 317
Maler, die zugleich Bildhauer gewe-
ſen. 140
Malerey, gelanget bey den Griechen eher
zur Vollkommenheit, als die Bau-
kunſt, 137. ſoll zur Zeit des Trojani-
ſchen Krieges noch nicht geweſen ſeyn,
138. Apollodorus und Zeuxis die aͤl-
teſten Meiſter in derſelben, ibid. Eu-
phranor bringt zuerſt die Symmetrie
in dieſelbe, 138. Urſachen von dem
ſpaͤtern Wachsthum derſelben bey den
Griechen, 139. der Alten, auf der
Mauer, 264. 282. uͤbrig gebliebene
Stuͤcke von dieſer Art, 264. muß
bey den Alten gemeiner auf trocknem,
als auf naſſem Grunde geweſen ſeyn,
284. wird auch von edlen Roͤmern
geuͤbt, 297. verfaͤllt unter den Roͤ-
miſchen Kaiſern in einen uͤblen Ge-
ſchmack. 388
Maltha, daſelbſt iſt das weibliche Ge-
ſchlecht von beſonderer Schoͤnheit. 23
Mandåus von Paron, ein Bildhauer.
319
Mantegna, Andr. zeichnet nach alten
Statuen. 29
Mantel, ein Stuͤck weiblicher Kleidung
der Alten, 200. deſſen wahre Ge-
ſtalt, 201. der Cyniker, 202. der
an der Statue der Niobe iſt das ſchoͤn-
ſte Gewand aus dem Alterthume. 205
Mantho, ein junger Griechiſcher Sie-
ger in den Spielen. 323
C. Marcellus, bringt nach Eroberung
von Syracus die erſten Griechiſchen
Werke der Kunſt nach Rom. 298
Marmor, wird anfaͤnglich zu Kopf,
Haͤnden und Fuͤßen an Figuren von
Holz gebraucht, 15. zu Statuen, ibid.
bereits von den aͤlteſten Griechiſchen
Bildhauern, 16. der ſchwarze kommt
[Spaltenumbruch] ſpaͤter, als der weiße, in Gebrauch, 254.
die vorzuͤglichſten Arten des Griechi-
ſchen, 250. Vorzuͤge des Pariſchen,
250. Art der Griechen ſolchen zu ar-
beiten, 252. Vergoldung deſſelben,
261. wird in Rom ſpaͤt zu Arbeiten
der Kunſt gebraucht. 296. 301
Mars, mit einem Donnerkeil vorgeſtel-
let, 88. die drey ſchoͤnſten Figuren
deſſelben in der Villa Ludoviſi. 160
Marſilly, Diel von, entdeckt alte Ge-
maͤlde in der Gegend von Rom. 277
Maſtrilli, Grafen von, zu Neapel, be-
ſitzen eine ſchoͤne Sammlung von He-
truriſchen Gefaͤßen. 119
Medea, wie der beruͤhmte Timomachus
ihren Kindermord vorgeſtellet. 171
Meleager mit hinterwerts geworfenem
Hute vorgeſtellet. 307
Memnon, der einzige Aegyptiſche Bild-
hauer, deſſen Name ſich erhalten. 37
Memmius Regulus, ein Roͤmiſcher
Baumeiſter, widerraͤth dem Nero den
Olympiſchen Jupiter des Phidias aus
Griechenland nach Rom bringen zu
laſſen. 391
Menaͤchmus, ein Griechiſcher Kuͤnſtler.
318. 332
Menalippus, ein Griechiſcher Baumei-
ſter. 374
Mengs, Ant. Raph. ein beruͤhmter
noch lebender Maler, beſitzt eine ſchoͤ-
ne Sammlung Hetruriſcher Gefaͤße,
119. 120. 121. deſſen Regel zur Be-
ſtimmung der Proportion des Geſichts
fuͤr Zeichner, 176. deſſen Lob und
Verdienſte. 184
Menophantus, ein ſonſt unbekannter
Kuͤnſtler. 165
Mercurius mit einem ſpitzigen und vor-
werts gekruͤmmten Bart auf Hetruri-
ſchen Werken, 88. 89. mit einem
Helme
L l l 2
Zweytes Regiſter
[Spaltenumbruch] Helme auf dem Kopfe und einem ſi-
chelfoͤrmigen kurzen Schwerdte, 89.
Bedeutung des letztern, ibid. mit ei-
ner Schildkroͤte anſtatt des Huts. ibid.
Meßgewaͤnder, ihre ehemalige Form,
201. Urſachen der heutigen. 202
Metrodorus, ein beruͤhmter Maler und
Philoſoph. 368
Micciades, ein Griechiſcher Kuͤnſtler. 317
Mico, ein beruͤhmter Maler. 140
Milton, Urtheil von ſeinen Beſchrei-
bungen. 28
Minerva, mit Fluͤgeln auf den Achſeln
und an den Fuͤßen vorgeſtellet. 87
Minos, ſeine Geſtalt auf Muͤnzen. 163
Mithras, deſſen Vorſtellungen, wie ſie
vorhanden, ſcheinen nicht von den Per-
ſern ſelbſt herzukommen. 76
Mitra, was es bey den Griechen gewe-
ſen. 197
Mneſarchus, ein Hetruriſcher Kuͤnſt-
ler, des Pythagoras Vater. 85
Mneſibulus, der letzte Sieger in Olym-
piſchen Spielen zu Elis, dem eine Sta-
tue aufgerichtet worden. 373
Mneſicles, ein Kuͤnſtler und Gehuͤlfe
des Phidias. 331
Modelle von Thon, werden in Formen
abgedruckt, 12. in den Werkſtellen
der Kuͤnſtler aufgehaͤngt, ibid. an
feyerlichen Feſten zum Gedaͤchtniß des
Daͤdalus oͤffentlich ausgeſetzt. ibid.
M[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], Schuhe der
Griechen mit einer einzigen Sohle. 210
Moſchion, ein beruͤhmter Kuͤnſtler von
Athen. 332
Moſchus aus Sidon, ſoll ſchon vor
dem Trojaniſchen Kriege die Atomen
gelehret haben. 70
Mumien, an ſolchen iſt mehrentheils der
Mund verdorben, weil man in dem-
ſelben nach Muͤnzen geſucht. 67. 68
[Spaltenumbruch]
L. Mummius zerſtoͤret Corinth. 371
Mund, worinnen deſſen Schoͤnheit be-
ſtehe. 181
Muͤnzen der alten Aegypter ſind niemals
entdeckt worden, 67. 68. der Par-
ther ſcheinen von Griechiſchen Kuͤnſt-
lern gearbeitet zu ſeyn, 77. der He-
trurier, 101. der Volsker, 117. der
Campanier, 118. auf den aͤlteſten
Griechiſchen geht die Jnſchrift von der
Rechten zur Linken, 214. die von
Sybaris, Caulonia, Poſidonia ſind die
aͤlteſten, 215. ihr Gepraͤge, 216. die
Sicilianiſchen vorzuͤglich ſchoͤn, 216.
Unterſchied ihres Gepraͤges unter den
Griechen nach dem verſchiedenen Alter
der Kunſt, 261. ihre Vergoldung,
ibid. die aͤlteſte uͤbrig gebliebene in
Gold, ſoll die von Cyrene in Africa
ſeyn, 323. die vom Koͤnig Gelo in
Syracus zeugen von der beſten Zeit der
Kunſt unter den Griechen, 327. das
Alter der Athenienſiſchen laͤßt ſich nicht
beſtimmen, 327. die Macedoniſchen
von Koͤnig Pilippo und Alexandern
gehoͤren mit unter die ſchoͤnſten Werke
der Griechiſchen Kunſt, 350. vom
Koͤnig Demetrius und vom Pyrrhus,
355. vom Koͤnig Agathocles in Sici-
lien, 366. der Stadt Segeſta, ibid.
der Seleucider ſind im Gepraͤge ſchlech-
ter, als der Griechiſchen Staͤdte. 376
Muſaiſche Arbeit, das ſchoͤnſte uͤbrige
Stuͤck von dieſer Art. 406. 407
Myron aus Athen, ein beruͤhmter Kuͤnſt-
ler, ſetzt ſeinen Namen auf den Schen-
kel eines Apollo mit eingelegten ſilber-
nen Buchſtaben, 9. macht eine He-
cate von Holz, 13. uͤbertrift ſeine
Vorgaͤnger an Mannigfaltigkeit, 163.
wird inſonderheit durch ſeine Kuh be-
ruͤhmt, 186. 336. man bemerkt eine
Haͤrte
der merkwuͤrdigſten Sachen.
[Spaltenumbruch] Haͤrte in ſeinen Werken, 225. ſei-
ne mehreſten Werke waren in Erzt,
worunter ſein Diſcobulus beruͤhmt
iſt. 336
Myron, ein anderer Kuͤnſtler. 336
N.
Naucydes, ein Griechiſcher Kuͤnſtler.
341
Neapel, vorzuͤgliche Bildung und Ge-
ſichter dieſes Landes, 22. deſſen Ein-
wohner werden noch fuͤr feiner und
ſchlauer gehalten, als die Roͤmer. ibid.
Nemeſis, Art ihrer Verſoͤhnung. 428
Neptunus, ſeine Vorſtellung auf ge-
ſchnittenen Steinen, 183. auf Muͤn-
zen der Stadt Poſidonia. 215
Nero, Roͤmiſcher Kaiſer, fuͤhrt allent-
halben eine ſchoͤne Statue vom Stron-
gylion mit ſich, 382. bezeigt gegen
die ſchoͤnen Kuͤnſte eine ausgelaſſene
Begierde, 390. iſt aber von ſchlech-
tem Geſchmack, ibid. laͤßt eine ſchoͤ-
ne Statue vom Lyſippus vergolden,
ibid. macht gereimte Verſe, ibid.
laͤßt den Zenodorus aus Gallien nach
Rom kommen, um ſeine Coloſſaliſche
Statue zu machen, ibid. wuͤtet wi-
der die Werke der Kunſt in Griechen-
land, 391. unter ihm wird zuerſt auf
Leinewand gemalet, 395. wahre Koͤ-
pfe von ihm ſind ſelten, 395. Verfall
der Kunſt unter ihm. 396
Nicias, ein durch Bildung ſchoͤner Hun-
de beruͤhmter Kuͤnſtler. 186
Niobe und ihre Toͤchter, eine Statue
in der Villa Medicis, eines der ſchoͤn-
ſten Werke aus dem Alterthum, 170.
205. 226. ob ſie vom Scopas oder
dem Praxiteles ſey, 336. mehrere
Vorſtellungen von dieſer Fabel. 337.
338
[Spaltenumbruch]
Numa verbiethet die Gottheit in menſch-
licher Geſtalt zu bilden. 294
O.
Obelisken in Rom, ſind Werke des
Koͤnigs Seſoſtris. 5
Obolus, wurde den Todten bey den Ae-
gyptern in Mund gelegt. 67
Ochſe, der beruͤhmte Farneſiſche, Ur-
theil von ihm. 353
[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], ein weiblicher hoher Aufſatz von
Haaren. 272
Ohrgehaͤnke an alten Statuen. 208
Omega, Griechiſches, deſſen alte Form.
368
Onatas von Aegina, ein Bildhauer.
319. 327. 331
Othryades, ein tapfrer Spartaner. 217
P.
Pallas, mit dem Donnerkeil vorgeſtel-
let, 88. ihr wird unter den weibli-
chen Gottheiten eine beſtaͤndige Jung-
frauſchaft beygelegt, 156. 165. derſel-
ben ſchoͤne Statue in der Villa Albani.
165. 166. 226
Paludamentum, ein leichtes Ueberkleid
der Roͤmer im Felde. 305
Pamphilus, ein Griechiſcher Kuͤnſt-
ler. 320
Pamphilus, ein Sohn des Praxiteles.
344
Pampho, ein Dichter vor dem Home-
rus, ſtellt ſich den Jupiter in Pferde-
miſt eingehuͤllet vor. 86.
Pamphus, einer der aͤlteſten Kuͤnſt-
ler. 98
Pan, mit einem Donnerkeil vorgeſtel-
let. 88
Panzer der Alten. 310. 311
Papias, aus Aphrodiſium, ein Kuͤnſt-
ler. 402
Papirius
L l l 3
Zweytes Regiſter
[Spaltenumbruch]
Papirius erhaͤlt den Zunamen, der Laͤu-
fer. 131
Π[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], Rock der Alten mit kurzen
Ermeln. 196
Parrhaſius, wird in dem Urtheil uͤber
das Gemaͤlde der Waffen des Achilles
dem Timanthes nachgeſetzt, 135. ruͤh-
met ſich, daß ihm Bacchus erſchie-
nen, 167. bringt zuerſt die Gratie
in die Malerey, 232. Ort ſeiner Ge-
burt, 233. iſt ein Gehuͤlfe des Phi-
dias. 331
Parthenius, ein Verfertiger richtiger
Wageſchalen. 136
Parther, ſahen beſonders auf die Schoͤn-
heit der Perſonen, die uͤber andere ge-
ſetzt waren, 74. Nachrichten von der
Kunſt unter ihnen. 77
Paſiteles, ein Griechiſcher Kuͤnſtler.
186. 343. 382
Patrochus, ein Griechiſcher Kuͤnſtler.
341
Pedanterie der Griechen an des Ptole-
maͤus Philadelphus Hofe. 358. 359
Peleus, auf einem alten Hetruriſchen ge-
ſchnittenen Steine. 101
Peperino, ein ſchlechter Jtalieniſcher
Stein, wird zu den erſten Statuen in
Rom gebraucht. 296
Peplon, eigene Benennung des Man-
tels der Pallas, 200. deſſen wahre
Geſtalt. ibid.
Pericles, ein großer Befoͤrderer der
Kunſt in Griechenland. 329. 330
Π[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], eine Beſetzung des Rocks bey
den Griechen. 196
Periſcelides, Baͤnder um die Beine bey
den Griechen. 211
Perſer, Denkmale ihrer Kunſt, 73. 74.
ihre Bildung, 74. Urſachen des ge-
ringen Wachsthums der Kunſt unter
ihnen, 74. ihr Abſcheu nackte Koͤr-
[Spaltenumbruch] per zu ſehen, 73. ihre Kleidung, 75.
ihr Gottesdienſt, 76. lieben haͤufige
Zierrathen in der Baukunſt. 77
Π[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], eine Beſetzung des Rocks bey
den Griechen. 196
Pferde, davon haben ſich ſchoͤne Stuͤcke
aus dem Alterthum erhalten, 186.
Vorzuͤge der Neapolitaniſchen, Eng-
liſchen, Daͤniſchen und Deutſchen, 187.
die edelſten Arten derſelben bey den
Alten, 187. Vortrefflichkeit derer auf
dem Portal der St. Marcuskirche zu
Venedig, 188. zwey anderer zu Por-
tia, ibid. Anmerkung uͤber die Art
und Folge des Aufhebens der Beine
derſelben. 189
Pherecides ſchreibt unter den Griechen
zuerſt in Proſa. 325
Phidias bringt die Kunſt unter den
Griechen zu ihrer Groͤße, 214. 246.
331. erfindet die Kunſt zu Drechſeln,
252. widmet ſeine Kunſt mehrentheils
den Goͤttern und Helden, 332. deſ-
ſen beruͤhmten Olympiſchen Jupiter
will Nero aus Griechenland nach Rom
bringen laſſen, 391. dieſer war noch
zu Conſtantinopel im eilften Seculo
vorhanden. 429
Philopator, Koͤnig von Aegypten, ſchi-
cket der Stadt Rhodus 100. Baumei-
ſter. 377
Philopoͤmenes, ein tapfrer Feldherr
der Griechen. 361. 364
Phoͤnicier, theilen den Griechen die Kunſt
mit, 8. 9. ſtehen mit den Hetruriern
in Buͤndniß, 9. Natur ihres Lan-
des, ihre Bildung, Wiſſenſchaften,
Pracht und Handel, 69. uͤben die
Wiſſenſchaften noch vor den Griechen,
70. Bildung ihrer Gottheiten, 71.
Werke ihrer Kunſt, ibid. ihre Muͤn-
zen von auserleſenem Gepraͤge, 72.
ihre
der merkwuͤrdigſten Sachen.
[Spaltenumbruch] ihre Kleidung, 72. tragen Panzer
von Leinewand. 310
Phradmon, ein beruͤhmter Bildhauer.
257. 258
Phrygillus, ein Kuͤnſtler im Stein-
ſchneiden. 233. 234
Pietro von Cortona, Merkmal von ſei-
nen Werken. 145
Pinus, Corn. ein Roͤmiſcher Maler un-
ter dem Titus. 397
Pithecuſaͤ, Name einer Colonie von
Griechen in Africa. 246
Plato thut ſich in den Jſthmiſchen und
Pythiſchen Spielen hervor, 131. giebt
ein Geſetz die Statuen aus einem Stuͤ-
cke zu arbeiten. 251
Plautius, Nov. ein Roͤmiſcher Kuͤnſt-
ler. 292
Pleias, oder Siebengeſtirn der Dichter
an Ptolemaͤi Philadelphi Hofe. 359
Plotina, Gemahlinn des Trajanus, ei-
ne ſehr ſeltne goldne Muͤnze von ihr.
403
Polemon ſchreibt eine Abhandlung von
den Gemaͤlden zu Sicyon. 320
Polemon, Periegetes, ſchreibt ein
Werk von den Statuen des Tempels
der Pallas. 333
Polignac, Cardinal, Urtheil von eini-
gen Statuen ſeines Muſei. 383. 384
Polycles, ein beruͤhmter Griechiſcher
Kuͤnſtler. 332. 368
Polycletus, ein beruͤhmter Kuͤnſtler,
320. deſſen groͤßtes und beruͤhmte-
ſtes Werk, 335. deſſen Statue mit
dem Beynamen Doryphorus, iſt allen
folgenden Kuͤnſtlern eine Regel der Pro-
portion. 335
Polygnotus malet das Poͤcile zu Athen
ohne Entgelt. 135. 136
Pompeius hat Tempel in allen Provin-
zen. 379
[Spaltenumbruch]
Porphyr, deſſen ſind zwo Arten, 65.
Gebirge von dieſem Stein zwiſchen
dem rothen Meere und Berge Sinai,
66. Statuen davon zu Rom, ibid.
ob Hetruriſche Urnen von dieſem Stein
vorhanden, 103. von den Griechen
zu Statuen gebraucht, 256. Vorzug
der Alten vor den Neuern in Bearbei-
tung deſſelben, 256. uͤbrige Werke
von dieſem Stein, 256. neuere. 257
Poſidonia, Muͤnzen dieſer Stadt. 215
Poſidonius, ein beruͤhmter Kuͤnſtler.
382
Praͤtores, durften ihrem Namen zu Eh-
ren ſelbſt Tempel in ihren Statthalter-
ſchaften aufrichten. 378
Praxiteles, giebt der Kunſt unter den
Griechen mehr Gratie und Gefaͤllig-
keit, 214. deſſen Werke, 342. 343.
ſeine Soͤhne ſind ebenfalls Kuͤnſtler.
344
Prieſter, der Hetrurier, fallen die Roͤ-
mer mit brennenden Fackeln und
Schlangen an. 83
Priſcus, Accius, ein Roͤmiſcher Ma-
ler unter dem Titus. 397
Proconſules, durften ihrem Namen zu
Ehren ſelbſt Tempel in ihren Statt-
halterſchaften aufrichten. 378
Profil, Griechiſches, in Bildung des Ge-
ſichts, 177. Schoͤnheit deſſelben. 178
Proportion, worinnen ſie beſtehe, 172.
ihre Regeln ſind von den Bildhauern
zuerſt beſtimmt, 174. Beſtimmung
derſelben in Anſehung des Geſichts.
176
Proſerpina, auf Muͤnzen des Farneſi-
ſchen Muſei. 166
Prolemaͤer, ziehen durch Freygebigkeit
die Kunſt von den Griechen nach Ae-
gypten, 358. Ende derſelben unter
ihnen. 377
Ptole-
Zweytes Regiſter
[Spaltenumbruch]
Ptolemaͤus Evergetes, ſoll nach dem
Siege uͤber den Antiochus 2500. Sta-
tuen nach Aegypten gebracht haben.
377
Ptolemaͤus Philadelphus, macht Ale-
xandrien zum Sitz der Kuͤnſte, 358.
ſein praͤchtiger Aufzug daſelbſt, ibid.
unterhaͤlt Griechiſche Dichter an ſei-
nem Hofe. 359
Ptolemaͤus Phyſcon, vertreibt die
Kunſt aus Aegypten wieder nach Grie-
chenland, 377. ſoll 74. Buͤcher Com-
mentariorum hinterlaſſen haben. 378
Pupienus, Roͤmiſcher Kaiſer, deſſen
Statue beſchrieben. 420. 421
Purpur der Alten von zwiefacher Art,
193. der Tyriſche der koſtbarſte, ibid.
war eine Tracht der Kaiſer. ibid.
Putealia ſigillata, was es beym Cicero
heiße. 97
Puzzolano, eine Art von Erde, ſo zur
Bekleidung der Mauern gebrauchet
wird. 282
Pyrgoteles, ein Griechiſcher Kuͤnſtler,
351. Urtheil von vermeynten geſchnit-
tenen Steinen von ihm. 351
Pyrrhus, Koͤnig, Muͤnzen von ihm. 355
Pythagoras, ein Griechiſcher Kuͤnſtler.
358
Pythodorus, von Theben, ein Kuͤnſt-
ler. 318
Q.
L. Quinctius bringt aus Griechenland
eine große Menge Statuen nach
Rom, 299. ſeine Statue wird in
Rom mit einer Griechiſchen Jnſchrift
aufgeſetzt. 300
R.
Raphael, von Urbino, deſſen richtige
und ſtrenge Zeichnung ſcheint vielen
[Spaltenumbruch] hart und ſteif, 225. iſt ein Wieder-
herſteller der Kunſt der Alten. 248
Rho, Griechiſches, deſſen Form auf al-
ten Muͤnzen. 215
Rhoͤcus und Theodorus, aus Samos,
die erſten Kuͤnſtler in Erzt. 16
Ricinium, Art eines Mantels bey den
Roͤmern. 203
Roͤcke des Griechiſchen und Roͤmiſchen
Frauenzimmers. 195. 196
Roͤmer, ſollen von den Griechen her-
kommen, 5. beſonderer Grund zu
dieſem Urtheil, ibid. die heutigen,
genießen eine ausgelaſſene Freyheit, 28.
haben noch itzo ſtreitbare und uner-
ſchrockene Krieger, ibid. Unterſu-
chung des Stils ihrer Kunſt, 289.
ahmen den Hetruriſchen und Griechi-
ſchen Kuͤnſtlern nach, 293. legen ſich
unter den Koͤnigen wenig auf Zeich-
nung und Bildhauerey, 294. leiden
aufaͤnglich keine Statuen und Bilder
der Goͤtter in ihren Tempeln, ibid.
brauchen zu oͤffentlichen Werken He-
truriſche Kuͤnſtler, ibid. fangen im
zweyten Puniſchen Kriege an Malerey
und Kunſt zu uͤben, 297. 298. wer-
den durch den Sieg des L. Scipio uͤber
Antiochum Herren von Aſien, 300.
nehmen die Gottheiten der Griechen
an, ibid. beſtellen ihre Statuen in
Griechenland, oder laſſen ſie von Grie-
chiſchen Meiſtern machen, ibid. er-
obern Macedonien, und zugleich eine
große Menge Statuen und Gemaͤlde,
301. Anmerkungen uͤber ihre Maͤn-
nerkleidung, 303. werden von den
Aetoliern wider die Achaͤer zu Huͤlfe
gerufen, 364. treten zu den Achaͤern,
ibid. ſchlagen den Koͤnig Philipp von
Macedonien, ibid. erklaͤren die Grie-
chen fuͤr freye Leute, ibid. bringen
nach
der merkwuͤrdigſten Sachen.
[Spaltenumbruch] nach Eroberung von Corinth die vor-
nehmſten Kunſtwerke nach Rom, 371.
372. werden ſelbſt Befoͤrderer der
Kunſt der Griechen, 378. Schick-
ſale der Kunſt unter ihren Kaiſern.
382
Rom wird unter den Kaiſern ein allge-
meiner Sitz der Kuͤnſte. 384
Romulus laͤßt ſeine Statue von Erzt
aufſetzen. 17
Rubens zeichnet ſeine Figuren nach der
Bildung ſeiner Landesleute. 20
S.
Sabinus, Jul. verſchanzt ſich im Ca-
pitolio mit alten Statuen. 396
Saͤule, dieſes Wort bedeutet, noch in
den beſten Zeiten der Griechen, eine
Statue. 6
Saͤulen, waren die erſten Bilder der
Gottheiten, 6. von Porphyr, 65.
die von Perſepolis. 77
Samniter, Nachrichten von ihrer Kunſt,
116. ihre Verfaſſung und Lebensart.
ibid.
Sardinien, Nachrichten von beſondern
Figuren aus dieſer Jnſel. 124
Sardinier, ihre Beinruͤſtungen. 311.
312
Satyrius, ein beruͤhmter Steinſchnei-
der zu Alexandrien. 360
Sauroctonos, Beyname einer Statue
des Apollo vom Praxiteles. 343
Scarabei, geſchnittene Steine, deren
erhabene Seite einen Kaͤfer, die fla-
che aber eine Aegyptiſche Gottheit vor-
ſtellet, ſind alle von ſpaͤtern Zeiten,
59. ſind die mehreſten Hetruriſchen
geſchnittenen Steine. 99
M. Scaurus, nimmt der Stadt Si-
cyon alle ihre Gemaͤlde aus Tempeln
und oͤffentlichen Gebaͤuden. 372
[Spaltenumbruch]
Schoͤnheit, allgemeine Begriffe von
derſelben, 141. ihre Bildung in
Werken der Kunſt, 151. iſt indivi-
dual oder idealiſch, 151. 154. der
Gottheiten im jugendlichen und maͤnn-
lichen Alter vorgeſtellet, 158. 162. ihr
Begriff in Figuren der Helden, 163.
in weiblichen Gottheiten, 164. all-
gemeine Betrachtungen uͤber die idea-
liſche, 166. Ausdruck derſelben in
Gebaͤhrten und Handlungen, 167.
einzelner Theile des Koͤrpers, 177.
des Griechiſchen Profils des Geſichts,
178. der Augenbranen und Augen,
178. 179. der Stirn, 180. des
Mundes und Kinnes, 181. der Haͤn-
de und Fuͤße, 181. anderer aͤußerli-
cher Theile, 182. der Bruſt und des
Unterleibes. 183
Schrift, auf Figuren. 9. 290. 291
Schuhe der Alten. 309
Schwalbenſchwaͤnze, eine Art von
Heften, die Theile gegoßner Statuen
von Erzt zu verbinden. 258
Scipio Africanus, traͤgt anfaͤnglich
lange Haare, 297. deſſen Koͤpfe
aber in maͤnnlichen Jahren ſind kahl
und geſchoren, ibid. baut einen Bo-
gen und beſetzt ihn mit Statuen, 299.
laͤßt in den Tempel des Hercules deſ-
ſen Statue ſetzen. 302
L. Scipio, deſſen Sieg uͤber Koͤnig
Antiochum macht die Roͤmer zu Her-
ren von Aſien, 300. und erhebt die
Pracht in Rom, ibid. Schaͤtze, ſo
er in ſeinem Triumphe aufgefuͤhret.
ibid.
Scopas, ein beruͤhmter Bildhauer,
220. 336. ihm wird von einigen
die beruͤhmte Niobe in Rom zuge-
ſchrieben, 336. Urtheil hieruͤber.
ibid.
Scyllis,
Winckelm. Geſch. der Kunſt. M m m
Zweytes Regiſter
[Spaltenumbruch]
Scyllis, ein Griechiſcher Kuͤnſtler. 317.
hat vielleicht die Schule der Kunſt zu
Sicyon ſtiften helfen. 319
Segeſta, ſiehe Egeſta.
Seide, eine Kleidung der Alten, 192.
wird in Rom erſt unter den Kai-
ſern bekannt, ibid. Tiberius ver-
biethet ſolche den Maͤnnern zu tra-
gen. ibid.
Seleucider, rufen die Kunſt aus Grie-
chenland nach Aſien, 357. Ende der-
ſelben unter ihnen. 374
Seſoſtris, iſt Urheber der Obelisken,
die ſich in Rom befinden. 5
Severus, Septim. Roͤmiſcher Kaiſer,
Fall der Kunſt unter ihm. 418
Sicilien, deſſen Dichter ſind voll von
neuen und ſeltnen Bildern, 29. deſ-
ſen Muͤnzen vorzuͤglich ſchoͤn, 216.
Flor der Kunſt daſelbſt. 366
Sicyon, eine beruͤhmte Schule der
Kunſt in Griechenland, 319. 320.
errichtet dem Koͤnig Attalus eine Sta-
tue. 376
Sigma, Griechiſches, deſſen Form auf
Muͤnzen. 215
Simon, von Aegina, ein Bildhauer.
319
Simonides, Erfinder des Buchſtaben
[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt]. 219. der erſte Dichter in Ele-
gien. 326
Sinus, Benennung der Zuſammenfal-
tung der Toga oder des Mantels uͤber
die linke Schulter geworfen. 305
Siſtrum, befindet ſich auf keiner alten
Aegyptiſchen Figur, außer auf dem
Rande der Jſiſchen Tafel. 45. 46
Skelmis, ſiehe Smilis.
Σ[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], was ſie beym Strabo heiſ-
ſen. 9
Smilis, einer der aͤlteſten Kuͤnſtler un-
ter den Griechen, 316. iſt vermuth-
[Spaltenumbruch] lich einerley mit Skelmis beym Cal-
limachus. ibid.
Sohlen, an alten Statuen, 209. von
Kork und Stricken. 210
Soidas, ein Griechiſcher Kuͤnſtler. 318.
332
Solon, ein beruͤhmter Steinſchneider.
386
Somis, ein Griechiſcher Kuͤnſtler. 318
Sophiſten, kommen unter den Antoni-
nern in die Hoͤhe. 411
Sophocles, Urtheil von deſſen Oedi-
pus, 328. 333. haͤlt einen Wettſtreit
mit dem Euripides uͤber die Tragoͤdie
Medea. 334
Soſus, ein beruͤhmter Kuͤnſtler in Mu-
ſaiſcher Arbeit. 406
Sparta, daſelbſt uͤben ſich junge Maͤd-
gen entbloͤßt im Ringen, 152. wird
von Einwohnern entbloͤßt. 381
Spartaner, duͤrfen keinen Knebelbart
tragen. 307
Shinx, von Baſalt in der Villa Borg-
heſe, 41. von Granit unter den Koͤ-
niglichen Alterthuͤmern zu Dreßden.
ibid.
Sphinxe, der Aegypter, ſind vorne
weiblich und hinten maͤnnlich, 46. die
am Obelisko der Sonne in Rom ha-
ben Menſchenhaͤnde. 47
Sprache, Einfluß des Himmels in die
Werkzeuge derſelben, 19. der mitter-
naͤchtlichen Voͤlker hat mehr einſylbige
Woͤrter und Conſonanten, als ande-
re, 20. Griechiſche, koͤmmt in den
Griechiſchen Staͤdten in Jtalien aus
dem Gebrauche, 382. Roͤmiſche, wird
den Einwohnern zu Cuma in oͤffent-
lichen Geſchaͤften zu brauchen er-
laubt. 382
C. Stallius, ein Roͤmiſcher Baumei-
ſter. 374
Staphis,
der merkwuͤrdigſten Sachen.
[Spaltenumbruch]
Staphis, eine bisher unbekannte alte
Stadt in Aſien. 401
Statuen, werden eher aus Holz als
aus Stein gemacht, 12. dergleichen
waren noch zu Pauſanias Zeiten in
Griechenland, 13. wurden noch vor
dem Daͤdalus Daͤdala genennet, ibid.
von Elfenbein, 14. deren aber keine
uͤbrig geblieben, 15. von Stein, ibid.
von Marmor, ibid. mit Zeuge be-
kleidet und uͤbermalet, ibid. von
Erzt, 17. von Gold, 18. die Ae-
gyptiſchen von ſchwarzen Steinen ſind
am meiſten zertruͤmmert, 79. Urſa-
chen hiervon, ibid. der Hetrurier,
92. werden den Siegern in Grie-
chenland nach der Zahl ihrer Siege
geſetzt, 132. werden bisweilen bey
den Griechen auf Koſten eines ganzen
Volks verfertiget, 137. machen man-
che Staͤdte beruͤhmt, ibid. woran
zu erkennen, wenn ſie verſtuͤmmelt, ob
ſie Goͤtter oder Menſchen vorſtellen,
162. der Roͤmiſchen Kaiſerinnen ha-
ben eine beſondere Wuͤrde und An-
ſtaͤndigkeit, 171. wurden mehren-
theils aus einem Stuͤck gearbeitet, 251.
Plato verordnet dieſes in einem Ge-
ſetze, ibid. Exempel von zuſammen-
geſetzten, 252. wurden geglaͤttet, 254.
von Porphyr, haben Kopf, Haͤnde
und Fuͤße von Marmor, 257. von
Erzt, aus verſchiedenen Stuͤcken zu-
ſammen geſetzt, 258. die beſten in
Erzt, 259. werden vergoldet, 260.
Urſachen der Dauerhaftigkeit ihrer
Vergoldung, ibid. der Goͤtter zu
machen, verbiethet Numa, 294. wer-
den anfaͤnglich nicht in Roͤmiſchen
Tempeln gelitten, ibid. werden Be-
lohnungen der Verdienſte bey den Roͤ-
mern, 295. derſelben Maaß wird
[Spaltenumbruch] auf drey Fuß geſetzt, ibid. die erſten
zu Pferde, 296. werden von den
Strafgeldern zu Rom angeſchaffet,
298. in oͤffentlichen Proceſſionen her-
umgetragen, 299. werden nach Er-
oberung von Macedonien in großer
Menge nach Rom geſchaffet, 301.
die erſte vergoldete in Jtalien, 302.
von mehr als einem Kuͤnſtler ausgear-
beitet, 332. damit wird Rom unter
dem Auguſt ausgezieret, 385. wer-
den Belohnungen der Spions unter
dem Tiberius, 389. unter dem Ca-
ligula niedergeriſſen und zerſchlagen,
389. unter den Antoninern Perſonen
ohne Verdienſte geſetzt, 416. in Con-
ſtantinopel zerſchlagen, 425. in Rom
zur Vertheidigung wider die Feinde
gebraucht, 427. ihr letztes Schickſal
in Rom und Conſtantinopel. 429
Steine, die erſten Bilder der Griechi-
ſchen und anderer Voͤlker Gottheiten,
5. geſchnittene mit Figuren oder Koͤ-
pfen des Serapis und Anubis, ſind
alle von der Roͤmer Zeit, 59. ge-
ſchnittene der Hetrurier, 99. Be-
ſchreibung eines der alleraͤlteſten. 99.
100
L. Stertinius, laͤßt von der in Spa-
nien gemachten Beuthe Statuen in
Rom ſetzen. 298
Steſichorus, ſoll den Hercules zuerſt
mit der Keule und dem Bogen vor-
geſtellet haben, 221. wenn er gele-
bet. 222
Σ[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], eine Art der Schnuͤrbruſt
Griechiſcher Maͤdchen. 194
Stil der Kunſt der Aeginetiſchen Schu-
le, 10. der Aegypter, 38. der He-
trurier, 102. der Griechen, 213. der
Aegyptiſche in der Griechiſchen Kunſt,
ſcheint von den aus Aegypten gefluͤch-
teten
M m m 2
Zweytes Regiſter
[Spaltenumbruch] teten Kuͤnſtlern hergekommen zu ſeyn,
379. unter den Roͤmern. 382
Stirne, worinnen die Schoͤnheit derſel-
ben beſtehe. 180
Stomius, ein Griechiſcher Kuͤnſtler.
318
Σ[fremdsprachliches Material – Zeichen fehlt], eine Art Armbaͤnder bey den
Griechen. 211
Strigilis, ein Schabezeug, wenn es
bey Figuren vorkoͤmmt, ſcheint anzu-
zeigen, daß ſolche in Baͤdern auf-
zuſtellen gemacht worden. 221
Strongylion, ein beruͤhmter Griechi-
ſcher Bildhauer. 382
Strophium, was es bey den Griechen
geweſen. 197
Strumpf, Urſprung dieſes Worts. 309
Surenas, Parthiſcher Feldherr, ſchmin-
ket ſich. 74
Sybaris, Muͤnzen dieſer Stadt. 215
Sylla, erobert und zerſtoͤret Athen, 380
verlegt die Olympiſchen Spiele nach
Rom, 381. pluͤndert die drey be-
ruͤhmteſten und reichſten Tempel der
Griechen. 381
Syracus, hat beſtaͤndig vorzuͤgliche
Kuͤnſtler gehabt, 379. eine der ſchoͤn-
ſten Griechiſchen Staͤdte, 381. wird
vom Marcellus erobert. 381
T.
Tarquinius Priſcus, laͤßt Hetruriſche
Kuͤnſtler von Vejaͤ kommen, die Sta-
tue des Olympiſchen Jupiters zu ma-
chen. 294
Tau, Griechiſches, hatte bey den Grie-
chen in Aegypten die Form eines Kreu-
zes. 35
Tauriſcus, aus Rhodus, ein Kuͤnſt-
ler. 317
Tectaͤus, ein Griechiſcher Kuͤnſtler.
317
[Spaltenumbruch]
Tempel, in Griechenland, waren zum
Theil Gallerien der Gemaͤlde. 397
Terentius, deſſen alte Handſchrift in der
Vaticaniſchen Bibliothek. 423
Theagenes, von Thaſus, erlanget tau-
ſend dreyhundert Siege in den Spie-
len in Griechenland. 327
Theben, beruͤhmte Stadt, hat einen
Tempel, worinnen keine menſchlichen
Figuren, ſondern bloß Thiere geſetzt
geweſen, 45. wird wuͤſte und oͤde.
380. 381
Theocritus, ſchreibt ſeine Hirtenlieder
zu Alexandrien. 358
Theodorus, von Samos, einer der er-
ſten Kuͤnſtler in Erzt, 16. ſchneidet
den beruͤhmten Stein des Polycrates,
ibid. Meiſter einer großen Vaſe von
Silber, die Croͤſus in den Tempel zu
Delphos geſchenkt. 17
Theſſalier, gute Krieger in kleinen Hau-
fen, aber nicht in einer foͤrmlichen
Schlachtordnung. 27
Thiere, werden von den Aegyptern ſchoͤ-
ner gemacht, als menſchliche Figu-
ren, 40. Urſachen hiervon, 41. ih-
re Zeichnung und Figuren von Grie-
chiſchen Meiſtern. 186
Thon, die erſte Materie, worinnen die
Kuͤnſtler gearbeitet, 11. Exempel un-
terſchiedner Gottheiten von dieſer Ma-
terie. ibid.
Thylacus, ein Griechiſcher Kuͤnſtler.
331
Tibenum, ein leichtes Unterkleid der
Roͤmer im Felde. 305
Tiberius, Roͤmiſcher Kaiſer, ein ſchlech-
ter Befoͤrderer der Kuͤnſte, 388. 389.
bezahlt ein unzuͤchtiges Gemaͤlde von
Parrhaſius mit einer betraͤchtlichen
Summe, 389. belohnet die Spions
mit Statuen. 389
Timar-
der merkwuͤrdigſten Sachen.
[Spaltenumbruch]
Timarchides, ein Griechiſcher Kuͤnſt-
ler. 331
Timocles, ein Griechiſcher Kuͤnſtler. 331
Timomachus, ein beruͤhmter Maler,
171. 382. Caͤſar bezahlt ein Stuͤck
von ihm mit achtzig Talenten. 382
Timotheus, ein Griechiſcher Kuͤnſtler.
341
Titius, ein Roͤmiſcher Kuͤnſtler. 291
Titus, Roͤmiſcher Kaiſer, ein Freund
und Befoͤrderer der Kuͤnſte. 397
Toffſtein, wird am erſten zu Statuen
gebraucht, 15. und zu den aͤlteſten
Griechiſchen Gebaͤuden, ibid. da-
von war der Tempel des Jupiters zu
Elis. ibid.
Toga, die einzige Kleidung der aͤlteſten
Roͤmer, 303. Beſchreibung derſel-
ben, 304. Unterſchied derſelben vom
Mantel, 304. wird von den Roͤ-
mern nicht im Felde getragen. 305
Torevtice, Kunſt des Drechſelns, vom
Phidias erfunden. 252
Trajanus, Roͤmiſcher Kaiſer, ein groſ-
ſer Befoͤrderer der Kuͤnſte, 400. deſ-
ſen Saͤule in Rom, 402. Bogen
zu Ancona, 403. Bruͤcke uͤber die
Donau. 403. 404
Travertin, eine Art von Stein zu Sta-
tuen gebraucht. 15
Tuch, eine gewoͤhnliche Kleidung der
Alten, 193. woran ſolches an alten
Figuren zu erkennen. ibid.
Tyrann, ein Ehrenwort in Griechen-
land. 322
Tyrannen, bringen in Griechenland
nicht mit Gewalt, ſondern durch Be-
redtſamkeit die Herrſchaft an ſich. 322
V.
Venus, aus Paphos, eine Saͤule, 6.
mit Fluͤgeln vorgeſtellet 87. mit ei-
[Spaltenumbruch] ner Taube in der Hand, 90. ihre
Vorſtellung in Figuren uͤberhaupt, 166.
unterſcheidet ſich in alten Figuren
durch einen beſondern Guͤrtel. 198
Venus Medicea, Beſchreibung und
Beurtheilung derſelben, 164. 175. 182.
183. an ihr waren die Haare ver-
goldet. 207
Vergoldung, der Statuen von Erzt,
260. Art derſelben bey den Alten
und Neuern, ibid. auf Marmor,
261. 262. der Muͤnzen. 261
Verres, ſucht aller Orten die ſchoͤnſten
Werke auf, 379. laͤßt zu Syracus
Vaſen arbeiten, ibid. laͤßt bloß in
Golde arbeiten, ibid. legt im alten
Pallaſte der Roͤmiſchen Koͤnige eine
Werkſtatt an. ibid.
Verus, Luc. laͤßt das Bildniß ſeines
Pferdes von Gold im Circo ſetzen.
416
Veſpaſianus, Roͤmiſcher Kaiſer, deſ-
ſen Regierung iſt fuͤr die Kuͤnſte vor-
theilhaft, 396. 397. machet zuerſt
den Lehrern der Roͤmiſchen und Grie-
chiſchen Beredtſamkeit einen Gehalt
aus, 397. laͤßt die Gemaͤlde der be-
ruͤhmteſten Kuͤnſtler im Tempel des
Friedens aufhaͤngen. ibid.
Unterkleid, wird von einigen Voͤlkern
als eine weibliche Tracht angeſehen,
303. war bey den aͤlteſten Roͤmern
nicht gewoͤhnlich, ibid. wird aber
nachher allgemein, ibid. Beſchrei-
bung deſſelben. 304
Volſinium, ſiehe Bolſena.
Volsker, Nachrichten von ihrer Kunſt.
117
Urne, mit einer unzuͤchtigen Spintri-
ſchen Vorſtellung. 85
Urnen, der Hetrurier, ſtellen insge-
mein blutige Gefechte vor, 84. der
Roͤmer,
M m m 3
Zweytes Regiſter der merkwuͤrdigſten Sachen.
[Spaltenumbruch] Roͤmer, haben mehr angenehme Bil-
der, ibid. Urſachen hiervon, ibid.
vorgegebene der Hetrurier von Por-
phyr, 104. wahre, von Alabaſter,
113. ſind mehrentheils aus der letzten
Zeit der Kunſt, 244. wurden auf
den Kauf gemacht. ibid.
Vulcanus, mit einem Donnerkeil vor-
geſtellet, 88. wird in den aͤlteſten
Zeiten ohne Bart vorgeſtellet. 97
W.
Wachs, damit werden die Gemaͤlde der
Alten uͤberzogen, um ſie beſſer zu er-
halten. 286. 287
Wahrſagerey, wird in den Abendlaͤn-
dern zuerſt in Hetrurien erdacht. 83
Wolfszaͤhne, calciniren ſich nicht in
der Erde. 15
[Spaltenumbruch]
Wolle, waͤchſt an gewiſſen Muſcheln.
191
X.
Xenocritus, ein Griechiſcher Kuͤnſtler.
331
Z.
Zeno, aus Aphrodiſium, ein Bild-
hauer. 400
Zeno, aus Staphis, ein Kuͤnſtler. 400.
401
Zenodorus, ein Kuͤnſtler aus Gallien,
wird vom Nero nach Rom berufen,
ſeine Coloſſaliſche Statue zu machen.
390. 396
Zethus, mit einem Hute vorgeſtellet. 88
Zopyrus, ein beruͤhmter Kuͤnſtler. 382
Zwillinge, im Thierkreiſe, woher die-
ſes Zeichen entſtanden. 6
[Abbildung]

Leipzig,
Aus der Breitkopfiſchen Buchdruckerey.